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Pädagogik (von griechisch παιδεια Paideia "Erziehung, Bildung" oder pais "Knabe", "Kind" und agogein "führen") ist die traditionelle Bezeichnung für die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit Bildung, Erziehung und Sozialisation befasst. Als Synonym dazu wird auch der Begriff ’’Erziehungswissenschaft’’ benutzt. Ihr kommt die Doppelrolle zu, sowohl Bildungs- und Erziehungszusammenhänge zu erforschen, als auch – als Handlungswissenschaft – darüber zu reflektieren, wie Bildungs- und Erziehungspraxis gestaltet und verbessert werden kann. Teildisziplinen bzw. Teilbereiche der Erziehungswissenschaft sind z.B. Allgemeine Pädagogik, Schulpädagogik, Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung, Medienpädagogik, Geragogik und Sonder- und Heilpädagogik.

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Ziel der Pädagogik


Ziel der Pädagogik ist nicht nur positive Sozialisation, das heißt eine Anpassung des Menschen an die herrschende gesellschaftliche Ordnung. Daneben wird im Anschluss an den Philosophen Immanuel Kant gelegentlich auch von „Erziehung zur Mündigkeit und Selbstbestimmung“ gesprochen. Das scheinbare Paradox, wie ein Kind durch Führung und Anleitung zu freiem Handeln(=Selbstführung) erzogen werden könne, beschäftigte viele pädagogische Theoretiker und führte beispielsweise zum Postulat der Antipädagogik. Eine weitere Denkart – vor allem aus reformpädagogischen Bestrebungen heraus – versteht Erziehung im Anschluss an Jean-Jacques Rousseau lediglich als ein naturalistisches Sich-selbst-Überlassen des Kindes. Erziehung bzw. Pädagogik (als Nachdenken über Erziehung) spielt sich also im Spannungsfeld Natur – Kollektivität – Individualität ab.

Antipädagogik


Die Antipädagogik, die sowohl historisch als auch begrifflich gesehen viel jünger und weniger ausdifferenziert ist, kann als Gegensatz oder auch als Alternative zur Pädagogik bezeichnet werden. Sie entstand als dritter Weg neben Erziehung und antiautoritärer Erziehung, als Kritik an ersteren. Sozialisation und Bildung, so behaupten ihre Vertreter, sei auch ohne Erziehung und ohne Pädagogik möglich.

Geschichte


Siehe auch: Geschichte der Pädagogik

Die Pädagogik legitimierte sich lange Zeit über die Ausbildung des Nachwuchses an Lehrern und bezog ihre Kenntnisse vor allem aus Nachbardisziplinen, wie der Psychologie oder Soziologie, der Psychoanalyse oder Theologie. In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts setzte dann eine intensive Debatte über den wissenschaftstheoretischen Standort und die wissenschaftspolitische Verortung der Pädagogik ein. In der Diskussion standen insbesondere die seinerzeit vorherrschende geisteswissenschaftliche Pädagogik und die mit ihr verbundenen Forschungsmethoden (Hermeneutik, Phänomenologie,Dialektik). Um die Hinwendung zu empirischen Forschungsmethoden kenntlich zu machen, wurde in den 70er Jahren alternativ der Begriff Erziehungswissenschaft eingeführt, teilweise wird auch der Begriff Bildungswissenschaft bevorzugt. Die pädagogische Anthropologie berücksichtigt hierbei, dass der Mensch als ein mit Freiheit grundsätzlich begabtes Wesen betrachtet werden kann, das sich nicht durch geschickte Lehr- und Erziehungstechniken "herstellen" lässt, sondern von Seiten der Lehrenden/Erziehenden lediglich angeregt und angeleitet werden kann, sich selbst zu bilden.

Generell lassen sich weltweit vier große Entwicklungsstufen im Umgang der Pädagogik mit der Heterogenität der Gesellschaft unterscheiden, die quasi alle überall bereits vertreten waren oder noch angestrebt werden. Diese vier Stufen sind die Exklusion, Separation, Integration und Inklusion. Oft werden diese Entwicklungsstufen allein der Sonderpädagogik zugeordnet, was ihrem tatsächlichen Umfang jedoch nicht entspricht.

Einordnung


Bis heute ist der wissenschaftstheoretische Standort der Pädagogik als Erziehungswissenschaft umstritten: Arbeitet sie mit eher geisteswissenschaftlichen Methoden, etwa der Hermeneutik, oder eher naturwissenschaftlichen, empirischen Methoden? Oder geht es ihr letztlich um die Reflexion und Anleitung pädagogischen Handelns in der Praxis?

