Evakuierung (lat. evacuare "ausleeren") ist im Wortsinne eine Entleerung, Räumung oder eine Entfernung eines Inhalts.
Im technischen Sinne ist oft die Herstellung eines Vakuums in einem Gefäß gemeint, zum Beispiel in einer Elektronenröhre.
PublicInformationSymbol SafetyEvacuationArea.svg nach einer Evakuierung]]
Begriff
Allgemein wird der Begriff Evakuierung für die Bewegung von Menschen fort von einem gefährlichen Ort verwendet, zum Beispiel das Räumen einer Wohnung, eines Hauses, Bezirks oder Gebietes von Bewohnern vor, während oder nach Katastrophenfällen, wie Überschwemmungen, Bränden oder Bombenalarmen. Die Zeit einer Evakuierung bezeichnet man als Evakuierungsdauer. Die Begriffe Räumung und Evakuierung werden synonym gebraucht.
Das Wort evakuieren wird sowohl für Gebiete, als auch für Personen (oder Tiere) gebraucht. (Duden Großes Wörterbuch der Deutschen Sprache)
- eine Stadt evakuieren;
- die Bewohner einem Gebiet, Haus evakuieren ;
Auch die während des Zweiten Weltkrieges praktizierte Umsiedlung von Menschen, hauptsächlich Kinder und Frauen, aus durch Bombardements bedrohte Städte in ländliche Gebiete wurde als Evakuierung bezeichnet.
Eine weitere Bedeutung wurde dem Begriff im zweiten Weltkrieg von nationalsozialistischen Tätern beigefügt, als Evakuierung wie auch die synonym benutzten Begriffe Sonderbehandlung, Endlösung und Umsiedlung zur Tarnbezeichnung für die Tötung von Menschen dienten.
Evakuierungspläne
In von Katastrophen besonders gefährdeten Gegenden (z.B. in dem vom Vulkan Vesuv bedrohten Neapel) gibt es Evakuierungspläne, die eine rechtzeitige und zuverlässige Evakuierung ermöglichen und Panik vermeiden sollen. Sie sind oft Teile von Alarmplänen oder Katastrophenschutzplänen. Für Erdbeben und Vulkanausbrüche gibt es bisher noch keine zuverlässigen Frühwarnsysteme. Simulationen, Fluchtpläne und Evakuierungsübungen (Probealarme) sind Methoden, eine mögliche Evakuierung vorzubereiten.
Evakuierungspläne behandeln den Ablauf, sind also Teil des vorbeugenden, organisatorischen (nichtbaulichen, operationalen) Brandschutzes.
Ablauf von Evakuierungen
Schematisch kann der Ablauf einer Evakuierung in folgende Phasen
eingeteilt werden:
- Entdeckung der Gefahr
- Entscheidung über Evakuierung
- Auslösung des Alarms
- Reaktion der Personen auf den Alarm
- Bewegung der Personen zu Fuß zu einem Sammelpunkt (bzw. Rettung dorthin)
- Weitertransport der Personen mit Fahrzeugen an einen sicheren Ort.
Vereinfacht lassen sich auch
- Laufzeit (movement time) - bis zum Erreichen des Sammelpunktes bzw. eines sicheren Ortes - und
- Alarmierungs- und Reaktionszeit (pre movement time)
unterscheiden.
Die einzelnen Phasen unterscheiden sich je nachdem, welches Objekt
evakuiert wird. So ist z.B. bei Schiffen die Einteilung in eine
Sammlungs- und eine Einbootungsphase üblich. Diese beiden Phasen laufen
nacheinander ab und sind zeitlich und räumlich voneinander getrennt,
so dass die Entscheidung über eine
Evakuierung (Besetzen und Zu-Wasser-Lassen der Boote
bzw. Rettungsmittel) erst nach Abschluss der Sammlungsphase getroffen
werden kann.
Evakuierung von Gebieten
Die Evakuierung von Gebieten kann auf der Grundlage von Katastrophen
(natürliche oder durch Menschen ausgelöste) notwendig werden.
Die wichtigsten Naturereignisse, die die Evakuierung ganzer Gebiete
notwendig machen können, sind:
- Vulkanausbrüche
- Überschwemmungen
- Tsunamis
- Erdbeben
- Wirbelstürme
Zu den durch Menschen verursachten Ereignissen, die eine Evakuierung
notwendig machen können, gehören u.a.:
- Industrieunfälle
- Verkehrsunfälle (insbesondere für Land-, See- und Luftfahrzeuge)
- Brände
- Bombendrohungen
- Terroristische Anschläge
Die Evakuierung ganzer Gebiete ist eine Maßnahme des Katastrophenschutzes.
