Fähnrich (engl. Ensign) ist ein militärischer Dienstgrad, der national unterschiedlich, entweder einen Offizieranwärter, den ehemals dienstjüngsten Offizierdienstgrad oder einen Berufsunteroffizier (z.B. Fahnenträger eines britischen Regiments) bezeichnen kann.
Bundesrepublik Deutschland
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Fähnrich bezeichnet in der
Bundeswehr einen
Offizieranwärter im
Feldwebeldienstgrad. Bei der Marine heißt dieser Dienstgrad
Fähnrich zur See.
Soldaten in diesem Dienstgrad können innerhalb der durch die Vorgesetztenverordnung (VorgV) gesetzten Grenzen Mannschaften und Unteroffizieren ohne Portepee Befehle erteilen.
Den Dienstgrad Fähnrich erhält der Soldat in der Laufbahngruppe der Offiziere in der Regel mit Vollendung des 21. Dienstmonats nach Bestehen des Offizieranwärterlehrgangs Teil II (OAL II) und ggf. nach Teilnahme/Bestehen des Einzelkämpferlehrgangs Teil I (EKL I).
Deutsche Demokratische Republik
In der
Nationalen Volksarmee der
DDR bildeten die
Fähnriche seit
1974 eine eigene
Dienstgradgruppe zwischen den Unteroffizieren und Offizieren. 1979 kamen die Dienstgrade
Oberfähnrich, Stabsfähnrich und Stabsoberfähnrich hinzu. Sie waren keine Offizieranwärter. Zu
Fähnrichen rückten zunächst langgediente
Stabsfeldwebel auf. Später wurden allein die Absolventen der Fähnrichklassen nach zweijähriger Ausbildung zum
Fähnrich befördert. Sie wurden in der Regel nicht zu Offizieren weiterbefördert.
Österreich
Im
österreichischen Bundesheer wird der
Fähnrich zu den Offizieren gezählt, befindet sich als „Militärakademiker“ aber noch in Ausbildung zum Leutnant. Insofern nimmt dieser Offizieranwärterdienstgrad eine Zwitterstellung ein. In Österreich existieren keine weiteren Offizieranwärterdienstgrade, wobei der Jahrgang mit gelben Balken über dem Dienstgradabzeichen angezeigt wird. Der Dienstgrad
Fähnrich wird
Einjährig-Freiwilligen nach 12 Monaten ab Diensteintritt verliehen. Scheidet ein Offizieranwärter bei der Ausbildung aus und verlässt somit die Militärakademie, so hat dieser nun den Dienstgrad Wachtmeister zu tragen. Also kann nur ein Militärakademiker, der in der Ausbildung an der
Theresianischen Militärakademie ist, den Dienstgrad
Fähnrich tragen.
Vereinigtes Königreich
Bis ins Jahr 1871 war
Ensign der niedrigste Offizierdienstgrad in den Infanterie
regimentern der
British Army. Dieser entspricht heute dem
Second Lieutenant. Aufgabe dieser Offiziere war es die Fahne des Regiments zu tragen. Ab dem
16. Jahrhundert hatte das Wort
ensign zwei Bedeutungen, zum einen die Fahne an sich und zum anderen den Träger eben jener Fahne. In der Zeremonie
Trooping the Colour werden die Fahnen der Regimenter von verschiedenen Dienstgraden getragen, diese haben heute noch die Aufgabe - nicht jedoch den Rang - eines
Ensign.
Vereinigte Staaten
In der
US Navy ersetzte der
Ensign 1862 den Rang eines „Passed
Midshipman“, also einen Midshipman der seine Ausbildung bereits beendet hatte. Der
Ensign der US Navy und der
US Coast Guard ist das Äquivalent zum Second Lieutenant der
US Army, des
US Marine Corps oder der
US Air Force. Im
NATO-Rangcode-System hat er die Stufe OF-1 und ist damit auch das Äquivalent eines
Leutnant zur See der
Marine|Deutschen Marine]. Ein Offizier im Dienstgrad eines
Ensign ist typischerweise noch in der erweiterten zweijährigen Spezialausbildung, nachdem er bereits sein
Offizierspatent bekommen hat. Nach dieser Ausbildung dient er dann für gewöhnlich als Offizier in einer
Division, in der er eine Gruppe von
Petty Officers und Mannschaftsdienstgraden führt. Doch selbst die Verwendung als Divisionsoffizier dient eigentlich noch der Ausbildung. Sie soll den jungen Marineoffizier mit den Pflichten und Verantwortlichkeiten, den Systemen, Programmen und Richtlinien des alltäglichen Dienstes unter der Leitung des Divisions-
Chief Petty Officers vertraut machen.
