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Ethnozentrismus meint die Beurteilung anderer Völker und Kulturen vom Standpunkt der eigenen Kultur und der mit ihr verbundenen Wertmaßstäbe aus. Ethnozentrisch ist der "normale" Standpunkt des Alltagsmenschen. Aufgrund unserer Eingebundenheit in die eigene Lebenswelt wird jede Betrachtung von Kultur ethnozentrisch sein. Ethnozentrisch ist jeder traditionelle Standpunkt wie z. B. der Blick der Griechen auf andere Völker, die unverstanden und ungeachtet ihrer "Leistungen" einfach als Barbaren bezeichnet wurden. Berühmte Beispiele von Ethnozentrismus sind die Zurschaustellungen von Angelo Soliman, Sarah Baartman und von Minik Wallace und seinen Angehörigen, außerdem die berüchtigten Völkerschauen, bei denen der Ethnozentrismus unmittelbar in Rassismus überging. Sehr stark ethnozentrisch sind die Nationalismen des 19. und 20. Jahrhunderts.

Werden andere Kulturen oder deren Produkte auf der Grundlage eigener Werte und Normen bewertet, kommt es häufig zu einer Überhöhung der eigenen Kultur. So spricht man auch vom Kulturzentrismus. Diese Tendenz wird durch den unmerklichen und unreflektierten eigenen Kulturerwerb, die Enkulturation gefördert. Um einen Fall von Ethno- oder Kulturzentrismus handelt es sich beispielsweise, wenn in biografisch-enzyklopädischen Zusammenhängen das Hauptsymbol einer Religion (z.B. das † für "gestorben"Meinungsbilder/Formatvorlage_Biografie_%28Verwendung_des_Kreuz-Symbols%29) auch auf Protagonisten angewendet wird, die dieser Religion nicht angehörten oder sie sogar ablehnten.

Bei der Ethnisierung werden ethnozentrische Konzepte verfolgt, bei denen Personen oder Gruppen wegen ihrer Lebensgewohnheiten als homogene Gruppe angesehen werden.

Frühe Ansätze


Die beschriebenen Effekte zu vermeiden, dagegen wandte sich schon früh der soziologische Ansatz des Kulturrelativismus. Im Jahr 1906 stellte der amerikanische Soziologe William Graham Sumner (1840-1910) sein Ethnozentrismus-Konzept vor und prägte den Begriff (in seinem Buch... 'Folkways: a study of the sociological importance of usages, manners, customs, mores, and morals'). Er definierte Ethnozentrismus als eine Denk- und Verhaltensweise, "*in which one’s own group is the center of everything, and all others are scaled and rated in reference to it." (Sumner, 1906, p. 13)

1965 veröffentlichte Donald T. Campbell (1917-1996) eine zusammenfassende Darstellung seiner Arbeiten zum (bereits von Sumner eingeführten) Konzept des Ethnozentrismus: 'Variation and selective retention in socio-cultural evolution'.

Neuere Überlegungen


In jüngster Zeit werden durch die Wissenschaft der Interkulturalität, die auf der Grundlage von Theorien Alfred Schütz' und Thomas Luckmanns, Erving Goffmans, Jan Assmanns u. a. Wege erarbeitet, Verständigung zwischen den Angehörigen verschiedener Kulturen zu erleichtern. Die Interkulturelle Wirtschaftskommunikation wendet dieses Wissen auf Unternehmensangelegenheiten mit Erfolg an.

Wichtige Grundlage den Standpunkt des Ethnozentrismus zu überwinden, ist die Kenntnis der Eigenart der eigenen Kultur und deren Relativierung als nicht universell gültig: Die Isolierung zentraler eigenkultureler Werte gegenüber den kulturellen Werten anderer Kulturen

Um dies zu verdeutlichen: Am Bsp Deutschland - Frankreich wäre dies an zentralen Begriffen, die kaum übersetzbar sind:

In diesen Begriffen drücken sich Vorstellungen aus von

  • Regionalismus/ Partikularismus - Zentralismus/ politische Zusammengehörigkeit

  • Selbstbildung des Subjektes - erzieherische Verantwortung

  • eine eher skeptische Haltung gegenüber "Vernunft" - eine eher optimistische Haltung gegenüber "Vernunft"

Ethnozentrisch greifen wir unbewusst auf Begriffe unserer eigenen Kultur zurück und interpretieren mit ihrer Hilfe die Erscheinungen des Fremden.

Die vielleicht wichtigsten Ergebnisse der Forschung über Ethnozentrismus sind Konzepte zum Interkulturellen Lernen. Auf der Umsetzung solcher Konzepte ruht die Hoffnung auf langfristiger Vermeidung von Konflikten zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen - gerade an Schulen. Das kritische Erkennen und Akzeptieren des eigenen unvermeidlichen Ethnozentrismus (Nieke: "aufgeklärter Ethnozentrismus") und das Erlernen Interkultureller Kompetenz soll helfen in einer Multikulturellen Gesellschaft das Miteinanderleben erträglich zu machen.

Quellen


Siehe auch


Literatur


  • Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis. München 1999.
  • Baumer, Thomas: Handbuch Interkulturelle Kompetenz (2 Bände); Verlag Orell Füssli, Zürich. ISBN 3-280-02691-1 und ISBN 3-280-05081-2
  • Bolten, Jürgen; Erhardt, Claus (Hrsg.): Interkulturelle Kommunikation. Sternenfels 2003.
  • Kien Nghi Ha: Ethnizität und Migration Reloaded. Kulturelle Identität, Differenz und Hybridität im postkolonialen Diskurs. Überarb. und erw. Neuauflage, Dampfboot/WVB 1999/2004. (ISBN 3-86573-009-4)
  • Francois, Etienne; Schultze, Hagen (Hrsg.) Deutsche Erinnerungsorte. München 2001
  • Schütz, Alfred; Luckmann, Thomas: Strukturen der Lebenswelt. Frankfurt 1979
  • Hansen, Georg: Ethnie, Ethnozentrismus, Ethnizität. In: "Ethnische Minderheiten in der Bundesrepublik Deutschland". München 1995.
  • Sow, Adama: Ethnozentrismus als Katalysator bestehender Konflikte in Afrika südlich der Sahara, am Beispiel der Unruhen in Côte d`Ivoire auf: European University Center for Peace Studies (EPU).

Weblinks


  • http://cepa.newschool.edu/het/profiles/sumner.htm -- THE HISTORY OF ECONOMIC THOUGHT WEBSITE: William Graham Sumner, 1840-1910
  • http://www.ikud.de Institut für Interkulturelle Didakik: Diverse Publikationen zum Thema Ethnozentrismus und Interkulturalität

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