Der Föhn ist ein warmer, trockener und meist böiger Fallwind, der – hangabwärts gerichtet – an der dem Wind abgekehrten Seite (Leeseite) von Gebirgen auftritt. Die Bezeichnung wird vor allem für Winde im Alpenraum verwendet, worauf der Artikel Alpenföhn näher eingeht. Es gibt jedoch auch zahlreiche regional unterschiedliche Namen.
Ein Föhn- oder entsteht aus einer atmosphärischen Störung und ist ein Wetterphänomen physikalischer Natur, das weltweit auftritt. Kaum ein Gebirge hat nicht seinen eigenen, lokalen Fallwind, wobei Föhn, Chinook und Bora nur die bekanntesten von ihnen darstellen.
Etymologie und Regionalnamen
Die Bezeichnung Föhn ging vom
lateinischen
favonius (ein lauer Westwind), vielleicht über das
Alpenromanische, in das
Althochdeutsche (
phōnno) ein und wurde aus dem
Deutschen die in den Alpenländern vorherrschende Bezeichnung, die sich auch als Überbegriff durchgesetzt hat. Daneben sind Bezeichnungen für regionale Föhnlagen entstanden: Im Süden
Chiles wird der
Andenföhn
Puelche genannt, in
Argentinien hingegen
Zonda. Weitere Beispiele sind, der
Chinook an der Ostseite der
Rocky-Mountains, die
Santa Ana in
Südkalifornien, der
Chanduy in
Mexiko, der
Halny wiatr in
Polen, der
Aspr im französischen
Zentralmassiv und der
Canterbury Northwester in den
neuseeländischen Alpen. Auch in den deutschen Mittelgebirgen, zum Beispiel im
Erzgebirge, kann es zu kurzzeitigen Föhnlagen kommen. In
Kärnten wird der Südföhn als
Jauk bezeichnet, abgeleitet von
jug (
Slowenisch: Süden).
Weitere lokale Bezeichnungen sind unter anderem: Afghan, Oroshi, Kata kaze, Papagayos, Tehuantepecers, Norte oder Northers, Kachchab, Laoswind, Bohorok, Sarma und Kachchan.
Ein ähnlicher, jedoch katabatischer Fallwind ist der Bora an der kroatischen und montenegrinischen Adriaküste.
Definition
Definition: Föhn und Bora sind die typbestimmenden warmen bzw. kalten Fallwinde, die so oder ähnlich auch weltweit beobachtet werden können. Durch divergente bioklimatische Wirkung und gegensätzliche landschaftsprägende Folgen ist eine Separierung von föhn- und boragenen Typen zwangsläufig sinnvoll. Phänomenologisch lassen sie sich einfach unterscheiden:
- The föhn is a fall wind on the leeward side of a mountain range. When it blows the air temperature on the leeward slope becomes higher than before. On the other hand, the bora is also a fall wind on the leeward side of a mountain range, but when it begins, the air temperature on the leeward slope becomes lower than before. (Yoshino 1976)
- Übersetzung: Der Föhn ist ein Fallwind auf der Lee-Seite eines Gebirgszuges. Wenn er weht, steigt die Temperatur auf der Lee-Seite an. Demgegenüber ist die Bora zwar ebenfalls ein Fallwind auf der Lee-Seite des Gebirges, jedoch sinkt die Temperatur nach ihrem Einsetzen.
Bezüglich der Bora irrte Yoshino. Der Wind der Bora ist kalt, weil die Ausgangsluft kalte Polarluft ist, die trotz der trockenadiabatischen Erwärmung beim Herunterwehen sich nur so wenig erwärmt, daß sie immer noch als kalt empfunden wird
Definition nach World Meteorological Organization:
- „Ein Föhn ist in der Regel ein Wind auf der Leeseite eines Gebirge, der beim Abstieg eine Erwärmung und Trocknung erfährt. Die treibende Kraft sind entweder synoptische Strömungen oder ein Druckgradient über dem Gebirge, aber keine katabatischen Effekte.“
Darum ist jeder Wind, der diese Umstände erfüllt, ein Föhnwind, ohne Bezug auf den lokalen Namen.
