Im Ersten Weltkrieg kam es auch auf außereuropäischen Schauplätzen zu Kampfhandlungen, umkämpft waren dabei die deutschen Kolonien.
Diese Kämpfe waren in der Regel von wenig Gegenwehr gekennzeichnet, da das Deutsche Reich davon ausging, dass sich das Schicksal der Kolonien durch den Kriegsausgang in Europa entscheiden würde. Bis Februar 1916 fielen sämtliche deutschen Besitzungen mit Ausnahme Deutsch-Ostafrikas der Entente in die Hände.
Die letzten Einheiten in Deutsch-Ostafrika kapitulierten erst nach dem offiziellen Waffenstillstand in Europa.
Die Ausgangsposition
Die Kampfhandlungen in den
deutschen Kolonien spielten nur eine untergeordnete Rolle, da das Kaiserreich kaum die Möglichkeit hatte, diese sogenannten
Schutzgebiete zu verteidigen. In
Berlin meinte man außerdem, dass sich das Schicksal der Kolonien auf den europäischen Schlachtfeldern entscheiden würde. Zudem hoffte man auf die Kongoakte von 1890, in der sich die europäischen Mächte verpflichtet hatten, einen Krieg nicht auf die Kolonien auszuweiten.
Zu den deutschen Schutzgebieten gehörten: Kiautschou (Nordchina), mehrere Südseeinseln (Deutsch-Neuguinea, Neupommern, Mikronesien, Samoa, Marianen- u. Marschall-Inseln, Karolinen), Togo, Kamerun, Deutsch-Südwestafrika und Deutsch-Ostafrika. Die Gesamtfläche dieser Gebiete betrug 2.953.000 km² (ca. 8 x das heutige Deutschland), die Gesamteinwohnerzahl über 12 Millionen.
Die Schutztruppen in den Kolonien zählten insgesamt nur 15000 Mann, die eigentlich nicht für kriegerische Konflikte stationiert waren, sondern die Herrschaft sichern und Aufstände Einheimischer verhindern sollten. Die ohnehin schon hohen Verwaltungskosten sollten nicht noch durch eine große Streitmacht ins Unermessliche steigen. Die Kapitulation der deutschen Kolonien war also von Anfang an nur eine Frage der Zeit.
Der Fall von Kiautschou
Kiautschou, das erst
1897 von
China für 99 Jahre gepachtet worden war, stellte einen Ausnahmefall dar, da es nicht wie alle anderen Schutzgebieten dem
Kolonialamt sondern dem
Reichsmarineamt unterstand. 1914 war das III.
Seebataillon dort stationiert, dessen 1.500 Mann zu Kriegsbeginn um 3.400 Mann verstärkt wurden. (Ein chinesisches Angebot der Verstärkung durch mehrere zehntausend Mann wurde abgelehnt). Am
10. August 1914 richtete
Japan ein
Ultimatum an Deutschland und verlangte darin die sofortige Übergabe des Schutzgebiets, welches aber vom
Gouverneur, Kapitän zur See
Alfred Meyer-Waldeck unbeantwortet blieb. Daraufhin kam es 13 Tage nach dem Ultimatum zur japanischen
Kriegserklärung. Gemeinsam mit
englischen Truppen schlossen die Japaner das gesamte
Pachtgebiet von der Land- (über das neutrale
China) und Meeresseite ein. Nach tagelangen
Artilleriebeschuß und einem vergeblichen Generalangriff der Alliierten am Geburtstag des japanischen Kaisers
Yoshihito musste sich Mayer-Waldeck am
7. November 1914 der erdrückenden Übermacht beugen und akzeptierte die Kapitulation der Festung. Von den 4.900 Verteidigern fielen 199, von 53.000 Angreifern 1.800 Mann.
Die Südseeinseln
Die weder durch Truppen noch durch Seestreitkräfte geschützten
deutschen Südseeinseln waren jedem Invasionsversuch wehrlos ausgeliefert. Bis Anfang Oktober 1914 besetzten englische,
französische,
australische,
neuseeländische und japanische Einheiten sämtliche deutschen Pazifikgebiete ohne ernstzunehmende Gegenwehr. Vor vollendete Tatsachen gestellt, blieb dem deutschen Gouverneur Eduard Haber keine Wahl, als am 17. September 1914 die Kapitulationsurkunde zu unterzeichnen.
