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Das ß (Eszett, scharfes S) ist ein Buchstabe des deutschen Alphabets. Gelegentlich wird es auch als „Straßen-S“, „Buckel-S“, „Ringel-S“, „Rucksack-S“, „Dreierles-S“ oder „Doppel-S“ (Schweiz) bezeichnet. Es ist ein Konsonantenbuchstabe und dient zur Wiedergabe des stimmlosen s-Lautes //.

Das „ß“ wird heute ausschließlich in der deutschen Sprache verwendet, mit Ausnahme der Schweiz und Liechtensteins. Fonts-scharfes-s.jpg

Entstehungsgeschichte


Szlig.png Das Schriftzeichen ß hat mehrere Ursprünge. In den gebrochenen Schriften verschmolz die Ligatur aus langem ſ und kleinem z, in den Antiquaschriften die Ligatur von langem ſ und rundem s. Möglicherweise könnten bei der Herausbildung der Ligatur ß auch die tironischen Kürzungszeichen »sed« und »ser« eine Rolle gespielt haben.

Die deutsche ſz-Ligatur

Die Ligatur aus langem s und z („ſz“, genauer: „ſʒ“) wird seit dem Mittelalter fürs Deutsche verwendet. Im Zuge der 2. Lautverschiebung waren aus germanischem // und // zwei verschiedene Laute entstanden, die zunächst beide mit zz wiedergegeben wurden. Zur besseren Unterscheidung schrieb man den einen schon bald als sz, den anderen als tz. Der mit ss geschriebene Laut, der auf ein ererbtes germanisches /s/ zurückgeht, unterschied sich von dem mit sz geschriebenen; das ss wurde nämlich als stimmloser alveolo-palataler Frikativ ausgesprochen, das sz hingegen als stimmloser alveolarer Frikativ [s. Auch als diese zwei Laute zusammenfielen, behielt man beide Schreibungen bei. Man brachte sie aber durcheinander, weil niemand mehr wusste, wo ursprünglich ein sz gestanden hatte und wo ein ss. Im Laufe der Jahrhunderte bildete sich die heute bekannte Verteilung von ss und ß heraus, die mit der ursprünglichen Verteilung der zwei verschiedenen Laute nichts zu tun hat. Eine Vereinheitlichung für das gesamte deutsche Sprachgebiet gelang erst mit der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1901.

Das ß in der Antiqua

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Die Ligatur aus langem ſ und rundem s wurde früher in allen aus der karolingischen Minuskel entstammenden romanischen ebenso wie der deutschen, der englischen, der holländischen, der westslawischen und der skandinavischen Schriftformen, so auch in den Antiquaschriften verwendet.

Eine Ligatur aus langem ſ und rundem s war zum Beispiel in englischen oder französischen Antiquaschriften zu finden, bevor das lange ſ im Laufe des 18. Jahrhunderts außer Gebrauch geriet. In deutschen Texten, die damals überwiegend in gebrochener Schrift gesetzt wurden, findet sich die Lang- und Rund-s Ligatur nur in Ausnahmen – hier ist das ß eine Ligatur aus langem ſ und z. Auf einigen in Antiqua gesetzten Titelblättern, beispielsweise zu Johannes Keplers Werken, um 1620, wird das ß für jedes ss verwendet, wohingegen das Fraktursatz-ß im selben Text nur am Wort- oder Silbenende auftritt.

Die Theorie des Typografen Jan Tschichold, dass das deutsche ß auf eine ſs-Ligatur zurückgehe, hat sich seit den 1940ern weit verbreitet, gilt aber aus heutiger Sicht als widerlegt.

