Das ß (Eszett, scharfes S) ist ein Buchstabe des deutschen Alphabets. Gelegentlich wird es auch als „Straßen-S“, „Buckel-S“, „Ringel-S“, „Rucksack-S“, „Dreierles-S“ oder „Doppel-S“ (Schweiz) bezeichnet. Es ist ein Konsonantenbuchstabe und dient zur Wiedergabe des stimmlosen s-Lautes //.
Das „ß“ wird heute ausschließlich in der deutschen Sprache verwendet, mit Ausnahme der Schweiz und Liechtensteins. Fonts-scharfes-s.jpg
Szlig.png Das Schriftzeichen ß hat mehrere Ursprünge. In den gebrochenen Schriften verschmolz die Ligatur aus langem ſ und kleinem z, in den Antiquaschriften die Ligatur von langem ſ und rundem s. Möglicherweise könnten bei der Herausbildung der Ligatur ß auch die tironischen Kürzungszeichen »sed« und »ser« eine Rolle gespielt haben.
Die Ligatur aus langem ſ und rundem s wurde früher in allen aus der karolingischen Minuskel entstammenden romanischen ebenso wie der deutschen, der englischen, der holländischen, der westslawischen und der skandinavischen Schriftformen, so auch in den Antiquaschriften verwendet.
Eine Ligatur aus langem ſ und rundem s war zum Beispiel in englischen oder französischen Antiquaschriften zu finden, bevor das lange ſ im Laufe des 18. Jahrhunderts außer Gebrauch geriet. In deutschen Texten, die damals überwiegend in gebrochener Schrift gesetzt wurden, findet sich die Lang- und Rund-s Ligatur nur in Ausnahmen – hier ist das ß eine Ligatur aus langem ſ und z. Auf einigen in Antiqua gesetzten Titelblättern, beispielsweise zu Johannes Keplers Werken, um 1620, wird das ß für jedes ss verwendet, wohingegen das Fraktursatz-ß im selben Text nur am Wort- oder Silbenende auftritt.
Die Theorie des Typografen Jan Tschichold, dass das deutsche ß auf eine ſs-Ligatur zurückgehe, hat sich seit den 1940ern weit verbreitet, gilt aber aus heutiger Sicht als widerlegt.
Als im späten 18. und im 19. Jahrhundert deutsche Texte vermehrt in Antiqua gesetzt wurden statt in gebrochener Schrift, suchte man eine Antiqua-Entsprechung für die in der gebrochenen Schrift üblich gewordene Ligatur ß, um die Unterscheidung von ss und ß auch in der Antiqua bezeichnen zu können. Für die Form der Glyphe eines Antiqua-ß gab es vier verschiedene schriftgestalterische Ansätze:
Heutzutage sind die meisten ß in Antiquaschriften entweder nach 2. oder nach 4. geformt, doch bisweilen findet sich auch eines nach 3., etwa auf Straßennamenschildern in Berlin und Bonn. Die Variante nach 1. wird nur sehr selten verwendet.
Bild:WaldstraßePirna.JPG|Form 1: langes und rundes s statt ß in Pirna 2004. Bild:ClaßenKölnK.jpg|Form 1: „Claßen“: langes und rundes s in lateinischer Schreibschrift anstelle von ß, Köln Juli 2005. Bild:Palatino1540.JPG|Form 2: Italienisches Schriftmuster von Palatino mit Ligatur aus langem und kurzem s aus dem Jahr 1540 Bild:Berliner Strassenschilder.jpg|Form 3: ß (Ligatur aus ſ und einem z) auf einem Berliner Straßenschild. Verwendete Schrift: FF Cst Berlin
In der gesprochenen Standardsprache ist die Aussprache der s-Laute und der vorangehenden Vokale in Fällen wie dass – das, Grieß – Gries(gram), fasst – fast oder biss – bis vollkommen identisch. Der Text der Reform von 1996 versucht hier erstmals eine umfassende Beschreibung der Verteilung von s, ß und ss, und zwar in engerem Zusammenhang mit den Regeln für die übrigen Laut-Buchstaben-Beziehungen als meist üblich. (Es gab übrigens auch schon im Reformtext von 1901 eine relativ ausführliche Beschreibung der Schreibung der s-Laute, die aber in die offiziellen Duden-Regeln keinen Eingang gefunden hat.) Dabei wird die Verwendung von ß nicht mehr wie in früheren Darstellungen primär im Verhältnis zu ss beschrieben, die beide dem Gebrauch von s gegenüberstehen. Vielmehr gilt hier nun ß als besondere Schreibung anstelle von s (für *) Die amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung, §25'', 1996 , während ss ganz in Parallele zu den anderen doppelt dargestellten Konsonanten der Markierung des vorhergehenden Kurzvokals (als „Kürzezeichen“) dient, damit also nichts anderes als die verdoppelte Form von s/ß darstellt.
