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Ethnische Säuberung bezeichnet die Vertreibung „unerwünschter“ Bevölkerungsanteile aus einem definierten Territorium aufgrund von rassischer, kultureller oder religiöser Diskriminierung und/oder aufgrund von strategischen oder ideologischen Erwägungen, insbesondere zur Herstellung eines ethnisch homogenen, geschlossenen Territoriums.

Der Begriff deckt auch die Arten der hierbei angewandten Zwangsmaßnahmen ab. Das Spektrum dieser Methoden reicht von der erzwungenen Ausreise über den sogenannten Bevölkerungsaustausch (Transfer) an einem Ende bis hin zur Lagerverschickung (Deportation) und im Extremfall dem Völkermord am anderen Ende.

Von letzterem unterscheidet sich der Begriff dadurch, dass bei Völkermord die Täter die Tötung von wesentlichen Anteilen der Volksgruppe der Opfer beabsichtigen, während das Ziel der ethnischen Säuberung die Vertreibung ist.

Obwohl ethnische Säuberungen zu allen Zeiten auftraten (bspws. die Babylonische Gefangenschaft der Juden im 6.Jahrhundert vor Christi Geburt), erfolgt im 20. Jahrhundert eine Kulmination ethnischer Säuberungen. Die erste war sicherlich 1904 die Vertreibung und Tötung von ca. 60.000 Herero in Namibia, ausgeführt unter der Führung des deutschen Generals von Trotha. Die Leiden der Menschen in Darfur/Sudan sind die bisher letzten großen ethnischen Säuberungen.

Der euphemistische Ausdruck kam 1992 aus der internationalen Pressesprache ins Deutsche, obwohl der weitgehend synonyme Ausdruck Vertreibung bereits vorhanden war. Der Begriff wurde bald nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Zusammenhang des Bosnienkrieges von der international genannten, westlichen Presse geprägt, um damit vorwiegend die ausgedehnten, und hier hauptsächlich von der serbischen Kriegspartei verübten Vertreibungsaktionen zu charakterisieren und anzuprangern. Auch sonst ist die selektive Verwendung des Begriffs durch westliche Medien und die in der Zerstückelung des sozialistischen Jugoslawiens beteiligten Nato-Mitgliedsstaaten hierbei zu beachten. Die z.B. im Englischen damals nur vorhandenen Begriffe „expulsion“ und „exclusion“ waren hierfür nicht mehr ausreichend. Der auch aus der Militärsprache stammende Begriff „Säuberung“ war nach den grossen Stalinistischen Säuberungen des Kommunismus längst negativ besetzt und paßte somit gut ins suggestive Bild einer serbischen Regierung, die immer noch sozialistisch war.

Der Begriff wurde, obwohl eigentlich eine Kritik an Vertreibungen, zum Unwort des Jahres 1992 gewählt, und wird mittlerweile international als übliche Bezeichnung für Vorgänge dieser Art verwendet.

Ethnische Säuberungen erfüllen einige der bei den Nürnberger Prozessen festgelegten Kriterien von Verbrechen gegen die Menschheit. Da es sich bei „ethnischer Säuberung“ jedoch nicht um einen eindeutigen juristischen, sondern um einen vorwiegend publizistisch populistischen Begriff handelt, der in der westlichen Welt recht willkürlich verwendet wird, erfolgten die Anklagen und Verurteilungen am Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien wegen anders bezeichneter Tatbestände, wie u. a. Verbrechen gegen die Menschheit bei der Vertreibung von über 170.000 Kroaten aus Teilen Kroatiens während des Kroatien-Krieges, der später folgenden Massenflucht von Serben während der Militäroperation Sturm in Kroatien im August 1995, oder im Falle des Verantwortlichen für die Massenerschießungen von Bosniaken in der UN-Schutzzone Srebrenica wegen Völkermordes.

Es gibt auch eine Art sanfte ethnische Säuberung, welche zum Beispiel in Südtirol zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg betrieben wurde. Die Bevölkerung erhielt die Option nach Deutschland auszuwandern oder in Südtirol zu bleiben und die italienische Kultur anzunehmen.

Literatur


  • Mann, Michael: The Dark Side of Democracy: Explaining Ethnic Cleansing. Cambridge 2005.
  • Vardy, Stephen Bela: Ethnic Cleansing in Twentieth Century Europe. New York: Columbia Press, 2003

Siehe auch: Vertreibung, Generalplan Ost

Weblinks


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