Europastraßen sind eine Klasse von Fernstraßen, die sich in Europa, Zentral- und Kleinasien befinden. Sie bilden ein Netz von etwa 50.000 km Länge, dienen dem internationalen Verkehr und sind durch ein weißes E mit Straßennummer auf grünem Grund gekennzeichnet.
In einigen Staaten wie z. B. der Bundesrepublik Deutschland tragen Straßen die Europastraßen-Bezeichnung neben der nationalen Straßennummer, während in anderen Staaten wie z. B. Schweden die nationalen Fernstraßen ausschließlich die Europastraßen-Nummer tragen. Derzeit gibt es etwa 210 Europastraßen.
Nicht durch die Europäische Union, sondern unter dem Dach der UN/ECE erfolgt die Festlegung des Verlaufs der Europastraßen. Grundlage ist das European Agreement on Main International Traffic Arteries (AGR) (etwa: Europäisches Übereinkommen über die wichtigen internationalen Verkehrsadern) vom 15. November 1975. Das Original dieses Abkommens ist nur in den drei Amtssprachen Englisch, Französisch und Russisch verfügbar.
Die Liste der Europastraßen ist der Anhang I zu diesem Abkommen, Anhang II beschreibt die Bedingungen, die die Europastraßen erfüllen sollten und Anhang III beschreibt das Schild, durch das Europastraßen gekennzeichnet sind. Die Liste der Europastraßen wird in unregelmäßigen Abständen fortgeschrieben.
Bis etwa 1985 waren die wichtigsten Europastraßen einstellig, z. B. die E5 von London nach Istanbul oder die E6 von Kirkenes über Narvik nach Rom. Diese früheren einstelligen Europastraßen waren die klassischen Fernfahrerrouten.
Die heutige Nummerierung sieht wie folgt aus:
Die wichtigsten Routen haben als Endziffer "5" oder "0", wobei die Straßen, die auf "5" enden, in Nord-Süd-Richtung verlaufen, und diejenigen, die auf "0" enden, in Ost-West-Richtung verlaufen. Sie werden jeweils von West nach Ost bzw. von Nord nach Süd nummeriert.
Beispiele: Die heutige E5 läuft von Schottland bis Südspanien und die E85 am westlichen Rand des Schwarzen Meeres entlang. Die E20 geht von Limerick in Irland bis nach Sankt Petersburg. Die E40, die von Calais in Frankreich bis an die chinesische Grenze in Kasachstan reicht, dürfte mit mehr als 8.000 Kilometer Länge die längste einheitlich nummerierte Straße der Welt sein.
1931 wurde in Genf das Bureau International des Autoroutes (B.I.A.R.) mit dem Ziel gegründet, ein gesamteuropäisches Schnellstraßennetz zu errichten; die Ideen wurden auf den sogenannten "Internationalen Autobahnkongressen" besprochen. Auf dem zweiten Autobahnkongress vom 18. bis 20. April 1932 in Mailand erfolgte die Gründung der Organisation Internationale des Autoroutes (O.I.A.R.) mit dem Zweck der "Förderung der moralischen und finanziellen Zusammenarbeit von Staat und Privatinitiative in allen Autostraßenfragen, (...) die Schaffung der technischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Unterlagen für den Bau von Autostraßen (...) und ein einheitliches und harmonisches internationales Vorgehen wird erstrebt, unbeschadet der Notwendigkeit, weitgehend auf die nationalen Besonderheiten Rücksicht zu nehmen."
Hieraus entstanden die ersten europaweit einheitlich nummerierten Fernstraßen, allerdings - aufgrund der politischen Entwicklungen - erst viele Jahre später.
Folgt man den heutigen Europastraßen, ist man häufig auch auf weniger frequentierten Strecken unterwegs. Dadurch haben sie auch nicht mehr den Ruf des Exotischen wie beispielsweise die früheren Balkan- oder Nordkaprouten.
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