Geschichte der Föhntheorie
Die in Lehrbüchern – auch heute noch – am weitesten verbreitete Erklärung des Föhns ist mit der Darstellung von Ficker & De Rudders aus dem Jahr 1943 verbunden, wird gern
thermodynamisch genannt und Julius Hann zugeschrieben, was aber nicht korrekt ist. Diese Theorie ist nach heutigem Verständnis nur noch von historischer Bedeutung. Ihre Charakteristika sind ein Niederschlag im
Luv, der als alleinige Erklärung der relativ hohen Temperaturen auf der Lee- im Vergleich zur Luvseite herangezogen wird, sowie eine dem Hangprofil folgende Störung auf beiden Seiten. Dies trifft jedoch in vielen Fällen nicht zu.
Thermodynamische Föhntheorie
Foehn.png
Ein Föhn entsteht nach der thermodynamischen Föhntheorie wie alle Winde durch die Wirkung einer Druckgradientkraft mit tieferem Druck auf der Lee-Seite eines Gebirges. Beim Aufsteigen der relativ feuchten Luft an der Luv-Seite des Gebirges kühlt sich diese zunächst so lange trockenadiabatisch mit einem Kelvin (K) pro 100 m Höhenanstieg ab, bis die relative Luftfeuchte 100 % beträgt. Dies liegt daran, dass die Wasserdampfkapazität der Luft mit der Temperatur sinkt und es beim Erreichen des Taupunktes zur Sättigung kommt. Steigt die Luft weiter, so folgt eine feuchtadiabatische Abkühlung mit durchschnittlich nur noch 0,6 K/100 m. Bei dieser Abkühlung bleibt die relative Luftfeuchte mit 100 % konstant. Die Luft das Wasser nicht mehr als Wasserdampf halten (Wasserdampf ist unsichtbar)und es kommt zur Kondensation. Die hieraus resultierende Wolkenbildung hält an, bis die Luft auf dem Bergkamm angekommen ist und führt fast immer zu Niederschlägen, die Steigungsregen genannt werden. In großen Höhen kann dieser auch in Schneefall übergehen. Typisch für die Föhnlage ist dabei das Auftreten einer Wolkenwand, der Föhnmauer, vor fast blauem Himmel, dem Föhnfenster. Mit dem Auftreten von sehr hohen Windgeschwindigkeiten, dem Föhnsturm, kann die Föhnmauer jedoch auch auf die Leeseite hereinbrechen und dort zu Niederschlägen führen.
Vom Kamm aus beginnt die Luft auf der anderen Seite des Berges hangabwärts zu sinken. Der Föhn ist also – trotz einer stabilen Atmosphärenschichtung – nach der thermodynamischen Föhntheorie ein katabatischer Wind. Die Ursache für das Sinken liegt daran, daß auf der Föhnseite der Wind durch ein Tiefdruckgebiet "abgesaugt" wird. Durch das Sinken erwärmt sie sich wieder trockenadiabatisch mit durchgehend 1 K/100 m – also viel schneller, als sie sich während des „Aufstiegs“ (in der feuchtadiabatischen Phase) abgekühlt hat, weil der Luft die beim Aufsteigen abgeregnete Wassermenge fehlt. Die abgeregnete Wassermenge in Verbindung mit dem rasche Wärmerwerden der Luft auf der Leeseite ist die Ursache für die relative Trockenheit und Wärme des Föhnwindes.
Probleme der thermodynamischen Theorie des Föhns
Die thermodynamische Theorie als Erklärung des Föhns basiert auf dem unterschiedlichen Temperaturverhalten der Luft bei vertikalen Bewegungen und ist wegen der didaktischen Klarheit insbesondere in Lehrbüchern weit verbreitet: In vielen Lehrbüchern wurde der Kondensationseffekt als „der thermodynamische Föhneffekt“ hervorgekehrt, als ob sonst keine Gründe für die Temperaturerhöhung bei Föhn vorlägen. Dieser Effekt ist lange Zeit zu sehr betont worden, wohl auch wegen seiner didaktischen Vorzüge. Zwei Beobachtungen zeigen, dass er nicht essentiell zum Föhn gehört:
- Es gibt auch Föhn ohne Bewölkung im Luv oder am Alpenhauptkamm.
