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Factoring
 

Factoring ist eine Art der Unternehmensfinanzierung, die ihren Ursprung in den Vereinigten Staaten hat. Ziel des Factoring ist eine umsatzkongruente Finanzierung in Kombination mit einer Bilanzverkürzung sowie eventuell eine Versicherung gegen den Ausfall von Forderungen anstelle einer Warenkreditversicherung. Oft werden im so genannten Full-Service-Factoring auch Serviceaufgaben des Forderungsinkassos erfüllt.

Das Factoringinstitut - der Factor - (in Deutschland oft Tochtergesellschaft einer Bank) kauft die Forderungen seines Klienten nach Einreichung der Rechnungsdurchschrift (oder EDV-technisch) und schreibt diesem den Rechnungsbetrag umgehend gut. In der Regel werden zwischen 10 und 20 Prozent des Forderungsbetrages aus Sicherheitsgründen einbehalten. Der Factor übernimmt so das Risiko des Forderungsausfalles (Delkredererisiko) und übt so auch Aufgaben einer Kreditversicherung aus.

Der Klient löst mit der gewonnenen Liquidität in der Regel seine kurzfristigen Verbindlichkeiten auf und verkürzt so seine Bilanz. Der Factor finanziert sich zum einen durch eine Umsatzgebühr, zum anderen durch Zinsen, die bis zur Zahlung des Rechnungsbetrages seitens des Drittschuldners durch den Klienten entrichtet werden müssen. In der Praxis gibt es weitere Gebührenmodelle.

Der Factor kauft grundsätzlich nicht jede Forderung an, sondern prüft die Drittschuldner auf Bonität und beschränkt sich bei negativem Ergebnis auf das reine Inkasso des Rechnungsbetrages.

Funktionen des Factoring


Dienstleistungsfunktion

Der Factor erfüllt Dienstleistungsfunktionen durch Beratung, Debitorenbuchhaltung, Mahnwesen und Inkassodienst.

Delkredere-Funktion

Unter der Delkredere-Funktion versteht man die Haftung eines Gläubigers für einen Forderungsverlust, die bei der Zahlungsunfähigkeit eines Schuldners eintritt, z. B. durch Insolvenz oder Eidesstattliche Versicherung. Der Delkrederegeber verpflichtet sich einem Lieferanten gegenüber, dass ein Kunde seine finanziellen Verpflichtungen aus dem abgeschlossenen Geschäft erfüllt.

Die Risiken durch das Delkredere werden in der Praxis vor allem übernommen von zentralregulierenden Einkaufsgesellschaften (auch "Delkrederegesellschaften" oder Kontore genannt), durch Factoring oder eine Kreditversicherung. Voraussetzung für die Übernahme des Ausfallrisikos ist eine eingehende Analyse der Bonität des Schuldners von Seiten des Delkrederegebers.

Das Delkredere spielt auch bei den Privatliquidationen der Ärzte eine Rolle. Der Delkrederegeber steht dafür ein, dass der Privatpatient seinen Verbindlichkeiten aus den in Anspruch genommenen ärztlichen Leistungen nachkommt.

Factoring-Formen je nach Leistungsumfang


Echtes und unechtes Factoring

Als "echtes Factoring" wird ein Verfahren bezeichnet, bei dem der Factor das Delkredererisiko übernimmt. Dagegen wird Factoring ohne Übernahme dieses Risikos als "unechtes Factoring" bezeichnet. In Deutschland wird seit Jahren fast ausnahmslos echtes Factoring praktiziert, während das "unechte Factoring" nach Rechtsprechung des BGH mit dem Makel der Sittenwidrigkeit (§ 138 BGB) belastet ist. Nach der sogenannten Vertragsbruchstheorie des BGH besteht dann Sittenwidrigkeit, wenn das unechte Factoring mit einer Forderung eines Lieferanten kollidiert, der unter branchenüblichen verlängertem Eigentumsvorbehalt geliefert hat. Anders als beim echten Factoring erlangt der Vorbehaltskäufer dann nicht den Wert der Forderung abzüglich der Factorprovision, sondern muss den Forderungsausfall selbst tragen. Dies wiederum bringt ihn in die unzumutbare Situation entweder dem Vorbehaltskäufer das Factoring mitzuteilen und dann dem Risiko ausgesetzt zu sein, nicht beliefert zu werden, oder sich des Betrugs nach § 263 StGB strafbar zu machen.

Fälligkeits-Factoring (Maturity Factoring)

Factoring-Variante, bei der der Factoringkunde die Vorteile der vollständigen Risikoabsicherung und der Entlastung beim Debitorenmanagement nutzt, aber auf die sofortige Regulierung des Kaufpreises verzichtet.

Eigenservice-Factoring (auch Bulk-Factoring oder Inhouse Factoring)

Der Factor übernimmt zwar das Delkredererisiko, aber keine weiteren Dienstleistungsfunktionen. Die Debitorenbuchhaltung verbleibt beim Kunden.

Durch Factoring erlöschen die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in der Bilanz. Der Sperrbetrag wird als sonstige Forderungen ausgewiesen.

Factoring nach der Art der Forderungsabtretung


offenes Factoring (Notification Factoring)

Beim offenen Factoring wird der Debitor über die Forderungsabtretung informiert und aufgefordert, direkt an den Factor zu zahlen.

stilles Factoring

Beim stillen Factoring wird der Debitor über die Forderungsabtretung nicht informiert, die Forderungsabtretung bleibt für ihn unsichtbar.

halb-offenes Factoring

Beim halb-offenen Factoring wird der Debitor ebenfalls über die Forderungsabtretung informiert, kann aber nur an den Klient zahlen.

Siehe auch


Weblinks


Schuldrecht | Finanzierung | Betriebswirtschaftslehre

Фактарынг | Factoring (trade) | Faktoring

 

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