Das Fürstentum Göttingen war ein Teilfürstentum des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Niedersachsen. Es entstand bei einer Teilung des Braunschweiger Fürstentums 1345 und wurde 1495 mit dem Fürstentum Calenberg vereinigt.
Nach dem Tode Albrecht des Großen im Jahre 1279 regierten dessen drei weltliche Söhne das Herzogtum zunächst gemeinsam, 1286 wurde es jedoch erneut unter diesen aufgeteilt. Albrecht der Feiste sollte den Süden, das Land Oberwald bekommen. Albrecht wählte Göttingen zu seinem Herrschaftssitz und zog in die in der nördlichen Altstadt befindliche Burg, das Ballerhus (auch Bahrhus) ein. Nach dem Tode seines Bruder Wilhelm konnte er ab 1292 auch wieder über das Braunschweiger Territorium herrschen. Nach dem Tode Albrechts 1318 übernahm zunächst noch dessen ältester Sohn Otto der Milde die Gesamtregierung, aber dies hatte seinen Grund wohl darin, dass die anderen beiden noch nicht volljährig waren. Otto starb 1344 kinderlos, nunmehr teilten dessen Brüder Magnus und Ernst das Land. Ernst bekam das Göttinger Territorium, das nun auf lange Zeit von Braunschweig getrennt wurde.
Ernsts Sohn Otto, genannt „der Quade“ (niederdeutsch für „der Böse“), wich von dieser Politik ab und kämpfte zusammen mit den Rittern gegen die aufstrebende Stadtbevölkerung, vor allem gegen Göttingen. Zum Höhepunkt dieser Auseinandersetzung besetzten die Göttinger 1387 dessen Burg, das Ballerhus, in der Stadt und schlugen ihn anschließend in einer offenen Feldschlacht. Insgesamt erscheint Ottos Herrschaft als Negativbilanz, da er seine Kräfte überschätzte und sie in zu vielen Unternehmungen zersplitterte. Seinem einzigen Sohn Otto Cocles (der Einäugige) hinterließ er ein verschuldetes und politisch ungeordnetes Land.
Otto Cocles übernahm 1394 die Regierung über das Fürstentum. Im Gegensatz zu seinem Vater verbündete er sich wieder mit den Städten gegen das in der Region mächtige Raubrittertum. So gelang es ihm, mehrere Burgen des adeligen Rittertums im Umkreis des Fürstentums zu zerstören. Auch wenn es ihm gelang, die politische Ordnung im Fürstentum wieder herzustellen, so litt Otto Cocles doch unter anhaltenden Finanzproblemen und musste sich bei seinen Vettern in Wolfenbüttel wiederholt Geld leihen und versprach diesen im Gegenzug, dass sie, da er selbst keine männlichen Nachkommen hatte, die Nachfolge. Otto zog sich bereits 1435 aus der Regierung zurück und überließ den Ständen die Regierung. 1442 kam es zudem zu einer weiteren Landesteilung als er seiner Gemahlin Münden überließ und Seesen und Gandersheim vom Restfürstentum abgetrennt wurden und von nun an zum Braunschweig-Wolfenbüttel gehörten. Otto selbst behielt Stadt und Schloss Uslar für sich. Nach einigen Auseinandersetzungen erlangte Wilhelm der Ältere, der schon die Regierung im Fürstentum Calenberg übernommen hatte, das Einverständnis seines Bruders Heinrich und der übrigen welfischen Fürsten, auch das Fürstentum Göttingen bis zum Tode Otto Cocles’ zu regieren.
Nach dem Tode Wilhelm I., der zwischenzeitlich auch in Wolfenbüttel nachgefolgt war, im Jahre 1482, erhielt zunächst sein jüngerer Sohn Friedrich der Unruhige die Länder Calenberg und Göttingen. Sein Bruder Wilhelm II. erhielt Wolfenbüttel. Dieser setze aber Friedrich 1484 ab und erklärte ihn für geisteskrank. Es gelang Wilhelm II. somit – wenn auch nur kurzfristig – das gesamte Gebiet der Teilfürstentümer Calenberg, Braunschweig-Göttingen und Braunschweig-Wolfenbüttel wieder zu vereinigen. Nach Friedrichs Tod im Jahre 1495 nahm Wilhelm eine abermalige Teilung über das Land vor und überließ seinem älteren Söhn Heinrich das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. Der jüngere Sohn Erich I. erhielt Calenberg und Göttingen und begründete so die Calenberger Linie des Hauses Braunschweig-Lüneburg. Das nunmehr entstandene Territorium wurde Fürstentum Calenberg-Göttingen genannt.
Die Städte Northeim und Göttingen haben im Fürstentum eine starke Rolle gespielt. Göttingen war Wirtschaftsmittelpunkt eines Raumes im Leinetal. Gerade hier war daher auch die Kaufmannschaft führend. Die Stadt Göttingen hat es jedoch nach und nach immer mehr geschafft, sich vom Landesherren unabhängig zu machen. Otto der Quade, der versucht hatte, seinen Einfluss in der Stadt durchzusetzen, hatte dabei wenig Erfolg. Im April 1387 erstürmten die Göttinger die herzogliche Burg innerhalb der Stadtmauern; im Gegenzug verwüstet zwar Otto Dörfer und Ländereien in der Umgebung. Die Bürger konnten jedoch im Juli in einer offenen Feldschlacht unter dem Stadthauptmann Moritz von Uslar zwischen Rosdorf und Grone einen Sieg über die fürstliche Streitmacht erringen. Otto musste danach im August 1387 die Freiheit der Göttinger Güter in der Umgebung anerkennen. Als Erich I. dann nach seiner Regierungsübernahme die Huldigung der Stadt verlangte, wurde diese ihm zunächst verweigert. Erst 1512, nachdem Erich 1504 die Reichsacht gegen Göttingen erwirkte, leistete die Stadt die Huldigung.
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