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Dieser Artikel über die Europäische Expansion behandelt die territoriale Ausbreitung europäischer Staaten auf andere Kontinente. Der dabei dargestellte Zeitraum erstreckt sich von 1500 bis etwa 1800, wobei die letztere Jahreszahl von Kontinent zu Kontinent variieren kann. Für zeitlich und thematisch weiterführende Artikel siehe ganz unten.

Die Ausgangssituation


Siege constantinople bnf fr2691.jpg in einer Darstellung aus dem 15. Jahrhundert]]Als im Jahre 1453 die Türken Konstantinopel eroberten, bedeutete dies einen immensen Schlag ins Gesicht der europäischen Händler, insbesondere derjenigen aus den italienischen Stadtstaaten Venedig und Genua. Durch die Sperrung des Landhandelswegs über die alte Seidenstraße durch die Eroberer wurden Luxusgüter, vor allem Gewürze, immer unerschwinglicher, da sie bisher nur über diesen Weg aus Asien importiert werden konnten. Gelehrte wie Paolo dal Pozzo Toscanelli oder Pierre d'Ailly jedoch vertraten die Ansicht, dass die Erde eine Kugel, Asien somit auch auf dem Seeweg nach Westen zu erreichen sei. Ihre Theorien wurden von vielen zum Teil uralten Legenden und Gerüchten genährt, die schließlich andere Männer dieser Zeit auf die Idee brachten, den westlichen Weg nach Asien zu erkunden. Christoph Kolumbus, der erste, der diesen Versuch unternahm, ahnte jedoch nicht, was ihn auf der anderen Seite des Atlantiks erwartete.

Die Expansion in Amerika


Nach der erster Reisen des Kolumbus wurde die neu entdeckte Welt recht schnell nach einigem Gerangel unter den beteiligten Mächten Portugal und Spanien im Vertrag von Tordesillas 1494 aufgeteilt. Danach erhielt Spanien alles Land, was 370 spanische Meilen westlich der Azoren bereits entdeckt oder noch zu entdecken war, Portugal dementsprechend alles östlich dieser von Nord nach Süd verlaufenden Linie. Freilich hatte bis dahin noch keiner der beiden Staaten ernsthafte Gebietserweiterungen vorgenommen, von der Inbesitznahme Hispaniolas 1493 einmal abgesehen.

Süd- und Mittelamerika

Nach der Besetzung Kubas durch die Spanier 1511 landete ein bunt gemischter Haufen unter dem Kommando des Hernán Cortés schließlich 1519 auf dem mittelamerikanischen Festland. Angelockt von den Gerüchten und unterstützt von diversen ansässigen Indiostämmen zogen die Conquistadores nach Tenochtitlán, die Hauptstadt des Reiches der Azteken. Deren König Moctezuma II. hieß die Fremden zunächst willkommen, denn er hielt sie wie seine Untertanen für die Gesandten des Quetzalcoatl, eines Gottes, der der Legende nach vor langer Zeit nach Osten davongesegelt war und geschworen hatte zurückzukehren. Die Spanier zeigten jedoch sehr bald ihre wahren Absichten. Sie konnten zwar 1520 noch zurückgeschlagen werden, eroberten die Stadt jedoch trotz erbittertem Widerstand von Seiten der Azteken am 13. August 1521 und machten sie dem Erdboden gleich. Auf ihren Trümmern entstand dann das spätere Mexiko-Stadt, das schnell durch von Gerüchten über unermesslichen Reichtum angelockte Siedler anwuchs. (Siehe hierzu auch Spanische Eroberung Mexikos)

