| Fagott |
|---|
| engl.: bassoon, ital.: fagotto |
| Fagottthumb.jpg |
| Klassifikation: |
| Aerophon Doppelrohrblatt-Instrument |
| verwandte Instrumente: |
| Kontrafagott, Oboe |
| Tonumfang: |
| Range_bassoon.png |
| Klangbeispiele: |
| Staccato-Stelle Lyrische Stelle |
| Musiker: |
| Liste von Fagottisten Kategorie:Fagottist |
In den Flügel wird der S-Bogen (e) gesteckt, dem seine Form den Namen gibt. Je nach Vorlieben und Bedarf des Spielers kann er aus verschiedenen Metallen und Legierungen bestehen (z.B. Neusilber, Messing, Silber, Gold oder Platin). Ähnlich wie beim Geigenbogen ist die Suche nach dem S-Bogen, der perfekt zum Fagott passt, oft sehr langwierig. Fagottisten besitzen meist mehrere S-Bogen in verschiedenen Längen, um das Instrument grob zu stimmen.
Das Instrument ist 1,35 m hoch, die Gesamtlänge beträgt aber 2,59 m, da sie aus zwei Röhren resultiert, die nebeneinander liegen: Im Stiefel, der aus diesem Grund auch Doppelloch genannt wird, verlaufen zwei parallele Bohrungen, die am unteren Teil durch ein U-förmiges Messingrohr miteinander verbunden sind. Auf der Querschnittsgrafik ist in blauer Farbe die Luftsäule in ihrer größten Ausdehnung, also beim Spielen des tiefsten Tones, abgebildet: Sie beginnt beim S-Bogen, geht über den Flügel in den einen Teil des Stiefels, beschreibt dort eine Haarnadelkurve, um dann über die andere Hälfte in die Bassstange zu laufen und im Schallstück zu enden.
Die Grundskala vom „leeren Ton“ (jenem Ton, der erklingt, wenn alle Tonlöcher offen sind) abwärts bis zum tiefsten Ton, der ohne Zuhilfenahme der Daumen gegriffen werden kann, ist f – F, wenngleich mit H statt B. So gesehen wird das Fagott ähnlich gegriffen wie eine Altblockflöte oder das tiefe Klarinettenregister. Notiert wird wegen des großen Tonumfangs im Bass-, Tenor- und mitunter im Violinschlüssel, und zwar in wirklicher Tonhöhe ohne Transposition. In diesem letzteren Sinne ist das Fagott ein "C-Instrument".
Der tiefste Ton des Instrumentes ist das Kontra-B, seit Ende des 19. Jahrhunderts schreiben Komponisten manchmal auch ein Kontra-A vor, das mit einem anderen, vergrößerten Schallstück gespielt werden kann. Weil der Einsatz desselben das Instrument aber klanglich beeinträchtigt, wird es von Fagottisten nur ungern verwendet.
In der Höhe liegt die Grenze je nach Spieler, Instrument, S-Bogen und Rohr unterschiedlich: Das es² sollte für den modernen Profi kein Problem darstellen, mit „Spezialausrüstung“ kann man auch das g² erreichen, das z.B. György Ligeti in seinem Violinkonzert vorschreibt. Der höchste Ton der offiziellen Heckel-Grifftabelle ist das as², theoretisch gibt es aber kein oberes Ende.
Siehe auch: Barockfagott
Interessanterweise nahm genau zu dieser Zeit der solistische Einsatz des Fagotts in Orchester und Kammermusik stark ab, was möglicherweise darauf zurückgeht, dass die Musiker einige Zeit brauchten, um sich auf das neue Instrument einzustellen. Das Heckel-System ist heute auf fast allen modernen Fagotten zu finden und wird auch von anderen Firmen wie Fox, Moosmann, Püchner, Schreiber oder Yamaha verwendet. Nur in Frankreich findet man noch in manchen Orchestern das Buffet-System (basson), das dem klassischen Instrument ähnlicher ist und etwas nasaler klingt.
In der Klassik und frühen Romantik wurden zwar kaum Fagottsonaten, dafür aber die bedeutendsten Konzerte komponiert, allen voran die Werke von Mozart, Carl Maria von Weber und Johann Nepomuk Hummel. Auch kleinere Meister wie Johann Baptist Vaňhal, Carl Stamitz, Franz Danzi produzierten interessante Werke und selbst von Gioacchino Rossini gibt es ein Konzert, dessen Urheberschaft allerdings noch nicht restlos geklärt ist.
Nicht zuletzt durch die Reform des Klappensystems spielt das Fagott ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst eine verstecktere Rolle, erst im 20. Jahrhundert entstehen wieder wichtige Werke wie die Sonaten von Camille Saint-Saens, Paul Hindemith, Alexandre Tansman, die Solostücke von Malcolm Arnold, Egon Wellesz und Hans Erich Apostel oder das Duett-Concertino für Klarinette, Fagott und Streichorchester von Richard Strauss.
Ein Spezialfall in der Bläserkammermusik sind die beiden Quintette für solistisches Klavier und vier Bläser von Mozart und Beethoven.
