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Der Eurofighter EF 2000 ist ein Mehrzweckjagdflugzeug, das von Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien in Gemeinschaftsproduktion entwickelt wurde. Es ist die erste serienmäßig gebaute Version der sogenannten vierten Generation (nach europäischer Klassifizierung) von Kampfflugzeugen. Der Name Eurofighter gilt nur für die innerhalb Europas verwendete Version. Die Exportversion nennt sich Eurofighter Typhoon.

Geschichte


ILA2000-003 Eurofighter.jpg 2000.]] Die vier europäischen Länder gründeten 1983 gemeinsam mit Frankreich ein Konsortium, welches das Flugzeug entwickeln und bauen sollte. Damals wurde das Flugzeug in Deutschland noch als "Jäger 90" bezeichnet, da es bereits in den 1990er Jahren in den Truppendienst kommen sollte. Frankreich stieg jedoch 1985 aufgrund unvereinbarer Leistungsanforderungen aus und ließ bei Dassault Aviation die äußerlich ähnliche Rafale entwickeln.

Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der Entwicklungsverträge beabsichtigten die vier Partnerländer, 765 Flugzeuge zu beschaffen, je 250 für Deutschland und Großbritannien, 165 für Italien und 100 für Spanien. Für die Entwicklung von Flugzeug und Triebwerk wurden diese Zahlen als Basis der jeweiligen nationalen Arbeitsanteile genommen.

Hersteller ist die Eurofighter Jagdflugzeug GmbH in Hallbergmoos bei München. Auf Basis der ursprünglichen veranschlagten Bestellungen der jeweiligen Länder wurden die Produktionsanteile wie folgt verteilt:

Mit dem Abschluss des endgültigen Produktionsvertrages 1997 wurden diese Anteile neu verteilt, da sich die Zahl der bestellten Flugzeuge in der Zwischenzeit geändert hatte:

  • 43% EADS ehemals 29% DASA und 14% CASA
  • 37% BAE SYSTEMS
  • 19,5% Alenia Aeronautica

Am 27. März 1994 startete der Prototyp DA1 mit Peter Weger in Manching zum Erstflug. Im Februar 2005 fanden in Schweden erste Einsatzprüfungen in kalten Wetterzonen statt, im folgenden Sommer Hitzetests in Moron/Andalusien.

Technik


Eurofighter_ILA_2006.jpg | EJ200-Eurofighter-Turbine-apel.JPG | Militärtechnisch bedeutet der Eurofighter für Europa den Aufschluss gegenüber den USA und gehört auch weltweit zu den modernsten Mehrzweckkampfflugzeugen.

Die Höchstgeschwindigkeit mit Nachbrennern beträgt laut Hersteller EADS Mach 2,0. Das Flugzeug ist Supercruise-fähig, wird also auch ohne Nachbrenner überschallschnell - ohne Außenlasten Mach 1,5, mit montierten Luft-Luft-Raketen Mach 1,2.

Seine Entenflügel (Canards) verleihen dem Eurofighter eine sehr gute Manövrierfähigkeit bei geringer Geschwindigkeit sowie einen geringeren Luftwiderstand. Sie ermöglichen auch in Kombination mit den Ruderflächen am Haupttragflügel ein Steigen oder Sinken ohne Veränderung des Anstellwinkels, was sonst nur mit einer Schubvektorsteuerung möglich ist.

Der Eurofighter ist ein im Unterschall aerodynamisch instabiles Flugzeug, im Überschall verlagert sich der Druckpunkt hinter den Schwerpunkt und die Maschine fliegt dann aerodynamisch stabil. Dies erhöht den Auftrieb und die Wendigkeit im Unterschall, gleichzeitig verringert sich im Überschall der Luftwiderstand. Seine hohe Wendigkeit erreicht er mit Hilfe von Flugkontrollcomputern Fly-by-Wire, da der Pilot bei manueller Steuerung überfordert wäre. Anders als bisherige Jagdflugzeuge mit Canards, sind beim Eurofighter die Entenflügel weit vorne angeordnet. Dadurch kann der Eurofighter kontrolliert höhere Anstellwinkel (AOA) erreichen. Die hohe Wendigkeit wird bei zunehmender Geschwindigkeit deutlich, da der Eurofighter im Vergleich zu anderen Kampflugzeugen seine Wendigkeit auch im Überschallbereich weitgehend beibehält. Derzeit einzigartig ist seine Fähigkeit 9-G-Manöver auch im Überschallbereich fliegen zu können (bis Mach 1.2). Aufgrund der bereits vorhandenen Wendigkeit, sowie technischer und finanzieller Probleme, wurde zunächst auf eine Schubvektorsteuerung verzichtet. Dennoch ist sie für spätere Varianten geplant, um das Rollvermögen zu verbessern und den Eurofighter auch nach einem Strömungsabriss noch steuerbar zumachen. Die Steigleistung übertrifft die der F-16.