Pizarro.jpg, Eroberer von Peru]]Etwa zur selben Zeit, da Cortes im heutigen Mexiko gelandet war, wurde Panama-Stadt gegründet, die erste europäische Siedlung am Pazifik. Von hier zogen die Spanier aus zu ihrem zweiten großen Feldzug: der Eroberung des Reiches der Inka. Wieder einmal angelockt von Gerüchten über einen unglaublich reichen König waren etwa 150-200 Männer von Panama aus 1532 nach Süden gesegelt. Sie landeten an der Küste Perus und zogen zur Stadt Cajamarca, wo der Inkaherrscher Atahualpa lagerte. Er hatte gerade den Bürgerkrieg gegen seinen Stiefbruder Huáscar gewonnen und ihn gefangengenommen. Hochmütig empfing er die Ankömmlinge, die ihn nach seiner Weigerung, zum christlichen Glauben zu konvertieren, im Handstreich selbst gefangen nahmen und ein Lösegeld für ihn forderten. Als seine Untertanen das geforderte Gold abgeliefert hatten, wurde Atahualpa getauft und kurzerhand erdrosselt. Die Conquistadores schlugen danach noch drei Armeen der Inka in die Flucht, bevor sie in die Hauptstadt Cuzco einzogen. Sie hatten ein Reich zu Fall gebracht, dessen Einwohnerzahl der Spaniens gleichkam und das eine hocheffiziente Verwaltung und eine Armee von wahrscheinlich über 30.000 Mann besaß. Bei beiden Eroberungszügen, in Mexiko und in Peru, profitierten die Spanier jedoch von einer Schwäche der Reiche, die sie angriffen. Wer weiß, ob diese Trupps von Banditen - denn mehr als das waren sie vermutlich nicht - jemals die Azteken oder Inka besiegt hätten, wären deren Reiche nicht auf Blut und Unterdrückung aufgebaut bzw. durch einen Bürgerkrieg geschwächt gewesen!

Fundacion de Santiago.jpg bei der Gründung von Santiago de Chile]]Die Spanier konsolidierten in den folgenden Jahrzehnten ihre Herrschaft und besetzten noch weitere Teile Mittel- und Südamerikas, nämlich die Gebiete der heutigen Staaten Guatemala, Honduras, Nicaragua, Costa Rica sowie alle heute spanischsprachigen Länder Südamerikas; außerdem drangen sie auch nach Kalifornien vor. Dennoch dauerte es aufgrund des unwegsamen Geländes sehr lange, bis Revolten niedergeschlagen werden konnten; so wurden die letzten Inka-Rebellen des Tupac Yupanqui 1572, die letzte freie Stadt der Maya auf Yucatán, Tulúm, gar erst 1697 besiegt. Das vorgebliches Ziel der Spanier war die Verbreitung des christlichen Glaubens, tatsächlich dürfte es ihnen aber vielmehr um Macht und vor allem Reichtum gegangen sein. Was letzteres betraf, wurden sie zumindest nicht enttäuscht: Silber aus Peru wurde Spaniens wichtigster Exportartikel. Als Spanien in den Napoleonischen Kriegen 1808 von Frankreich besetzt wurde, war die Kolonialverwaltung in ihrer Autorität geschwächt. Die dortige Bevölkerung, die schon lange die Bevormundung durch die spanischen Behörden satt und politische, wirtschaftliche und administrative Autonomie gefordert hatte, nutzte nun die Gunst der Stunde und erklärte ihre Unabhängigkeit. Bis 1826 schafften es die Armeen von José de San Martín von Argentinien und von Simon Bolívar von Venezuela aus, die Spanier aus ganz Südamerika zu vertreiben. In Mexiko wurde die spanische Herrschaft nach einem elfjährigen Aufstand unter der Führung des Generals Agustín de Iturbide beendet.

Portugal ließ sich mit der Kolonisation Amerikas etwas länger Zeit: Zwar nahm Pedro Álvares Cabral Ostbrasilien schon 1500 offiziell in Besitz, doch wurde der Verwaltungssitz Bahia erst 1549 gegründet; hauptsächlich aber nur da die Portugiesen Angst hatten, die Franzosen und Engländer könnten ihnen zuvorkommen. Ein weiterer Grund für die späte Besiedelung war die Notwendigkeit der Entscheidung zwischen Indien und Brasilien, wobei Indien zunächst weitaus profitabler erschien. Deshalb ist es bezeichnend, dass der Amazonas nicht von einem Portugiesen, sondern dem Spanier Francisco de Orellana entdeckt wurde. Bei Anbruch des letzten Quartals des 16. Jahrhunderts hatte sich die brasilianische Küste zum führenden Zuckerrohrproduzenten entwickelt, hauptsächlich durch die massive Verschiffung angolanischer Sklaven nach Amerika. Da Portugal und Spanien ab 1580 unter einer Krone vereinigt waren, wurde ein Sklavenüberschuss oftmals gegen Zahlung von Silber in das von den Spaniern beherrschte Gebiet geliefert. Mit Ausnahme der Küstengebiete Brasiliens wurde das portugiesische Kolonialreich in Amerika danach nicht weiter ausgedehnt.

