Die Stadt Münster in Westfalen gilt als Fahrradstadt. Dies basiert darauf, dass das im Volksmund häufig Leeze (aus der Sondersprache Masematte) genannte Fahrrad das Stadtbild der Westfalenmetropole und das Leben der Münsteraner stark prägt. Auf Grund der vielen Vorteile, die die Radler im Verkehr genießen, gewann die Stadt bereits mehrmals den Fahrradklimatest des ADFC, weshalb Münster als Fahrradhauptstadt Deutschlands gilt.
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Als häufigste Gründe für einen Unfall werden die Benutzung der falschen Fahrbahn, die Nichtbeachtung der Vorfahrt und die von Ampeln sowie Alkoholkonsum angegeben.
Die gefühlte Überlegenheit der Radfahrer im Straßenverkehr zeigt sich deutlich daran, dass das Verhalten der Radfahrer im Straßenverkehr als „rüpelhafter“ eingeschätzt wird als das der Autofahrer. Bei den Radfahrern bildet sich ein Mittelwert von 3,85, bei den Autofahrern von 3,14 („1“ = Verhalten sehr rücksichtsvoll). Dies mag daran liegen, dass gefährliches Verkehrsverhalten von Radfahrern (Nichtbeachten von Ampelrotlicht, Fahren ohne Licht bei Dämmerung und Dunkelheit, Fahren entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung auf dem „falschen“ Radweg oder das Benutzen von Kopfhörern zum Musikhören) in Münster häufiger beobachtet wird, weil die absolute Zahl von Radfahrern höher liegt als in anderen Städten. In der Unfallstatistik schneidet Münster gegenüber anderen Städten besser ab. Für auswärtige Autofahrer ist es zumindest gewöhnungsbedürtig, dass man an Kreuzungen vor dem querenden Radweg halten oder andernfalls mit dem Unmut der Radfahrer rechnen muss.
Ein weiterer Grund ist, dass die gesamte Innenstadt zwischen Servatii-Platz über den Prinzipalmarkt bis zum Domplatz für private PKW gesperrt ist oder im besten Fall aus Einbahnstraßen besteht. Dies macht für Autofahrer ein Umfahren des Innenstadtbereichs nötig, während Radler ihre Leeze nur durch die Fußgängerzone schieben müssen und danach weiterradeln können. Auch die problematische Parkplatzsituation trägt ihren Teil zum status quo bei: Kostenfreie Parkplätze sind im Kernbereich, in dem viele der münsterschen Behörden angesiedelt sind, Mangelware. Wer die Innenstadt umrunden will, kann auf der 4,5 Kilometer langen Promenade fahren. Diese befindet sich an der Stelle der ehemaligen Stadtmauer und ist heute als Fahrradautobahn angelegt. Das bedeutet, dass der innere Bereich der Doppelallee nur für Fahrradfahrer zugänglich ist, während die Fußwege zwischen der äußeren Baumbepflanzung liegen.
Auch praktische Gründe finden sich mehrere. So ist Münster eine Pendlerstadt, insgesamt ca. 80.000 Menschen pendeln täglich zur Arbeit. Durch die Radialstruktur der Stadt mit nur sechs großen Ausfallstraßen ergeben sich im Berufsverkehr häufig Staus. Da die Ausfallstraßen durch Wohngebiete führen, greifen die dort wohnenden Arbeitnehmer häufig zum Fahrrad, um zu ihrer Arbeitsstelle zu kommen. Dies wird natürlich begünstigt durch die an fast jeder Straße vorhandenen gut ausgebauten Radwege.
Das Radfahren in Münster ist nicht zuletzt deshalb so angenehm, weil es in Münster kaum Steigungen gibt. Münster ist sehr flach und so macht das Radfahren weniger Mühe als in anderen Städten und Gegenden mit größeren Höhenunterschieden.
Auf Grund der Auszeichnungen empfängt Münsters Stadtplanungsamt regelmäßig Verkehrsplaner aus allen Städten der Welt, um in der Praxis zu demonstrieren, wie Radverkehr als funktionierende Alternative zum Auto in einer kleineren Großstadt etabliert werden kann und was dafür getan werden muss. So waren in den letzten Jahren Abordnungen aus Florenz, Kristiansand (Norwegen) und Richfield in Minnesota in der westfälischen Stadt.
