article

Der expressionistische Film entstand im wesentlichen in Deutschland, speziell in dessen „Filmhauptstadt“ Berlin, in der Stummfilmzeit der ersten Hälfte der 1920er Jahre. Doch auch in den Jahren zuvor tauchten bereits erste expressionistische Elemente in österreichischen Produktionen auf, die sich aus den vielseits beliebten Literaturverfilmungen entwickelten.

Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte die deutschsprachige Filmindustrie einen starken Aufschwung, ohne aber über Budgets zu verfügen, die mit denen Hollywoods vergleichbar gewesen wären. So war der deutschsprachige Film schon aus ökonomischen Gründen gezwungen, den Mangel an Technik und Ausstattung mit anderen Mitteln zu kompensieren. Da in Deutschland und Österreich zeitgleich in allen Kunststilen ein großer Experimentierwille herrschte, führte dies auch im Film zu radikalen Neuschöpfungen, die stark von expressionistischen Kunstformen beeinflusst war. Das bei weitem wichtigste Filmstudio während der Weimarer Republik waren die UFA-Studios in Potsdam-Babelsberg, in Österreich war das Sieveringer Filmatelier der Sascha-Film das größte Filmstudio, das jedoch Ausstattungstechnisch hinter den deutschen Studios zurücklag.

Als vermutlich erster Film, der expressionistische Stilmittel einsetzte, sei „Die Schlange der Leidenschaft“ aus dem Jahre 1918 genannt. Diese österreichische Produktion nimmt in Spielweise und Thematik so verschiedenen deutschen Filmen wie Josef von Sternbergs „Der blaue Engel“ (1930) als auch Carl Theodor Dreyers „Vampyr“ (1932) bereits manches vorweg. Zwei Österreicher - Hans Janowitz und Carl Mayer - waren es auch, die das Drehbuch zur ersten berühmten expressionistischen Produktion „Das Cabinet des Dr. Caligari“ aus dem Jahr 1919 schrieben. Während der Stummfilmzeit war Berlin die größte Filmproduktionsstätte im deutschsprachigen Raum, weshalb zahlreiche österreichische Regisseure, Drehbuchautoren und Schauspieler zeitweise oder dauerhaft in Berlin ansässig waren, und somit den deutschen Film mitbeeinflussten. Bekanntestes Beispiel ist der Regisseur Fritz Lang, der für die größte Filmproduktionsgesellschaft des deutschsprachigen Raums, die Berliner Universum Film (UFA) tätig war.

Stilmittel


Nosferatu01.png Charakteristisch sind die stark von der expressionistischen Malerei beeinflussten grotesk verzerrten Kulissen und die kontrastreiche Beleuchtung, die durch gemalte Schatten noch unterstützt wurde. Durch eine surrealistische und symbolistische mise-en-scène werden starke Stimmungen und tiefere Bedeutungsebenen erzeugt.

Daneben ist es aber vor allem die betont übertrieben gestische Spielweise der Darsteller, die das Expressionistische dieser Filmströmung kennzeichnet. Sie ist dem künstlerischen Vorläufer, dem Bühnenexpressionismus entlehnt.

Wichtige Filme


Nachleben


Die kurze Epoche des expressionistischen Films war bereits Mitte der 1920er Jahre wieder vorüber und als nach 1933 viele der früheren Protagonisten Deutschland in Richtung Hollywood verließen, waren nur noch dort Nachwirkungen zu spüren. Besonders zwei Genres wurden davon beeinflusst und können als „Erben“ des Filmexpressionismus gelten: Der Horrorfilm und der Film noir.

Heute scheint das Werk von David Lynch vom expressionistischen Film inspiriert zu sein. Werner Herzog drehte 1979 als Hommage ein Nosferatu-Remake mit Klaus Kinski in der Hauptrolle.

Siehe auch


Expressionismus | Deutsche Filmgeschichte | Filmgeschichte | Stummfilm

German Expressionism | Cinéma expressionniste | הקולנוע האקספרסיוניסטי הגרמני | Espressionismo (cinema) | Tysk ekspresjonisme | Expressionismo alemão

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Expressionismus (Film)".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld