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Transfair-produktauswahl.jpg-Siegel]] Als Fairer Handel wird der kontrollierte Handel mit Produkten bezeichnet, deren Bezahlung üblicherweise über dem Weltmarktpreis liegt. Dies soll den Produzenten ein höheres und verlässlicheres Einkommen ermöglichen, als unter normalen Bedingungen möglich wäre.

Prinzip


Fairer Handel ist eine Variante des Handels mit Markenartikeln, wobei der Mehrwert der Marke dadurch dargestellt wird, dass mit der Mehrausgabe wirtschaftlich schwächeren Menschen geholfen werden soll. Anders als z.B. bei Wohlfahrtsmarken soll diese Hilfe jedoch nicht unbeteiligten Dritten, sondern den Produzenten zugute kommen, sodass der Bezug zwischen Leistung und Einkommen gewahrt bleibt.

Praxis


Kaffeepreis zusammensetzung.jpg Fairer Handel ist verbreitet bei Nahrungs- und Genussmitteln, die aus Herkunftsgebieten minderer Prosperität kommen, etwa bei Kaffee aus Lateinamerika und Afrika. Der Faire Handel umfasst aber auch nicht-landwirtschaftliche Produkte, wie z.B. Fußbälle. Verkauft werden die Produkte sowohl in Supermärkten als auch in solchen Märkten, die sich auf Handel mit fair gehandelten Produkten spezialisiert haben.

Zertifizierung


Die Markeninhaber betreiben Zertifizierungsstellen, die die Einhaltung der wirtschaftlichen Aspekte garantieren sollen. Das Zertifikat wird Teil der Marke, z. B. als Fair-Trade-Siegel. Die Zertifizierungsstelle bürgt damit dafür, dass wirtschaftliche und soziale Standards eingehalten werden, z. B. Mindestlöhne oder Verbote von Kinderarbeit. Teilweise sollen auch ökologische Standards gesichert werden.

Akzeptanz


Einer Emnid-Umfrage in Deutschland zufolge kaufen 5,4 Prozent der Befragten regelmäßig fair gehandelte Produkte. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung sympathisiert mit der Idee des Fairen Handels und hält sie für unterstützenswert.

Geschichte des Fairen Handels


Die Anfänge (1959 bis 1980)

Die Geschichte des Fairen Handels beginnt im Jahr 1959 in den Niederlanden: Die Stiftung Steun voor Onderontwikkelde Streken (S.O.S.) wird gegründet. 1967 beginnt S.O.S. in Kerkrade mit dem Handel von Produkten aus der sogenannten Dritten Welt. Im April 1969 eröffnet im niederländischen Ort Breukelen der erste Weltladen.

Ende der 1960er Jahre schließen sich Jugendliche aus dem Landkreis Hildesheim zum Ökumenischen Arbeitskreis Entwicklungshilfe (später El Puente) zusammen. Sie beschäftigen sich mit der Nord-Süd-Problematik, sammeln Hilfsgüter und Spenden und beginnen den Direktimport und Verkauf von Waren aus Lateinamerika.

Anfang der 1970er Jahre werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz Tochterunternehmen von S.O.S. gegründet. 1973 wird in den Niederlanden der weltweit erste fair gehandelte Kaffee verkauft. In der Schweiz machen in den 1970er Jahren insbesondere die "Bananenfrauen" von Frauenfeld und die Organisation Erklärung von Bern auf die Probleme der Weltwirtschaft aufmerksam.

Im Herbst 1970 wird die Aktion Dritte Welt Handel (A3WH), durch die Jugendverbände der evangelischen und katholischen Kirche, Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej) und Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) gegründet. Die A3WH bezieht ihre Waren über die niederländische S.O.S. und informiert über die Probleme der Dritten Welt.