Auch in der gemischten (Bläser- und Streicher-) Kammermusik hat das Fagott vielfältige Aufgaben, wie im Oktett von Franz Schubert oder im Beethoven-Septett. Duos mit Violoncello haben Mozart, François Devienne und Georges Bizet komponiert, erwähnenswert ist außerdem das Divertissement für Fagott und Streichquintett von Jean Françaix.
In der Klassik emanzipiert sich das Fagott als Orchesterinstrument von der reinen Bass-Funktion und wird als Melodieinstrument den anderen Holzbläsern fast gleichgestellt: Beispiele hierfür finden sich in den späten Symphonien und vor allem in den Klavierkonzerten von Mozart, aber auch schon bei Joseph Haydn und natürlich bei Beethoven: Er setzt das Fagott sowohl für lyrische Passagen (Coda im zweiten Satz der Fünften, Vorstellung des Freuden-Themas in der Neunten) als auch für geradezu halsbrecherische Staccato-Stellen wie im letzten Satz der Vierten ein. Kaum weniger halsbrecherisch aber auch der Einsatz des Fagotts in Mozarts Ouvertüre zu Figaros Hochzeit
Wie in den anderen Bereichen geht auch im Orchestralen der solistische Einsatz des Fagotts im deutschen Sprachraum um die Mitte des 19. Jahrhunderts stark zurück: Von Johannes Brahms, Anton Bruckner oder Richard Wagner wurde das Instrument vor allem wegen seiner klanglichen Mischbarkeit geschätzt: Bruckner soll das Fagott sogar einmal als die „Hure des Orchesters“ bezeichnet haben, weil es sich mit Streichern, Holz- oder Blechbläsern gleichermassen „unauffällig“ kombinieren lässt. Wagner setzt das Fagott gerne für skurrile oder komische Effekte ein, wie bei der Beckmesser-Schlägerei in den Meistersingern. Diese Tradition wird von Gustav Mahler fortgesetzt und findet sich bis heute, vor allem im Bereich der Filmmusik, zum Beispiel bei Zeichentrickfilmen.
Nicht zu spüren ist diese Abwertung bei den russischen Komponisten, die die tenoralen Kantilenen des Instruments bevorzugen, die man in den Tschaikowski-Symphonien oder in der Scheherazade von Rimski-Korsakow hören kann. Auch in Italien beschenkten die großen Meister der Oper das Fagott mit dankbaren Stellen: im Liebestrank von Donizetti, in Luigi Cherubinis Medea und in zahllosen Verdi-Opern finden sich Beispiele.
Die Rolle des Fagotts in der Orchestermusik des 20. Jahrhunderts ist stark geprägt durch den Einsatz des Instruments bei Strawinski, der zu Beginn seines Le sacre du printemps ein Fagottsolo in bislang unerhört hoher Lage spielen lässt (bis zum d²) und auch sonst (in Der Feuervogel, Petruschka oder Pulcinella) viele schwierige Stellen komponierte. Im Klavierkonzert von Maurice Ravel findet sich erstmals ein e² in einer hörbaren Solopassage, Alban Berg geht in seinem Wozzeck bis zum f². Ganz in der Tradition seiner älteren Landsleute schrieb auch Schostakowitsch in seiner 9. Symphonie eine große, hohe und lyrische Fagottkadenz.
Mozarts Fagottkonzert ist für den Freiherr von Dürnitz geschrieben, seine Sinfonia concertante für den Mannheimer Virtuosen Ritter. C. M. v. Webers Konzert ist dem Münchner Fagottisten Georg Friedrich Brandt gewidmet, Richard Strauss eignete sein Duett-Concertino dem damaligen Solisten der Wiener Philharmoniker mit der Widmung zu: „Hugo Burghauser, dem Getreuen“.
Komponierende Fagottisten waren unter anderem Etienne Ozi (1754 - 1813), François Devienne (1759 - 1803) und Adolph Weiss (1891 - ?). Auch der Universalmusiker Paul Hindemith soll sehr gut Fagott gespielt haben, zudem hat der englische Komponist Edward Elgar in einem Bläserquintett mitgewirkt, für das er selber die Stücke schrieb.
Von den modernen Fagottisten im deutschen Sprachraum sind besonders Milan Turkovic und Klaus Thunemann hervorzuheben, die viel zur Entwicklung der Spieltechnik und Bekanntheit des Instruments beigetragen haben; weitere wichtige zeitgenössische Musiker sind in der Liste von Fagottisten aufgeführt.
Aufgrund der Größe und des Gewichts des Instruments wurde lange Zeit erst im Alter von ungefähr dreizehn Jahren mit dem Erlernen des Fagottspiels begonnen. Inzwischen scheint sich eine Regel durchzusetzen, nach der der junge Fagottist mindestens "zwei Finger breit" oder "eine Hand breit" größer sein soll als sein Instrument, so dass es auch schon neunjährige Fagottisten gibt.
Erheblich erleichtert wurde der Beginn des Fagottspiels durch die Verwendung von eher leichten Rohren.
Seit den 1990ern werden aber die im 18. Jahrhundert ausgestorbenen Bauformen der kleineren, nach oben transponierenden Quart- und Quintfagotte für Unterrichtszwecke wieder hergestellt (Fagottino). Für diese Instrumente entstehen laufend neue Übungs- und Vortragsstücke; diese Praxis wird allerdings nicht von allen Fagottlehrern unterstützt.
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