Das Fürstentum Lüneburg war in den Jahren 1269 bis 1705 ein Teilstaat des Heiligen römischen Reiches auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Niedersachsen. 1269 aus der Teilung des Herzogtum Braunschweig-Lüneburg hervorgegangen, verlor es 1705 mit dem Anschluss an das Kurfürstentum Hannover seine Selbständigkeit. Herrschende Dynastie war das Geschlecht der Welfen.
Geschichte
Entstehung
Entstanden ist das Fürstentum Lüneburg durch die Teilung des
Herzogtum Braunschweig-Lüneburg welches im Jahre
1235 aus den Eigengütern der
Welfen in
Sachsen gebildet und als
Reichslehen an
Otto das Kind, einem Enkel
Heinrichs des Löwen, gegeben wurde. Namengebend waren die beiden größten Städte des Territoriums,
Braunschweig und
Lüneburg. Nach dem Tode Otto des Kindes teilten seine beiden Söhne Albrecht und Johann in den Jahren 1267 bzw. 1269 das Herzogtum in die Teilfürstentümer Braunschweig, welches Albrecht, und Lüneburg, welches Johann übernahm. Zusammen bildeten beide Fürstentümer weiterhin das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, welches reichsrechtlich ungeteilt blieb, was unter anderem dadurch deutlich wird das alle Fürsten der verschiedenen Linien den Titel des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg führten. Zudem blieben die beiden Hauptstädte, Braunschweig bis 1671 und Lüneburg bis 1512, gemeinsamer Besitz des welfischen Gesamthauses.
Altes Haus Lüneburg
Herzog Johann folgten sein Sohn
Otto der Strenge, dem eine Konsolidierung der Herzogsgewalt nach innen, insbesondere durch Bekämpfung des Raubrittertums, gelang und seine Enkel
Otto III. von Lüneburg und
Wilhelm von Lüneburg. Die von dem Vater 1315 erlassene Bestimmung, wonach das Fürstentum nach seinem Tode unter Otto III. und seinem Bruder Wilhem II. zu teilen wäre, wurde von den Brüdern ignoriert und sie traten 1330 gemeinsam die Regierung im ungeteilten Land an. Schwerpunkt ihrer Herrschaft in den ersten Jahren war die territoriale Konsilidierung des Fürstentums. So gelang es ihnen durch den Erwerb des Dorfes Fallersleben, der Grafschaft Papenteich und Wettmarshagen ihren Besitz im Raum
Gifhorn deutlich zu erhöhen. Ein weiterer Schwerpunkt war die politische Unterstützung der wirtschaftlich aufstrebenden Städte. So profitierte insbesondere der Lüneburger Handel von der Schiffbarmachung der
Ilmenau zwischen
Lüneburg und
Uelzen sowie von Wirtschaftsverträgen zwischen den Lüneburger Fürsten und den
Herzögen von Sachsen-Lauenburg. Die beiden Brüder regierten bis zum Tode Otto des II. im Jahre 1252 gemeinsam, anschließend führte Wilhelm die Regentschaft bis zu seinem Tode im Jahre 1369.
Lüneburger Erbfolgekrieg
Nachdem
Wilhelm II. von Lüneburg 1369 ohne männliche Nachkommen starb, erlosch das ältere Haus Lüneburg. Entsprechend den Welfischen Hausgesetzen und dem Wunsch Wilhelms nach wäre Herzog
Magnus II. Torquatus von Braunschweig erbberechtigt gewesen. Kaiser
Karl IV. betrachtete das Reichslehen jedoch als ans Reich zurückgefallen und belehnte
Albrecht von Sachsen-Wittenberg und dessen Onkel
Wenzel mit dem Fürstentum, wodurch der
Lüneburger Erbfolgekrieg ausgelöst wurde. Die Stadt
Lüneburg unterstützte die Wittenberger und nutzte die Gelegenheit sich dem unmittelbaren Zugriff des Herzogs zu entziehen und zerstörte am 1. Februar 1371 die herzogliche Burg auf dem Kalkberg, wodurch dieser gezwungen waren seine Residenz nach
Celle zu verlegen. Ein Versuch
Lüneburg militärisch niederzuwerfen und sich der alten herzoglichen Rechte zu versichern am 21. Oktober 1371, dem Ursulatag, schlug fehl. In den militärischen Auseinandersetzungen in den folgenden Jahren konnten weder die Braunschweiger, noch die Wittenberger ihre Ansprüche durchsetzen und erst der Frieden von
Hannover 1373 beendete, zumindest vorerst, den Krieg. Entsprechend den dort getroffenen Vereinbarungen sollten die Welfen und die Wittenberger sich mit der Regentschaft abwechseln. Dieser Vertrag wurde noch zusätzlich durch die Heirat der beiden ältesten Söhne des bereits 1373 verstorbenen
Magnus Torquatus,
Friedrich und
Bernhard I., mit den beiden Töchtern Wenzels sowie der Heirat Magnus Witwe mit
Albrecht von Sachsen-Wittenberg abgesichert werden. Der jüngere Bruder von Friedrich und Bernhard,
Heinrich der Milde lehnte die Vereinbarungen jedoch ab und führte den Krieg weiter. Erst nach der Schlacht von Winsen im Jahre 1388, bei dem Wenzel sein Leben ließ, verzichteten die Wittenberger auf ihre Ansprüche und das Fürstentum war endgültig den Welfen gesichert.
