Ernst Mach (* 18. Februar 1838 in Chirlitz, Mähren, Österreich-Ungarn heute Brünn-Chrlice, Tschechien; † 19. Februar 1916 in Haar (bei München) bei war ein Physiker, Philosoph und Wissenschaftstheoretiker.
Er ist heute vor allem durch die nach ihm benannte Mach-Zahl, die die Geschwindigkeit im Verhältnis zur Schallgeschwindigkeit beschreibt, bekannt. Neben der Physik hat er sich stark mit der Philosophie beschäftigt. So gilt er als einer der einflussreichsten Vertreter oder sogar als Mitbegründer des Empiriokritizismus. Im Bereich der Psychologie hat er sich als Wegbereiter der Gestaltpsychologie bzw. Gestalttheorie einen Namen gemacht.
Ernst Mach wurde am 18. Februar 1838 in Chrlice geboren und im Nachbarort Tuřany (Turas) getauft. Seine Schulbildung bestand bis zum 15. Lebensjahr im Wesentlichen aus dem Unterricht durch seine Eltern. Auch in der Landarbeit wurde er von diesen unterwiesen. Außerdem absolvierte er eine Tischlerlehre. Nachdem er früher schon einmal kurz das Seitenstetter Benedektiner-Gymnasium besucht hatte, ging er ab 1853 auf das Kremsier (Komeritz) Piaristen -Gymnasium und erlangte dort nach zwei Jahren die Matura.
Mach studierte ab Herbst 1855 Mathematik und Naturwissenschaften an der Universität Wien und schloss 1860 mit einer Dissertation bei Andreas von Ettingshausen ab. Der Titel der Arbeit war: „Über elektrische Ladungen und Induktion“ .
Mach war seiner geistigen Entwicklung nach nicht ein Philosoph, der sich die Naturwissenschaften als Objekt seiner Spekulationen wählte, sondern ein vielseitig interessierter, emsiger Naturforscher, dem die Erforschung auch abseits vom Brennpunkt des allgemeinen Interesses gelegener Detailfragen sichtlich Vergnügen machte (zit. nach Karl von Meÿenn: Die Großen Physiker Von Maxwell bis Gell-Mann. C.H.Beck., 1997, ISBN 3406411495)
Statt nun einen bewegten Körper auf den Raum (auf ein Koordinatensystem) zu beziehen, wollen wir direkt sein Verhalten zu den Körpern des Weltraumes betrachten, durch welches jenes Koordinatensystem allein bestimmt werden kann. Voneinander sehr entfernte Körper, welche in bezug auf andere ferne festliegende Körper sich mit konstanter Richtung und Geschwindigkeit bewegen, ändern ihre gegenseitige Entfernung der Zeit proportional Die eben angestellten Betrachtungen zeigen, daß wir nicht nötig haben, das Trägheitsgesetz auf einen besonderen absoluten Raum zu beziehen. Vielmehr erkennen wir, daß sowohl jene Massen, welche nach der gewöhnlichen Ausdrucksweise Kräfte aufeinander ausüben, als auch jene, welche keine ausüben, zueinander in gleichartigen Beschleunigungsbeziehungen stehen, und zwar kann man alle Massen als untereinander in Beziehung bestehend betrachten [... auch ich erwarte, daß astronomische Beobachtungen zunächst nur sehr unscheinbare Korrektionen notwendig machen werden, so halte ich es doch für möglich, daß der Trägheitssatz in seiner einfachen Newtonschen Form für uns Menschen nur örtliche und zeitliche Bedeutung hat.
In der Psychologie profilierte sich Mach durch die These, dass der Mensch immer den ökonomischsten Wahrnehmungsprozess auswähle. Mach, Innenperspektive.jpg Alles menschliche Handeln und Trachten ist vom Verlangen nach Selbsterhaltung bestimmt. Durch die Ausbildung der höheren intellektuellen Funktionen werden gerade jene angeborenen Eigenschaften und Reflexe ersetzt, die den niederen Organismen ihr Dasein ermöglichen. In der Wissenschaftstheorie verstand er die Wissenschaften als Mittel, die Welt und die Empfindungen der Menschen möglichst einfach und neutral zu beschreiben. Außerdem verlangte er als Leitbild der Wissenschaft einen Reduktionismus ohne Kompromisse. Aus diesem Grunde sah er als eigentliche Grundlage eines aufgeklärten Weltverständnisses die Physik und die Psychologie an. Theorien seien, ähnlich wie psychologische, nur mathematisch organisierte Naturbeschreibungen. Diskussionen über den Wahrheitsgehalt von Theorien seien daher überflüssig. Allein der Nutzen sei relevant. Wahrheit existiere nicht für sich, sondern als eine temporäre Diskussions-Wahrheit, die nach evolutionären Gesetzen zustandekommt: Nur die stärksten, also ökonomischsten und empirisch klarsten Ideen, setzen sich durch. Physikalische
Die Details der Beziehung zwischen Mach und Loeb sowie zwischen ihnen und den späteren Behavioristen in den Vereinigten Staaten sind einladende Forschungsthemen. Die Arbeit eines der wichtigsten Psychologen der jüngsten Vergangenheit, Burrhus F. Skinner, wurde von Mach stark beeinflusst. Geboren 1904, war dieser bis zu seinem Tod im Jahre 1990 ohne Zweifel der direkteste selbsternannte Schüler Machs unter den in Amerika geborenen Wissenschaftlern dieses Jahrhunderts. Wie er in seiner Autobiographie, The Shaping of a Behaviorist, feststellt, erinnerte er sich lediglich an zwei wissenschaftliche Bücher, die er als Student gelesen hatte: Loebs Comparative Physiology of the Brain and Comparative Psychology und The Organism as a Whole, mit ihrem weitgehend positivistischen Ansatz für die Verhaltensforschung bei Tieren. Als Skinner für die Arbeit an seiner Doktorarbeit 1928 an die Harvard Universität kam, war sein Doktorvater, in dessen Laboratorium er fünf Jahre arbeiten sollte, der Physiologe W. J. Crozier. Es ist kein Zufall, dass Croziers eigener Lehrer Jacques Loeb gewesen war. Es war „diese ultra-positivistische Form der Loebschen Biologie, die Skinner in Harvard kennenlernte".