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Als im späten 18. und im 19. Jahrhundert deutsche Texte vermehrt in Antiqua gesetzt wurden statt in gebrochener Schrift, suchte man eine Antiqua-Entsprechung für die in der gebrochenen Schrift üblich gewordene Ligatur ß, um die Unterscheidung von ss und ß auch in der Antiqua bezeichnen zu können. Für die Form der Glyphe eines Antiqua-ß gab es vier verschiedene schriftgestalterische Ansätze:

  1. Einzelbuchstaben „ſ“ und „s“ eng zusammenrücken,
  2. Ligatur aus „ſ“ und „s“',
  3. Ligatur aus „ſ“ und Fraktur-„z“ („ʒ“), die dem Fraktur-„ß“ ähnelt,
  4. Ligatur aus „ſ“ und Fraktur-„z“ („ʒ“), mit einer kuspenförmige Ausprägung der s-Form (wie eine 3 bzw. wie ein Fraktur-z), die entfernt dem griechischen Kleinbuchstaben beta („β“) ähnelt.

Heutzutage sind die meisten ß in Antiquaschriften entweder nach 2. oder nach 4. geformt, doch bisweilen findet sich auch eines nach 3., etwa auf Straßennamenschildern in Berlin und Bonn. Die Variante nach 1. wird nur sehr selten verwendet.

Bild:WaldstraßePirna.JPG|Form 1: langes und rundes s statt ß in Pirna 2004. Bild:ClaßenKölnK.jpg|Form 1: „Claßen“: langes und rundes s in lateinischer Schreibschrift anstelle von ß, Köln Juli 2005. Bild:Palatino1540.JPG|Form 2: Italienisches Schriftmuster von Palatino mit Ligatur aus langem und kurzem s aus dem Jahr 1540 Bild:Berliner Strassenschilder.jpg|Form 3: ß (Ligatur aus ſ und einem z) auf einem Berliner Straßenschild. Verwendete Schrift: FF Cst Berlin

Rechtschreibung


Das ß dient der Wiedergabe des stimmlosen s-Lautes, der Fortis //. Dieser Laut wird entweder mit s, mit ß oder mit ss geschrieben. Eindeutig formulierte Regeln gab es im Duden bis zur 1996er Reform allerdings nur für die Verwendung von ß und ss; es wurden keine Regeln formuliert, in welchen Fällen statt ß oder ss ein einfaches s geschrieben wird. Nach alter wie nach neuer Rechtschreibung ist diese Frage auch kaum eindeutig zu beantworten.

In der gesprochenen Standardsprache ist die Aussprache der s-Laute und der vorangehenden Vokale in Fällen wie dass – das, Grieß – Gries(gram), fasst – fast oder biss – bis vollkommen identisch. Der Text der Reform von 1996 versucht hier erstmals eine umfassende Beschreibung der Verteilung von s, ß und ss, und zwar in engerem Zusammenhang mit den Regeln für die übrigen Laut-Buchstaben-Beziehungen als meist üblich. (Es gab übrigens auch schon im Reformtext von 1901 eine relativ ausführliche Beschreibung der Schreibung der s-Laute, die aber in die offiziellen Duden-Regeln keinen Eingang gefunden hat.) Dabei wird die Verwendung von ß nicht mehr wie in früheren Darstellungen primär im Verhältnis zu ss beschrieben, die beide dem Gebrauch von s gegenüberstehen. Vielmehr gilt hier nun ß als besondere Schreibung anstelle von s (für *) Die amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung, §25'', 1996 , während ss ganz in Parallele zu den anderen doppelt dargestellten Konsonanten der Markierung des vorhergehenden Kurzvokals (als „Kürzezeichen“) dient, damit also nichts anderes als die verdoppelte Form von s/ß darstellt.

