Erzieher, häufig Erzieherin, ist insbesondere die Berufsbezeichnung der Absolventen einer staatlich anerkannten Ausbildung an einer Fachschule für Sozialpädagogik, einer Fachakademie für Sozialpädagogik oder eines pädagogischen Berufskolleg. Kindergärtner ist eine veraltete Berufsbezeichnung für Erzieher, da sie nicht nur in der Arbeit mit Kindern, sondern auch in der Erziehung von Jugendlichen und der Betreuung älterer und geistig behinderter Menschen eingesetzt werden können. Die überwiegende Zahl der Erzieher sind Frauen. Auch Eltern und alle weiteren in einer pädagogischen Einrichtung arbeitenden Personen können als Erzieher bezeichnet werden, jedoch wird hier zwischen der intentionalen und der funktionalen Erziehungsweise unterschieden.
Die Ausbildung kann auch berufsbegleitend erfolgen, dann in der Regel mit zwei Tagen Schule und drei Tagen Arbeit wöchentlich sowie mehreren schulischen Ausbildungsblöcken.
Die Ausbildung endet mit der Anerkennung durch die entsprechende Landesschulbehörde. Unter Umständen ist mit dem Abschluss auch der Fachhochschul- oder allgemeine Hochschulzugang möglich.
Nach den Ergebnissen der PISA-Studie wurde in einigen Bundesländern die Ausbildung reformiert: Die Zugangsvoraussetzungen wurden teilweise erhöht und die Ausbildungszeit auf 4 Jahre verlängert. In Rheinland-Pfalz wurde die Ausbildung zum Sozialassistenten vorgeschaltet, was in Niedersachsen und anderen Bundesländern schon vorher der Fall war. In Niedersachsen und neuerdings auch in Nordrhein-Westfalen wurde zudem das Lernfeldkonzept in die Ausbildung zum Erzieher integriert. Das Land Rheinland-Pfalz bietet die Ausbildung in modularisierter Form an. Das heißt, die herkömmliche Fächerstruktur, orientiert an wissenschaftlichen Disziplinen, ist zugunsten von Modulen aufgehoben. Module sind thematisch abgegrenzte Lerneinheiten, die sich an konkreten pädagogischen Aufgabenstellungen (z. B. Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen), an der Arbeit in verschiedenen Einrichtungen (z. B. Kindergarten, Heime für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen) orientieren. Ziel ist die Erreichung der optimalen Berufsfähigkeit. Die Ausbildungsstruktur ist auch in vielen anderen Bundesländern in Bewegung, sodass es stetig neue Änderungen gibt.
Die an Fachschulen für Kinderpflege angebotenen Ausbildungsgänge zum Kinderpfleger sind ein Relikt aus der Vergangenheit. Sie entsprechen heute nicht mehr dem Qualitätsanspruch an eine Berufsausbildung. Daher sind sie nicht vergleichbar mit dem Ausbildungsniveau für Erzieher bzw. Jugend- u. Heimerzieher. Der Abschluss ist in etwa mit dem des Erzieherhelfers vergleichbar. Da aber oftmals damit der Realschulabschluss erworben werden kann, dient die Ausbildung zum Kinderpfleger mit als Vorstufe der Sozialassistenten.
Die Tätigkeitsfelder von Erziehern sind sehr vielfältig. Sie umfassen die Aufsicht, Erziehung, Bildung, Betreuung und Pflege der Klienten (in der Regel Kinder und Jugendliche), das Organisieren und Durchführen von Freizeitaktivitäten und vieles mehr. Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrkräften sowie anderen Kontaktpersonen der Klienten und Ämter (insbesondere dem Jugendamt). Die Partizipation der Kinder (die Beteiligung gemäß ihres Alters und Entwicklungsstandes) ist ebenfalls bei allen Aktivitäten zu berücksichtigen. Zudem rückt seit PISA/IGLU und den Bildungsplänen der Länder der Bildungsauftrag der jeweiligen Einrichtung weiter ins Blickfeld. Gerade im Bereich der Kindertageseinrichtungen sollen die Kinder explizit bei ihren Selbstbildungsprozessen unterstützt werden.
Bis ins 20. Jahrhundert war öffentliche Erziehung oftmals so grausam, dass sie heute als Misshandlung unter Strafe gestellt würde. Mit der Reformpädagogik des späten 19. Jahrhunderts trat allmählich eine neue Blickrichtung auf: Die Erziehung sollte vom Kind aus geschehen. Später wurden antiautoritäre und demokratische Erziehungsansätze entwickelt.
Bis in die 60er Jahre wurden Erzieher fast ausschließlich in Kindergärten und -horten beschäftigt. In der Folgezeit wurde die Ausbildung mit dem Abschluss staatlich anerkannter Erzieher bundesweit eingeführt, und die möglichen Einsatzgebiete erweiterten sich wesentlich.
Von großer Bedeutung für die Ausbildung von Erziehern war die Studie zur Kompetenzentwicklung von Erziehern („Wie Schüler Erzieher werden“), die Andreas Gruschka 1985 im Rahmen des Kollegschulversuchs Nordrhein-Westfalen vorlegte: Er eruierte vier Entwicklungsaufgaben, welche die Kompetenzentwicklung und Identitätsbildung in diesem Bildungsgang ausmachen sollten.
siehe auch: Pädagogik – Erziehung – Kindergarten – Hort – Kinderkrippe – Jugendhilfe – Sokratischer Eid
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