Goethe, Farbenkreis zur Symbolisierung des menschlichen Geistes- und Seelenlebens, 1809.jpg Als Farbenlehre bezeichnet man ästhetische oder naturwissenschaftliche Theorien über die Funktion und Wirkung von Farben.
Sie ist die Lehre der Erscheinungsweise, die streng zu trennen ist von der Lehre der Farbmittel (Pigmente, Farbstoffe).
Es gibt zahlreiche heterogene Farbenlehren, angefangen von Athanasius Kircher über Isaac Newton, Johann Wolfgang von Goethe, Philipp Otto Runge, Wilhelm Ostwald, Johannes Itten, Harald Küppers, Hermann von Helmholtz, Ewald Hering u.a.
Zur Farbenlehre von Johann Wolfgang von Goethe: Goethe entdeckte das Phänomen der subjektiven Farben und die Grundprinzipien des Farbensehens, beispielsweise den Nachbildeffekt und den Simultankontrast. Insbesondere untersuchte er das Phänomen der Farbigen Schatten. Diese Phänomene sind Teil einer Farbtheorie, die die Farbentstehung aus einem lebendigen Ineinanderwirken von Hell und Dunkel versteht. Er sah im Grundphänomen der Newtonschen Optik, das vom Farbspektrum eines gebrochenen Lichtstrahls ausgeht, eine Verirrung. Das ursprüngliche Phänomen besteht nach Goethe darin, dass durch die Übereinanderverschiebung von Hell und Dunkel durch das Prisma, ein gelber und ein blauer Rand entsteht. Diese vermischen sich zu Grün oder Rot (und bilden so die Farben des Regenbogens - rot, gelb, grün, blau, viollett), wenn man einen dünnen Lichtstrahl nimmt, bei dem sich die gegenüberliegenden Grenzen des Lichtstrahles zum dunklen Hintergrund sehr nahe sind. (In einem Prisma entsteht nur in eine Richtung einen Bruch, wobei oben und unten entweder der Weiss- oder Dunkelanteil überwiegt, was die unterschiedlichen Grundphänomene erklärt. Gelb bedeutet einen grösseren Weissanteil, Blau überwiegendes Dunkel.) Neben der physikalischen Farbzerlegung bzw. Farbsynthese beschäftigte er sich auch mit der "sinnlich-sittliche Wirkung" der Farbe, die auch auf dieser Ebene mit der Vorstellung des Kampfes zwischen Hell und Dunkel harmoniert. Gelb, also der "Sieg" des Hellen, hat eine leichtlebige Wirkung, blau eine dumpfe. Purpur ist die höchste Steigerung, da sich dort die beiden Kontrahenten die Waage halten.
Eine Zwischenstellung nehmen Eugène Chevreul, der sich mit dem intensitätssteigernden Simultankontrast der Pigmente in ihrer industriellen und künstlerischen Bedeutung befasste, und Gertrud Grunow ein, die sich mit den entsprechenden motorischen Wirkungen der Farbe befasste.
Die physikalischen Ansätze haben ihren Ausgangspunkt in James Clerk Maxwells Entdeckung, dass sich jede Farbe aus den Primär- oder Grundfarben Rot, Gelb und Blau zusammensetzt (1861). Johannes Itten (1888-1969) differenzierte die Farbenlehre weiter aus durch die Komplementärfarben Orange, Grün und Violett sowie deren Mischungen und stellte sie wie Goethe u.a. in einem Farbkreis dar. Weiß und Schwarz als unterschiedliche Mischungsergebnisse der Primärfarben bezeichnete er nicht als Farben.
Die physikalischen Farbenlehren beschäftigen sich mit dem elektromagnetischen Spektrum, den Spektralfarben und der additiven und subtraktiven Farbsynthese.
Vom biologischen Standpunkt aus befasst sich die Sehphysiologie mit den chemischen und physiologischen Aspekten der Farbwahrnehmung sowohl im Auge als auch im Gehirn.
Die Farbmetrik beschäftigt sich mit der Messung von Farben und Farbabständen. Dabei unterscheidet man die niedere von der höhere Farbmetrik: die niedere bezieht sich auf die physikalischen Ursachen und Eigenschaften von Farbe, während sich die höhere mit der Wahrnehmung von Farbe befasst. Ein wichtiges Ziel der Farbmetrik ist es, einen geeigneten Farbraum zu finden, in dem sich Farben gleichabständig anordnen lassen. Dies ist für den Wahrnehmungsaspekt schwierig, das das Auge nicht in allen Farbbereichen gleich fein unterscheidet. Ein Versuch, dies abzubilden, sind die MacAdams-Ellipsen gleicher Farbwahrnehmung.
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