Aufgrund ihrer Schulterabzeichen werden US-Ensigns oft auch „butterbars“ (dt. etwa Butterriegel) genannt.
Der dienstälteste Ensign an Bord eines Schiffs der US Navy oder einer Marineflugstaffel erhält extra große Schulterabzeichen, in denen oft das Wort „BULL“ eingraviert ist. Dieser Offizier wird auch „Bull Ensign“ genannt. Der Tradition nach ist dieser Ensign als Mentor verantwortlich für die anderen dienstjüngeren Ensigns der Einheit. Zusammen mit dem dienstjüngsten Ensign, dem „J.O.R.G.“ (Abkürzung für: „Junior Officer Requiring Guidance“ - dt. dienstjunger Offizier, der Führung benötigt) oder „George“, der als Vizepräsident der Messe fungiert, ist er verantwortlich für die Formalitäten der militärischen Dinner während einer „Messe-Nacht“.
Geschichte
Der
Fähnrich war bei den
Landsknechten der unterste
Offiziersdienstgrad und wurde unter den langgedienten erfahrenen Mannschaften ausgewählt. Auf dem Marsch und in der Schlacht schwang er die Kompaniefahne bzw. die Fahne des
Fähnleins.Es war ihm unter allen Umständen verboten die Fahne loszulassen, oder gar auf die Erde fallen zu lassen. In Kriegsbüchern des 30- jährigen Krieges ist dazu festgelegt, sich in die Fahne einzuwickeln oder mit den Zähnen zu halten, sollte man keine Arme mehr haben. Diese Aufgabe übernahm im
18. Jahrhundert der
Freikorporal oder
Fahnenjunker. Dem
Fähnrich entsprach bei der
Kavallerie der
Kornett, bei der
Artillerie der
Stückjunker.
Mit den Heeresreorganisation von 1807 mutierte der Fähnrich vom Offizierdienstgrad zum Berufsoffizieranwärter im Unteroffizierrang; damit trat der Fähnrich an die Stelle des abgeschafften Freikorporals. Mindestvoraussetzung zum Eintritt in die Offizierslaufbahn war der Besitz der schulischen Mittleren Reife (das „Einjährige“).
Im Deutschen Kaiserreich wurde der Offizieranwärter aufgrund eines Dienstzeugnisses des Regimentschefs nach frühestens sechs Monaten zum Fähnrich ernannt. Damit war er dem Unteroffizier gleichgestellt. Fähnriche ohne Abitur besuchten anschließend für ein Jahr die Kriegschule. Mit Ablegung des Offizierexamens erfolgte die Beförderung zum Portepee-Fähnrich („Degen-Fähnrich“). Vor der Beförderung zum Leutnant musste das Offizierkorps in einem Wahlverfahren („Kooptation“) erneut seine Einwilligung erteilen.
Der Fähnrich trug Unteroffizieruniform, jedoch an der Seitenwaffe ein Portepee und Offizierkokarden an der Kopfbedeckung. Der Portepee-Fähnrich, der zwischen dem Vizefeldwebel und Etatmäßigen Feldwebel rangierte, legte die Offiziersseitenwaffe (Degen) am Mannschaftskoppel an. Die Unteroffiziertressen am Kragen entfielen. Auch durfte der Offizierüberrock getragen werden, allerdings mit den Mannschaftsschulterklappen.
Dem Portepee-Fähnrich entsprach in der Kaiserlichen Marine seit 1899 der Fähnrich zur See. Dagegen war der Seekadett dem Fähnrich bei der Armee gleichgestellt.
Siehe auch
Dienstgrad (Bundeswehr) | Militär (Österreich) | Bundesheer | Deutsche Militärgeschichte
Dienstgrad (NVA) | Offiziersdienstgrad | Unteroffiziersdienstgrad | Offiziersdienstgrad (Marine) | Unteroffiziersdienstgrad (Marine)
Ensign (rank) | alférez | Aspirant | Vaandrig | Прапорщик | Fänrik | Guardiamarina