Nach der Eroberung Portugals durch Napoleon floh das portugiesische Königshaus nach Rio de Janeiro, von wo es Brasilien zu einem mit dem Mutterland in Personalunion verbundenen Königreich machte. Der Kronprinz weigerte sich nach Napoleons Sturz Brasilien wieder den Status einer Kolonie zu verleihen und erklärte 1822 nach einem liberalen Offiziersputsch die Unabhängigkeit Brasiliens. Dennoch wurden noch bis 1826 die beiden Länder von einem Monarchen regiert; erst ab diesem Zeitpunkt war die ehemalige Kolonie wirklich unabhängig.

Nordamerika

Die Expansion in Nordamerika begann erstaunlich spät. Zwar hatte der Spanier Francisco Coronado in den zwanziger Jahren des sechzehnten Jahrhunderts eine Expedition durch den Südwesten der späteren USA angeführt, die ersten Ansiedlungen entstanden jedoch erst vierzig Jahre später. Die Franzosen gründeten 1565 eine erste Siedlung in Florida, die jedoch sehr bald von den Spaniern wieder zerstört wurde. Die ersten beiden englische Versuch der Kolonisierung North Carolinas scheiterten kläglich; die Bewohner von Roanoke verschwanden vier Jahre nach dem Bau ihres Dorfes im Jahre 1587 spurlos. Erst mit der Gründung von Jamestown 1607 und Quebec 1608 durch England bzw. Frankreich konnten Europäer dauerhaft in Nordamerika Fuß fassen.

Die Franzosen taten sich besonders in Kanada durch ihren Besiedelungseifer hervor. Hauptgründe für die rasche Erschließung des Gebiets waren der lukrative Pelzhandel und das Bestreben, die Indianer zum Christentum zu bekehren. Unter dem Gouverneur Samuel de Champlain, dem Gründer von Montréal, wurde der St.-Lorenz-Strom bis zu den Großen Seen sowie Akadien erschlossen und der Lake Huron sowie der nach ihm benannte Lake Champlain entdeckt. Später erreichten französische Entdecker noch die Großen Seen und den Oberlauf des Mississippi, nach dessen Mündung schon Sieur de la Salle gesucht hatte. LouisianaPurchase.pngDorthin schickte König Ludwig XIV. 1699 eine Expedition unter der Leitung von Jean-Baptiste Le Moyne, Sieur de Bienville, die einen Handelsposten gründete, der sich rasch zu einer florierenden Stadt entwickelte, die heute unter dem Namen New Orleans bekannt ist. Das französische Kolonialreich (La Nouvelle France) umfasste bis Mitte des 18. Jahrhunderts immerhin das Gebiet des St.-Lorenz-Stroms, der Großen Seen sowie des Mississippi bis zu seiner Mündung bei New Orleans.Jedoch mussten die Franzosen im Pariser Frieden von 1763, in dem der siebenjährige Krieg beendet wurde, ihre kanadischen Besitzungen an Großbritannien abgeben. Der Rest (Louisiana genannt) fiel zunächst an Spanien, kam jedoch 1800 wieder zu Frankreich und wurde von Napoleon 1803 für 15 Millionen US-Dollar an die Vereinigten Staaten verkauft.