Im Einzelnen gilt:
Nach den „grundlegenden Laut-Buchstaben-Zuordnungen“ bei den Konsonanten (§ 22) gilt s als die grundlegende Zuordnung sowohl für den stimmhaften als auch den stimmlosen s-Laut. Damit sind dann für den stimmlosen s-Laut Schreibungen wie fast, knuspern, Skat, kosmisch, hopsen, Psalm abgedeckt (also die Position vor Konsonanten und nach stimmlosen Konsonanten). Im Abschnitt „Besondere Kennzeichnung der kurzen Vokale“ wird in § 2 ss als verdoppelte Form von s zur Kennzeichnung von kurzen Vokalen (ganz in Parallele zu den anderen verdoppelten Konsonantenbuchstaben) erklärt (Hass, bisschen, wessen, dass wie Bann, Männchen, nennen, dann). Dass die doppelten Konsonantenbuchstaben auch in Ableitungen erhalten bleiben (fasst, fallt), ist in den „Vorbemerkungen“ unter Punkt (2.2) als allgemeines Phänomen des Deutschen beschrieben worden (weitgehende Konstantschreibung der Morpheme). Im genannten Abschnitt zur Verdopplung finden sich auch (§ 5) die Regeln für den Wechsel Zeugnis - Zeugnisse, Kürbis - Kürbisse, der in Parallele mit dem Wechsel Ärztin – Ärztinnen gesehen wird, und die Verwendung von ss in Fremdwörtern. Im selben Abschnitt wird in § 4 außerdem beschrieben, in welchen Fällen die Verdopplung unterbleiben kann: u. a. bei „eineReihe einsilbiger Wörter mit grammatischer Funktion“. So wird deutlich, dass das, ab, an, um, mit, es usw. ausnahmsweise nicht mit ss, bb, nn, mm usw. geschrieben werden (das ist in der Tat keine eindeutige Regel, da es daneben auch „einsilbige Wörter mit grammatischer Funktion“ wie dann, wann und nach neuer Rechtschreibung auch dass gibt). In § 25 („Besonderheiten bei [s“) wird ß als besondere Schreibung (anstelle von s) in bestimmter Umgebung eingeführt: „nach langem Vokal oder Diphthong“, „wenn im Wortstamm kein weiterer Konsonant folgt“ (so ist also geregelt, dass Straße, Grieß, außer, Strauß usw. mit ß geschrieben wird, aber fast, knuspern, Skat, kosmisch, hopsen, Psalm, grast eben nicht). Unter dem Abschnitt zur „Auslautverhärtung“ (§ 23) werden die Schreibungen mit s anstelle von ß abgehandelt, die sich (wie auch bei b, d, g, v anstelle von p, t, k, f) aufgrund der im Deutschen üblichen Auslautverhärtung erklären lassen. Im selben Abschnitt (§ 23, E2) findet man außerdem noch Beispiele, wo ausnahmsweise b, d, g, s, v zu finden sind, obwohl nach den im Reformtext formulierten Regeln eigentlich p, t, k, ß, f zu erwarten wären (das deckt dann besondere s-Schreibungen wie Gries(gram) ab). Dass manchmal orthographische Ausnahmeschreibungen auch zur Unterscheidung von Bedeutungen verwendet werden können (dasdass, Gries-Grieß), ist ebenfalls in den „Vorbemerkungen“ abgehandelt.

Dass ß/ss im Gegensatz zu s nur in diesem begrenzten Umfange verwendet wird (begrenzter als beispielsweise p/pp oder k/ck in Bezug auf b und g), ist wie so vieles in der Schreibung reine Konvention, historisch gewachsen und bisher von einer Reform nicht grundsätzlich angetastet worden.

Vor und nach der Reform von 1996 ist die Setzung von ss oder ß (vergleichbar mit der Setzung anderer Doppelkonsonantenbuchstaben und ihrer einfachen Pendants) dem Wechsel der Vokalquantität untergeordnet. Dies bedeutet, dass der so genannte paradigmatische Zusammenhang (also die Konstantschreibung von Morphemen) an Ausspracheunterschieden und den Regeln für deren Darstellung seine Grenzen hat.

Vergleiche die verschiedenen Formen von essen:

  • nach der alten und neuen Schreibung: wir essen (kurzes „e“), aber ich aß (langes „a“),
  • nach der alten Schreibung iß! und er ißt (kurzes „i“, ß aber einfach, weil kein Vokal folgt),
  • nach der neuen Schreibung iss! und er isst (kurzes „i“).

Vergleiche die verschiedenen Formen von treffen:

  • wir treffen (kurzes „e“), aber ich traf (langes „a“),
  • triff! und er trifft (kurzes „i“).

Das für die Rechtschreibregeln zur Schreibung von doppelten Konsonantenbuchstaben zentrale Kriterium der Vokallänge ist vor allem in der Diskussion um die Darstellung der ß-Regeln immer wieder als problematisch bezeichnet worden, da die Vokallänge in verschiedenen Teilen des deutschen Sprachgebiets nicht mit den Verhältnissen in der Standardsprache übereinstimmt (z. B. bayrisch „gspassig“ = spaßig, „miaßen“ = müssen, „kaffa“ = kaufen, norddt. „Trabb, Badd, Grass“).

Vor der Reform von 1996

Die vor der Rechtschreibreform von 1996 geltende ß-Regelung geht auf den Orthografen Johann Christoph Adelung zurück und wurde durch die Rechtschreibreform von 1901 Grundlage der für Schulen und Ämter in deutschsprachigen Staaten verbindlichen Rechtschreibung. Der Adelungschen Rechtschreibung gemäß wird in den folgenden Fällen ß geschrieben:

  • Am Wortende: muß, , Kuß, daß
  • vor der Kompositionsfuge (mithin ebenfalls am Wortende eines Kompositionsgliedes): kußecht, Schlußstrich, Paßbild
  • vor einem Konsonantenbuchstaben: müßt, paßt, grüßt, wäßrig, unvergeßne, Rößl
  • nach einem betonten langen Vokal: Straße, , aßen, Buße, grüßt (unverändert)
  • nach einem (gleichermaßen als lang geltenden) Diphthong: heißen, außen (unverändert).

ss dagegen nur:

  • zwischen Vokalbuchstaben, von denen der erste als Kurzvokal gesprochen wird: müssen, Wasser, Küsse, Rüssel.
  • bei Fremdwörtern: Renaissance, Croissant, Fitness.
  • wenn eines der beiden s zu einem anderen Wortbestandteil gehört: Volksschule, ausspülen, dasselbe.

Ein durch Fortlassung ans Wortende gerutschtes ss bleibt nach den offiziellen Duden-Regeln nur erhalten, wenn die Auslassung durch ein Apostroph gekennzeichnet wird: (ich) lass', aber: laß! (Imperativ). Allerdings wurde diese Regelung auch in offiziellen und öffentlichen Texten nicht immer beachtet, z. B. Freßgass (Frankfurt am Main). Davon abgesehen kommt ss am Wortende nur in Eigennamen vor (Neuss, GrassGünter Grass zählt übrigens zu den entschiedenen Gegnern der Reform).

In der alten Rechtschreibung richtet sich somit die Verteilung von ß und ss teils nach graphotaktischen Kriterien (Berücksichtigung der grafischen Umgebung: Wortende oder folgender Konsonantenbuchstabe) und teils nach dem Kriterium der Aussprache (Berücksichtigung der Länge des vorangehenden Vokals bzw. der damit in Verbindung stehenden Ambisyllabizität des Konsonanten selbst).

Seit der Reform von 1996 (aktuell)

Die Handhabung des ß gemäß der Rechtschreibreform von 1996 (ausführliche Beschreibung siehe oben) folgt der sogenannten Heyseschen s-Schreibung, die auf den Orthografen Johann Christian August Heyse zurückgeht. Ihre Erfindung wird auf das Jahr 1829 datiert. Von 1879 an galt sie in Österreich, bis sie im Rahmen der Vereinheitlichung der deutschen Orthografie (Rechtschreibreform von 1901) abgeschafft wurde, da ohnehin die meisten Österreicher nach Verlassen der Schule zur Adelungschen Regelung übergingen. Danach stand die Regel bereits einmal im Dritten Reich kurz vor ihrer Wiedereinführung: Die 1941 unter Reichserziehungsminister Bernhard Rust herausgebrachten „Vorschläge zur Vereinfachung der deutschen Rechtschreibung“ sahen ebenfalls das Doppel-s nach kurzem Vokal vor (vgl. Reform der deutschen Rechtschreibung von 1944).