Ein weiteres Problemfeld der Pädagogik ist die kritische Auseinandersetzung mit den ihr zugrundeliegenden Werten und Wertvorstellungen (vergl. Wert, Werttheorie). Im Allgemeinen kann festgestellt werden, dass ihre Zielvorstellungen lediglich auf intuitiven Wertentscheidungen beruhen, die kultur- und gesellschaftsabhängig sind. In der islamischen Welt beispielsweise dominieren zum Teil völlig andere Wertvorstellungen. Eine Legitimierung von allgemeingültigen Wertvorstellungen wird gegenwärtig nur in der Psychologie der Emotionalen Intelligenz versucht (Peter Schmidt 1999, 2001, 2005). Die heftige Auseinandersetzung der verschiedenen Positionen in den 1960er und 1970er Jahren ist der Einsicht gewichen, dass sich die Pädagogik als Erziehungswissenschaft durch die Vielfalt ihrer Zugänge charakterisiert und auszeichnet. So gibt es unterschiedliche wissenschaftliche Zugänge verstehender und erklärender Art, aber auch eigenständige Beiträge der angrenzenden Disziplinen wie Soziologie und Psychologie, die sich im Sinne eines Ergänzungsverhältnisses verstehen lassen (vgl. Erziehungssoziologie, Pädagogische Soziologie und Pädagogische Psychologie).

Inhaltlich hat die Pädagogik über lange Zeit die Schule als Bildungsinstitution und Raum für Lernen und Lehren fokussiert. Mit der zunehmenden Ausweitung des Blicks auf alle Alterstufen und Lernräume des Menschen hat sich – zumindest in der Forschung – die Ausrichtung der Erziehungswissenschaft wesentlich verändert. An vielen Hochschulen werden deswegen verstärkt Studiengänge mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung/Weiterbildung/Neue Medien angeboten, da sich in diesen Bereichen zunehmend und in besonderer Weise neue Aufgaben für Pädagogen stellen. Allerdings wird der Begriff "Pädagogik" (griechisch für Knaben-Führung) für die Zielgruppe "Erwachsene" in Frage gestellt und teilweise z.B. durch den - gleichwohl ebenfalls umstrittenen -Begriff Andragogik (Männer-Führung) ersetzt.

Im Englischen wird Pädagogik/Erziehungswissenschaft(en) meist als Educational Science (s) oder kurz Education bezeichnet. Bei der Übersetzung von Education ins Deutsche ist zu beachten, dass es meistens Ausbildung und Erziehung bedeutet. Eine Eigenart des Deutschen wird im Wort Bildung sichtbar, für das es im Englischen keine Entsprechung gibt. Die Diskussion über Bildung und Bildungstheorie ist deswegen außerhalb des deutschsprachigen Raumes teilweise schwer zu vermitteln.

Siehe auch


Literatur


Einführungen
  • Winfried Böhm: Geschichte der Pädagogik. Von Platon bis zur Gegenwart. München: Beck 2004
  • Brinkmann, Wilhelm (Hg): Differentielle Pädagogik : eine Einführung. Donauwörth: Auer 2001
  • Forneck, Hermann; Wrana, Daniel: Ein verschlungenes Feld. Eine Einführung in die Erziehungswissenschaft. Bielefeld: wbv 2003
  • Giesecke, Hermann: Einführung in die Pädagogik. Weinheim: Juventa 1991
  • Gudjons, Herbert: Pädagogisches Grundwissen. Bad Heilbronn: Klinkhardt 2003
  • Krüger, Heinz-Hermann: Einführung in Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft. UTB 1997
  • Lenzen, Dieter: Orientierung Erziehungswissenschaft : was sie kann, was sie will. Reinbek b.H.: Rowolth 2002
  • Marotzki, Winfried; Nohl, Arnd-Michael; Ortlepp, Wolfgang: Einführung in die Erziehungswissenschaft. Wiesbaden: VS-Verlag 2005
  • Raithel, Jürgen; Dollinger, Bernd; Hörmann, Georg: Einführung Pädagogik. Wiesbaden: VS-Verlag 2005

Klassiker
  • Theodor Litt: Führen oder Wachsenlassen : eine Erörterung des pädagogischen Grundproblems. Stuttgart 1965
  • Wolfgang Brezinka: Metatheorie der Erziehung. (4. Aufl.). München, Basel 1978
  • Freerk Huisken: Erziehung im Kapitalismus. Von den Grundlügen der Pädagogik und dem unbestreitbaren Nutzen der bürgerlichen Lehranstalten. Hamburg: VSA 1998
  • Alexander Sutherland Neill: Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung. Rowohlt, 1998
  • Dietrich Benner: Allgemeine Pädagogik. Weinheim 2001

Problembereiche
  • Klaus Prange: Die Zeigestruktur der Erziehung. Grundriss der Operativen Pädagogik. Paderborn, 2005
  • Klaus Prange: Wozu Pädagogik? In: Florian Keisinger u. a. (Hrsg.): Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte, Frankfurt a. M./New York 2003
  • Feministische Pädagogik. Ein Problem, das alle angeht. Reihe Veröffentlichungen des Internationalen Forschungszentrums für Grundfragen der Wissenschaften. Salzburg: Tyrolia 1997
  • Winfried Böhm: Theorie und Praxis : eine Einführung in das pädagogische Grundproblem. Würzburg 1995

Weblinks


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