England konzentrierte sich in seinen Bestrebungen auf die zentralen Gebiete der nordamerikanischen Ostküste. Jedoch wurden die Siedler nicht von den Behörden unterstützt, da die meisten von ihnen ihre Siedlung wie die Passagiere der Mayflower 1620 aufgrund religiöser Gründe errichtet hatten, da sie auf den britischen Inseln ihrer Konfession wegen unterdrückt worden waren. Durch den lukrativen Pelzhandel strömten aber bald mehr Menschen nach Amerika, was den Bedarf nach Land stark ansteigen ließ. Es gab jedoch viele Hindernisse für die Kolonisten, nämlich das schwer in Richtung Westen zu durchquerende Gebirge der Appalachen und die ihnen feindlich gesonnenen Ureinwohner. 1636 zogen dennoch einige Siedler aus Landmangel unter der Führung von Roger Williams von der Küste von Massachusetts ins Landesinnere und etablierten die Kolonie Rhode Island. Eine andere Region, die wegen des Pelzhandels erschlossen wurde, war die Gegend des Connecticut River und einige andere Flusstäler. Die Niederländer interessierten sich ebenfalls für die dort zu gewinnenden Pelze und gründeten einige Ansiedlungen, die jedoch allesamt im Laufe der Zeit von den Engländern übernommen wurden. Dazu zählen u.a. Fort Orange (das heutige Albany) am Hudson River, Fort Nassau an der Mündung des Delaware River und Neu-Amsterdam, das heutige New York. Die Präsenz der Engländer führte zusammen mit ihrem guten Verhältnis zu den Indianerstämmen, v.a. den Irokesen, zu Spannungen mit den in Kanada ansässigen Franzosen. Das Ende des siebenjährigen Krieges ließ schließlich alle französischen Besitzungen in Kanada an Großbritannien fallen. Der Quäker William Penn wurde 1681 Gouverneur der nach ihm benannten Kolonie Pennsylvania. Er gründete die Stadt Philadelphia (somit eine der ältesten Städte Nordamerikas) und warb auch in Deutschland um Siedler für seinen Besitz, was 1683 in der Gründung des Dorfes Germantown gipfelte. Auch die alte Kolonie in Virginia wuchs beständig an; 1650 lebten bereits 5000 Weiße dort. Von hier aus startete die Kolonisierung vieler weiter westlich und südlich gelegenen Gebiete. Erstaunlicherweise glaubten viele der damaligen Europäer, hinter den Bergen Virginias begänne bereits der Pazifische Ozean, was durch viele Berichte der Indianerstämme bestärkt wurde, die besagten dass "jenseits der Berge viele Flüsse in ein großes Meer fließen".13colonias.jpg Der Gouverneur William Berkeley beauftragte 1651 den Deutschen John Lederer, dies zu überprüfen. Dieser fand zwar nichts bedeutendes heraus, öffnete aber einen Handelsweg zu den Stämmen der Cherokee und der Catawba. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts schafften es die ersten Entdecker, die Appalachen im Süden zu überqueren und zu den Flüssen Ohio und Cumberland vorzustoßen. Weiter südlich, von South Carolina und Georgia aus, drangen die Europäer um diese Zeit bis nach Tennessee und Kentucky sowie zur Mobile-Bucht vor. Die Dreizehn Kolonien entwickelten im Laufe ihrer Entstehung eine florierende Wirtschaft. Neben der Pelzjagd erhielten auch der Anbau von Tabak, Zuckerrohr und später Baumwolle große Bedeutung. Bemerkenswert hierbei ist, dass bis 1660 die meisten unfreien Arbeitskräfte Weiße waren, deren sozialer Status kaum besser war als der der mittelalterlichen Leibeigenen. Diese Arbeiter waren Auswanderer, die sich nur durch eine Zwangsverpflichtung eine Reise in die neue Welt leisten konnten. Erst als sich der Lebensstandard in England um 1660 signifikant hob, begann man mit der Transferierung schwarzer Sklaven aus Afrika in die Kolonien.

Im Jahre 1776 sagten sich die dreizehn Kolonien nach einigen Unruhen von Großbritannien los und erklärten ihre Unabhängigkeit. Nach einem langjährigen Krieg gegen die britischen Regierungstruppen mussten diese 1783 im Vertrag von Paris ihre Niederlage eingestehen; sie erkannten die Kolonien als souveränen Staat an und traten das Gebiet zwischen den Appalachen und dem Mississippi an sie ab. Dieser Vertrag sicherte endgültig die Existenz der Vereinigten Staaten von Amerika. Die kanadischen Ländereien jedoch standen weiterhin unter der Oberhoheit der britischen Krone.

Der Westen Nordamerikas blieb den Europäern sehr lange unbekannt. Zwar hatten die Spanier im 17. Jahrhundert die Küste bis nach Oregon erforscht, aber dies war sehr lückenhaft geschehen; beispielsweise wurde erst nach 1700 nachgewiesen, dass Kalifornien keine Insel war. Etwa zu dieser Zeit hatten die Russen vernommen, dass es östlich der Halbinsel Kamtschatka ein weiteres unerforschtes Land gab. Der Kosake Semjon Deshnew war bereits 1648 um das Ostkap der Halbinsel gesegelt, doch sein Bericht hatte den Zarenhof in St.Petersburg nicht erreicht. Peter der Große schickte 1724 den Dänen Vitus Bering auf eine Expedition, auf der er die nach ihm benannte Beringstraße fand, doch erst 1741 landete er an der Küste Alaskas.Sacramento california 1849.jpg Durch Berichte seiner Matrosen über Pelztiere (er selbst war auf dem Rückweg umgekommen) wurden viele Siedler angelockt, die einige Stützpunkte an der Südküste Alaskas gründeten und die Bewohner der Aleuten durch ihre Willkür terrorisierten. Alaska wurde schließlich 1867 an die USA verkauft. Die Spanier breiteten sich ab etwa 1750 an der kalifornischen Küste aus. Sie wurden dazu durch Gerüchte über russische und englische Aktivitäten in diesem Gebiet angetrieben. Hier stießen sie erstmals auch über die Täler ins Landesinnere vor. Bedeutende Stadtgründungen dieser Zeit sind Los Angeles (1781), San Francisco (1792), San Diego (1834) und Sacramento (1848). Diese spanischen, später dann mexikanischen Gebiete kamen 1848 nach dem mexikanisch-amerikanischen Krieg zu den USA.