- Die im Luv gestaute Luft ist nicht immer an der Überströmung beteiligt, sie kann stagnieren oder sich sogar in entgegengesetzter Richtung bewegen. Dazu haben Lammerts Messungen schon 1920 Beispiele gebracht.
Dass eine absteigende Warmluft dem
archimedischen Prinzip zuwider läuft, ist aber problematisch, dynamische Kriterien fehlen dieser Theorie und weder die Beobachtungen des
hydraulic jump noch die
mountain waves oder die Rotoren – auf welche im Folgenden eingegangen wird – können mit der Theorie erklärt werden.
Dynamische Föhntheorie
Obwohl die Atmosphäre aus
Gasen aufgebaut ist, benimmt sie sich in vielen Fällen wie eine Flüssigkeit. Daher treten viele atmosphärische Turbulenzen als Wellen auf.
Atmosphärische Wellenstörungen resultieren aus der Interaktion verschiedener Kräfte, darunter
Druckgradientkraft,
Corioliskraft,
Gravitation und
Reibung. Lange war die obige
thermodynamische Annahme bestimmende Theorie eines Föhnprinzips. Heute stehen allgemeine
strömungsdynamische Gesetze bei Prinzipien der Entstehung von Fallwinden im Vordergrund, die zum
mountain-wave-Konzept führen.
Wellen und Fallwinde als Ursachen der Entstehung des Föhns
Siehe Weblinks
Mountain waves and Downslope winds.
Hydrologisch/Hydraulische Analogie der Föhnströmung
Am geeignetsten, um Fallwinde in einem dreidimensionalen System zu erklären, sind hydrologische Modelle. Da sie auch für Bewegungsmuster in einem stark reliefierten Gelände mit Tälern und Pässen geeignet sind. Heute wird den topographischen Gegebenheiten noch mit der auf Englisch
gap flow dynamic genannten Hypothese Rechnung getragen. Hiernach ist die vertikale Einengung (am Pass) und eine laterale Kontraktion (in einer Lücke –
gap) der Luftströmung für Fallwinde wie Föhn und Bora unabdingbar.
Hydraulische Begriffe wie fließendes Wasser, schießendes Wasser, mit kritischer Geschwindigkeit strömendes Wasser und die zur Analogie der Machschen Zahl benutze Froudsche Zahl F, werden heute in der Föhntheorie benutzt.
Analog der Einteilung der Gasdynamik in Strömungen mit Unter- und Überschallgeschwindigkeit ist die Hydraulik der Strömungen mit freier Oberfläche in Wasserströmung mit Unter- und solche mit Übergrundwellengeschwindigkeit eingeteilt. Wasser, das mit einer Geschwindigkeit strömt, die kleiner ist als die Grundwellengeschwindigkeit, heißt in der Hydraulik fließendes Wasser, Wasser mit einer Strömungsgeschwindigkeit größer als die Grundwellengeschwindigkeit heißt schießendes Wasser. Strömt Wasser genau mit Grundwellengeschwindigkeit, so nennt man es „mit kritischer Geschwindigkeit strömendes Wasser". Die Froudsche Zahl F drückt letztlich das Verhältnis zwischen kinetischer Energie (Windgeschwindigkeit) und potenzieller Energie (Stabilität, Gebirgshöhe) aus.
- F=1 entspricht kritisch strömendem Wasser. Wenn die Zahl gleich oder etwas größer als eins ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit von mountain waves groß.
- F<1 entspricht fließendem Wasser. Ist die Zahl kleiner als eins, ist die Strömung ungenügend, um über das Hindernis zu kommen, die Zirkulation ist blockiert.
- F>1 entspricht schießendem Wasser. Ist die Zahl viel größer als eins, dann strömt die Luft ohne größere Oszillationen über das Hindernis.
