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Aus dem mittelniederhochdeutschen: Etmal = wiederkehrende Periode

Ein Etmal ist die von einem Schiff von Mittag zu Mittag zurückgelegte Wegstrecke. Mittag ist dabei der lokale Sonnenhöchststand (Schiffsmittag).

Der Schiffsmittag muss für die Standortbestimmung nach der astronomischen Naviagtion festgestellt werden. Damit hat man nur mit der Bestimmung des Sonnenhöchststandes, also ohne Uhr, eine tägliche feste Mittagszeit an Bord. So bot es sich an, die Strecke zwischen zwei aufeinanderfolgen Mittagen als Maß für den Reisefortschritt des Tages festzuhalten.

In dieser Bedeutung hat sich das Etmal bis heute erhalten. So erwarten und erhalten die meisten Reedereien der Handelsschifffahrt täglich die Mittagsposition und das Etmal des vergangenen Tages per Funk oder Telefon. Diese beiden Werte, das Etmal und die Mittagsposition sind immer noch die wichtigsten täglichen Daten eines Schiffes für die Reederei.

Feinheiten

Hat man eine Uhr, kann man erkennen, dass bei Fahrt nach Westen die Sonne ihren Höchststand jeden Tag etwas später erreicht. Zwischen zwei Schiffsmittagen vergehen dann etwas mehr als 24 Stunden, bei Fahrt nach Osten entsprechend etwas weniger. Bei Fahrt nach Westen hat man so ein paar Minuten mehr Zeit, sein Etmal zu fahren.

Das gleiche kann man bei länger bzw. kürzer werdenden Tage feststellen. Im Frühjahr hat man vor allem auf äquatorfernen Routen ein paar Minuten mehr Zeit, sein Etmal zu fahren. Im Herbst ist die Zeit zwischen zwei Schiffsmittagen entsprechend kürzer.

In der Praxis spielen diese Verschiebungen allerdings keine Rolle.

Bleibt die Sonne hinter den Wolken verborgen, läßt sich die Mittagsposition mit klassischen Methoden nicht bestimmen. Und damit auch nicht das Etmal des vergangenen Tages.

abweichender Sprachgebrauch


Rennyachten

Auf modernen Rennyachten wird die Mittagsposition nicht mehr festgestellt, die Standortbestimmung findet ausschließlich per GPS statt. Damit hat sich die Verwendung von Etmal für die in beliebigen 24 Stunden zurückgelegte Strecke im Sprachgebrauch der Rennyachten etabliert. Im englischen werden sie korrekter als 24 h distance bzw. 24 h record bezeichnet. In beliebigen 24h legt man im allgemeinen längere Strecken zurück als genau von Mittag bis Mittag.

Fahrtensegler

Fahrtensegler verbringen ihre Nacht gerne im Hafen. Hier ist es bequemer die zurückgelegte Strecke des Tages am Ziel abzulesen. Und so bezeichnen sie gerne die an einem Tag zurückgelegte Strecke mit dem historischen Begriff Etmal.

Herausragende Etmale


Das Etmal, die Tagesstrecke, wird im Logbuch festgehalten. Herausragende Etmale werden gerne publiziert.

Am 11. Mai 1900 fuhr der deutsche Segler Potosí auf der Fahrt nach Chile ein (Zitat: "bisher nie zuvor erreichtes") Etmal von 376 Seemeilen.

Die schnellsten Schiffe des 19. Jahrhunderts waren die Klipper. So fuhr bereits im Dezember 1854 die Champion of the Seas ein Etmal von 465 Seemeilen.

Die wesentlich kleineren Rennkatamarane der Neuzeit konnten erst 1984 an die Etmale der Klipper anschließen. Im August 1984 konnten die drei Katamarane Royal II, Credit Agricole II und Formule Tag den Rekord der Champion of the Seas übertreffen, wobei die erreichten Etmale wie oben ausgeführt nicht vergleichbar sind.

Etmal in der Literatur


Der Gebrauch des Wortes Etmal ist nicht allein auf die Seefahrt beschränkt. In der Bedeutung "Tag und Nacht" wird es in der Sage "Von König Karl und den Friesen" der Gebrüder Grimm verwendet.

Weblinks


Navigation (Schifffahrt)

 

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