Die Expansion in Asien


Russland

Die lange Herrschaft der Goldenen Horde und Feindseligkeiten mit den Nachbarstaaten waren der Grund dafür, dass das Großfürstentum Moskau um 1450 faktisch von der westlichen Welt isoliert war. Die Eroberung von Nowgorod 1478 und die darauffolgende Unabhängigkeitserklärung setzten jedoch das Zeichen, dass die Macht der Fürsten von Moskau noch lange nicht gebrochen war. Die Tataren setzten sich zwar erbittert zur Wehr, aber sie konnten nicht verhindern, dass die Moskowiter durch die Vernichtung der Khanate Kasan 1552 und Astrachan 1556 die Kontrolle über das Wolgabecken erlangten. Trotz der Plünderung Moskaus durch die Krimtataren 1571 beherrschten sie ein Jahrzehnt später das gesamte Gebiet des heutigen Russlands bis zum Ural. Sibir-1689.pngDer Pelzhandel lockte auch hier viele Siedler in die unerforschten Gebiete. Die eingeborenen Völker, die fast ohne Ausnahme asiatischer Herkunft waren, wurden dabei entweder russifiziert oder gleich ausgerottet. Die Pioniere, in der Hauptsache Kosaken, errichteten entlang der Flussläufe Sibiriens an den Handelswegen neue Handelsposten, die sich allmählich zu Städten entwickelten. Beispiele hierfür sind Tjumen 1586, Krasnojarsk 1628, Irkutsk 1652 und Ochotsk 1649 sowie Omsk 1716 und Petropawl 1752. Die Küste des Pazifiks wurde erstmals 1639 erreicht. Mit diesen Siedlungen wurde Russlands Herrschaft über Sibirien begründet. Schnell entwickelte sich ein schwunghafter Seidenhandel mit dem südlichen Nachbarn China. Im Jahre 1689 wurde das Gebiet nördlich des Flusses Amur, das Russland zuvor China abgenommen hatte, im Vertrag von Nertschinsk an China zurückgegeben. (Nebenbei war dies der erste je von einem chinesischen Kaiser abgeschlossene bilaterale Vertrag.) Bis Mitte des 17. Jahrhunderts lebten in den Gebieten östlich des Urals mehr Europäer als Ureinwohner. Dies war hauptsächlich durch die reichen Rohstoffvorkommen und die Besiedelungspolitik der russischen Zaren bedingt, die oft Kolonisten aus anderen Ländern Europas anwarben. Schlusspunkt dieser Entwicklung war die Gründung der Stadt Wladiwostok, der Perle des Ostens, im Jahre 1860. Zwar waren zuvor auch die Halbinsel Kamtschatka sowie Teile Alaskas besiedelt worden, doch hatte dies keinen großen Einfluss mehr auf die weitere Entwicklung Russlands.