Die Niederlage in Togo
Togoland, eingekeilt zwischen englischem und französischem Kolonialgebiet, ohne natürliche Grenzen und mit einem gut ausgebauten Straßennetz bot ein verlockendes Angriffsziel. In Togo waren keine Schutztruppen stationiert, das Land verfügte lediglich über eine schwarze, 550 Mann starke Polizeitruppe, die von fünf weißen Offizieren geführt wurde. Die Deutschen zogen sich, der Aussichtslosigkeit der Lage bewusst, ins Landesinnere zurück und beschränkten sich darauf, Eisenbahnbrücken zu sprengen, um den feindlichen Vormarsch zu bremsen. Die Engländer besetzten kampflos den Südteil des Landes, von Osten fielen die Franzosen ein. Am
27. August 1914, nach Sprengung sämtlicher Funktürme, fand die Übergabe der Kolonie Togo statt. Zwei Drittel wurden an Französisch-Westafrika abgetreten, ein Drittel wurde englisches Mandat.
Die Kämpfe in Kamerun
Die deutsche Schutztruppe in
Kamerun war bereits vor 1914 durch Aufstände geschwächt worden, außerdem ermöglichte die geographische Lage Kameruns es den Alliierten, von allen vier Seiten gleichzeitig anzugreifen. 8.000 deutschen beziehungsweise einheimischen Verteidigern standen 30.000 überlegen bewaffnete Gegner gegenüber. Trotz dieser alliierten Übermacht konnten die Deutschen bis September 1914 einige Teilerfolge verbuchen und die englischen und französischen Verbände immer wieder zurücktreiben. Am
27. September 1914 jedoch mussten die Deutschen die Hafenstadt
Duala aufgeben und sich ins Landesinnere zurückziehen, wo sie einen zermürbenden
Guerillakrieg zwischen
Dschungel und
Savanne begannen. Im nachfolgenden Jahr wechselte das Kriegsglück ständig. Zwar konnten die Verteidiger die Angreifer immer wieder blutig zurückschlagen, dennoch zeichnete sich ein Sieg der
Entente ab, da die Alliierten im
September 1915 ihr erstes Operationsziel erreichen konnten: Sie standen an der Linie
Wumbiaga-
Eseka und hielten damit die Schlüsselstellen des Landes besetzt. Im Januar 1916 zog sich, nach der Räumung der Hauptstadt
Yaoundé, der Großteil der deutschen Verbände ins neutrale
Spanisch-Guinea zurück. Bei dieser Flucht gelangten 900 Deutsche und 14.000 Soldaten der einheimischen Hilfstruppen auf neutralen Boden, 50.000 Eingeborene folgten ihnen. Die verbliebenen Einheiten kämpften solange, bis die letzten Deutschen aus Kamerun evakuiert werden konnten. Diese Nachhut streckte schließlich am
18. Februar 1916 die Waffen.
Deutsch-Südwestafrika
Bei Kriegsbeginn stationierten die Deutschen ihre gesamten Kräfte an der Grenze zur
Südafrikanischen Union. Die Kampfhandlungen brachen mit einem
südafrikanischen Angriff auf die Polizeistation von Ramansdrift aus, bis September 1914 kam es zu einigen Gefechten gegen südafrikanische und englische Einheiten, bei denen den Schutztruppen unter dem Befehl von Oberstleutnant von Heydebreck immer wieder kleinere Erfolge gelangen. Im Oktober kam es dann zur Einstellung der Kampfhandlungen, weil in Südafrika ein
Burenaufstand gegen die englische Herrschaft ausbrach, zu dessen Unterdrückung der britische Oberbefehlshaber General Botha sämtliche Truppen abziehen musste. Durch diese Revolte verzögerte sich der britische Vormarsch um einige Monate. Einige dieser burischen
Freischärler kämpften nach Niederschlagung dieses Aufstands auf deutscher Seite weiter.
Diese Verschnaufpause nutzte von Heydebreck, um eine Strafexpedition gegen das portugiesische Angola zu führen. Portugal war zwar offiziell neutral, beschlagnahmte aber auf britischen Druck deutsche Versorgungstransporte.
Nach Niederschlagung des Burenaufstandes in Südafrika wurde die Lage für die Deutschen zunehmends aussichtslos, und so wurde am 9. Juli 1915 ein Waffenstillstand ausgehandelt. Bis Mitte August besetzte die südafrikanische Union das gesamte Land, den deutschen Siedlern wurde gestattet, auf ihre Farmen zurückzukehren, und selbst die noch 1.300 Mann starke Schutztruppe wurde nicht entwaffnet sondern lediglich in einem bestimmten Landesteil konzentriert.
Das Ringen um Deutsch-Ostafrika
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Deutsch-Ostafrika war die größte und bevölkerungsreichste aller deutschen Kolonien. Anders als in anderen Kolonien verhielt sich die einheimische Bevölkerung äußerst loyal zur deutschen Herrschaft, außerdem verfügte das Land über eine gute
Infrastruktur, die schnelle Truppentransporte ermöglichten, und auch die geographische Lage begünstigten die Verteidigung. Aus diesem Gründen kam es in Deutsch-Ostafrika zu den langwierigsten Kämpfen des ersten Weltkriegs auf Kolonialschauplätzen.