Mittleres Haus Lüneburg
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Einer gemeinsamen Regentschaft der Brüder
Bernhard und
Heinrich in den Jahren 1388 bis 1409 folgte eine erneute Teilung bei der Heinrich Lüneburg und Bernhard Braunschweig erhielt. Auf Initiative der Söhne Heinrichs,
Wilhelm und Heinrich, kam es nach dessen Tod zu einer neuen Verteilung der welfischen Güter. Heinrich und Wilhelm erhielten 1428 Braunschweig und Bernhard, der damit zum Begründer des mittleren Hauses Lüneburg wurde, das Fürstentum Lüneburg. Nach Herzog Bernhards Tod im Jahre 1434 übernahm sein ältester Sohn
Otto die Regentschaft. Ihm folgte 1446 sein Bruder
Friedrich der Fromme, der jedoch bereits 1457 zugunsten seiner Söhne
Berend und
Otto abdankte, um in das Franziskanerkloster Celle einzutreten. Nachdem die beiden Brüder bereits 1464 bzw. 1471 starben, verließ Friedrich der Fromme wieder das Kloster um die Regentschaft für seinen erst 3-jährigen Enkel
Heinrich dem Mittleren, dem Sohn des
Otto von Lüneburg und der Anna von Nassau, zu übernehmen. Als Friedrich 1478 starb übernahm Anna von Nassau die Regentschaft für ihren Sohn, bis dieser 1486 selbst die Regierung in Celle übernahm und seine Mutter sich auf ihren Witwensitz Schloss Lüchow zurückzog. Aufgrund seiner Rolle in der
Hildesheimer Sfitsfehde, und der damit verbundenen politischen Gegnerschaft zu Kaiser
Karl V., war Heinrich gezwungen 1520 zugunsten seiner Söhne
Otto und
Ernst dem Bekenner abzudanken. Nachdem Otto 1527 aus der Regierung ausschied und mit dem Amt
Harburg abgefunden wurde und auch der seit 1536 mitregierende jüngste Bruder
Franz sich 1539 mit dem Amt
Gifhorn abfinden ließ, regierte Ernst der Bekenner alleine.
Ein Schwerpunkt seiner Regentschaft war die Sanierung des völlig überschuldeten Fürstentums. So waren bei seiner Amtsübernahme, mit Ausnahme der Schlossvogtei, alle Ämter verpfändet und seine Bestrebungen zielten vor allem auf die Wiedereinlösung ab. Die dafür benötigten Steuererhöhungen führten zu schweren Auseinandersetzungen mit den Ständen. Es gelang Herzog Ernst jedoch sich durchzusetzen und so den zwingend gewordenen Schuldenabbau einzuleiten. Ein zweiter Schwerpunkt in seinem Wirken war die Einführung der Reformation. Ernst der Bekenner war selbst Student in Wittenberg gewesen und dort in Kontakt mit Luthers Lehrern gekommen. Bald nach Übernahme der Regierung begann er mit der Reformierung der Kirche im Fürstentum im lutherischen Sinne. Im Jahre 1527 gab es einen Landtagsabschied auf dem sich auch der bis dahin ablehnend verhaltene Adel für den neuen Glauben aussprach. 1530 gehörte Ernst mit zu den Unterzeichnern des Augsburger Bekentnisses und brachte aus Augsburg den Reformator Urbanus Rhegius mit, der in den nächsten Jahrzehnten maßgeblich für Umsetzung der Reformation verantwortlich war. Da bei Herzog Ernsts Tode seine Söhne noch minderjährig waren und die beiden Onkel, Otto und Franz, die Übernahme der Vormundschaft ablehnten, bestimmte der Kaiser den Kölner Erzbischof sowie den Grafen von Schaumburg zu Vormündern. Der älteste Sohn Franz Otto übernahm 1555 die Regentschaft, dankte aber bereits 1559 zugunsten seiner Brüder Heinrich und Wilhelm ab. Nach dem Rückzug Heinrichs 10 Jahre später regierte Wilhem bis zu seinem Tode 1592 formell zwar alleine. Durch schwere psychische Probleme bedingt nahm er nur noch sehr eingeschränkt am politischen Leben teil und verbrachte die letzten Jahre in geistiger Umnachtung. Seine