Die europäischen Seefahrernationen

Nach den Erkundungsfahrten des portugiesischen Prinzen Heinrichs des Seefahrers zu Beginn des 15. Jahrhunderts hatten viele Seefahrer versucht, einen Weg nach China oder zu den "Gewürzinseln" zu finden. Während also ein Christoph Kolumbus mit Unterstützung der spanischen Krone sein Glück im Westen suchte, rüstete sich ein anderer bereits für eine Expedition in die andere Richtung: Vasco da Gama. Im Juli 1497 verließen seine drei Schiffe Portugal mit dem Auftrag Entdeckungen zu machen und nach Gewürzen zu suchen; jedoch spielte auch die Legende vom Reich des Priesterkönigs Johannes eine große Rolle. Nachdem sie im November das bereits 1486/87 von Bartolomeu Diaz entdeckte Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas umrundet hatten, erreichten sie die muslimische Stadt Malindi an der Ostküste des schwarzen Kontinents. Von dort aus segelten die Portugiesen mit Hilfe eines einheimischen Lotsen weiter nach Indien, wo sie mit dem König von Calicut einen lukrativen Handelsvertrag abschlossen. Der daraus erwachsende Reichtum veranlasste die Portugiesen, 1510 die Stadt Goa zu erobern und sie zur Hauptstadt ihres indischen Kolonialreichs zu machen. Von dort aus wurde der von den Moslems betriebene Seehandel im indischen Ozean schnell unterbunden und von portugiesischen Händlern übernommen. Die Molukken selbst wurden zwar schon 1512 vom Portugiesen António de Abreu entdeckt, jedoch hatten die Spanier anders als die Portugiesen aufgrund der reichen Silber- und Goldvorkommen in der Neuen Welt kein Interesse daran. Stattdessen begannen sie mit der Besetzung eines Archipels, das bereits Ferdinand Magellan kurz vor seinem Tod 1521 auf seiner Weltumsegelung entdeckt hatte und das der Eroberer Miguel López de Legazpi zu Ehren seines Königs 1571 Philippinen nannte. Die Philippinen stellten deshalb eine Besonderheit in Asien dar, da sich vor der Ankunft der Europäer keine städtische Kultur entwickelt hatte. Da sich die spanischstämmige Bevölkerung schnell vermehrte und sich die Inseln nicht gerade durch üppige Nahrungsüberschüsse auszeichnen konnten, waren die Spanier gezwungen die Eingeborenen zur Zwangsarbeit auf ihren Feldern heranzuziehen. Schon ab 1600 entwickelte sich in Manila, dem spanischen Hauptstützpunkt, ein günstiger Umschlagplatz für chinesische Seide, die für Silber aus den amerikanischen Kolonien gekauft wurde. Das lockte jedoch auch viele andere Europäer herbei, weshalb sich die Spanier vor allem der Übergriffe der Portugiesen und Niederländer erwehren mussten. Mughal empire large.pngUnterdessen verschafften sich Erstere weitere Handelshäfen im Indischen Ozean. Nach Goa waren noch Malakka und Hormuz an Portugal gefallen und befestigt worden. Dem indischen Mogulreich, das sich 1570 ebenfalls vom Landesinneren her einen Zugang zum Meer verschafft hatte, waren die Fremdlinge zwar ein Dorn im Auge, jedoch konnten sie die Neuankömmlinge nie vertreiben. Der portugiesische Plan, die Insel Ceylon zu erobern, wurde deshalb nur durch den Tod des kinderlosen Königs im Jahre 1580 vereitelt, wodurch Portugal an Spanien fiel. Nach dem Untergang der spanischen Armada 1588 erhielten somit auch andere Länder ihre Chance, in den Gewürzhandel einzusteigen. Nach zahlreichen Überfällen auf spanische Schiffe und Stützpunkte wurde im Jahre 1600 die Englische Ostindien-Kompanie gegründet, die dem portugiesischen Seehandel ebenso schwer zusetzte wie die 1602 entstandene Niederländische Ostindien-Kompanie. Die Niederländer nahmen Portugal bald darauf die Molukken ab, eroberten Ceylon und errichteten 1619 ihre Faktorei Hollandia (das spätere Batavia und heutige Jakarta). Die Briten hingegen konzentrierten sich auf Indien, wo sie für ihre Kompanie später Bombay und Kalkutta als Stützpunkt einrichteten. Mitte des 17. Jahrhunderts fasste auch Frankreich mit der Gründung der Französischen Ostindien-Kompanie in Indien Fuß. Engländer und Franzosen spielten recht geschickt die indischen Fürsten gegeneinander aus um sich ihrer Unterstützung zu versichern. Gut hundert Jahre später entwickelte sich aus den Feindseligkeiten ein von den beiden Seiten geführter Stellvertreterkrieg, in dem die Briten in der Schlacht von Plassey unter der Führung von Robert Clive 1757 als Sieger hervorgingen. 1773 schließlich wurde die Kompanie der britischen Regierung direkt unterstellt. Das von den durch Hofintrigen der europäischen Gesandten, Aufständen und Gebietsforderungen Großbritanniens geschwächte Mogulreich besaß zwar nominell immer noch die Oberhoheit über den indischen Subkontinent, doch die wahre Macht lag nun in den Händen der Briten. Bis 1857 übernahmen sie auch offiziell die Herrschaft über Indien.