Immer mehr Dritte-Welt-Gruppen bieten Produkte aus Fairem Handel an; die ersten Dritte-Welt-Läden entstehen auch in Deutschland. Im Juni 1972 wird El Puente - Verein für Arbeits- und Sozialförderung in Entwicklungsländern e.V. gegründet, aus dem eine der größten deutschen Importorganisationen werden soll. Im Oktober 1973 bildet sich der Verein Gesellschaft für Handel mit der Dritten Welt mit Sitz in Aachen. Er wird als deutsche Tochterfirma der Stiftung S.O.S. gegründet und ist Vorläufer der gepa. Im April 1975 wird in Frankfurt am Main die Arbeitsgemeinschaft der 3.Welt Läden (AG3WL) von sieben Dritte Welt Läden (Rastatt, Hamm, Berlin-West, Hildesheim, Herne, Stuttgart, Herrenberg) ins Leben gerufen.

Am 14. Mai 1975 findet die Gründung der gepa (heute: gepa Fair Handelshaus) statt. Sie ist gegenwärtig weltweit der größte Importeur fair gehandelter Produkte. Im Jahr 1975 gibt es 10 Weltläden in der Bundesrepublik Deutschland. 1977 wird die GmbH El Puente - Import und Vertrieb von Gebrauchsgegenständen und Kunstgewerbeartikeln zur Förderung von Kleinbetrieben und Genossenschaften in Entwicklungsländern gegründet. '1978 findet in Hamburg die Eröffnungsveranstaltung zur Aktion Jute statt Plastik statt. In diesem Jahr gibt es in Deutschland bereits 100 Weltläden.

Ende der 1970er Jahre werden die Tochterorganisationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz selbständig. 1980 wird die Fairhandelsorganisation in den Niederlanden in S.O.S. Wereldhandel umbenannt.

Die Jahre 1981 bis 1990

1983 gibt es ca. 2.500 Aktionsgruppen im Fairen Handel. Im November 1985 gibt es ca. 350 Weltläden, 70 davon sind in der AG3WL organisiert. 1986 sind in Deutschland ca. 400 Weltläden und etwa 4.000 Aktionsgruppen angesiedelt. Im Jahr 1988 wird der Verein Dritte-Welt Partner Ravensburg e.V. (dwp Ravensburg) gegründet, der heute Deutschlands drittgrößter Importeur fair gehandelter Produkte ist. Im selben Jahr wird in den Niederlanden das Max-Havelaar-Gütesiegel für Fairen Handel eingeführt. Im Juli 1988 wird die Dritte-Welt Partner - Import, Groß- und Einzelhandel von Produkten aus Entwicklungsländern GmbH, Ravensburg, gegründet. Um neue Käuferschichten anzusprechen und vor allem den Handelspartnern mehr Absatzmöglichkeiten für ihre Produkte zu bieten, geht die gepa ab etwa 1989 neue Wege im Vertrieb. Neben den „klassischen“ Vertriebsbereichen der Weltläden und Aktionsgruppen weitet sie den Vertrieb zunehmend auch auf Bio- und Naturkostläden, den Lebensmitteleinzelhandel, Großverbraucher und Versandhandel aus. Die Entwicklung des Siegels Transfair, die die gepa aktiv unterstützt, ist ebenfalls Teil der Strategie zur Handelsausweitung. Die alternativen Importorganisationen El Puente und Dritte-Welt Partner Ravensburg (sowie als assoziiertes Mitglied afrassca) versuchen ab 1989 eine Zusammenarbeit, indem sie Produkte der jeweils anderen auch im eigenen Vertrieb anbieten. Im selben Jahr wird die International Federation for Alternative Trade (IFAT) als Weltverband alternativer Importorganisationen gegründet, der 1998 etwa 100 Fair-Handelorganisationen angehören, darunter in Deutschland Dritte-Welt Partner Ravensburg, El Puente, gepa, TEAM. Im Jahr 1989 startet die Aktion Arme Welt Tübingen als Pilotprojekt für Kaffee im Normalhandel in drei Tübinger Filialen der Gottlieb-Handelsgesellschaft den Verkauf von gepa-AHA-Kaffee In Deutschland existieren 1990 ca. 300 Weltläden und ca. 3.000 Aktionsgruppen. Im Zuge der Öffnung hin zum Lebensmitteleinzelhandel wird ab Mai 1990 in 34 Filialen der Gottlieb-Handelsgesellschaft AHA-Kaffee der gepa verkauft. 1990 wird die European Fair Trade Association (EFTA) als Zusammenschluss von 11 alternativen Importorganisationen gegründet.