Das Problem bei der Erklärung ist, das verschiedenartige Verhalten bei Modellversuchen von fließenden und schießendem Wasser beim Überströmen eines Bodenhindernisses analog beim Föhn anzuwenden. Wenn Wasser über ein Hindernis strömt, so wirken im Wesentlichen zwei Kräfte: die Schwerkraft und die Trägheitskraft. Man kann nun zwischen zwei Regimen unterscheiden:
- Beim superkritischen Fließen ist die Trägheitskraft dominierend. Kinetische Energie wird am Hindernis in potenzielle Energie umgewandelt (das heißt, Wasser strömt langsamer, hat aber am Gipfel potenzielle Energie, die es befähigt, hinunter zu stürzen und schneller zu fließen, also nach dem Hindernis mehr kinetische Energie zu haben).
- Beim subkritischen Fließen dominiert die Schwerkraft. Über dem Hindernis fließt das Wasser schneller, potenzielle Energie wird in kinetische Energie umgewandelt, die Dicke der Wasserschicht wird kleiner. Nach dem Hindernis wird die kinetische Energie zurück in potenzielle Energie verwandelt.
Wenn über dem Hindernis eine genügend starke Beschleunigung erreicht wird und eine genügend große Abnahme der Dicke der Wasserschicht erfolgt (bei großen Hindernissen möglich), kann ein Übergang von subkritischem zu superkritischem Fließen geschehen. Da nun das Wasser am Lee-Hang superkritisch ist, beschleunigt es sich und stürzt den Hang hinunter. Weil auf der ganzen Strecke über dem Hindernis potenzielle Energie in kinetische verwandelt wird, werden starke Fallwinde im Lee produziert. Die Flüssigkeit passt sich auf der Leeseite durch einen hydraulischen Sprung (engl. hydraulic jump) wieder der Umgebung an und wechselt dadurch wieder zu subkritischem Fließen. Hier besteht zur Gasdynamik eine Analogie: wie dort der Übergang einer Strömung mit Unterschallgeschwindigkeit zu einer mit Überschallgeschwindigkeit stetig erfolgt, der umgekehrte dagegen meist unstetig auf dem Wege über eine Riemannsche Stoßwelle, geht eine fließende Wasserströmung stetig in eine schießende über, eine schießende in ein fließende dagegen meist unstetig auf dem Wege über eine Wassersprung. Damit ist die durch Turbulenzen beim Wassersprung erzeugte Wärme für den hydraulischen Prozeß verloren, beim gasdynamischen Prozess bleibt diese aber als innere Energie erhalten, der Luftsprung entspricht damit nicht gänzlich dem Wassersprung. Dass beim Föhn eine Luftströmung mit überkritischer Geschwindigkeit existiert (schießend strömende Luft), wird durch die außergewöhnliche Turbulenz der Rotoren beim Emporschießen bodennaher Luft im Lee unterstrichen.
Stehende Welle
So gleichen die kleineren atmosphärischen Wellenstörungen, die durch orographische Hindernisse gebildet werden, einer Gravitationswelle, wie wir sie von den Küsten der Erde kennen. Während sich nun eine Ozeanwelle weiterbewegt und das Wasser still steht, ist es mit
mountain waves genau anders herum: Während die Welle essentiell stationär bleibt, bewegt sich die Luft durch sie hindurch. Solche Wellen heißen dann stehende Wellen.
Mountain waves können überall dort auftreten, wo eine starke Strömung, in einer stabilen Atmosphäre, auf eine topographische Barriere trifft.
Gap dynamic
Zu einem wesentlichen Element der Föhn-Hypothese gehört die
gap dynamic. Der Grundgedanke besteht darin, dass eine orthogonale Strömung, die gegen eine Gebirgsbarriere fließt, zuerst ein zweidimensionales Problem darstellt, dass aber, wenn aber so genannte
gaps (Täler, Pässe) vorhanden sind, die Dimensionalität des Problems verändert wird. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Froude-Zahl der Luft an einer Gebirgsbarriere niedriger ist und diese einen Weg durch Schluchten, Täler und Pässe anstelle einer Passage über das Hindernis nimmt. Dadurch, dass viele Gebirge bestimmte Windgassen aufweisen, wird diese Idee bestärkt. Beispiele sind die „Stampede Gap“ in der
Kaskadenkette in
Washington (
Cascade Windstorm), die Trockentäler des
Himalaya, das
Wipptal am
Brenner zwischen
Inn und
Etsch (Föhn), der
Vratnik-Pass über
Senj im
Velebit (Bora) oder der Einschnitt der
Bucht von Kotor in
Montenegro als Korridor der Risaner Bora.
