Der Begriff Exil (v. lat. exilium, exsul = in der Fremde weilend, verbannt) bezeichnet die Abwesenheit eines Menschen oder einer Volksgruppe aus der eigenen Heimat aufgrund dortiger Verbannung, Vertreibung, Ausbürgerung, religiöser oder politischer Verfolgung.
Im Unterschied zur Emigration, die den Tatbestand jeglicher Auswanderung umfasst, geht die Erfahrung des Exils stets mit Einschränkungen und Beschneidungen des Individuums einher. Exil ist der unfreiwillige Verlust sprachlicher, sozialer und kultureller Wurzeln.
Freiwilliges Exil
Dennoch gibt es auch den Ausdruck
freiwilliges Exil; worunter man das Verlassen des Landes, aus meist politischer Motivation oder aus Furcht – schwerer Strafen – zurückzukehren, verstehen kann. Es kann heute ebenfalls als ein Ausweg des schlechten Lebens und einer Suche nach Identität angesehen werden. Die
Einwanderung ist in unseren Gesellschaften sehr gegenwärtig und kann auf die vorher erwähnten Faktoren zurückgeführt werden.
Exilant / Exilierter
Ein
Exilant bzw.
Exilierter ist die allgemeine Bezeichnung eines Menschen, der sich im Exil befindet. Sie wird auch in Zusammenhang mit Nationalitätsbezeichnungen verwendet, z.B.
Exiliraner,
Exilkubaner. Für diese
Emigranten bedeutet Exil gleichermaßen: Ausbürgerung, Entrechtung, Heimatlosigkeit, Orientierungslosigkeit, Existenzbedrohung, Geldmangel, Sprachprobleme und politische Unmündigkeit, verbunden mit Heimweh und der Sorge um das Wohlergehen daheimgebliebener Verwandter und Freunde.
Geschichte
In der menschlichen Geschichte ist das Exil sehr früh benutzt worden und hat eine lange Tradition als Form der
Sanktion/Bestrafung. Im Altertum hatte der römische Senat die Macht, es auf Einzelpersonen, Familien (oder sogar ganze Gebiete) auszurufen.
In der Geschichte wurde mehrfach ehemaligen Regierungschefs (oft Diktatoren) Exil in einem anderen Land gewährt. Die Hintergruende hierfür sind recht unterschiedlich. Manchmal waren es Verbindungen mit Wirtschaft und Politik eines ausländischen Landes, die ein Regierungschef hatte und wenn er sich nicht mehr halten konnte, wegen Revolutionen im Lande, dann ginge er (eher flüchtete) ins Exil. Manchmal wurde auch aus humanitären Gründen Exil einem Diktator angeboten, mit dem Ausschluß von weiterer Strafverfolgung (z.B. Menschenrechtsverletzung und Kriegsverbrechen). Das ist zwar ein Widerspruch an Sich, hatte aber den Sinn einen internen Krieg schnell zu beenden. Man war in den Fällen der Ansicht daß es besser sei einen Regierungschef so fast ungeschoren davon kommen zu lassen, anstelle von vielen tausenden weiteren Menschenleben. Aus gleichen Gründen wurden auch ähnliche Angebote von einer Folgeregierung im eigenen Land für ehemalige Regierungschefs gemacht.
Menschen/Aspekte im Exil
Ein früher Mensch im Exil war
Ovid. Er wurde gezwungen
Rom zu verlassen und nach
Tomis am Schwarzen Meer zu ziehen, die Stadt, die sich zum heutigen
Constanţa weiterentwickelt hat. Dort schrieb er sein berühmtes Werk
Tristia über seine Empfindungen im Exil. Dies ist ein Aspekt des im Exil lebens, als eine oft grundlegende/bedeutende Periode des Lebens eines Mannes. Der Künstler im Exil wird im allgemeinen zutiefst durch die Erfahrung geprägt. Weitere berühmte Exilanten sind z.B.
Du Fu und
Dante Alighieri.
Asyl
In vielen Ländern, so auch in Deutschland, können Exilanten unter bestimmten Voraussetzungen auf Antrag
politisches Asyl bekommen, das heißt einen rechtlichen Status, der einer Aufenthaltserlaubnis entspricht und rechtlich davor schützt, in die Heimat abgeschoben und den obengenannten Fluchtgründen ausgeliefert zu werden. In
Großbritannien sind Bürger aus
Commonwealth-Ländern aufenthaltsrechtlich den Einheimischen (Briten) gleichgestellt, weshalb sich dort für Exilanten aus diesen Ländern ein politisches Asyl erübrigt.
Erzwungenes Exil
Viele
Juden mussten während der
Nazidiktatur ins Exil gehen. Sie flohen vor dem in Deutschland zunehmenden
Antisemitismus und der Verfolgung. Der Weg führte Sie zunächst vorzugsweise in die Nachbarländer. Einen Ort, von dem man nicht wieder befreit wird, solange er nicht aufgehoben wird, nur wenn man ein wie oben angesprochenes politisches Asyl beantragt und dies auch bekommt, nennt man auch „
Erzwungenes Exil“ oder „
Zwangsexil“.
Siehe auch
Literatur
- Rudolf Schmid, Pinchas E. Rosenblüth: Exil I. Altes und Neues Testament II. Judentum. In: Theologische Realenzyklopädie 10 (1982), S. 707-714 (geschichtliche, kulturelle und religiöse Hintergründe; mit weiterer Lit.)
- jour fixe initiative berlin (Hg.): Fluchtlinien des Exils. Münster 2004, ISBN 3-89771-431-0
- Sandra Wiesinger-Stock, Erika Weinzierl, Konstantin Kaiser (Hg.): Vom Weggehen. Zum Exil von Kunst und Wissenschaft. Exilforschung heute Bd. 1. Wien 2006, ISBN 3-85476-18-1
Weblinks
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