Die Jahre 1991 bis 1995

Im Jahr 1991 findet die IFAT-Tagung im irischen Kilkenny statt. Im Februar (24.-26.02.) debattiert man auf der Mitgliederversammlung der AG3WL in Wiesbaden über die gepa-Pläne zur Handelsausweitung in den Lebensmitteleinzelhandel hinein. Man entscheidet sich mehrheitlich für eine konstruktive Mitarbeit an der Handelsausweitung. Im verkaufen alle 119 Gottlieb-Filialen gepa-AHA-Kaffee. Im Juni steigt die Zahl der bundesdeutschen Weltläden auf über 500. Daneben gibt es ca. 5.000 Aktionsgruppen des Fairen Handels. Die AG Kleinbauernkaffee e.V. gegründet durch die folgenden 10 Organisationen: Aktion Arme Welt, Tübingen; AG3WL, Darmstadt; Misereor, Aachen; Frente, Costa Rica; Verbraucherinitiative, Bonn; Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn; Christliche Initiative Romero, Münster; Hochschulring d. Kath. Stud. Jugend; Kirchl. Entwicklungsdienst, Hannover; DGB-Bildungswerk, Düsseldorf. Die gepa ist in der AG beratend tätig. Bei der EFTA wird unter Mitwirkung der gepa ein Gütesiegel für den Fairen Handel vorbereitet. Im September beginnt die gepa den neuen Geschäftsbereich Versandhandel.

Im Jahr 1992 gründen Schweizer Hilfswerke die Max Havelaar-Stiftung, die seither fair gehandelte Produkte zertifiziert. Im Januar 1992 zählt die AG Kleinbauernkaffee bereits 15 Mitgliedsorganisationen. Neu dabei sind: Brot für die Welt, Kath. Landvolksbewegung (KLB), Quäkerhilfe, RegionalsprecherInnenkonferenz d. A3WH, (die seit 1998 Weltladen-Dachverband heißt) und Wirtschaftsstelle Evangelischer Missionsgesellschaften (WEM). Es gibt in der Bundesrepublik Deutschland ca. 650 Weltläden und ca. 6.000 Aktionsgruppen des Fairen Handels. Am 10. Mai 1992 wird die AG Kleinbauernkaffee e.V. in TransFair - Verein zur Förderung des Fairen Handels mit der Dritten Welt e.V. umbenannt. 18 Organisationen sind Mitglieder von TransFair. Neu dabei sind: Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej), Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Vereinigung ehem. EntwicklungshelferInnen (VEHEMENT). Mitte 1992 hat TransFair 22 Mitgliedsorganisationen. Neu beigetreten sind: Deutsche Pfadpfinderschaft Sankt Georg (DPSG), Deutsches Institut für Ärztliche Mission (DIFÄM), Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands Zentralverband e.V. (kfd) sowie der Verein Partnerschaft Rheinland-Pfalz-Ruanda. Am 12. Juni 1992 wird die Organisation TransFair International als Träger des europäischen Fair-Trade-Siegels von der EFTA und TransFair Deutschland in Göttingen gegründet. Am 7. Oktober 1992 wird die gepa erster Lizenznehmer von TransFair. Hierzu läßt die gepa verlauten: „Alle gepa-Kaffees werden auch weiterhin nach unseren eigenen Grundsätzen des Fairen Handels importiert, die über den TransFair-Mindeststandards hinausgehen; der Erwerb des TransFair-Siegels durch die gepa bedeutet keinesfalls eine Verschlechterung für unsere Partner.“ Der erste TransFair-gesiegelte Kaffee wird im Herbst 1992 verkauft. Im November 1992 zerbricht nach fünf Jahren Zusammenarbeit der Solidaritätsring für dezentrale Importstrukturen zwischen El Puente und Dritte-Welt Partner Ravensburg (und afrassca).