Die Kräfte des Gegners zählten insgesamt 130.000 englische, südafrikanische, indische, afrikanische, belgische und portugiesische Soldaten, sowie mehrere hunderttausend Träger. Die Verteidiger erreichten nach einer Generalmobilmachung zu Kriegsbeginn 3 000 deutsche Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, sowie 12.100 kampferprobte Askaris. Etwa 300 000 Afrikaner verrichteten Träger- und Hilfsdienste. Die Kampfhandlungen fanden auf fünf voneinander sehr weit entfernten Kriegsschauplätzen statt. Den Deutschen erleichterte dabei ihr sehr gut ausgebautes Straßen- und Schienennetz die Versorgung. Auch eine von Briten vorgenommene Seeblockade zeigte keine Wirkung, da sie immer wieder durchbrochen werden konnte. In der Schlacht bei Tanga konnten die deutschen Truppen 1914 eine Anlandung von britischen und indischen Truppen abwehren.
Nachdem sich die indische Kolonialarmee als ungeeignet erwiesen hatte, schafften die Briten vor allem südafrikanische Truppen unter dem ehemaligen Burengeneral Jan Christiaan Smuts nach Kenia. Ihnen gelang es, mit einem großen Aufwand an Personal und Material, die bedeutenden Städte und die Eisenbahnlinien einzunehmen. Der deutsche Kommandeur Paul von Lettow-Vorbeck ging daraufhin zur Guerillakriegsführung im unwegsamen südlichen Teil der Kolonie über, in dem die gegnerische Übermacht ihm nicht gewachsen war. In der dritten Phase ihres Feldzuges setzten die Briten dann afrikanische Truppen aus Kenia ein, denen es gelang, die deutschen Einheiten zum Ausweichen nach Portugiesisch-Ostafrika zu zwingen. Lettow-Vorbeck gelang es jedoch, in Mosambik neue Vorräte zu erbeuten, so dass er 1918 wieder ins südliche Deutsch-Ostafrika zurückkehrte und weiter auf feindliches Gebiet in Britisch-Rhodesien zog. Hier überbrachten ihm englische Parlamentäre die Nachricht vom Waffenstillstand in Europa. Daraufhin ergaben sich die deutschen Schutztruppen am 25. November 1918 den Alliierten.
Genaueres über die Kampfhandlungen in Deutsch-Ostafrika siehe Der erste Weltkrieg in Deutsch-Ostafrika
Das weitere Schicksal der ehemaligen deutschen Kolonien
Der
Friedensvertrag von Versailles bestimmte, dass Deutschland alle ehemaligen Kolonien aufgibt. Sie kamen zunächst unter die Verwaltung des
Völkerbundes, der die weitere Verwaltung bestimmte.
Über Kiautschou erhielt China
1922 ein
Völkerbundsmandat.
Die meisten Südseeinseln (namentlich Marianen, die Marshall-Inseln und die Karolinen) wurden japanisch und schließlich, nach dem
zweiten Weltkrieg zu
UN-Treuhandgebieten unter
US-Verwaltung gestellt. Die
Nördlichen Marianen stehen noch heute unter amerikanischer Verwaltung; die
Föderierten Staaten von Mikronesien und die
Marshallinseln wurden
1986 in die
Unabhängigkeit entlassen,
Palau im Jahr
1994.
Samoa wurde neuseeländisches Mandat
Westsamoa und
1962 unabhängig.
Nauru wurde australisch-britisch-neuseeländisches Völkerbundsmandat und 1968 unabhängig.
Über Deutsch-Neuguinea erhielt Australien ein Mandat,
1945 wurde das Gebiet mit dem ehemaligen
Britisch-Neuguinea vereinigt,
1975 in die Unabhängigkeit entlassen.
Togo wurde französisches Treuhandgebiet, die Unabhängigkeit erhielt das Land
1960.
Kamerun wurde
1922 geteilt. Der britische Teil kam zur
Kronkolonie Nigeria, der französische stand bis zur Unabhängigkeit 1960 unter eigener Verwaltung.
1975 kam es zur
Wiedervereinigung mit dem ehemaligen britischen Teil.
Deutsch-Südwestafrika wurde als
Namibia als letzte Kolonie Afrikas
1990 von Südafrika in die Unabhängigkeit entlassen.
Der größte Teil Deutsch-Ostafrikas wurde britisch.
1961 erfolgte die Unabhängigkeit des Staates unter dem Namen
Tansania. Der restliche Teil kam unter belgische Verwaltung, welches
Burundi und
Ruanda 1962 in die Unabhängigkeit entließ.
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