In der Heyseschen s-Schreibung wird in folgenden Fällen ß geschrieben und nicht ss:

  • nach einem langen Vokal: Straße, Fuß, Füße, grüßt
  • nach einem Diphthong: heißen, heißt

ss dagegen generell:

  • nach einem kurzen Vokal: müssen, Fluss, Pass, kussecht, passt, dass, Rössl.

Die Verteilung von ß und ss richtet sich in diesem System somit nur noch nach dem Kriterium der Standardaussprache (vgl. oben). Somit gilt für ß/ss die Regel, dass der auf einen kurzen Vokal folgende Konsonant immer als Doppelbuchstabe geschrieben wird (vgl. Gasse mit kurzem a wie Gatte, Halle, Karre, Knappe), wie bei den anderen Konsonanten unabhängig davon, ob dieser Konsonant ambisyllabisch ist (zwischen zwei Vokalen steht und zu beiden Silben gehört) oder ob er vor einem anderen Konsonantenbuchstaben oder am Wortende steht (vgl. die oben unter Verwendung genannten Formen von essen und treffen). Die undifferenzierte, ausnahmslose Anwendung der Regel und die ausschließliche Kopplung an die Vokalquantität im Wortlaut des Reformtextes hebt sie aber von der Regelung für die anderen Konsonanten wieder ab (ß kommt dadurch im Gegensatz zu anderen Konsonanten z. B. nicht ausnahmsweise am Wortende nach Kurzvokal vor: weiterhin ab, un-, in, aber nicht mehr daß, miß-; Schreibungen von geografischen Namen wie Darß, Börßum werden von der Regelung nicht erfasst, obwohl sie die einzig möglichen regelmäßigen Schreibungen für diese Namen darstellen). Außerdem erklärt die Reform-Regel für die ß-Verwendung die Schreibung dreißig nicht, da nach dem Wortlaut der Regel ß nur nach Vokalen innerhalb des Wortstammes stehen darf.

Die Gegner der Rechtschreibreform führen als ärgerlich vor allem das veränderte Schriftbild an, das in bestimmten Fällen auch die Leserlichkeit verschlechtere, nämlich:

  • da, wo nach der nicht mehr durch das ß gekennzeichneten Wortfuge ein Vokal (Messergebnis) oder ch folgt (bisschen);
  • da, wo wegen der ebenfalls durch die Reform veränderte Dreikonsonantenregel drei s – oft mit unterschiedlichem Lautwert – aufeinandertreffen, wie bei Basssolo (früher: Baßsolo), Ausschusssitzung (Ausschußsitzung), Schlussstrich (Schlußstrich), Schlusssatz (Schlußsatz), Missstimmung (Mißstimmung), Missstand (Mißstand), Nussschokolade (Nußschokolade), Ablassschraube (Ablaßschraube), Verschlusssache (Verschlußsache), Schussspur (Schußspur), Anschlussstelle (Anschlußstelle), Esssaal (Eßsaal), Passspiel (Paßspiel).

Die betroffenen Wörter dürfen daher gemäß § 45 des reformierten Regelwerks mit Bindestrich geschrieben werden:

  • Bass-Solo, Ausschuss-Sitzung, Mess-Ergebnis, Schluss-Strich, Schluss-Satz, Miss-Stimmung, Miss-Stand, Nuss-Schokolade, Ablass-Schraube, Verschluss-Sache, Schuss-Spur, Anschluss-Stelle, Ess-Saal, Pass-Spiel, auch wenn das nur wie eine Verlegenheitslösung für ein neu geschaffenes Problem erscheint, das es vor der Reform nur in viel geringerem Maße gab, wie folgende Beispiele zeigen: SCHLOSSSTRASSE (Versalschreibweise für Schloß-Straße), Tee-Ei, Großerzeuger/Groß-Erzeuger, Druckerzeugnis/Druck-Erzeugnis/Drucker-Zeugnis.