Chinamap1812.jpgWeiter östlich lagen die Dinge anders. In China herrschte seit 1644 die aus der Mandschurei stammende Mandschu- oder Qing-Dynastie über ein Volk, das über doppelt so viele Einwohner verfügte als ganz Europa und eine bis dahin beispiellose Wirtschaft entwickelt hatte. Chinesische Seide und Porzellan waren überall auf der Welt heiß begehrt. Zwar gab es seit 1601 eine kleine Jesuitenmission, die insbesondere astronomische Kenntnisse vermittelte, doch ansonsten war der europäische Einfluss winzig. Als Zahlungsmittel für die chinesischen Waren wurden nur Silber (von den Spaniern) und Gold (von den Russen) akzeptiert. Den Russen wurde im Vertrag von Nertschinsk 1689 der unbeschränkte Handel gewährt, doch die anderen Nationen hatten keinen Anteil daran. Der bis ins 19. Jahrhundert hinein einzige geduldete Handelsplatz war die portugiesische Insel Macao in der Mündung des Perlflusses, doch alle weitergehenden Maßnahmen von Seiten der Europäer wurden nicht toleriert. Um nun also die Autorität der kaiserlichen Beamten zu untergraben, führten Briten und Franzosen illegal Opium ein. Da die chinesische Wirtschaft jedoch massiv auf die Silbereinkünfte angewiesen war, die nun immer mehr abflauten, steuerten die Staatsfinanzen immer mehr auf den Ruin zu. Die Gegenreaktion des Kaisers lautete Krieg, doch dieser Krieg wurde zum Desaster: China musste Hongkong an Großbritannien abgeben und zwölf Häfen dem unbegrenzten Handel öffnen. Dies läutete schlussendlich den Niedergang des chinesischen Kaiserreichs ein. 1543 kam es zum ersten Kontakt zwischen Europäern und Japanern. Die Neuankömmlinge revolutionierten nicht nur durch die Einführung des Gewehrs die japanische Kriegsführung, sondern verbreiteten dort auch das Christentum. Da aber einige Feudalherren im Westen, die sogenannten Daimyos, als Zeichen ihrer Unabhängigkeit von der Zentralmacht in Kyoto das Christentum angenommen hatten, verbot die japanische Regierung ab 1590 weitere Missionierungen und die Ausübung der christlichen Religion. Da andere europäische Länder neben dem Handel auch die Bekehrung der japanischen Bevölkerung im Sinn hatten, wurde ihnen allen das Betreten der japanischen Inseln untersagt. Ab 1639 wurde allen Ausländern von der Dynastie der Tokugawa der Kontakt mit Japanern verboten, mit Ausnahme der Chinesen und Niederländer. Letztere waren auf die künstliche Insel Deshima in der Bucht von Nagasaki beschränkt und durften nur deshalb bleiben, weil sie als einzige keine Missionare ins Land geschickt hatten. Diese Isolation dauerte über 200 Jahre an, bis der amerikanische Admiral Matthew Perry die Japaner 1853 mit nur vier Kriegsschiffen zur erneuten Öffnung ihrer Häfen zwang.

Noch ein kurzes Wort zu Australien. Dieser riesige Kontinent wurde als letzter aller Kontinente 1606 von den Holländern entdeckt. Abel Tasman und James Cook vermaßen die riesige Landmasse im 17. und 18. Jahrhundert grob. Von den Entdeckungen beflügelt beschloss das britische Parlament, im Südosten einige Strafkolonien einzurichten, deren erste 1788 Sydney war. Diese Siedlungen hatten auch den Zweck, die Schiffahrtsrouten in der Südsee vor den Franzosen zu schützen. Da die anderen europäischen Mächte scheinbar keine Interesse an dem riesigen Gebiet zeigten, wurde der ganze Kontinent 1829 von Großbritannien kurzerhand annektiert.

