Ein Essay, seltener: Essai (der, selten: das; über französisch essai von mittellateinisch exagium, „Probe“, „Versuch“) ist eine kurze, geistreiche Abhandlung, in der kulturelle oder gesellschaftliche Phänomene betrachtet werden. Während der Autor einer wissenschaftlichen Analyse sein Thema systematisch und umfassend darstellen sollte, wird ein Essayist eher dialektisch arbeiten mit Strenge in der Methodik, nicht aber in der Systematik. Essays sind Denkversuche, Deutungen – unbefangen, natürlich, zufällig. Damit ein Essay aber überzeugt, soll es im Gedanken scharf, in der Form klar und im Stil geschmeidig sein.
Montaigne tritt als ein Fragender auf, der nach Antwort sucht, ohne sie letztlich zu finden. Ein guter Essay wirft neue Fragen auf oder umreißt ein neues Problem. Erkenntnisse und Forderungen werden oft nur so weit ausgeführt, dass der Leser sie selbst assoziieren und als eigene Gedanken betrachten kann, nicht als eine dogmatische Lehrmeinung.
Montaignes Bekenntnis zur Subjektivität und sein Zweifel an der Existenz absoluter Wahrheit widersprachen freilich der offiziellen Lehrmeinung des Vatikans. Schließlich setzte die katholische Kirche Montaignes Essays auf den Index Librorum Prohibitorum.
Sein Nachfolger, der Engländer Francis Bacon, erweiterte die Gattung des Essays in Richtung einer belehrenden, moralisierenden Form mit deduktiver Beweisführung; in der Folge pendelt der Essay zwischen diesen beiden Ausrichtungen. So wurde der Essay auch zu einer beliebten literarischen Form der Moralisten und Aufklärer.
Die Enzyklopädisten adaptierten die ursprünglich literarisch-philosophische Form zu einem wissenschaftlichen Stil. Im Gegensatz zum Traktat oder zur wissenschaftlichen Abhandlung verzichtet ein Essay auf objektive Nachweise und definitive Antworten.
In seinem Buch „Lebenslauf III“ deutete Walter Benjamin seine Essays so: „Ihre Aufgabe ist es, den Integrationsprozess der Wissenschaft ... durch die Analyse des Kunstwerks zu fördern, die ihm einen integralen, nach keiner Seite gebietsmäßig einzuschränkenden Ausdruck der religiösen, metaphysischen, politischen, wirtschaftlichen Tendenzen einer Epoche erkennt.“
Ein Essay zeichnet sich aus durch eine gewisse Leichtigkeit, stilistische Ausgefeiltheit, Verständlichkeit und einen nicht zu unterschätzenden Witz. Er ist befreit von zu vielen Zitaten, Fußnoten und Randbemerkungen. Zuweilen ist er auch schlicht eine stilisierte, ästhetisierte Plauderei.
Jeder neue Begriff wird eingeführt und vorgestellt. Handlungen werden chronologisch erzählt und Zitate deutlich gekennzeichnet. Der Umfang eines Essays ist eher knapp, was ihn übersichtlich und gut verständlich macht.
Theodor W. Adorno, Günther Anders, Walter Benjamin, Gottfried Benn, Albert Camus, Ralph Waldo Emerson, Georg Forster, José Ortega y Gasset, André Gide, Sebastian Haffner, Johann Gottfried von Herder, Hugo von Hofmannsthal, David Hume, Ernst Jünger, Søren Kierkegaard, Heinrich von Kleist, György Konrad, Karl Kraus, Brigitte Kronauer, Gotthold Ephraim Lessing, Georg Christoph Lichtenberg, George Lukács, Thomas Mann, Karl Marx, Friedrich Nietzsche, Jean-Paul Sartre, Friedrich Schiller, Friedrich Schlegel, Arthur Schopenhauer, Netty Reiling (Anna Seghers), Upton Sinclair, Peter Sloterdijk, Miguel de Unamuno, Simon Vestdijk, Eugen Gottlob Winkler, Virginia Woolf
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