Manche empfinden den Bindestrich als aufdringlich und daher als Lesestörung. Ein ch kann auch auf ein einfaches s folgen: Kreischen (Kreis-chen für kleiner Kreis) oder Kreiſchen für Schreien); dieses Problem existierte bereits vor der Rechtschreibreform, seit man das lange ſ aufgegeben hat.

Es ist umstritten, ob die Veränderung der ß-Schreibung wirklich die angestrebte Lernerleichterung bringen kann. Eine Studie des Leipziger Lernpsychologen Prof. Harald Marx, die die entsprechenden Rechtschreibleistungen von Grundschulkindern vor und nach der Reform vergleicht, gibt keinen Aufschluss darüber. Zwar hätten die Fehler im Bereichs s-Laut-Schreibung seit der Reform deutlich zugenommen, doch dies könne daran liegen, dass die Schüler außerhalb der Schule oft in Kontakt mit der alten Rechtschreibung kamen.

Zur ausführlicheren Diskussion siehe auch die Kritik und Apologetik#ss-.C3.9F-Schreibung_und_Dreifachbuchstaben.

In der Schweiz und in Liechtenstein

In der Schweiz und in Liechtenstein ist das ß seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts stufenweise außer Gebrauch geraten, obwohl es nie offiziell abgeschafft oder gar verboten wurde. So entschied die Erziehungsdirektion des Kantons Zürich, das ß vom 1. Januar 1938 an in den kantonalen Volksschulen nicht mehr zu lehren. Andere Kantone folgten. Mitauslöser dieser Entwicklung dürfte die zunehmende Verbreitung der Schreibmaschine gewesen sein. Da mit der Schweizer Einheitstastatur auch französische und italienische Texte geschrieben werden, wurden die Tasten für ß und die großen Umlaute mit französischen Buchstaben (ç,à,é und è) belegt.

Als letzte schweizerische Tageszeitung entschied die Neue Zürcher Zeitung, ab dem 4. November 1974 auf das ß zu verzichten. Buchverlage, die für den gesamten deutschsprachigen Markt produzieren, verwenden das ß nach wie vor.

Anstelle von ß wird ss geschrieben. ss steht damit – anders als andere Doppelkonsonantenbuchstaben – nicht nur nach Kurzvokalen. Somit hat ss in der Schweizer Orthografie eine andere Funktion als in den übrigen deutschsprachigen Ländern. ss dient hier nicht der Markierung eines Kurzvokals, sondern übernimmt die Rolle von ß und repräsentiert grundsätzlich den ß-Laut. Wie bei anderen Digrafen (z. B. ch) ist die Länge oder Kürze des vorangehenden Vokals nicht erkennbar (Masse steht sowohl für Maße wie für Masse, Busse steht sowohl für Buße wie für Busse; vgl. hoch vs. Hochzeit).

Bei der Silbentrennung wird in der Schweiz (bzw. im Versalsatz oder wenn kein ß zur Verfügung steht) seit der Regelung von 1996 ein ss in s-s aufgelöst. Vorher wurde z. B. das Wort Blösse als Blö-sse getrennt (in Analogie zu Blö-ße), seither aber als Blös-se. Tatsächlich haben wohl die meisten Schweizer diese Regel schon angewendet, bevor sie eingeführt war.

Zum Umgang in Artikeln mit Schweizbezug in der deutschsprachigen Wikipedia
In Artikeln mit Schweizbezug wird das ß entsprechend auch nicht verwendet. Vgl. die entsprechende Regelung unter Rechtschreibung.

Ersatzformen


Eszett-Schreibungen.png.]] Auf Schreibmaschinen und Textverarbeitungssystemen, die über keinen Buchstaben ß verfügen, wird als Ersatz ss geschrieben. Im Telex-Verkehr der bundesdeutschen Sicherheitsbehörden ist dagegen auch heute noch die Verwendung „sz“ anstelle von ß amtlich vorgeschrieben. Dies dient zwar dazu, das fehlende ß auf der Tastatur zu ersetzen, aber auch, um Verwechslungen mit „ss“ zu vermeiden.