Im Jahr 1993 findet die IFAT-Tagung in Manila auf den Philippinen statt. Am 8. Januar wird der erste speziell für den Einzelhandel bestimmte gepa-Kaffee geröstet. Von Januar bis März gewinnt die gepa neue Großkunden: Firma Henkel, Bundestags-Restaurant, Allianz, Landtag Rheinland-Pfalz, Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) sowie die Rathäuser der Städte Menden und Langenfeld. Ebenfalls im März steigt die Zahl der TransFair-Mitgliedsorganisationen auf 26 (neu: Deutsche Welthungerhilfe, Amt für Gemeindedienst der Ev.-Luther. Landeskirche Hannover; EDCS - Westdeutscher Förderkreis e.V. (später umbenannt in Oikokredit), Bundesverband der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB). Bereit im April / Mai 1993 verkaufen rund 20.000 deutsche Geschäfte Kaffee mit dem TransFair-Siegel. Am 12. Mai 1993 werden neue gepa-Kriterien für Handelsbeziehungen eingeführt (s. Okt. 1977). Die gepa verdeutlicht die Unterschiede zwischen gepa-TransFair-Kaffees und anderen TransFair-Kaffees. Im Frühsommer 1993 wird Unicef, Köln 27. Transfair-Mitglied. Im Oktober 1993 findet das Forum Banane I statt. Im November desselben Jahres zählt TransFair 30 Mitgliedsorganisationen. Neue Mitglieder sind: das Kinderhilfswerk terre des hommes, die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB), sowie die Evang. Frauenarbeit in Deutschland e.V. . Im gesamten Jahr 1993 wurden 3.600 t Rohkaffee (0,6 % am gesamten Rohkaffeeimport in Deutschland) zu TransFair-Bedingungen importiert.

Der gepa-Umsatz im Geschäftsjahr 4/1993 bis 3/1994 beträgt 50,1 Mio. DM. Das Netzwerk Europäischer Weltläden NEWS! (= Network of European Workshops) wird beim Europäischen Weltladenkongreß in Utrecht/Niederlande gegründet. Unter dem Slogan Weltläden - ein Stück Welt von morgen startet im Frühjahr 1994 die AG3WL und der rsk eine Profilierungskampagne zugunsten der Weltläden. Im Herbst 1994 meldet TransFair 33 Mitgliedsorganisationen. Neue Mitglieder sind: Der SPD Aktionskreis Nord-Süd, Bonn, das Kolpingwerk Deutschland, Köln sowie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Bonn). Im Dezember 1994 wird der Fair Trade e.V. - Verein zur Förderung von Gerechtigkeit im Welthandel, Wuppertal, gegründet. Ebenfalls im Dezember 1994 kommt der erste TransFair-gesiegelte Tee auf den Markt. Im Jahr 1994 wurden 5.000 Tonnen Rohkaffee zu TransFair-Bedingungen importiert.

1995 findet die IFAT-Tagung in New Windsor, USA, statt. Hierbei wird eine (Neu-) Formulierung des Code of Practice beschlossen. Vom 20.-22. Jan. 1995 wird das Forum Banana II bei Hildesheim durchgeführt. Sie ist die Auftaktveranstaltung der bundesdeutschen Bananenkampagne. Im März 1995 werden die Umsatzzahlen der gepa herausgegeben. Der gepa-Umsatz für das Jahr 4/1994 bis 3/1995 beträgt ca. 55,2 Mio. DM. Im ersten Jahr der Einführung von Schwarztee zu TransFair-Bedingungen werden 400 t Tee importiert. Dies bedeutet einen Marktanteil von 2,5 %. Der El Puente-Jahresumsatz für 1994 / 95 beträgt 4,75 Mio. DM. Im Oktober 1995 geben der BUND und Misereor die vielbeachtete Studie Zukunftsfähiges Deutschland des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie heraus. Ebenfalls im Oktober 1995 meldet die Organisation "Liberación - Werkstatt für Frieden und Entwicklung e.V., Hannover" Konkurs an. Die EFTA gibt im Herbst 1995 ihr erstes Fair Trade Jahrbuch 1995 heraus.