Herrschaft war ebenso wie die seines Vaters von einer zwingend gewordenen Entschuldungspolitik bestimmt. Insbesondere die Aussöhnung mit der Stadt Lüneburg 1562, und die damit verbundene Übernahme eines Teils der Schulden der Fürstentums und der Reichssteuern durch die Stadt Lüneburg, bedeuteten eine Entspannung der desolaten Haushaltslage.. Darüber hinaus sind neben der 1564 erlassenen Kirchenordnung, die die Reformation im Lüneburger Land praktisch zum Abschluss brachte, vor allem die im selben Jahr erlassene Hofgerichtsordnung und die Polizeiordnung als wichtige Reformen zu nennen. In Anbetracht der Schwierigkeiten immer neuer Teilungen schlossen die Söhne Wilhelms einen Vertrag, wonach sie nacheinander die Regentschaft ausüben, sich aber nur einer standesgemäß vermählen und damit die herzogliche Erbliene fortzusetzen solle. Das Los fiel auf den zweitjüngsten, Georg von Calenberg.
Neues Haus Lüneburg
Nach dem Tode seines Onkels
Friedrich von Lüneburg erbte Georgs ältester Sohn
Christian Ludwig 1648 Lüneburg und wurde somit zum Begründer des neuen Hauses Lüneburg. Ihm folgte 1665 sein Bruder
Johann, der 1665 nach dem Ableben Christians staatsstreichartig die Regierung übernahm, trotz der Ansprüche seines in
Calenberg residierenden Bruders
Georg Wilhelm, der älter und somit vor ihm erbberechtigt gewesen wäre. Georg Wilhelm gelang es sich durchzusetzen und die Regierung zu erlangen, musste allerdings an seinen Bruder, der nun das Fürstentum
Calenberg übernahm, das erst 1617 ans Haus Lüneburg gelangte Fürstentum Grubenhagen abtreten. Dem oft als "Heideherzog" titulierten Georg Wilhelm gelang es den Hof zu einer letzten Blüte zu führen. So fiel unter anderem der Bau des noch heute betriebenen Barocktheaters, die Anlage des französischen Gartens sowie die Gestaltung der Schlossfassade in seiner heutigen, barocken, Form in seine Zeit. Nach seinem Tode im Jahr 1705 erbte der mit seiner, später als "Prinzessin von Ahlden" bekannt gewordenen, Tochter
Sophie Dorothea verheiratete
Georg von Hannover das Land Lüneburg, welches damit mit dem
Kurfürstentum Hannover vereinigt wurde und seine Selbständigkeit verlor.
Territoriale Entwicklung
Nach der Teilung der Fürstentümer Braunschweig-Wolfenbüttel und des Fürstentums Lüneburg zwischen
Bernhard und
Heinrich im Jahre 1409 war die territoriale Entwicklung des Landes weitesgehend abgeschlossen. Nach dem Aussterben der Geschlechter der
Grafen von Hoya 1582 und der
Grafen von Diepholz 1585 kam es aufgrund älterer Verträge zwar noch zum Anfall dieser Grafschaften an Lüneburg, sowie 1617 aufgrund einer Erbauseinandersetzung zum Erwerb des Fürstentums Grubenhagen, welches jedoch bereits 1665 aufgrund einer Vereinbarung zwischen Georg Wilhelm und seinem Bruder Johann Friedrich an das
Fürstentum Calenberg abgetreten wurde.
Da diese drei Territorien jedoch ihren Rechtscharakter behalten haben und nicht im Fürstentum Lüneburg aufgegangen sind, kann von einem Abschluss der territorialen Entwicklung im Jahr 1409 gesprochen werden.
Naturräumliche Begebenheiten
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Naturräumlich war die Lüneburger
Geestlandschaft vor allem durch die
Heidelandschaften, welche im ausgehenden Mittelalter durch Abholzung der Wälder entstanden waren, sowie durch
Moorlandschaften geprägt. Mehrere Flüsse zogen sich durch das Land, so unter anderem die
Örtze, die
Aller und die
Ilmenau. Höchste Erhebung im Land war der
Wilseder Berg mit 169m.