Beim Satz deutschsprachiger Texte in Versalien oder Kapitälchen tritt das Problem eines fehlenden Großbuchstaben „ß“ auf. Die aktuellen Rechtschreibregeln schreiben vor, im Versalsatz das „ß“ durch „SS“ zu ersetzen („Weiß“ wird zu „WEISS“). In der Praxis existiert auch eine gemischte Schreibweise, bei der das kleine „ß“ auch im Versalsatz erhalten bleibt („Weiß“ wird zu „WEIß“). Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gab es immer wieder Ansätze, das deutsche Alphabet um ein Versal-Eszett zu ergänzen.

Siehe Hauptartikel: Versal-Eszett

Besonderheiten der Verwendung


Alphabetische Sortierung

In der alphabetischen Sortierung (DIN 5007) wird das ß wie ein ss behandelt. Bei Wörtern, die sich nur durch ss bzw. ß unterscheiden, kommt das Wort mit ss zuerst, z. B. Masse vor Maße (DIN 5007, Abschnitt 6.1); der Duden weicht in dieser Hinsicht von der Norm ab: hier kommt das Wort mit ß zuerst.

In der SMS-Kommunikation

In letzter Zeit ist insbesondere in der Schweiz ein vermehrter Gebrauch des ß in der privaten SMS-Kommunikation zu beobachten, also gerade in einer Kommunikationsform, die unter den jüngeren Teilnehmern fast ausschließlich im schweizerdeutschen Dialekt abgewickelt wird. Dieser Gebrauch dient allein der Platzersparnis und dazu, weniger tippen zu müssen: ß steht für jegliches Doppel-s, also auch dort, wo es weder nach alter noch nach neuer Rechtschreibung stehen dürfte, vgl. beßer, cha di nid vergäße „kann dich nicht vergessen“ oder sogar Hopp Suiße! (Suisse: frz. für Schweiz). Aus gleichem Grund wird bei ungarischen SMS das sz durch ß ersetzt.

In Dokumenten

Schwierigkeiten treten beispielsweise beim Reisepass in Österreich auf, da Namen dort in der gleichen Schreibweise wie im Geburtsschein stehen müssen. So steht der reguläre Name mit ß, während er in den Zeilen darunter in der Computerdarstellung mit SS geschrieben steht. Im unkundigen Ausland kam es deshalb schon zu Schwierigkeiten bei Grenzbehörden.

Darstellung in Computersystemen und Ersetzung


Im Computerbereich wird das ß oft als Umlaut bezeichnet, da es die gleiche Art von Problemen hervorruft wie die echten Umlaute: Es ist vor allem nicht in ASCII enthalten, dem „kleinsten gemeinsamen Nenner“ so gut wie aller Zeichensätze. Daher wird es in verschiedenen Fällen verschieden codiert.

Kodierung

Das ›ß‹ wird folgendermaßen definiert und kodiert:

Internationaler Zeichenkodierungsstandard Unicode,
Kodierung im Internet-Dokumentenformat HTML und in UTF-8
Zeichen Unicode
Position
Unicode
Bezeichnung
Bezeichnung HTML
hexadezimal
HTML
dezimal
HTML
benannt
UTF-8
hexadezimal

ß U+00DF Latin small letter sharp s Lateinischer Kleinbuchstabe Eszett ß ß ß C3 9F

Im ASCII-Zeichensatz aus dem Jahr 1963 ist das Zeichen nicht enthalten, weshalb viele ältere Computersysteme es nicht darstellen konnten. Allerdings enthielt bereits die ASCII-Erweiterung ISO 8859-1 (auch als Latin-1 bekannt) 1986 das Eszett. Fast alle modernen Computer verwenden den im Jahr 1991 eingeführten Unicode-Standard, womit das Eszett problemlos zu verarbeiten und darzustellen ist. Lediglich einige Programme, die noch auf älteren Zeichensätzen beruhen, können beim Datenaustausch Probleme bereiten.