Außerdem ist der große, zweispurige Kreisverkehr am Ludgeriplatz eine für Fahrradfahrer sehr gefährliche Stelle, an der jährlich bis zu 100 Unfälle zu teilweise schweren oder tödlichen Verletzungen führen. Bis zum April 2004 gab es an dieser Stelle drei Unfälle mit Todesfolge im Zusammenhang mit Radfahrern. Seitens der Stadt wurde Anfang 2005 versucht, diese Situation zu entschärfen. Dazu wurden die Außenseiten im Bereich der Zufahrtsstraßen des Kreisels, die nicht befahren werden dürfen, zwischen Hammer Straße, Hafenstraße und Schorlemer Straße mit kleinen Betonsperren abgesperrt, da dort fahrende Radler häufig von Autofahrern übersehen wurden und es bereits mehrmals zu Unfällen mit langen Fahrzeugen wie LKW und Bussen gekommen war. Durch die Absperrungen wurden die Radler gezwungen, auf der Fahrbahn und damit zwischen den Autos zu bleiben. Jedoch wurden die Absperrungen immer wieder vandaliert und von vielen Radfahrern nicht akzeptiert. Weiterhin kam es dadurch zu anderen gefährlichen Situationen, bei denen die Fahrradfahrer durch große Fahrzeuge in die Betonsperren gedrückt werden konnten und keine Ausweichmöglichkeit für diesen Notfall bestand. Der Versuch, dieses System zu etablieren, wurde daraufhin im Frühjahr 2005 aufgegeben und die Betonsperren wieder abgebaut.
Stattdessen wurde die Anfahrt zum Kreisverkehr hin verändert: Die hinführenden Spuren der Straßen wurden insgesamt in der Breite reduziert und zusätzlich ein Bereich für Radfahrer durch Straßenmarkierungen abgetrennt. Die Spuren sind nun so breit, dass Autos und Radfahrer gleichzeitig den Kreisverkehr anfahren können, im Falle eines großen Fahrzeugs die Anfahrt jedoch hintereinander erfolgen muss, da die Fahrzeugbreite bei LKW und Bussen die Mitbenutzung des Fahrradstreifens erfordert. Somit soll die Gefahr des Toten Winkels vermieden werden. Allerdings benutzen auch Autofahrer oftmals verbotswidrig den Fahrradstreifen mit, sodass Radfahrer hier nicht an wartenden Autos vorbeifahren können. Außerdem warnen auch noch Schilder vor dem Toten Winkel und sollen die Radler ermahnen, schon bei der Anfahrt hinter LKW zu bleiben.
Ein weiteres gefährliches Pflaster für Fahrradfahrer befindet sich auf dem Teilstück der Grevener Straße zwischen der Steinfurter Straße und dem York-Ring. Aufgrund der engen Bebauung an beiden Seiten der vierspurig ausgebauten Straße ist hier kein ausreichender Platz mehr für einen separaten Radweg vorhanden, so dass der Radverkehr ebenfalls über die Straße geführt werden muss. Besondere Gefahrenpotenziale ergeben sich durch die an einigen Stellen halb auf der Straße geparkten Autos sowie den teilweise hohen Geschwindigkeiten, obwohl auf diesem Teilstück die Geschwindigkeit auf 50 km/h begrenzt ist. Eine Lösung für dieses Problem in diesem Bereich ist mittelfristig jedoch nicht in Sicht.
Aber nicht nur der fahrende Verkehr sorgt für Probleme, sondern auch der ruhende in Form von wild abgestellten Rädern, die Zugänge und Fußwege versperren. Besonderer Wildwuchs ist dabei zu beiden Seiten des münsterschen Hauptbahnhofs entstanden, der nur bedingt durch die Radstation eingedämmt werden konnte. Ein Teil dieser den Hauptbahnhof „zierenden“ Räder ist zudem herrenlos und muss regelmäßig vom Ordnungsamt der Stadt entfernt werden. Ende 2005 wurde der Bereich hinter dem Hauptbahnhof neu gestaltet und mit einer wesentlichen größeren Anzahl Fahrradständer ausgestattet, sodass in diesem Bereich nur noch wenige Fahrräder wild abgestellt werden. Aber auch an anderen Stellen im Stadtgebiet sorgen die abgestellten Leezen für Behinderungen. Besonders betroffen davon sind beispielsweise die Rothenburg südlich des Prinzipalmarktes oder Einrichtungen der münsterschen Universität.
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