Die Jahre 1996 bis 2000

Anfang 1996 werden Schokolade (Kakao und Zucker) und Kakaoprodukte mit dem TransFair-Siegel werden eingeführt. Im Februar 1996 hat TransFair 36 Mitgliedsorganisationen. Neu hinzu gekommen sind: Komitee Ärzte für die Dritte Welt, Frankfurt am Main, Deutsche Kalkutta Gruppe, Hannover/Schwerte und die Kindernothilfe (KNH), Duisburg. Der gepa-Umsatz im Zeitraum 4/1995 bis 3/1996 beträgt 53,6 Mio. DM. Am 11. Mai 1996 findet, organisiert von NEWS (Network European World Shops), der erste Europäische Weltladentag unter dem Motto: Africa in European World Shops - Frühstücke mit Afrika! statt. Vom 14.-16. Juni 1996 wird in Köln der erste Fair Trade Kongreß Zukunft teilen - Gerechter Handel(n) mit 235 Teilnehmenden durchgeführt. Am 20. Juni 1996 üben die Arbeitsgemeinschaft Dritte Welt-Läden (AG3WL) und verschiedene Weltläden massive Kritik an den Umstrukturierungsplänen der gepa. Im September 1996 wird Honig mit dem TransFair-Siegel eingeführt. Im Oktober 1996 gibt die AG3WL, der 130 Weltläden angeschlossen sind, gibt seine Konvention der Weltläden - Kriterien für den Alternativen Handel heraus. Am 19. Okt. 1996 wird in Bad Kreuznach das erste Strategieseminar der Kampagne für „Saubere“ Kleidung (Clean Clothes Campaign, kurz: CCC) durchgeführt. Der Jahresumsatz der dwp eG Ravensburg für 1996 / 97 beträgt 4,1 Mio. DM (Kaffee 23 %, andere Lebensmittel 23 %, Kunsthandwerk 54 %); davon 71 % mit Weltläden, 13,5 % Soligruppen, Regionalverteiler 5%, GroßverbraucherInnen 3,3%, Naturkostläden 2,4 %, Sonstige 5 %. Die Zahl der MitarbeiterInnen bei der Importorganisation beträgt 13 Voll- und 2 Teilzeitkräfte.

1997 findet die IFAT-Tagung in Udagamandalam, Südindien, statt. Die gepa-Umsatzzahlen für den Zeitraum 4/1996 bis 3/1997 betragen 52,4 Mio. DM. Im April 1997 schließen sich verschiedene internationale Siegelorganisationen zu der gemeinsamen Dachorganisation Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) mit Sitz in Bonn zusammen. Im Mai 1997 hat TransFair 37 Mitgliedsorganisationen. Neues Mitglied ist die Organisation Bund Neudeutschland, Frankfurt am Main. Vom 2. bis 6. Juni 1997 wird der Weltgipfel des Fairen Kaffeehandels in Tutzing am Starnberger See durchgeführt. Am 6. Juni 1997 erscheint die erste Ausgabe des von Misereor und BDKJ herausgegebenen, dreiwöchigen Informationsdienstes Welt & Handel - Infodienst für den Fairen Handel. Am 23. Juni 1997 feiert der EL PUENTE e.V. seinen 25., die El Puente GmbH ihren 20. Jahrestag. Im Sommer 1997 kommen Bonbons mit dem TransFair-Siegel auf den Markt. Am 5. Juli 1997 startet die Eilaktion (Nr. 1) der Kampagne für Saubere Kleidung zur Einforderung eines Sozialfonds für thailändische Näharbeiterinnen (Eden). Sie wendet sich an die Konzerne C&A, Karstadt, Metro, Neckermann, Otto und Quelle. Im Herbst 1997 gibt die Misereor Medienproduktion und Vertriebsgesellschaft mbH erstmalig den Katalog Fair gehandelt! Eine-Welt-Versand heraus. Im Oktober 1997 starten die gepa und der Otto-Versand eine Kooperation. Verschiedene Handwerksprodukte der gepa werden auf zwei Seiten des Otto-Katalogs Schöner schenken angeboten. Ebenfalls im Oktober 1997 wird die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. (KAS), Sankt Augustin, Mitglied bei TransFair. Vom 6. bis 12. Okt. 1997 wird die Aktion Mehr recht als billig - FAIR gehandelte Bananen durchgeführt. Rund 130 Weltläden nehmen an den Bananenaktionstagen des BanaFair e.V. teil. Am 17./18. Okt. 1997 wird das zweite Strategieseminar der Kampagne für „Saubere“ Kleidung (CCC) in Hattingen organisiert.