TeX und LaTeX

In TeX und LaTeX2.09 wird das scharfe s durch \ss dargestellt. Mit german.sty gilt auch die Darstellung "s.

In LaTeX2e gibt es auch ein großes scharfes s, das als doppeltes großes S gedruckt wird. Der zugehörige Eingabebefehl ist \SS. Das große scharfe s ist auch in der Cork-Kodierung enthalten. Der Grund hierfür ist, dass TeX Wörter wie Maße und Buße auch dann richtig trennen kann, wenn sie komplett in Großbuchstaben geschrieben sind.

Mit dem „inputenc“-Paket kann das ß auch direkt in den Quelltext geschrieben werden, wenn dieser (wie heute üblich) in ISO-8859-1 oder UTF-8 codiert gespeichert wird.

Tastatur

Auf der deutschen Tastatur liegt die Eszett-Taste in der oberen Tastenreihe zwischen der Taste für die Ziffer null und der Taste für den Akutakzent. Die schweizerische Tastatur verfügt über kein (sichtbar gekennzeichnetes) Eszett, es kann aber meist über die Tastenkombination AltGr + s erreicht werden. Image:Keyboard on a typewriter.jpg|Olympia-Schreibmaschine von 1964 Image:Keyboard on a notebook.jpg|Notebooktastatur, deutsches Layout Image:Keyboard on a pocket-PC-2.jpg|Virtuelle Tastatur auf einem Pocket-PC

Auch auf der britischen und der amerikanischen Tastatur fehlt das Zeichen.

Ersetzung und ähnliche Zeichen

Kann das Zeichen „ß“ nicht dargestellt werden, weil es in der verwendeten Schriftart oder dem Zeichensatz fehlt, so sollte es durch „ss“ ersetzt werden (aus „Straße“ wird „Strasse“). Die Ersetzung durch „β“ (Beta) oder „B“ ist nicht mehr üblich.

Da allerdings nahezu alle modernen Computersysteme und -schriften auf Unicode basieren, kann das Eszett heutzutage theoretisch weltweit dargestellt, verarbeitet, übertragen und archiviert werden. Eine Ersetzung aus technischen Gründen ist deshalb nur noch selten nötig. Auch wenn die verwendete Tastatur das Zeichen nicht aufweist, kann es meistens über eine entsprechende Funktion des Betriebssystems oder des jeweiligen Texteditors eingefügt werden.

Siehe auch


Literatur


  • Maas, Utz: Grundzüge der deutschen Orthographie, Tübingen, Niemeyer 1992, S. 310-317, ISBN 3484311207
  • Poschenrieder, Thorwald: S-Schreibung - Überlieferung oder Reform? In: Eroms, Hans-Werner/Munske, Horst H.: Die Rechtschreibreform, Pro und Kontra, Berlin, Erich Schmidt 1997, ISBN 3503037861
  • Wolf-Dieter Michel: Die graphische Entwicklung der s-Laute im Deutschen, Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur Bd. 81 (1959), S. 456–480.
  • Gallmann, Peter: Warum die Schweizer weiterhin kein Eszett schreiben. Sprachspiegel 4/1996, Luzern, S. 124-130. Neuabdruck in Augst, Gerhard et al. (Hrsg.): Zur Neuregelung der deutschen Orthographie, Tübingen, Niemeyer 1997 PDF
  • Jan Tschichold: Herkunft und Form des ß in der Fraktur und der Antiqua. in: Schriften 1925–1947, Brinkmann & Bose, Berlin, Band 1, Seiten 242–244, ISBN 3-922660-37-1
  • Max Bollwage: Ist das Eszett ein lateinischer Gastarbeiter? Mutmaßungen eines Typografen in: Gutenberg-Jahrbuch 1999, Mainz, 1999, S. 35-41, ISBN 3-7755-1999-8

Weblinks


Quellen


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