Folgendes Bild für den Mechanismus des Föhns ergibt sich heute: Im Ausgangszustand lagert über einem Gebirgsrelief und seiner weiteren Umgebung eine ausgedehnte, nahezu horizontale
Temperaturinversion, in den Gebirgstälern und vielleicht auch im Vorland eine stagnierende kalte Luftschicht. Ein heranziehendes Tief beginnt die Luft durch den Kanal zwischen der Oberfläche der Kaltluft und der über dem Gebirge gelegenen Inversion abzusaugen. Die Strömungsgeschwindigkeit in diesem Kanal nimmt ständig zu. Ist die Absaugwirkung des Tiefs genügend stark, so wird irgendwann längs einer zunächst schmalen Teilstrecke des Gebirgszuges die Strömung zuerst kritisch werden. Bevorzugt dazu ist ein Pass, weil dort wegen der Düsenwirkung die Strömungsgeschwindigkeit besonders gesteigert wird. Längs dieser Strecke ist damit die maximale Förderleistung des Kanals erreicht. Die Inversion wird im Lee dieser Teilstrecke herabgezogen, und dieses Herabziehen der Inversion schreitet in Richtung der Grundströmung weiter fort, während darunter die Strömung überkritisch wird. Der Föhn hat am Pass begonnen und setzt sich in das Tal hinein fort, wobei er auch die Kaltluft am Boden des Kanals mit in seinen Bereich einbezieht. Während dieser Vorgang im Gange ist, kann die Luft zu beiden Seiten unserer Gebirgsteilstrecke noch ungehindert nachströmen, da dort die kritische Geschwindigkeit noch nicht erreicht ist. Das ansaugende Tief fordert aber weiteren Luftnachschub, so dass auch seitlich unserer Strecke die Strömungsgeschwindigkeiten weiterhin zunehmen müssen, bis nach und nach längs des ganzen Gebirgsrückens überall die kritischen Werte überschritten sind. In der gesamten Erstreckung des Gebirges hat damit der Föhn eingesetzt.
Verschiedene Missdeutungen bei der Temperaturerhöhung gerade des Südföhns verlangen eine genaue Analyse. Grundsätzlich hängt die adiabatische Erwärmung der Luft davon ab, dass die Atmosphäre zwischen der Talstation und dem Gebirgsgrat stabil stratifiziert ist. Vor allem an Sommertagen mit einer tiefen und gut durchmischten Grenzschicht und superadiabatischen Gradienten in der Nähe des Bodens ist der Föhn kühler als die Luft die er verdrängt. Daher wird die grundsätzliche Erwärmung und Trocknung der Föhn Luft aufgrund des Abstiegs auf der Lee Seite eines Gebirges mit der Tatsache verwechselt, dass Föhn Luft wärmer und trockener als die Luftmasse ist, die dieser auswechselt. Dies belegen Statistiken, die bei Südföhn in Innsbruck einen deutlichen erhöhten Trend der Temperaturmaxima in den Sommermonaten belegen. Für die Alpensüdseite ist der Effekt von Nordföhn aber durch die Kaltluftadvektion überschattet. Dagegen ist die Südströmung bei Südföhnlagen für den Bereich der Ostalpen im Raum von Tirol mit der Wirkung des Föhns als Südwind immer durch eine entsprechende Erhöhung der Temperaturmaxima charakterisiert.
Stauniederschläge
Dass implizierte
Stauniederschläge kein Muss bei Föhn sind, geht aus der Statistik von Fliri (
1984) eindeutig hervor. Bei Südföhn ist nur ca. 70 %
Niederschlagswahrscheinlichkeit am östlichen Alpensüdrand, 80 % im westlichen Teil mit Maxima von 90 % im
Tessin, wo die
Niederschlagsintensitäten auch größer sind. Dass der Fall aber nicht ganz einfach ist und ein thermodynamischer Effekt mit Aufsteigen von Bodenluft aus dem
Po-Becken unter Umständen eine Rolle spielt, wenn auch lokal beschränkt, konnte in einem partiellen Widerspruch zu bisherigen Ergebnissen gezeigt werden. Für Teile der Westalpen kann daher die feuchtadiabatische Komponente eine Rolle spielen. Während des ALPEX-Programms, wurde die Existenz eines Kaltluft-Pools an der Alpensüdseite bestätigt. Damit setzte sich die nicht ganz neue Theorie von Hann (1866) gegenüber der von Ficker & De Rudder (1943) durch. Hier ist die Luft der unteren Schichten im Pool gefangen und tritt nicht über den Alpenhauptkamm.