Im Einzelnen gilt:
Nach den „grundlegenden Laut-Buchstaben-Zuordnungen“ bei den Konsonanten (§ 22) gilt s als die grundlegende Zuordnung sowohl für den stimmhaften als auch den stimmlosen s-Laut. Damit sind dann für den stimmlosen s-Laut Schreibungen wie fast, knuspern, Skat, kosmisch, hopsen, Psalm abgedeckt (also die Position vor Konsonanten und nach stimmlosen Konsonanten). Im Abschnitt „Besondere Kennzeichnung der kurzen Vokale“ wird in § 2 ss als verdoppelte Form von s zur Kennzeichnung von kurzen Vokalen (ganz in Parallele zu den anderen verdoppelten Konsonantenbuchstaben) erklärt (Hass, bisschen, wessen, dass wie Bann, Männchen, nennen, dann). Dass die doppelten Konsonantenbuchstaben auch in Ableitungen erhalten bleiben (fasst, fallt), ist in den „Vorbemerkungen“ unter Punkt (2.2) als allgemeines Phänomen des Deutschen beschrieben worden (weitgehende Konstantschreibung der Morpheme). Im genannten Abschnitt zur Verdopplung finden sich auch (§ 5) die Regeln für den Wechsel Zeugnis - Zeugnisse, Kürbis - Kürbisse, der in Parallele mit dem Wechsel Ärztin – Ärztinnen gesehen wird, und die Verwendung von ss in Fremdwörtern. Im selben Abschnitt wird in § 4 außerdem beschrieben, in welchen Fällen die Verdopplung unterbleiben kann: u. a. bei „eineReihe einsilbiger Wörter mit grammatischer Funktion“. So wird deutlich, dass das, ab, an, um, mit, es usw. ausnahmsweise nicht mit ss, bb, nn, mm usw. geschrieben werden (das ist in der Tat keine eindeutige Regel, da es daneben auch „einsilbige Wörter mit grammatischer Funktion“ wie dann, wann und nach neuer Rechtschreibung auch dass gibt). In § 25 („Besonderheiten bei [s“) wird ß als besondere Schreibung (anstelle von s) in bestimmter Umgebung eingeführt: „nach langem Vokal oder Diphthong“, „wenn im Wortstamm kein weiterer Konsonant folgt“ (so ist also geregelt, dass Straße, Grieß, außer, Strauß usw. mit ß geschrieben wird, aber fast, knuspern, Skat, kosmisch, hopsen, Psalm, grast eben nicht). Unter dem Abschnitt zur „Auslautverhärtung“ (§ 23) werden die Schreibungen mit s anstelle von ß abgehandelt, die sich (wie auch bei b, d, g, v anstelle von p, t, k, f) aufgrund der im Deutschen üblichen Auslautverhärtung erklären lassen. Im selben Abschnitt (§ 23, E2) findet man außerdem noch Beispiele, wo ausnahmsweise b, d, g, s, v zu finden sind, obwohl nach den im Reformtext formulierten Regeln eigentlich p, t, k, ß, f zu erwarten wären (das deckt dann besondere s-Schreibungen wie Gries(gram) ab). Dass manchmal orthographische Ausnahmeschreibungen auch zur Unterscheidung von Bedeutungen verwendet werden können (das – dass, Gries- – Grieß), ist ebenfalls in den „Vorbemerkungen“ abgehandelt.
Dass ß/ss im Gegensatz zu s nur in diesem begrenzten Umfange verwendet wird (begrenzter als beispielsweise p/pp oder k/ck in Bezug auf b und g), ist wie so vieles in der Schreibung reine Konvention, historisch gewachsen und bisher von einer Reform nicht grundsätzlich angetastet worden.
Vor und nach der Reform von 1996 ist die Setzung von ss oder ß (vergleichbar mit der Setzung anderer Doppelkonsonantenbuchstaben und ihrer einfachen Pendants) dem Wechsel der Vokalquantität untergeordnet. Dies bedeutet, dass der so genannte paradigmatische Zusammenhang (also die Konstantschreibung von Morphemen) an Ausspracheunterschieden und den Regeln für deren Darstellung seine Grenzen hat.