Wirtschaft
Zentraler Wirtschaftszweig war die Landwirtschaft. Als Hauptfrucht ist dabei der
Roggen zu betrachten der auf den sandigen Böden der Lüneburger
Geestlandschaft die besten Ergebnisse einbrachte, sowie insbesondere in späteren Jahren der
Buchweizen, ein Knöterichgewächs, der als Zwischenfrucht eine große Bedeutung zukam. Neben dem Ackerbau spielte zum einen die
Imkerei und zum anderen die
Heidschnuckenzucht eine wichtige Rolle, sowohl als Fleisch- und Wollfieferant, aber vor allem zur Erzeugung von Dünger der auf den wenig fruchtbaren Böden im Lüneburger Land dringend benötigt wurde. Neben den Vollerwerbslandwirten gab es jedoch eine grosse Zahl Kleinbauern und besitzloser Landarbeiter, die zum einen auf die landwirtschaftliche Tagelöhnerei, sowie, da es in dieser nur begrenzte Erwerbsmöglichkeiten gab, auf die Ausübung eines Handwerkes, zumeist der Tuchweberei, angwiesen waren. Daneben spielte für die unteren bäuerlichen Schichten auch die sogennate "Hollandgängerei" eine grosse Rolle d. h. die Menschen verließen ihre Heimat um sich in Holland ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In den Städten gab es die dort ansässigen Handwerksbetriebe. Darüber hinaus spielte insbesondere in der Stadt
Lüneburg die Salzgewinnung eine große Rolle, durch die
Lüneburg im ausgehenden Spätmittelalter zu großem Reichtum und politischem Einfluss gelangte.
Herrscher des Fürstentums Lüneburg
Altes Haus Lüneburg
- Johann (1242-1277), Fürst von Lüneburg (1269-1277)
- Otto II. der Strenge († 1277), Fürst von Lüneburg (1277-1330)
- Otto III. (1296-1352), Fürst von Lüneburg (1330-1352)
- Wilhelm († 1369), Fürst von Lüneburg (1330-1369)
Altes Haus Braunschweig
Herzöge von Sachsen-Wittenberg
Mittleres Haus Braunschweig
Mittleres Haus Lüneburg
- Bernhard I. († 1434), Fürst von Lüneburg (1388-1409 und 1428-1434)
- Otto IV. († 1446), Fürst von Lüneburg (1434-1446)
- Friedrich der Fromme († 1478), Fürst von Lüneburg (1446-1457 und 1472-1478)
- Bernhard II. (1432-1464), Fürst von Lüneburg (1457-1464)
- Otto V. der Siegreiche (1439-1471), Fürst von Lüneburg (1457-1471)
- Heinrich der Mittlere (1468-1532), Fürst von Lüneburg (1486-1520)
- Otto (1495-1549), Fürst von Lüneburg (1520-1527)
- Franz (1508-1549), Fürst von Lüneburg (1536-1539)
- Ernst I. der Bekenner (1497-1546), Fürst von Lüneburg (1520-1546)
- Franz Otto (1530-1559), Fürst von Lüneburg (1555-1559)
- Heinrich (1533-1598), Fürst von Lüneburg (1559-1569)
- Wilhelm der Jüngere (1535-1592), Fürst von Lüneburg (1559-1592)
- Ernst II. (1564-1611), Fürst von Lüneburg (1592-1611)
- Christian (1566-1633), Fürst von Lüneburg (1611-1633)
- August der Ältere (1568-1636), Fürst von Lüneburg (1633-1636)
- Friedrich (1571-1648), Fürst von Lüneburg (1636-1648)
Neues Haus Lüneburg
Siehe auch
Literatur
- Wilhelm Havemann: Geschichte der Lande Braunschweig und Lüneburg. 3 Bände. Nachdruck. Hirschheydt, Hannover 1974/75, ISBN 3-7777-0843-7 (Originalausgabe: Verlag der Dietrich'schen Buchhandlung, Göttingen 1853-1857)
- Hans Patze (Begr.): Geschichte Niedersachsen. 7 Bände. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1977- (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, 36) (Übersicht des Verlags)
- Gudrun Pischke: Die Landesteilungen der Welfen im Mittelalter. Lax, Hildesheim 1987, ISBN 3-7848-3654-2
- Michael Reinbold: Die Lüneburger Sate. Ein Beitrag zur Verfassungsgeschichte Niedersachsens im späten Mittelalter. Lax, Hildesheim 1987, ISBN 3-7848-3656-9
- Wolf-Nikolaus Schmidt-Salzen: Die Landstände im Fürstentum Lüneburg zwischen 1430 und 1546. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2001, ISBN 3-89534-394-3
Weblinks
Niedersächsische Geschichte | Welfen | Weltliches Fürstentum