Estavayer-le-Lac ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Freiburg und Hauptort des Broyebezirks. Der frühere deutsche Name Stäffis am See wird heute kaum noch verwendet. Das historische Städtchen liegt am Südufer des Neuenburgersees und bildet das regionale und wirtschaftliche Zentrum des freiburgischen Teils der Region Broye.
Die Fläche des 6.4 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt am Südufer des Neuenburgersees (rund 3.5 km Seeuferlänge). Im Bereich von Estavayer-le-Lac besitzt der See einen flachen bis zu 500 m breiten Uferrandstreifen. Besonders im nordöstlichen Abschnitt ist dieser von einem Schilf- und Sumpfwaldgürtel bestanden, in dem sich der Weiher Grande Gouille befindet. Diese Zonen gehören zum Naturschutzgebiet der Grande Cariçaie.
Estavayer lac.jpg
Daran schliesst sich im Süden eine 10 bis 40 m hohe Steilstufe an, die bei La Corbière von Sandsteinfelsen durchzogen ist. Oberhalb des Steilhanges geht das Gelände in eine weite Hochfläche über, die nur sehr geringe Reliefunterschiede aufweist. Die höchsten Erhebungen von Estavayer-le-Lac werden mit 488 m ü. M. beim Gehöft Toutvent und auf der Flur Les Esserpis an der östlichen Gemeindegrenze erreicht. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 31 % auf Siedlungen, 6 % auf Wald und Gehölze, 59 % auf Landwirtschaft und etwas mehr als 4 % war unproduktives Land (Schilfgürtel).
Zu Estavayer-le-Lac gehören der Weiler La Corbière (465 m ü. M.) nordöstlich der Stadt oberhalb der Steilstufe und dem Wasserfall Saut de la Pucelle sowie verschiedene Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Estavayer-le-Lac sind Vernay, Sévaz, Les Montets, Lully (FR) und Font.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1850 | 1323 |
| 1900 | 1636 |
| 1910 | 1958 |
| 1930 | 2021 |
| 1950 | 2452 |
| 1960 | 2583 |
| 1970 | 3439 |
| 1980 | 3662 |
| 1990 | 3808 |
| 2000 | 4437 |
Heute bietet Estavayer-le-Lac rund 2700 Arbeitsplätze an. Mit 1 % der Erwerbstätigen, die noch im primären Sektor beschäftigt sind, hat die Landwirtschaft nur noch einen marginalen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Etwa 42 % der Erwerbstätigen sind im industriellen Sektor tätig, während der Dienstleistungssektor 57 % der Arbeitskräfte auf sich vereinigt (Stand 2001).
Auf den fruchtbaren Böden in der Umgebung von Estavayer-le-Lac wird überwiegend Ackerbau und Gemüseanbau betrieben. Daneben sind auch der Obstbau und die Milchwirtschaft von Bedeutung.
Estavayer-le-Lac chateau.jpg Die Industrie- und Gewerbegebiete von Estavayer-le-Lac befinden sich am Südrand der Altstadt und in Bahnhofnähe. Wichtige Unternehmen sind heute in den Bereichen Nahrungs- und Genussmittelverarbeitung (Konservenfabrik, Tabakfabrik), Holz- und Metallverarbeitung, im Baugewerbe und in der Elektrizität tätig. Daneben gibt es zahlreiche weitere kleinere und mittlere Betriebe, unter anderem in der Informationstechnologie, der Feinmechanik und der Textilindustrie.
Im tertiären Sektor vereinigen die Verwaltung, das Bildungs- und Gesundheitswesen und die Tourismus- und Gastronomiebranche zahlreiche Arbeitsplätze auf sich. Estavayer-le-Lac ist Standort des Bezirksspitals, das im Jahr 1999 mit dem Bezirksspital von Payerne zum Hôpital intercantonal de la Broye zusammengelegt wurde.
Die Anbindung an das schweizerische Eisenbahnnetz erfolgte am 1. Februar 1877 als die Linie zwischen Payerne und Yverdon-les-Bains den Betrieb aufnahm. Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgen die Buslinien der Transports publics Fribourgeois, die von Estavayer-le-Lac nach Freiburg, nach Châbles und nach Rueyres-les-Prés sowie in einem Rundkurs bis Vuissens im südlichen Hinterland der Stadt verkehren.
Ferner ist Estavayer-le-Lac durch das Schiffsverkehrsnetz auf dem Neuenburgersee mit den anderen Seeanstössergemeinden verbunden.
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1156 unter dem Namen Stavaiel. Später erschienen die Bezeichnungen Estavaiel (ab dem 12. Jahrhundert), Stavail (1177), Estavaie (1220), Estavaier (1228), Estavayacum (1265) sowie Estavaiez und Estavayel im 13. Jahrhundert. Auch die deutschen Versionen Steviols (1231), Staviolo (1239) und Stäffies (1578) sind überliefert. Der Ortsname geht auf den germanischen Personennamen Stavius zurück.
Über die Ursprünge und das Gründungsdatum von Estavayer-le-Lac ist nur sehr wenig bekannt. Dass die Stadt bereits im Jahr 512 nach Christus von einem germanischen Anführer namens Stavius gegründet worden sein soll, konnte geschichtlich bis anhin nicht belegt werden und ist wohl eher einer Legende zuzuschreiben.