Auswirkungen auf den Menschen
Bei einer Föhnwetterlage kommt es immer wieder zu einem vermehrten Auftreten von Herz- und Kreislaufproblemen, aber auch anderen Beschwerden wie Kopfschmerzen, welche man unter dem Begriff der
Föhnkrankheit zusammenfasst.
Siehe auch
Winde und Windsysteme,
Leewellen,
Bise,
Lenticularis
Literatur
- Arakawa, S. (1976): Numerical Experiments on the Local Strong Winds : Bora and Föhn. - In: Yoshino, M. M. (edt.): Local wind Bora. - University of Tokio press, 155- 165, Tokio.
- American Meteorological Society (1959): Glossary of Meteorology. - Boston. (Online Version: http://amsglossary.allenpress.com/glossary/)
- Eckermann, Preusse (1999): Global Measurements of Stratospheric Mountain Waves from Space. - In: Science 286: 1534-1537
- Ficker, H., De Rudder, B. (1943): Föhn und Föhnwirkungen – Der gegenwärtige Stand der Frage. - Akad. Verlagsg. Becker & Erler, Leipzig.
- Fliri, F. (1983): Die Niederschlagsverteilung in den Alpen an Tagen mit starkem Südföhn in Innsbruck und in Altdorf. - In : Wetter und Leben 35, 154 – 162.
- Frey, K. (1984): Der „Jahrhundertföhn“ vom 8. November 1982. Eine synoptische Betrachtung. - In: Meteorologische Rundschau 37, 209 – 220.
- Hann, J. (1866): Zur Frage über den Ursprung des Föhn. - Zeit. Öster. Ges. Met. 1 (1), 257-263, Wien.
- Hann, J. (1867): Der Föhn in den österreichischen Alpen. - Zeit. Öster. Ges. Met. 2 (19), 433-445, Wien.
- Kuhn, M. (hrsg., 1989): Föhnstudien. - Wiss. Buchges., Darmstadt.
- Schweizer, H. (1953): Versuch einer Erklärung des Föhns als Luftströmung mit überkritischer Geschwindigkeit. - Archiv Met. Geo. Biokl., Ser. A5, 350-371.
- Seibert P. (1990): South Foehn Studies Since the ALPEX Experiment - Meteorol. Atmos. Phys. 43, 91-103.
- Steinacker, R. (2005) Unstationary Aspects of Foehn in a large Valley; ICAM-MAP Meeting, Zadar; (http://meteo.hr/ICAM2005/pdf/sesion-05/S5.1_Steinacker_unstat_aspects_fohn.pdf)
- Tamiya, H. (1976): Bora in einer großräumigen Betrachtung und ihr Zusammenhang mit Oroshi. - In: Yoshino, M. M. (edt.): Local wind Bora. - University of Tokio press, 83- 92, Tokio.
- Tartaglione, N., Ruti, P. P. (2000): Mesoscale Idealized Gap Flows. - MAP Newsletter no. 9. (http://www.map.ethz.ch/N19/tartaglione.htm)
- Vergeiner, J. (2004): South foehn studies and a new foehn classification scheme in the Wipp and Inn valley. - Dissertation. University of Innsbruck, 111 pp.
- World Meteorological Organization (1992): International meteorological vocabulary.
- Yoabuki, K. Suzuki, S.: Water Channel Experiment on Mountain Wave: Some Aspects of Airflow over a Mountain Range. - In: Yoshino, M. M. (edt.) 1976: Local wind Bora. - University of Tokio press, 181- 190, Tokio.
- Yoshino, M. M. (edt., 1976): Local wind Bora. - University of Tokio press, Tokio.
Weblinks
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