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Ernst Nolte (* 11. Januar 1923 in Witten) ist ein deutscher Historiker.

Werdegang


Ernst Nolte promovierte 1952 mit der Arbeit "Selbstentfremdung und Dialektik im deutschen Idealismus und bei Marx". Der Gymnasiallehrer Nolte wurde dann mit seinem Buch Der Faschismus in seiner Epoche (1963) schlagartig bekannt. 1964 habilitierte sich Nolte und wurde 1965 an die Philipps-Universität Marburg als ordentlicher Professor für Neuere Geschichte berufen. 1973 folgte er einem Ruf an die Freie Universität Berlin, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1991 am Friedrich-Meinecke-Institut wiederum als Professor für Neuere Geschichte tätig war.

Der Faschismus in seiner Epoche


In dem Werk Der Faschismus in seiner Epoche definierte Nolte Faschismus auf Grundlage seiner Selbstäußerungen (eine Methode, die Nolte phänomenologisch nennt) als "Antimarxismus, der den Gegner durch die Ausbildung einer radikal entgegengesetzten und doch benachbarten Ideologie und die Anwendung von nahezu identischen und doch charakteristisch umgeprägten Methoden zu vernichten trachtet, stets aber im undurchbrechbaren Rahmen nationaler Selbstbehauptung und Autonomie". Als wesentliche Merkmale des Faschismus werden mithin Antimarxismus, Antiliberalismus, Nationalismus, Gewalt und Propaganda bezeichnet, wobei auffällt, dass Rassismus oder Antisemitismus nicht dazu gerechnet wurde. Nolte fasst mit dieser Definition nicht nur den deutschen Nationalsozialismus und den italienischen Faschismus Mussolinis, sondern auch die "Action française", eine rechtsradikale französische Bewegung, zusammen. Damit war er der erste bürgerliche Historiker, der den Faschismusbegriff benutzte, der zuvor nur von Marxisten verwandt wurde.

Historikerstreit


Mit einem Artikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom 6. Juni 1986 löste Nolte den so genannten Historikerstreit aus. Dem Text lagen Gedanken zu Grunde, die er bereits am 24. Juli 1980 in einem Artikel der FAZ geäußert hatte. Der Wissenschaftler behauptete darin, der Archipel Gulag habe "das logische und faktische Prius" vor Auschwitz, das heißt, der "Rassenmord" der Nationalsozialisten sei nur aus Furcht vor dem älteren "Klassenmord" der Bolschewisten entstanden. Der Massenmord an den Juden, der schon in seinen älteren Thesen nicht zum Wesenskern des Faschismus gerechnet wurde, sei lediglich eine "überschießende Reaktion" auf die Gräuel der Oktoberrevolution und habe damit einen "rationalen Kern". Diese These, die - gegen Noltes Absichten - die Einzigartigkeit (Singularität) der Shoa in Frage zu stellen schien, erweiterte er zur Behauptung eines "europäischen Bürgerkriegs", der von 1917 bis 1945 getobt habe. Nolte rückt hier Faschismus und Kommunismus recht eng aneinander, weshalb seine Thesen auf eine Variante der Totalitarismusthese, wenn nicht gar auf Geschichtsrevisionismus hinauszulaufen scheinen. Auch stilisierte er den von jüdischer Seite als Reaktion auf antisemitische Ausschreitungen gestarteten Boykott deutscher Waren im Ausland und die Bekanntgabe einer "Kriegserklärung" für einen angeblichen Finanz- und Wirtschaftskrieg im Daily Express vom 24. März 1933 sowie die Loyalitätsbekundung Chaim Weizmanns von 1939 für Großbritannien zur Kriegserklärung der Juden an das Deutsche Reich und versuchte so, die mit Kriegsbeginn eskalierende Judenverfolgung des NS-Regimes als "Gegenmaßnahme" zu rechtfertigen. Nachdem 2003/04 der CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann wegen seiner als antisemitisch betrachteten Rede zum Tag der Deutschen Einheit aus Partei und Fraktion ausgeschlossen worden war, definierte Nolte Hohmann zum tapferen und respektablen Streiter für Meinungs- und Gewissensfreiheit.

Werke


  • Der Faschismus in seiner Epoche. Action francaise - Italienischer Faschismus - Nationalsozialismus. München 1963 Neuausg. 2000. ISBN 3-7610-7248-1
  • Die faschistischen Bewegungen, dtv München 1966
  • Die Krise des liberalen Systems und die faschistischen Bewegungen, Piper Verlag München 1968
  • Sinn und Widersinn der Demokratisierung in der Universität, Rombach Verlag Freiburg 1968
  • (Hrsg.): Theorien über den Faschismus. 6. Auflage. München 1984. ISBN 3-492-10365-0
  • Marxismus und Industrielle Revolution, Stuttgart 1983
  • Deutschland und der Kalte Krieg, 2. Aufl. Stuttgart 1985
  • Der europäische Bürgerkrieg 1917 - 1945. Nationalsozialismus und Bolschewismus, 4. Aufl. Frankfurt/M. 1989
  • Das Vergehen der Vergangenheit. Antwort an meine Kritiker im sogenannten Historikerstreit, Berlin 1988.
  • Nietzsche und der Nietzscheanismus, Frankfurt 1990.
  • Die Deutschen und ihre Vergangenheiten. Erinnerung und Vergessen von der Reichsgründung Bismarcks bis heute, Herbig Verlag München 1995 ISBN 3-7766-9004-6
  • (zusammen mit François Furet) „Feindliche Nähe": Kommunismus und Faschismus im 20. Jahrhundert. Ein Briefwechsel, Herbig Verlag München 1998 ISBN 3-7766-2029-3
  • Historische Existenz. Zwischen Anfang und Ende der Geschichte? Herbig Verlag München 1998
  • Der kausale Nexus. Über Revisionen und Revisionismen in der Geschichtswissenschaft; Studien, Artikel und Vorträge 1990 - 2000, Herbig Verlag München 2002 ISBN 3-7766-2279-2
  • Siegfried Gerlich im Gespräch mit Ernst Nolte: Einblick in ein Gesamtwerk, Edition Antaios, Dresden 2005 ISBN 3-9350-6361-X

Literatur


  • „Historikerstreit“. Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung, herausgegeben vom Piper Verlag, München 1987

Siehe auch


Weblinks


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