Evakuierung von Gebäuden
Die Evakuierung von Gebäuden ist i.a. ein Teil der Evakuierung von
Gebieten und wird daher durch die gleichen Ereignisse ausgelöst. Zunächst werden Gebäude evakuiert, anschließend evtl. ganze Stadtviertel, Städte und Bezirke.
Die individuelle Strategie bei der Evakuierung von Gebäuden wurde von
(Abrahams, 1994) untersucht:
Die unabhängigen Variablen bilden dabei die Komplexität des Gebäudes
und die Mobilität der Personen (körperliches Leistungsvermögen,
Gehbehinderung) und die abhängige Variable ist die Strategie.
Mit abnehmender Mobilität und zunehmender Komplexität des Gebäudes
ändert sich die Strategie von "schnelles Verlassen" über "langsames
Verlassen" und "Bewegung an einen sicheren Ort" (z.B. ein Treppenhaus)
hin zu "am Ort verweilen und auf Rettung warten". Diese letzte
Strategie gilt insbesondere für bettlägerige Personen (z.B. bei der
Evakuierung von Krankenhäusern), die von Pflegepersonal oder
Rettungskräften gerettet werden müssen.
Evakuierung von Schiffen
Der wesentliche Unterschied zwischen der Evakuierung von Gebäuden und
der Evakuierung von Schiffen ist die Möglichkeit, einen sicheren Ort zu
erreichen. Vergleichbar ist der Ablauf auf Schiffen mit dem für
Gebäude nur während der ersten Phase, dem Sammelprozess. Die eigentliche
Evakuierung in die Boote bzw. Rettungsmittel (z.B. aufblasbare Flöße)
beginnt erst, nachdem die Sammlungsphase (ggf. für eine Sammelstation)
abgeschlossen ist. Diese Entscheidung über die Evakuierung wird vom
Kommandanten des Schiffes möglicherweise erst zu diesem Zeitpunkt
getroffen. Darüber hinaus spielt die Strategie "Bewegung an einen
sicheren Ort" eine sehr viel bedeutendere Rolle als in
Gebäuden. Sammelstationen sind solche "sichere Orte".
Evakuierung von Land- und Luftfahrzeugen
Land- und Luftfahrzeuge sind im Hinblick auf die Evakuierung auf der
der einen Seite mit Gebäuden, auf der anderen Seite mit Schiffen
vergleichbar. Flugzeuge werden (ggf. nach der Notlandung)
üblicherweise über Rettungsrutschen evakuiert. Bei einer Notwasserung
sind diese Rettungsrutschen gleichzeitig mit Rettungsflößen
verbunden.
Die hauptsächlichen Gründe für die Evakuierung von Zügen sind Unfälle
und technische Defekte (sowie deren Folgen, z.B. Rauchentwicklung).
Abgesehen von Seilbahnen sind hierzu keine weiteren Hilfsmittel
(Evakuierungssysteme) notwendig.
Beispiele
Evakuierung amerikanischer Truppen am
30. April 1975 anlässlich des Falls
Saigons.
Weblinks
Seiten in deutscher Sprache
- http://www.rimea.de - Richtlinie für Mikroskopische Entfluchtungs-Analysen, Offenes Projekt zur Entwicklung einer Richtlinie für die Evakuierung von Gebäuden
- http://www.vfdb.de - Vereinigung zur Förderung des deutschen Brandschutzes
Seiten in englischer Sprache
- http://www.traffic.uni-duisburg.de - PESOS und BYPASS, Forschungsprojekte "Evakuierung von Fahrgastschiffen" an der Universität Duisburg-Essen
- http://www.germanlloyd.org/aeneas.html - Evakuierungssimulation von Fahrgastschiffen
- http://www.tiems.org - The International Emergency Management Society
- http://angel.elte.hu/~panic - Seite ungarischer Forscher zum Thema Paniksimulation
- http://fseg.gre.ac.uk - Fire Safety Engineering Group an der Uni Greenwich
- http://www.ohsep.louisiana.gov/evacinfo/stateevacrtes.htm - Evakuierungsplan für Louisiana vom Januar 2000
Referenzen
- Gershenfeld, Neil: Mathematical Modelling. OUP, Oxford, 1999.
- Abrahams, John: Fire escape in difficult circumstances, chapter 6, In: Stollard, 1994, Design against fire.
- Stollard, P. and L. Johnson, Eds.: Design against fire: an introduction to fire safety engineering design, London, New York, 1994.
- http://www.traffgo-ht.de/de/pedestrians/bibliography/index.html - Eine Literaturübersicht zu Fußgängern und Evakuierung
- Hubert Klüpfel: A Cellular Automaton Model for Crowd Movement and Egress Simulation. Dissertation, Universität Duisburg-Essen, 2003.
http://purl.oclc.org/NET/duett-08012003-092540
Siehe auch
Sicherheit | Katastrophenschutz