Am 17. Januar 1998 begibt sich die Asien-Gruppe des Global March Against Child Labour in Manila/Philippinien auf den Weg nach Genf/Schweiz. Am 25. Februar 1998 ist der Start der Amerika-Gruppe in Sao Paulo/Brasilien, am 21. März 1998 startet die Afrika-Gruppe in Kapstadt/Südafrika. Am 28. Februar 1998 wird in Köln der erste Förderpreis Jugend kreativ und fairer Handel der aej und des BDKJ verliehen. Im März 1998 werden die ersten fair gehandelten Fußbälle verkauft. Der gepa-Umsatz für das Geschäftsjahr 4/1997 bis 3/1998 beträgt 55,8 Mio. DM. Am 7. März 1998 startet die Kampagne für „Saubere“ Kleidung die Unterschriftenaktion Appell an den Bekleidungshandel. Vom 13. bis 15. März 1998 findet das Forum Banane V in Würzburg statt. In Rom wird zur gleichen Zeit die achte Europäische Weltladenkonferenz durchgeführt. Im April 1998 ist die Markteinführung von TransFair-gesiegelten Bananen. Im Mai 1998 hat TransFair 39 Mitgliedsorganisationen. Neu dabei sind: (April 1998: AG3WL + rsk = Weltladen-Dachverband), Casa Alianza, Bad Honnef, Evolutionsfonds Apfelbaum e.V., Köln, Neusser-Eine-Welt-Initiative (NEWI)/ (VEHEMENT), Neuss). Am 9. Mai 1998 findet der dritte Europäische Weltladentag unter dem Motto made in dignity - Produktionsbedingungen in der Bekleidungsbranche statt. Vom 10.´bis 29. Mai 1998 zieht der Global March - Weltweit unterwegs für Kinderrechte auf dem Weg zur ILO-Konferenz in Genf durch Deutschland. Vom 19. bis 21. Juni 1998 wird in Wuppertal mit 200 Teilnehmern der zweite Fair-Trade-Kongreß durchgeführt. Im Sommer 1998 startet die Postkartenaktion Gelbe Karte für adidas! der Kampagne für „Saubere“ Kleidung. Im Juli 1998 feiert die Importorganisation dritte-welt partner Ravensburg ihr zehnjähriges Firmenjubiläum. Am 30./31. Oktober 1998 findet in Hattingen das dritte Strategieseminar der Kampagne für „Saubere“ Kleidung statt.

Am 22./23. Januar 1999 findet der bundesweite Aktionstag der Kampagne für „Saubere“ Kleidung staat. An Vertreter der großen Bekleidungs- und Sportartikelkonzerne werden die Unterschriften mit dem Appell an den Bekleidungshandel überreicht. Am 24. Februar 1999 wird eine Eilaktion der Kampagne für „Saubere“ Kleidung gestartet. Der Tenor lautet: adidas trotz Zusagen tatenlos. Der gepa-Jahresumsatz von 4/1998 bis 3/1999 liegt bei 58,4 Mio. DM. Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband e.V. wird im Jahr 1999 Mitglied bei TransFair. Im Mai 1999 kommt Orangensaft mit dem TransFair-Siegel auf den Markt. Am 8. Mai 1999 wird der vierte Europäische Weltladentag durchgeführt. Dies ist der Start der dreijährigen Kampagne Land Macht Satt. Am 29. Mai 1999 lanciert die Kampagne für „Saubere“ Kleidung die Eilaktion Unabhängige Kontrolle bei Ihrem Zulieferer Formosa, die sich erneut an adidas richtet.

Die Jahre 2001 bis heute

Im September 2001 findet in Deutschland bundesweit die erste Faire Woche statt. Federführend wird diese von TransFair organisiert.

2002 einigen sich 17 nationale Siegelorganisationen auf ein gemeinsames Logo, das künftig den internationalen Warenverkehr und die Öffentlichkeitsarbeit erleichtern soll. Darüber hinaus gibt die Europäische Kommission bekannt, dass sie Fairen Handel unterstützen will. Am 17. Dezember 2002 wird die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt gegründet *. Damit wird erstmals auf der Welt eine Serviceeinrichtung geschaffen, die ein Projekt des Bundes, der Bundesländer und verschiedener weiterer Organisationen darstellt. Ein Aufgabenschwerpunkt ist es, den Fairen Handel in den Kommunen (Verwaltung, Politik, Nichtregierungsorganisationen) zu etablieren, zu stärken.

