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Essentialismus (von lat. essentia: Wesen, Washeit, Sosein) ist eine Überzeugung und Praxis, die in einem philosophischen Anspruch wurzelt, der es für jegliche konkrete Gattung des Seins zumindest theoretisch ermöglicht, eine endliche Aufzählung von Eigenschaften festzulegen, die in Summe von einer solchen Ausprägung des Seins erfüllt sein müssen, um zur definierten Gruppe zu gehören. Ein Element bzw. Mitglied einer derart festgelegten Gattung des Seins kann auch andere Eigenschaften haben, die aber weder dazu benötigt werden, die Zugehörigkeit zu begründen, noch sie auszuschließen.

Essentialismus in der Philosophie


Literatur

Kamp, Georg: Essentialismus, in: Mittelstraß (Hrsg.), Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, 2. Aufl. *, S. 398 - 404 (mit 2,5 Spalten Literaturverzeichnis)

Essentialismus in der Ethik


Essentialismus in der Biologie


Essentialismus bedeutet in der Biologie, dass die Art (ontologischen) Vorrang vor dem Individuum hat. Diese Form des Verständnisses geht auf Aristoteles zurück. So hat Aristoteles die Vorstellung vertreten, dass ein Huhn die materielle Ausprägung der Art (Wesen, Idee) des Huhns ist und die Entwicklung des Huhns durch die Entelechie der 'Huhnheit' bestimmt ist. Hingegen ist in der modernen Biologie die Auffassung verbreitet, dass das eigentliche Objekt biologischer Forschung die Individuen sind; die Art wird pragmatisch definiert als die Gesamtheit der Individuen, die miteinander fruchtbare ('fertile') Nachkommen zeugen können. Der Artbegriff ist hier logisch dem Begriff des Individuums nachgelagert. So wird der evolutive Selektionsmechanismus auf der Ebene der Individuen angesetzt, nicht auf der Ebene der Arten. Es gibt sogar Ansätze, vgl. Richard Dawkins' Buch 'Das egoistische Gen', die die einzelnen Gene als Einheiten im Selektionsprozess sehen.

Aus dieser Historie ergibt sich, dass heute der Begriff Essentialismus oft eher pejorativ verwendet wird.

Essentialismus und Gesellschaft


Psychologischer Essentialismus


Die Bevorzugung natürlicher, auf biologischen Ursprung rückführbarer Kategorien ist eine Begründung für die Bedeutung des Psychologischen Essentialismus. Dieser geht davon aus, dass Kategorien auf Basis der Essenz ihrer Mitglieder aufbauen. Der Begriff „Essenz“ steht hierbei für die natürliche Grundlage oder den Sinn eines Lebewesens, Gegenstandes oder Ereignisses. Die Essenz selbst muss nicht in jedem Fall bekannt sein – ausreichend ist die Kenntnis eines bestimmten „Essenz-Platzhalters“. Bei Nutzung eines solchen Platzhalters wird davon ausgegangen, dass beispielsweise äußerliche Ähnlichkeit auch eine natürliche Grundlage – die Essenz – hat. Beeindruckend ist hierbei, dass bereits Kinder im Alter von vier Jahren einen deutlich nachweisbaren Sinn für die Erkennung der Essenz haben. So werden Amseln eher mit Flamingos in eine Kategorie eingeordnet als mit Fledermäusen – trotz tendentiell größerer Ähnlichkeit zu letzteren. Der Psychologische Essentialismus kann jedoch durch wissenschaftliches Denken überwunden werden. Dies ist hin und wieder nötig, da das Konstrukt Essenz-Platzhalter recht fehleranfällig ist. In die Kategorie „Bäume“ fallen sowohl Ahorn als auch Pinie, eine Rose hingegen nicht. Phylogenetisch stehen sich Ahorn und Rose hingegen deutlich näher als Ahorn und Pinie.

Siehe auch


im Gegensatz zu: Konstruktivismus, Poststrukturalismus, Existenzialismus

Literatur


Weblinks


Evolution | Ontologie

Essentialism | Olemusajattelu | מהותנות | 본질주의 | Essensialisme | Esencjalizm | Essencialismo | Essentialism | 本质主义

 

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