Bevor Skinner jedoch bereit war, sich für sein Forschungsthema oder für Croziers Laboratorium zu entscheiden, zu jener Zeit, als er noch seine Vorbereitungskurse in Harvard besuchte, erhielt er einen weiteren Anstoß in diese Richtung, als er bei George Sarton - der sich selbst als Duhemschen Positivisten betrachtete - und dem Physiologen Lawrence J. Henderson eine Vorlesungsreihe über Wissenschaftsgeschichte besuchte. Für diese Vorlesungsreihe musste Skinner Machs Mechanik lesen. Dies übte einen nachhaltigen Einfluss auf ihn aus. In einem Interview vom Juni 1988 erklärte Skinner mir
gegenüber kategorisch: „Ich war durch George Sartons Vorlesung von Mach vollkommen beeinflusst und kaufte rasch Machs Bücher Die Mechanik und Erkenntnis und Irrtum. Meine Doktorarbeit wurde unter dem Titel ,The Concept of the Reflex in the Description of Behavior' veröffentlicht." In diesem Interview teilte er mir vergnügt mit, dass einer seiner Studienkollegen in Croziers Laboratorium der Experimentalbiologe Gregory Pincus, der später die sogenannte Antibabypille entwickelte, gewesen war. Dadurch, sagte Skinner, „arbeitete", unter Croziers Anleitung „Pincus an der Kontrolle über die Biologie, während ich selbst an der Kontrolle über das Verhalten arbeitete".
Bei der Lektüre von Mach war Skinner insbesondere beeindruckt von der Idee, dass wissenschaftliche Konzepte obskurantistische Spuren ihrer früheren Versionen in sich tragen; die Aufgabe der gegenwärtigen Anhänger war, so glaubten beide, sie aus dem Griff der „metaphysischen Obskuritäten", wie Mach sie genannt hatte, zu befreien. Während der Arbeit an seiner Doktorarbeit fand der junge Skinner einen Weg, den Machschen Standpunkt für die Klärung von Begriffen wie dem „Reflex" intakter Organismen anzuwenden, einem Begriff, den er für die Psychologie als ebenso grundlegend betrachtete wie, sagen wir, die Masse für die Physik. Wie Skinner sich erinnerte, „verfolgte er eine streng Machsche Linie, in der das Verhalten als Stoff, der selbst eine Funktion von Variablen der Umwelt ohne Bezug auf einen Verstand oder ein Nervensystem ist, analysiert wurde." Dies war „die Linie, die Jacques Loeb ... eingeschlagen hatte." In dieser radikal empiristischen Form reduzierte sich die Verhaltensforschung für Skinner zunächst auf die Beobachtung der Bewegung des Fußes einer Ratte unter Nahrungsentzug, die einen kleinen Hebel in einer Versuchsbox von standardisierter Größe niederdrückt. Die Erklärung wurde auf die Beschreibung reduziert, die Kausalität auf die Vorstellung der Funktion, und das Hauptziel war die Korrelation zwischen den beobachteten Ereignissen.
Skinners Doktorarbeit wird noch heute im Archiv der Harvard Universität aufbewahrt (und unterscheidet sich in einigen Details von den Teilen, die später publiziert wurden). Hier zählt Skinner freimutig auf, wem er sich intellektuell verpflichtet fühlt, beginnend mit „Der Leser wird mit einer Methode der Kritik wiedererkennen, zum ersten Mal von Ernst Mach für wissenschaftliche Begriffe formuliert wurde"; dann lenkt er die Aufmerksamkeit auf nur fünf Bücher: Machs Mechanik und Beiträge zur Analyse der Empfindungen, zwei Bücher von Henri Poincare, und Percy W. Bridgmans kürzlich publiziertes Werk Logic of Modern Physics (1927). Skinners Dissertation war der Beginn einer Karriere, die ohne Umwege mehr als fünf Jahrzehnte in derselben Richtung verlief; der Kompass war durch seine ersten Kontakte mit Loebs und Machs Büchern fixiert worden.'
Mann | Philosoph (19. Jh.) | Philosoph (20. Jh.) | Philosophie des Geistes (Vertreter) | Physiker (19. Jh.) | Physiker (20. Jh.) | Österreicher | Erkenntnistheoretiker | Wissenschaftstheoretiker | Geboren 1838 | Gestorben 1916
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