Das Kampfflugzeug besitzt 13 Aufhängungen, wovon drei für Zusatztanks benutzt werden. Weiterhin verfügt er über ein IRST-System (Infrared Search & Tracking), mit dem er Feindflugzeuge bei gutem Wetter auf eine Entfernung bis zu 50 km erfassen und verfolgen kann, ohne sich durch sein Radar selbst bemerkbar zu machen. Ein neues Sprach-Interface ermöglicht es dem Piloten, wichtige Funktionen per Stimme zu steuern. Als Schleudersitz wird ein Martin-Baker Mk.16A verwendet.

Die Ausstattung mit den IRIS-T-Raketen, dem AMSAR (Airborne Multi-Role Solid State Active Array Radar), sowie den künftigen MBDA Meteor Luft-Luft-Langstreckenraketen machen den Eurofighter zu einem guten Abfangjäger. Für Bodenangriffe wird er mit den neuen, deutsch-schwedischen Taurus-Marschflugkörpern ausgestattet. Optional wird zum Eigenschutz des Eurofighters ein Selbstschutzsystem namens EuroDASS angeboten, das aus Raketenabwehrmaßnahmen, Radarwarnern und diversen weiteren Gegenmaßnahmen ("counter measures") besteht. Dies ermöglicht dem Eurofighter auf externe ECM-Behälter zu verzichten.

Um die Kosten zu senken, wurden keine hohen Anforderungen an die Stealtheigenschaften gestellt, wie es bei der amerikanischen F-22 Raptor der Fall ist, trotzdem wurden einige Konstruktionen in dieser Richtung optimiert. So wurden die Lufteinlässe außen nach oben gezogen, um rechte Winkel zu vermeiden und die Luft-Luft-Raketen in den Mittelrumpf der Maschine integriert um den Radarquerschnitt (RCS) klein zu halten, wenn auch nicht vollständig wie es bei reinen Tarnkappenflugzeugen der Fall ist. Auf Maßnahmen, die sich negativ auf die Flugleistungen und die Agilität ausgewirkt hätten, wurde dagegen verzichtet. Mit Radarabsorbierenden Materialien (RAM), das hauptsächlich von EADS/DASA entwickelt wurde, werden die größten Radarreflektoren beschichtet. Dazu gehören die Tragflügelvorderkanten, der Lufteinlass und der gesamte Einlauf, alle Ruder, Strakes etc. Allerdings wurde dies nur im geringen Maße angewendet, da RAM-Beschichtungen nur schwer zu warten sind und hohe Kosten verursachen. Als Zielvorgabe war ein RCS von 25% im Vergleich zu einer MRCA Tornado anvisiert. Der wirkliche RCS Wert ist geheim.

Die Leistungsfähigkeit als Abfangjäger wurde Ende 2004 demonstriert, als sich ein britischer, zweisitziger Eurofighter und zwei amerikanische F-15E über britischem Luftraum begegneten: In einem von den US-Piloten initiierten Scheingefecht konnte der Eurofighter beide F-15 binnen kurzem ausmanövrieren und simuliert abschießen.

Probleme und Kosten


Umstritten ist der Eurofighter in Deutschland vor allem, weil derzeit eine entscheidende militärische Bedrohung als fragwürdig und ein Verteidigungsfall unwahrscheinlich erscheinen. Im Zuge der langen Entwicklungszeit wurde deshalb immer wieder zum Thema, ob militärisches Großgerät in diesem Umfang im Allgemeinen sinnvoll und selbst die reduzierte Anzahl Jets im Speziellen von Nöten sei. Es wurde zudem argumentiert, dass die ca. 85 Mio. € pro Flugzeug an anderen Stellen besser zu investieren wären. Die durch den Eurofighter zu ersetzenden Kampfflugzeuge vom Typ F-4 Phantom gelten zugleich jedoch als deutlich überaltert, ähnlich wie die bis 2015 zu ersetzenden Tornados bei den JaBo-Geschwadern 31 und 33 der Luftwaffe. Der stückzahlbedingte Preis liegt für Österreich bei ca. 63 Mio € "fly-away" Kosten (reines Flugzeug ohne Logistik, EuroDASS, MIDS) und ca. 100 Mio. € für das gesamte System; hingegen zahlt Deutschland laut BMVg 15,4 Mrd €, was einem Systempreis von ca. 85 Mio. € pro Flugzeug entspricht. Allerdings wurden mit Österreich Kompensationsgeschäfte vereinbart, die insgesamt sogar die Beschaffungskosten deutlich übersteigen sollen.

Bestellungen


  • Großbritannien: 232
  • Deutschland: 180 (Kabinettsbeschluss vom 8. Oktober 1997)
  • Italien: 121
  • Spanien: 87
  • Österreich: 18

In Großbritannien wird der Typhoon die Jaguar GR.3 und Tornado F.MK 3 ablösen, in Deutschland die F-4F Phantom II, die MiG-29G Fulcrum sowie einen Teil der Tornados. Die geplante Lieferrate beträgt 15 Maschinen pro Jahr.