Es wird vermutet, dass Estavayer durch den Bischof von Lausanne im 12. Jahrhundert gegründet wurde. Die frühe Geschichte von Estavayer ist stark mit derjenigen der Adelsfamilie von Stäffis (französisch: d'Estavayer) verbunden. Dieses Adelsgeschlecht beherrschte die Region von Estavayer und teilte sich gegen Mitte des 12. Jahrhunderts in zwei, später gar in drei Linien auf. Alle drei Zweige behielten ihren Sitz in Estavayer, und so kam es, dass das Städtchen im Mittelalter drei verschiedene Schlösser besass. Das ursprüngliche Schloss war Motte-Châtel im Westen der Altstadt (existiert heute nicht mehr), ein zweites befand sich im Südosten (man nimmt an, dass die Tour de Savoie zum ehemaligen Schloss gehörte) und das dritte und jüngste Schloss ist das heutige Château des Chenaux. Die Herrschaft Estavayer war aber territorial nicht strikt in drei Teilgebiete aufgesplittert, sondern es bestand meist eine gemeinsame Verwaltung durch die drei Mitherren.
Estavayer-le-Lac Saint-Laurent.jpg Ab 1245 gehörte das Städtchen zum Herzogtum Savoyen. Es war Residenzort eines von den Savoyern eingesetzten Kastlans. Den Bürgern von Estavayer-le-Lac wurden 1350 gewisse Freiheiten zugesprochen. Am 27. Oktober 1475, während der Burgunderkriege, wurde das Städtchen von den Eidgenossen erobert. In der Folge wurde ab 1488 im Schloss Chenaux ein freiburgischer Kastlan eingesetzt.
Im Rahmen der Eroberung des Waadtlandes besetzte Freiburg 1536 das Schloss Savoie und annektierte dessen Teilgebiet. Gleichzeitig wurde die ehemalige Herrschaft Estavayer in eine freiburgische Landvogtei umgewandelt. Als Vogteisitz diente fortan das Schloss Chenaux. Nachdem 1632 die dritte Linie der Herren von Estavayer ausgestorben war, kam das gesamte frühere Herrschaftsgebiet 1635 in freiburgischen Besitz. Die Landvogtei Estavayer umfasste jetzt sämtliche Dörfer östlich der Stadt, die heute zum Broyebezirk gehören und reichte im Süden über die Ortschaften der heutigen Gemeinde Les Montets bis nach Nuvilly. Als Exklave gehörten auch Delley, Portalban und Vallon zur Vogtei.
Durch schwere Pestepidemien wurde die Stadtbevölkerung um 1600 stark dezimiert. Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime (1798) war Estavayer-le-Lac während der Helvetik und der darauffolgenden Zeit Hauptort des Bezirks Estavayer, bevor es 1848 in den Bezirk Broye eingegliedert wurde. Die Stadt blieb als einziges grösseres Zentrum weiterhin Hauptort des Broyebezirks.
Herausragendes Bauwerk der Stadt ist das Schloss Chenaux über dem Steilhang am Nordostrand der Altstadt. Es wurde im 13. Jahrhundert unter der savoyischen Herrschaft errichtet. Typisch für das savoyische Schloss sind die viereckige Anlage und der mächtige, 33.5 m hohe und mit drei Meter dicken Mauern ausgestattete runde Bergfried, der den Eingang sicherte. In späteren Etappen, teilweise noch in savoyischer Zeit, wurde das Schloss mehrfach umgestaltet und ausgebaut. So kam beispielsweise um 1450 der Torzwinger mit dem befestigten Durchgang hinzu. Die zwei runden Ecktürme mit Pechnasenkranz wurden 1504 fertiggestellt.
Inmitten der Altstadt steht die Kollegiatskirche Saint-Laurent, die in der Zeit zwischen 1379 und 1525 an der Stelle eines älteren Gotteshauses im Stil der Gotik erbaut wurde. Die dreischiffige Kirche mit Rechteckchor ist in ihrem ursprünglichen Bauzustand erhalten, der Glockenturm wird durch Echauguetten gekrönt. Zur reichen Innenausstattung gehören unter anderem ein Hochaltar von 1638-40 und das reich geschnitzte Chorgestühl von 1522-24.
Estavayer-le-Lac couvent.jpg Das Dominikanerinnenkloster am Südrand der Altstadt wurde 1316 gegründet und im 18. Jahrhundert umfassend restauriert, teilweise neu gebaut. Der dreischiffige Bau der Dominikanerinnenkirche stammt von 1697. Als weitere Kirchenbauten sind die gotische Chapelle de Rivaz (1449 erbaut und 1539 umgestaltet) sowie die neugotische Chapelle de l'Institut du Sacré Cœur (1904-05) zu nennen.
Die historische Altstadt hat ihr mittelalterliches Gepräge mit engen Gässchen, teilweise schiefen Häusern, Arkadengängen und schönen Plätzen bewahrt. Die Bausubstanz stammt zum grossen Teil aus dem 17. Jahrhundert. Besonders erwähnenswert sind das Hôtel du Cerf aus dem 16. Jahrhundert; die Maison de la Dîme (Zehntenhaus), die im 15. Jahrhundert erbaut wurde und heute das lokalhistorische Museum mit bedeutenden frühgeschichtlichen Funden und Burgunderwaffen beherbergt; sowie das für den Pannerherrn von Estavayer im Jahr 1775 erbaute Haus am Kirchplatz.
Ort in der Schweiz | Ort im Kanton Freiburg | Schweizer Gemeinde
Estavayer-le-Lac | Estavayer-le-Lac | Estavayer-le-Lac | Estavayer-le-Lac | Estavayer-le-Lac (kommun, CH-FR)
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Estavayer-le-Lac".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world