Die Weltbank hat eine positive Einstellung zum Fairen Handel. Nach dem Kommentar zu einer Weltbankstudie im Jahr 2003 kann fair gehandelter Kaffee Vorteile haben, wie etwa verbessertes Ressourcenmanagement, geringerer Einsatz von Pestiziden was die Kosten und Gesundheitsrisiken reduziert und mehr ländliche Arbeitsplätze, für diejenigen schafft, die auf sie angewiesen sind. Im September 2003 realisiert ein erweitertes Aktionsbündnis die zweite bundesweite Faire Woche in Deutschland. Im Oktober 2003 startet die Informationskampagne fair feels good. Die deutsche Bundesregierung fördert den Aufbau des Fairen Handels mit 6,5 Mio. Euro zusätzlich. Die Kampagne läuft bis Dezember 2005. Ebenfalls im Oktober 2003 zertifiziert die südafrikanische Organisation Fair Trade in Tourism South Africa (FTTSA) erstmals Tourismus-Unternehmen nach Fair-Handels-Kriterien.

Das Jahr 2004 wird von den Vereinten Nationen zum Reis-Jahr erklärt. In den Niederlanden feiert man 2004 das 45-jährigen Bestehen der Fair-Trade-Organisation. Einige Fair-Handels-Organisationen versuchen vermehrt, den Fairen Handel mit den wirtschaftlich schwächeren Partnern in das Regelwerk der WTO zu integrieren, was allerdings umstritten ist. Am 23. März 2004 findet eine Europäische Konferenz zum Thema „Fairer Handel - Ein Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung?“ im Europäischen Parlament in Brüssel statt, die federführend von EURO COOP, NEWS! und EFTA organisiert wird. Ebenfalls im März 2004 erreicht die fair gehandelte Banane auf dem Schweizer Markt mit 25 Prozent Marktanteil einen beachtlichen Wert. Der 4. Europäische Weltladentag unter dem Motto Gerechtigkeit jetzt (Themen: Dumping, Rohstoffpreise, Marktzugang) wird am 8. Mai 2004 begangen, in Deutschland kooperiert durch den Weltladen-Dachverband. Vom 20. - 26. September 2004 findet die dritte bundesweite Faire Woche unter der Schirmherrschaft von Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul statt.

Das Jahr 2005 wird von den Vereinten Nationen als Jahr der Mikro-Finanzsysteme ausgerufen. Im Mai 2005 feiert das gepa Fairhandelshaus in Wuppertal sein 30-jähriges Bestehen. Vom 19. bis 25. September findet die vierte Faire Woche statt.

Der Discounter Lidl und TransFair verständigen sich am 30. März 2006 in einem Kooperationsvertrag auf eine Zusammenarbeit beim Verkauf von fair gehandelten Produkten.

Fairer Handel und politische Solidarität


Seit den 1970er-Jahren gab und gibt es immer wieder Unterstützungen des Verkaufs von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, die sich im Widerstand gegen ihre Unterdrückung organisieren, durch politisch bewusste Verbraucher in reicheren Ländern. Am bekanntesten war die Kampagne für den so genannten Nica-Kaffee, mit dessen Verkauf die Befreiungsbewegung in Nicaragua unterstützt wurde.

Zapatistische Kaffeekooperativen und Cafe Libertad

Die Hamburger Café LIBERTAD Kooperative importiert und organisiert den Verkauf von Kaffee, der in Chiapas (Mexiko) von indigenen Gemeinschaften, in der Kooperative Mut Vitz, angebaut wird. Mut Vitz liegt in einem aufständischen, zapatistischen und autonomen Landkreis in Oventic im Hochland von Chiapas, nördlich von San Cristóbal de las Casas. 32 Dörfer mit über 700 Tzotzil-sprechenden Kleinbauern haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam Kaffee zu produzieren. Das Ziel ist nicht nur, für das Überleben der Kleinbauern akzeptable Verkaufspreise zu erwirtschaften, sondern auch Informationsaustausch und politische Unterstützung zu organisieren. Den Verbrauchern werden somit auch Informationen über den Alltag in der Kooperative und deren Probleme und Widersprüche bei dem Versuch, wirtschaftliche und politische Autonomie zu erlangen, vermittelt.

