Ein Eunuch (v. griech: euné Bett, echô hüten, bewachen) ist ein Mann, der der Kastration unterzogen wurde. Das Phänomen kam zu fast allen Zeiten der Weltgeschichte in vielen Kulturen vor. Teilweise wird oder wurde Eunuchen auch der Penis entfernt.
Man unterscheidet zwischen Frühkastraten (kastriert vor oder während der Pubertät) und Spätkastraten (nach dem 20./25. Lebensjahr kastriert). Die Kastration ist am folgenschwersten, wenn sie noch vor der Pubertät vorgenommen wurde, wobei manche Folgen (keineswegs alle!) im Verlauf der Pubertät allmählich abnehmen, um dann beim Erwachsenen über 20/25 insoweit auszubleiben, dass die während der Pubertät schon stattgefundenen Veränderungen (z. B. die Stimme, Knochenform, Bartwuchs, und Genitalien) sich nicht oder kaum zurückbilden.
Für Details siehe Kastration (Folgen).
In der Antike standen Eunuchen im politischen und gesellschaftlichen Bereich im Rang von Ministern, in Byzanz waren sie hohe Offiziere, in China waren sie als Palasteunuchen geschätzt, oder kamen – wie der chinesische Admiral Zheng He – in hohe politische und militärische Ämter. Im Barock verehrte man den Kastraten wegen seiner Gesangsstimme, die man als überirdisch schön empfand.
In Indien standen und stehen auch heute noch teilweise Eunuchen in priesterlichem Dienst einer Göttin als Hijra. Von den übrigen Leuten werden sie häufig verachtet, aber wegen ihrer angeblichen magischen Fähigkeiten auch gefürchtet.
Im Judentum ist die Kastration („Verschneidung“) dagegen strikt verboten, sogar die von Tieren. Ein Eunuch durfte nach dem Gesetz des Mose auch nicht als Konvertit aufgenommen werden; er war vom Tempelgottesdienst ausgeschlossen und durfte allenfalls den äußeren Vorhof des Tempels betreten. Dazu im 5. Buch Mose, Kapitel 23, Vers 2: Kein Entmannter oder Verschnittener soll in die Gemeinde des Herrn kommen. Erst allmählich bahnte sich eine Änderung dieser Auffassung an: Und der Fremde, der sich dem Herrn zugewandt hat, soll nicht sagen: Der Herr wird mich getrennt halten von meinem Volk. Und der Verschnittene soll nicht sagen: Siehe, ich bin ein dürrer Baum. Denn so spricht der Herr: Den Verschnittenen, die meine Sabbate halten und erwählen, was mir wohlgefällt, und an meinem Bund festhalten, denen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben; das ist besser als Söhne und Töchter. Einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll. (Jesaja Kapitel 56, Vers 3-5; siehe auch Weisheiten Kapitel 3, Vers 14).
Auch im Christentum dürfen schon seit ältester Zeit Männer, die sich freiwillig hatten kastrieren lassen, keine Weiheämter wie das Priestertum empfangen; unfreiwillig Kastrierten war dies dagegen erlaubt. Die Taufe eines Eunuchen war jedoch gestattet. Die christliche Gesetzgebung schritt gegen die Verstümmelung bereits 325 ein, was jedoch nicht viel veränderte.
Zu religiösen Entmannungen im Christentum siehe auch die Skopzen, das Schicksal Abälards, oder Uta Ranke-Heinemanns Polemik Eunuchen für das Himmelreich.
Manche Männer haben den Wunsch (sich einer Kastration zu unterziehen und) als Eunuch weiterzuleben, wovon sich manche an semi-professionelle Kastrateure bzw. „Mediziner“ wenden, oder verstümmeln sich selbst. Viele unterschätzen dabei den Blutverlust und das Infektionsrisiko. Da wahrscheinlich fast nur unzufriedene freiwillige Eunuchen später medizinisch bzw. therapeutisch auffällig werden, wird der Eindruck begünstigt, daß die meisten die Kastration bereuen und an Depressionen leiden. Siehe auch: Kastration & Recht; „Skopzen-Syndrom“ (keine ICD-10-Chiffre).
Selten kommt es vor, dass ein Junge von Geburt an unter Testosteronmangel oder unter einer Androgenresistenz (ICD-10 E 29.1) leidet, so zum Beispiel beim Hypogonadismus (ICD-10 E 23.0, ICD-10 E 28.3 und ICD-10 E 29.1) oder beim familiären Eunuchoidismus (beispielsweise das Pasqualini-Syndrom, ICD-10 E 23.0). Auch die Verweiblichung (ebenfalls ICD-10 E 29.1) kann Symptome aufweisen, die den Folgen der Kastration ähneln.
Juvenal schreibt in seinem Werk „Satire“, dass einige Römerinnen Sklaven nach der Pubertät kastrieren ließen, um sie als sterile Liebhaber zu gebrauchen. Der Legende nach waren Spätkastraten noch zur Erektion und Penetration fähig. Obwohl sie ejakulieren konnten, enthielt das Ejakulat keine Spermien, so dass die Frauen keine Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft haben mussten. Außerdem sagte man diesen Eunuchen nach, dass ihr Penis länger erigieren könne als bei Männern, die noch ihre Hoden besitzen. Unter anderem deshalb schätzten manche Frauen Spätkastraten als Diener. Medizinisch betrachtet ist es durchaus möglich, dass ein kastrierter Mann potent bleibt. Historisch gesehen handelt es sich bei Juvenals „Satire“ jedoch vermutlich um eine Übertreibung des „unmoralischen“ Lebenswandels einiger Römerinnen.
Das Buch „Der Pinsel der Liebe“ berichtet von Haremswächtern, die trotz Kastration durchaus Geschlechtsverkehr mit den Haremsdamen hatten.
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