Evander Holyfield (* 19. Oktober 1962 in Atmore, Alabama) ist ein US-amerikanischer Profiboxer.
Am 26. Oktober 1990 erkämpfte er sich den WM-Titel im Schwergewicht durch einen klaren KO-Sieg (3. Runde) gegen seinen unaustrainierten Rivalen James „Buster” Douglas. Nach einer Reihe von erfolgreichen Kämpfen in der Folgezeit, darunter gegen die damals 42-jährigen Exweltmeister George Foreman und Larry Holmes, verlor Holyfield seinen Weltmeistertitel Ende 1992 an den größeren und schwereren ungeschlagenen Silbermedaillengewinner von Seoul Riddick Bowe.
Darauf erklärte Holyfield nach 29 Kämpfen seinen Rücktritt, diese Entscheidung widerrief er jedoch, nahm sich Emanuel Steward als Coach und schlug erneut Alex Stewart, wirkte aber auf Journalisten formschwach.
Anschließend kam es im November 1993 zum Revanchekampf gegen Bowe, den Holyfield mit einer völlig anderen Strategie als im ersten Kampf, nämlich in and out statt pressure fighting, (siehe Boxen , Kampfstile ) für sich entschied.
Nach dem neuerlichen (umstrittenen) Verlust des WM-Titels im April 1994 gegen Michael Moorer wurde bei ihm ein angeborener Herzfehler diagnostiziert, der sein Karriereende zu besiegeln schien. Holyfield bestritt die Diagnose, meinte einfach falsche Medikamente genommen zu haben.
Doch Holyfield feierte 13 Monate später sein Comeback und bestritt Kämpfe gegen Ray Mercer und neuerlich gegen Riddick Bowe, dem er jedoch diesmal in der 8. Runde durch KO unterlag, nachdem er ihn in Runde 6 zunächst (zum ersten Mal in Bowes Laufbahn) selbst am Boden hatte. Er selbst machte später eine Hepatitiserkrankung für seine Niederlage verantwortlich.
Im November 1996 kam es schließlich zu dem seit Jahren geplanten Kampf gegen Mike Tyson, der 1996 nach seiner Entlassung aus der Haft die WM-Titel der WBA und WBC zurückerobert hatte, den WBC Titel aber abgab, weil Lennox Lewis Pflichtherausforederer war und Holyfield nach seiner KO Niederlage klarer Außenseiter war. Die Wettquoten eröffneten dementsprechend mit 25 zu 1, gingen dann etwas runter auf 16 zu 1 zugunsten Tysons (Boxing Monthly: The oddsmakers installed Tyson as a 25-1 on favourite but money coming in for Holyfield brought the odds down to 16-1 by the day of the fight.) Bei einer Umfrage des "Las Vegas Review Journal" setzten 47 von 48 Journalisten auf Mike Tyson.
Holyfield besiegte Tyson überraschend durch technischen K.O. in der 11. Runde und war damit nach dem legendären Muhammad Ali erst der zweite Boxer, dem es gelang, dreimal einen Titel im Schwergewicht zu erringen. Linearer Weltmeister war er keineswegs. Der Rückkampf im Juni 1997 endete mit einem Eklat: Der Kampf wurde nach der 3. Runde abgebrochen, nachdem Tyson (der die ersten beiden Runden verloren hatte) seinem Gegner ins Ohr gebissen hatte. Wegen dieser groben Unsportlichkeit wurde der Herausforderer disqualifiziert und für ein Jahr gesperrt. Im November 1997 besiegte Holyfield den IBF-Weltmeister Michael Moorer souverän durch technischen K.O. in der 8. Runde und vereinigte damit die WM-Titel von zweien der vier bedeutendsten Boxverbände auf sich.
Der Vereinigungs-Fight gegen den britischen WBC-Weltmeister und linearen Weltmeister Lennox Lewis im März 1999 in New York endete mit einem Skandal: Obwohl der Brite nach Meinung aller Experten klar überlegen war, wurde der Kampf unentschieden gewertet. Im Revanchekampf, der im November 1999 in Las Vegas stattfand, unterlag Holyfield Lewis nach einstimmiger Entscheidung von drei bekannten amerikanischen Punktrichtern (u.a. Jerry Roth und Chuck Giampa, die meistbeschäftigten Wertungsrichter von Las Vegas), der daraufhin alle WM-Titel auf sich vereinigte, nach Punkten. Das Ergebnis war erneut strittig; HBO und einige Experten hatten diesmal Holyfield knapp vorne gesehen und stänkerten. Boxing Monthly machte aber eine Umfrage, die ergab, dass eine breite Mehrheit der Journalisten Lewis vorn hatte. Die CompuBox-Statistik zeigte mehr Treffer für Lewis. "The Ring" wertete unentschieden, beließ Lewis auf 1 in ihren Ratings.
Trotz der umstrittenen Niederlage kann der zweite Kampf gegen Lewis als letzte gute Leistung Holyfields angesehen werden; in der Folgezeit war er nicht mehr der Alte. Im August 2000 gewann er durch einen knappen Sieg gegen den nur von seiner 19 Sekunden Niederlage gegen David Tua bekannten Amerikaner John Ruiz den vakanten Titel der WBA und war damit der erste Profi, der viermal Titelträger im Schwergewicht wurde, was von manchen Amerikanern als "vierfacher Weltmeister" verklärt wurde, obwohl offensichtlich war dass er nicht der richtige Weltmeister war.
Der Rückkampf gegen Ruiz im März 2001 endete für Holyfield mit dem Verlust des WM-Gürtels,er war sogar am Boden, eine neuerliche Revanche im Dezember desselben Jahres brachte ein Unentschieden.
Es folgten ein Sieg gegen den Ex-Weltmeister Hasim Rahman im Juni 2002, bei dem nach einem nach Ringrichtermeinung versehentlichen Kopfstoß Holyfields in der achten Runde der Kampf wegen einer riesigen Beule an Rahmans Stirn * abgebrochen werden musste und Holyfield durch technische Entscheidung gewann, da er nach Meinung von zwei der drei Punktrichter vorn lag.
Gegen Chris Byrd im Kampf um den vakanten IBF-WM-Titel im Dezember 2002 verlor er hoch, bekam schlechte Kritiken und gegen James Toney, Weltmeister im Cruisergewicht, ging er im Oktober 2003 sogar KO, selbst gegen Larry Donald unterlag er 2004.
Holyfield kündigte 2005 schon ein Comeback an, und zwar in Deutschland gegen Andreas Sidon. In den USA wurde er nach der Niederlage gegen Donald gesperrt, um ihn "vor sich selbst zu schützen". Bis heute kam es nicht zu dem Kampf.
Evander Holyfield bekam im Laufe seiner Karriere den Spitznamen The Real Deal verliehen, was so viel wie der einzig Wahre bedeutet.
Mann | US-Amerikaner | Boxer (USA) | Geboren 1962 | Weltmeister (Boxen)
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