Fairer Handel in der freien Wirtschaft


Der Faire Handel hat bisher auf jegliche Zwangsmaßnahmen, Subventionen oder Zoll-Initiativen verzichtet. Lobby-Arbeit gegen Wettbewerb ist nicht feststellbar. Insofern ist der Faire Handel voll kompatibel mit freier Marktwirtschaft. Fairer Handel unterliegt den gleichen Zöllen, Beschränkungen und Diskriminierungen wie jeglicher andere Warenhandel, insbesondere der Import aus nicht-EU-Ländern. Er setzt allerdings eine Bereitschaft der Kunden voraus, höhere Preise zu akzeptieren.

Wie jedes Handelsunternehmen müssen sich auch die Fair-Handels-Unternehmen auf dem oft stark umkämpften Markt behaupten. In Deutschland beträgt etwa der Marktanteil beim fair gehandelten Kaffee bei 1 Prozent gegenüber 99 Prozent Kaffee, der den Kriterien für Fairen Kaffeehandel nicht genügt. Entgegen dem Trend des sinkenden Kaffeeverbrauchs vermag sich der Faire Handel aber zu behaupten. Die Umsatzzahlen steigen langsam, aber stetig an.

Neben Fair-Trade-Organisationen wie dem gepa-Fairhandelshaus, El Puente und dwp Ravensburg engagieren sich auch Wirtschaftsunternehmen aus andere Branchen für gerechtere Handelsbeziehungen. So zum Beispiel der Naturkosthersteller Rapunzel, der ein eigenes Label namens "Hand in Hand" eingeführt hat. Dieses Label genügt allerdings den gängigen Kriterien für fair gehandelte Produkte bisher nicht, etwa denen, externe Kontrollen durchführen zu lassen oder Transparenz in den Handelsbeziehungen herzustellen.

Kritik


Ein Kritikpunkt ist, dass es mitunter schwer nachzuvollziehen ist, wer in der Wertschöpfungskette welchen Anteil von den Mehrerlösen erhält. Des Weiteren ist die Preisdifferenz fair gehandelter Produkte im Vergleich zu konventionell gehandelten deutlich höher als der Mehrbetrag, welchen der Produzent erhält. Dies wird mit den Verwaltungs- und Kontrollkosten der Organisationen erklärt, ist jedoch schwer nachzuprüfen.

Aus ökonomischer Sicht ist zu kritisieren, dass der Preis nicht mehr durch die wertfreie, unsichtbare Hand des Marktes gesteuert wird, sondern von Organisationen festgesetzt wird, was zu Korruption und Ineffizienz führen kann, weil der Erfolg der Kaffeebauern nicht länger von ihrer Produktivität, sondern von der Mitgliedschaft in einer speziellen Organisation abhängt.

Zusätzlich lässt sich kritisieren, dass Fairer Handel das Problem der Überproduktion nicht bekämpft, sondern im Gegenteil durch den höheren Verkaufserlös den Marktaustritt von Anbietern verhindert, was eine Anpassung an die realen Knappheitsverhältnisse unmöglich macht. D.h. wenn weniger Kaffee produziert wird, steigen die Preise, was Fairen Handel überflüssig macht.

Fairer Handel erschwert das Geschäft für andere Produzenten, die nicht Mitglied in einer Fairhandels-Kooperative sind, weil diese Kunden an den Fairen Handel verlieren.

Siehe auch


TransFair, gepa, El Puente, dwp, Network of European Worldshops, IFAT, FINE, FLO International, Weltladen, Handel, Kaffee, Fußball (Sportgerät)

Weblinks


Wirtschaftsordnung | Globalisierungskritik | Fairer Handel

Comerç just | Fair trade | Comercio justo | Reilu kauppa | Commerce équitable | סחר הוגן | Méltányos kereskedelem | Commercio equo e solidale | Eerlijke handel | Rettferdig handel | Rettferdig handel | Sprawiedliwy Handel | Comércio justo | การค้าโดยชอบธรรม | 公平貿易

 

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