Vergleiche die verschiedenen Formen von essen:
Vergleiche die verschiedenen Formen von treffen:
Das für die Rechtschreibregeln zur Schreibung von doppelten Konsonantenbuchstaben zentrale Kriterium der Vokallänge ist vor allem in der Diskussion um die Darstellung der ß-Regeln immer wieder als problematisch bezeichnet worden, da die Vokallänge in verschiedenen Teilen des deutschen Sprachgebiets nicht mit den Verhältnissen in der Standardsprache übereinstimmt (z. B. bayrisch „gspassig“ = spaßig, „miaßen“ = müssen, „kaffa“ = kaufen, norddt. „Trabb, Badd, Grass“).
ss dagegen nur:
Ein durch Fortlassung ans Wortende gerutschtes ss bleibt nach den offiziellen Duden-Regeln nur erhalten, wenn die Auslassung durch ein Apostroph gekennzeichnet wird: (ich) lass
In der alten Rechtschreibung richtet sich somit die Verteilung von ß und ss teils nach graphotaktischen Kriterien (Berücksichtigung der grafischen Umgebung: Wortende oder folgender Konsonantenbuchstabe) und teils nach dem Kriterium der Aussprache (Berücksichtigung der Länge des vorangehenden Vokals bzw. der damit in Verbindung stehenden Ambisyllabizität des Konsonanten selbst).
In der Heyseschen s-Schreibung wird in folgenden Fällen ß geschrieben und nicht ss:
ss dagegen generell:
Die Verteilung von ß und ss richtet sich in diesem System somit nur noch nach dem Kriterium der Standardaussprache (vgl. oben). Somit gilt für ß/ss die Regel, dass der auf einen kurzen Vokal folgende Konsonant immer als Doppelbuchstabe geschrieben wird (vgl. Gasse mit kurzem a wie Gatte, Halle, Karre, Knappe), wie bei den anderen Konsonanten unabhängig davon, ob dieser Konsonant ambisyllabisch ist (zwischen zwei Vokalen steht und zu beiden Silben gehört) oder ob er vor einem anderen Konsonantenbuchstaben oder am Wortende steht (vgl. die oben unter Verwendung genannten Formen von essen und treffen). Die undifferenzierte, ausnahmslose Anwendung der Regel und die ausschließliche Kopplung an die Vokalquantität im Wortlaut des Reformtextes hebt sie aber von der Regelung für die anderen Konsonanten wieder ab (ß kommt dadurch im Gegensatz zu anderen Konsonanten z. B. nicht ausnahmsweise am Wortende nach Kurzvokal vor: weiterhin ab, un-, in, aber nicht mehr daß, miß-; Schreibungen von geografischen Namen wie Darß, Börßum werden von der Regelung nicht erfasst, obwohl sie die einzig möglichen regelmäßigen Schreibungen für diese Namen darstellen). Außerdem erklärt die Reform-Regel für die ß-Verwendung die Schreibung dreißig nicht, da nach dem Wortlaut der Regel ß nur nach Vokalen innerhalb des Wortstammes stehen darf.
Die Gegner der Rechtschreibreform führen als ärgerlich vor allem das veränderte Schriftbild an, das in bestimmten Fällen auch die Leserlichkeit verschlechtere, nämlich:
Die betroffenen Wörter dürfen daher gemäß § 45 des reformierten Regelwerks mit Bindestrich geschrieben werden:
Manche empfinden den Bindestrich als aufdringlich und daher als Lesestörung. Ein ch kann auch auf ein einfaches s folgen: Kreischen (Kreis-chen für kleiner Kreis) oder Kreiſchen für Schreien); dieses Problem existierte bereits vor der Rechtschreibreform, seit man das lange ſ aufgegeben hat.
Es ist umstritten, ob die Veränderung der ß-Schreibung wirklich die angestrebte Lernerleichterung bringen kann. Eine Studie des Leipziger Lernpsychologen Prof. Harald Marx, die die entsprechenden Rechtschreibleistungen von Grundschulkindern vor und nach der Reform vergleicht, gibt keinen Aufschluss darüber. Zwar hätten die Fehler im Bereichs s-Laut-Schreibung seit der Reform deutlich zugenommen, doch dies könne daran liegen, dass die Schüler außerhalb der Schule oft in Kontakt mit der alten Rechtschreibung kamen.
Zur ausführlicheren Diskussion siehe auch die Kritik und Apologetik#ss-.C3.9F-Schreibung_und_Dreifachbuchstaben.
Als letzte schweizerische Tageszeitung entschied die Neue Zürcher Zeitung, ab dem 4. November 1974 auf das ß zu verzichten. Buchverlage, die für den gesamten deutschsprachigen Markt produzieren, verwenden das ß nach wie vor.