Die Unterzeichnung eines bereits ausgehandelten und paraphierten Vertrags über 60 Flugzeuge (plus 30 Optionen) wurde von der griechischen Regierung aus Budgetgründen auf die Zeit nach den Olympischen Spielen 2004 verschoben. 2005 gab Griechenland dann bekannt, 30 Flugzeuge des amerikanischen Typs F-16 zu kaufen, womit der Eurofighter in Griechenland kaum mehr zum Zug kommen dürfte.

In Österreich wird der Eurofighter als Nachfolgemodell für den Saab Draken (Erstflug: 1955) zum Einsatz kommen. Die ersten EF2000-Typhoon-Maschinen werden für 2007 erwartet, alle 18 Flugzeuge werden in Zeltweg stationiert.

In Singapur unterlag der Eurofighter im April 2005 der amerikanischen McDonnell Douglas F-15T und der französischen Dassault Rafale in der Endauswahl für den Ersatz der Douglas A-4. Als Gründe nannte Singapur, dass eine Lieferung nicht bereits ab 2008 möglich gewesen wäre und dass Lieferengpässe aufgrund der unklaren Haltung Deutschlands zu befürchten seien. Der Eurofighter Typhoon der 2. Tranche hätte aber dank seiner zusätzlichen Luft-Boden-Rolle die Anforderungen Singapurs erfüllt.

Einen besonderen Fall stellt der geplante Kauf von 48 Eurofightern, mit Option auf 24 weitere Maschinen, durch Saudi-Arabien als Ersatz für den Tornado dar. Um die gewünschten Liefertermine einhalten zu können, wird Großbritannien zunächst 24 Maschinen aus eigener Fertigung an Saudi-Arabien abgeben, die gleiche Anzahl jedoch zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurück erhalten. Somit bleibt die Gesamtzahl der britischen Maschinen unverändert.

Technische Daten


Eurofighter EF 2000 Typhoon
Kenngröße Daten
Länge 15,96 m
Höhe 5,28 m
Flügelspannweite 10,95 m
Tragflügelfläche insgesamt 50,00 m²
Antrieb zwei Mantelstromtriebwerke Eurojet EJ200
Minimalgeschwindigkeit 203 km/h
Marschgeschwindigkeit 1275 km/h in 10.975 m Höhe bei Horizontalflug (als Abfangjäger)
Höchstgeschwindigkeit 2124 km/h in 10.975 m Höhe bei Horizontalflug (als Abfangjäger)
Max. Standschub trocken 2 x 60 kN / 2 x 13.490 lb / 2 x 6118 kg
Max. Standschub/Nachbrenner 2 x 90 kN / 2 x 20.230 lb / 2 x 9178 kg
Dienstgipfelhöhe 16.765 m
Max. Flughöhe 18.287 m
Vom Start bis auf 35.000ft (10.670 m) und Mach 1.5   weniger als 150 s (5 Sek. nach Lösen der Bremsen hebt der EF bereits ab.)
g-Limit +9,5 / -3,2
Benötigte Start-/Landebahn 300 m/700 m
Reichweite 1390 km, Luftraumpatrouille >1850 km
Tankinhalt 4996 kg / 6215 Liter
Leergewicht 11.150 kg (Einsitzer), 11.700 kg (Zweisitzer)
Wartungsaufwand pro Flugstunde 9 Std.
Max. Waffenlast 6500 kg
Max. Waffenlast mit Überlast 7500 kg
Max. Startgewicht 20.800 kg
Max. Startgewicht mit Überlast 23.500 kg

Bewaffnung


Als mögliche Bewaffnung bzw. Ausrüstung steht zur Verfügung:

  • Eine 27-mm-Bordkanone Mauser BK-27.
  • Am Rumpf können bis zu 4 AIM-120 AMRAAM Luft-Luft-Mittelstreckenraketen oder 4 MBDA Meteor BVRAAM befördert werden.
  • Zwischen Rumpf und Flügeltanks liegt jeweils eine weitere Waffenstation, z. B. für eine Luft-Boden Abwurfwaffe.
  • 1000 L Flügeltanks.
  • Außen ist eine größere Unterflügelstation vorhanden, z.B. für zwei AIM-132 ASRAAM oder je einer AIM-120 AMRAAM.
  • Die äußerste Flügelstation trägt jeweils eine weitere AIM-132 ASRAAM.
  • Die Eurofighter der Luftwaffe sind statt der AIM-132 ASRAAM mit AIM-9 Sidewinder oder IRIS-T-Raketen ausgestattet.

Bei den Lenkflugkörper haben die europäischen die amerikanischen Modelle abgelöst. Im Vordergrund stehen dabei der deutsch-schwedische Marschflugkörper Taurus und der britische Marschflugkörper Storm Shadow.

Siehe auch


Weblinks


Militärischer Flugzeugtyp | Luftfahrzeuge der Bundeswehr

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