Die Expansion in Afrika


Die ersten See-Expeditionen, die das Afrika südlich der Sahara kartographierten, waren wohl diejenigen des Heinrichs des Seefahrers, eines portugiesischen Prinzen, zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Zuerst wurden die Azoren und das unbewohnte Madeira entdeckt, danach konzentrierte man sich auf die Erkundung der Westküste. Zusammen mit den Kapverden entwickelten sie sich zu sehr ertragreichen Zuckerrohranbaugebieten. Die Gier nach Gold und Sklaven trieb die Entdecker immer weiter nach Süden. Nachdem sie beides in Guinea gefunden hatten, nahmen die Expeditionen an Umfang und Anzahl beträchtlich zu. Elmina slave castle.jpg an der Küste Ghanas]]Im heute nigerianischen Lagos nahmen europäische Händler dann erstmals an einer afrikanischen Sklavenversteigerung teil. Die Europäer führten demnach die Sklaverei in Afrika nicht ein, sondern nutzten bereits bestehende Strukturen. Der Hunger nach Sklaven trieb die Erkunder immer weiter; auf ihrem Weg benannten sie wichtige Gegenden nach ihren Haupthandelswaren. (Namen wie "Goldküste" oder "Elfenbeinküste" haben in dieser Zeit ihren Ursprung.) Bartolomeu Diaz und Vasco da Gama schließlich schafften als erste Ende des 15. Jahrhunderts die Umrundung der Südspitze Afrikas. Südlich des Äquators gab es zwar für die Europäer nicht viel von Wert, doch trieb sie die Suche nach dem Seeweg nach Indien dazu, weiterzuforschen. An der Ostküste trafen sie dabei auf zahlreiche Städte, die regen Handel mit Indien und dem Landesinneren betrieben. Der Sklavenhandel fand jedoch zumeist an der Westküste statt. Zahlreiche Niederlassungen von Senegal bis zum Kap der Guten Hoffnung entstanden (wie z.B. Luanda, die heutige Hauptstadt von Angola) nur zum Zweck der Sklavenverschiffung. Anfangs hielt sich die Nachfrage in Grenzen, doch im 17. Jahrhundert führte die massive Entführung von mehreren Dutzend tausend Menschen jährlich zu einer ernsthaften Gefährdung der lokalen Gesellschaftsverhältnisse. Dennoch drangen die Europäer erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weiter in das Landesinnere vor.

Die Rolle der Ureinwohner


Die Eingeborenen der von den Europäern eroberten Gebiete erlitten fast ausnahmslos ein erbarmungswürdiges Schicksal. Die Neuankömmlinge tilgten in Amerika hochentwickelte Kulturen von der Landkarte, versklavten die ursprünglichen Bewohner der besetzten Landstriche und zwangen sie zur Arbeit auf den Plantagen und in den Silberminen. Die Indios waren die harten Arbeitsbedingungen zumeist nicht gewöhnt und wurden durch sie und die aus Europa eingeschleppten Krankheiten zu Tausenden dahingerafft. Das veranlasste die Europäer dazu, Sklaven aus Afrika zu importieren und einzusetzen. Viele der schwarzen Sklaven starben schon an den erbärmlichen Bedingungen auf den Schiffen, der Rest erlag der harten Arbeit sowie Krankheiten und Unterernährung. Für die Kolonisten kam die Einfuhr immer neuer Sklaven billiger als die Versorgung der Sklavenbevölkerung. Kritische Stimmen wie die eines Bartolomé de las Casas, der gegen die Versklavung der Indios protestierte, halfen nur die übelsten Auswüchse dieser Menschenschinderei zu überwinden. In Ostasien, wo es die Europäer außer in Indien nie schafften ein territorial geschlossenes Gebiet zu beherrschen, wurden die Völker durch die europäische Kultur beeinflusst, wodurch letztlich die verwaltungsmäßige Struktur der dortigen Staaten untergraben wurde. Diese setzten sich mehr oder weniger erfolgreich dagegen zur Wehr, sei es durch Krieg (wie China) oder selbstauferlegte Isolation (wie Japan). Die asiatischen Völker konnten sich jedoch insgesamt in ihrer Kultur gegen die Europäer behaupten. In Amerika und Afrika hingegen war die einheimische Kultur fast vollständig entwurzelt worden.

Quellen


  • Geoffrey Parker (Hrsg.): The Times - Große Illustrierte Weltgeschichte, Verlag Orac, Wien 1995
  • Geoffrey Barraclough/Geoffrey Parker (Hrsg.): Knaurs Neuer Historischer Weltatlas, Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1999
  • Heinrich Pleticha (Hrsg.): Weltgeschichte in 12 Bänden, Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH, Gütersloh 1996

Weiterführende Artikel


Kolonialismus | Europäische Expansion

 

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