Anstelle von ß wird ss geschrieben. ss steht damit – anders als andere Doppelkonsonantenbuchstaben – nicht nur nach Kurzvokalen. Somit hat ss in der Schweizer Orthografie eine andere Funktion als in den übrigen deutschsprachigen Ländern. ss dient hier nicht der Markierung eines Kurzvokals, sondern übernimmt die Rolle von ß und repräsentiert grundsätzlich den ß-Laut. Wie bei anderen Digrafen (z. B. ch) ist die Länge oder Kürze des vorangehenden Vokals nicht erkennbar (Masse steht sowohl für Maße wie für Masse, Busse steht sowohl für Buße wie für Busse; vgl. hoch vs. Hochzeit).
Bei der Silbentrennung wird in der Schweiz (bzw. im Versalsatz oder wenn kein ß zur Verfügung steht) seit der Regelung von 1996 ein ss in s-s aufgelöst. Vorher wurde z. B. das Wort Blösse als Blö-sse getrennt (in Analogie zu Blö-ße), seither aber als Blös-se. Tatsächlich haben wohl die meisten Schweizer diese Regel schon angewendet, bevor sie eingeführt war.
Eszett-Schreibungen.png.]] Auf Schreibmaschinen und Textverarbeitungssystemen, die über keinen Buchstaben ß verfügen, wird als Ersatz ss geschrieben. Im Telex-Verkehr der bundesdeutschen Sicherheitsbehörden ist dagegen auch heute noch die Verwendung „sz“ anstelle von ß amtlich vorgeschrieben. Dies dient zwar dazu, das fehlende ß auf der Tastatur zu ersetzen, aber auch, um Verwechslungen mit „ss“ zu vermeiden.
Beim Satz deutschsprachiger Texte in Versalien oder Kapitälchen tritt das Problem eines fehlenden Großbuchstaben „ß“ auf. Die aktuellen Rechtschreibregeln schreiben vor, im Versalsatz das „ß“ durch „SS“ zu ersetzen („Weiß“ wird zu „WEISS“). In der Praxis existiert auch eine gemischte Schreibweise, bei der das kleine „ß“ auch im Versalsatz erhalten bleibt („Weiß“ wird zu „WEIß“). Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gab es immer wieder Ansätze, das deutsche Alphabet um ein Versal-Eszett zu ergänzen.
Siehe Hauptartikel: Versal-Eszett
| Zeichen | Unicode Position | Unicode Bezeichnung | Bezeichnung | HTML hexadezimal | HTML dezimal | HTML benannt | UTF-8 hexadezimal | ß | U+00DF | Latin small letter sharp s | Lateinischer Kleinbuchstabe Eszett | ß | ß | ß | C3 9F |
|---|
Im ASCII-Zeichensatz aus dem Jahr 1963 ist das Zeichen nicht enthalten, weshalb viele ältere Computersysteme es nicht darstellen konnten. Allerdings enthielt bereits die ASCII-Erweiterung ISO 8859-1 (auch als Latin-1 bekannt) 1986 das Eszett. Fast alle modernen Computer verwenden den im Jahr 1991 eingeführten Unicode-Standard, womit das Eszett problemlos zu verarbeiten und darzustellen ist. Lediglich einige Programme, die noch auf älteren Zeichensätzen beruhen, können beim Datenaustausch Probleme bereiten.
In LaTeX2e gibt es auch ein großes scharfes s, das als doppeltes großes S gedruckt wird. Der zugehörige Eingabebefehl ist \SS. Das große scharfe s ist auch in der Cork-Kodierung enthalten. Der Grund hierfür ist, dass TeX Wörter wie Maße und Buße auch dann richtig trennen kann, wenn sie komplett in Großbuchstaben geschrieben sind.
Mit dem „inputenc“-Paket kann das ß auch direkt in den Quelltext geschrieben werden, wenn dieser (wie heute üblich) in ISO-8859-1 oder UTF-8 codiert gespeichert wird.
Auch auf der britischen und der amerikanischen Tastatur fehlt das Zeichen.
Da allerdings nahezu alle modernen Computersysteme und -schriften auf Unicode basieren, kann das Eszett heutzutage theoretisch weltweit dargestellt, verarbeitet, übertragen und archiviert werden. Eine Ersetzung aus technischen Gründen ist deshalb nur noch selten nötig. Auch wenn die verwendete Tastatur das Zeichen nicht aufweist, kann es meistens über eine entsprechende Funktion des Betriebssystems oder des jeweiligen Texteditors eingefügt werden.
ß | ß | ß | ß | ß | ß | ß | ß | ß | ß | ß | ß | Escetas | ß | ß | ß | ß | Эсцет | ß | ß | ß