Bloch13.jpg Ernst Bloch (* 8. Juli 1885 in Ludwigshafen am Rhein; † 4. August 1977 in Tübingen) war ein deutscher Philosoph.
1913 heiratet er die Bildhauerin Else von Stritzky (1883-1921). Nach einer Italienreise lernt er in Heidelberg Max Weber kennen. Wegen des – von ihm als deutschen Eroberungskrieg empfundenen - Ersten Weltkrieges geht er von 1917 bis 1919 mit seiner Frau ins Schweizer Exil. In den 1920er Jahren lebt er in Berlin und arbeitet als Journalist. Er pflegt dabei freundschaftliche Kontakte (unter anderem) zu Bertolt Brecht, Kurt Weill und Theodor W. Adorno. 1922 heiratet er die Malerin Linda Oppenheimer. Aus dieser Ehe stammt die Tochter Mirijam (* 1928). 1928 wird diese Ehe geschieden.
1933 emigriert er erneut in die Schweiz. Nachdem er dort ausgewiesen wird, geht Bloch über Italien zunächst nach Wien. Dort heiratet er 1934 erneut: Karola Bloch, geb. Piotrowska (1905-1994), eine polnische Architektin, mit der er bis zu seinem Tod zusammenbleibt. 1937 wird der Sohn Jan Robert geboren, der heute Professor in Berlin ist.
Die Jahre 1936 bis 1938 verbringt Bloch in Prag; dort ist er, wie schon vor 1933 Beiträger zur Weltbühne, Mitarbeiter bei der neuen Weltbühne. Kurz vor dem Einmarsch der Nazis flieht er in die USA.
Im amerikanischen Exil verfasst er einige seiner Werke, unter anderem Das Prinzip Hoffnung und Subjekt - Objekt. 1948 wird ihm der Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Leipzig angeboten. Im Jahr darauf übersiedelt er dorthin. Im Jahr 1955 wird ihm der Nationalpreis der DDR verliehen. Zudem wird er Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Doch der ungarische Volksaufstand von 1956 bringt den überzeugten Marxisten auf Gegenkurs zum SED-Regime: Nachdem er seine eigenen Freiheitsideale lehrt, wird er 1957 zwangsemeritiert. 1961 (nach dem Bau der Mauer) kehrt er von einer Reise in den Westen nicht mehr in die DDR zurück.
Bloch nimmt eine Gastprofessur an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen an. 1967 erhält er den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. 1972 wird ihm die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Ludwigshafen zuteil. Ehrendoktorwürden der Universität Zagreb, der Sorbonne und seiner Universität Tübingen folgen.
Die Studentenbewegung in den späten 1960er Jahren begleitet er mit kritischem Wohlwollen. Er gilt als einer ihrer geistigen Wegbereiter. So hält bis heute die Fachschaften-Vollversammlung, eine linke Studentenvereinigung an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Ernst Bloch in Erinnerung. Deutlich wird dies beispielsweise in ihrer Forderung, die Universität in "Ernst-Bloch-Universität Tübingen" umzubenennen mit einer Faust mit Stern als Logo. Dieser Vorschlag wurde jedoch nie in die Gremien eingebracht und hat sich auch nicht durchgesetzt. Zwischen Bloch und Rudi Dutschke entwickelt sich in den 1970er Jahren ein Verhältnis väterlicher Freundschaft. Bloch sah in Dutschke einen möglichen Nachfolger seiner Ideen.
Am 4. August 1977 stirbt Ernst Bloch an den Folgen einer Herzschwäche.
Als Marxist sieht Bloch im Sozialismus und Kommunismus die Instrumente, diesen "Überschuss" in die Tat umzusetzen. Untypisch für einen Marxisten ist seine starke Hinwendung zur Metaphysik. Im Zentrum seiner Überlegungen steht dabei das "Noch-Nicht-Sein", das für unser "Jetzt" kennzeichnend ist. Der Mensch, die Gesellschaft ist "noch nicht bei sich angekommen", weil wir noch Mangel fühlen, unser "Noch-Nicht-Haben" spüren. Alles Seiende umgibt jedoch ein "Bedeutungshof" seiner unrealisierten Möglichkeiten, der uns "auf den Weg bringen" kann, das Noch-Nicht-Haben in ein Haben und das Noch-Nicht-Sein in ein Sein umzuwandeln.
Ernst Bloch ist nicht nur der deutsche Philosoph der russischen Oktoberrevolution (Oskar Negt), sondern entwickelte eine selbstbewußte Philosophie des Tertium, also des Dritten, einer Lage zwischen Nicht-Mehr- und Noch-Nicht-Sein, die sozialwissenschaftlich-methodologisch bisher nicht aufgenommen worden ist; sie unterscheidet sich geschichtlich-methodisch von der anderer marxistischer Philosophen auch dadurch, dass Bloch eine enge Beziehung zwischen sozialistischem und christlichem Gedanken sah.
Bedeutsam ist auch Ernst Blochs Theorie der "Stadialität" der Zeit: in der modernen Welt prallen verschiedene Formen der Zeitwahrnehmung aufeinander. Die Aborigines im australischen Outback verfügen beispielsweise über ein anderes Empfinden von Zeit als der Mensch der Industrienationen – ihre Gleichzeitigkeit ist nur scheinbar, und jedes Bemühen, diese zu erzwingen, muss in Gewalt enden.
Ernst Bloch hatte aufgrund seiner kenntnisreichen und originellen Ausführungen zu Themen der Religion, speziell des Judentums und Christentums, sowie zum Atheismus, großen Einfluß auf die Theologie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, beispielsweise auf Jürgen Moltmann und auf Dorothee Sölle. (Vgl. die Titel: Bloch: Das Prinzip Hoffnung - Moltmann: Theologie der Hoffnung - Bloch: Atheismus im Christentum - Sölle: Atheistisch an Gott glauben).
Besonders ausführlich breitet er seine Religionsphilosophie im dritten Band des Prinzips Hoffnung aus: "Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen. Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat." Später im Band Atheismus im Christentum heißt es:"Nur ein Atheist kann ein guter Christ sein, gewiß aber auch: nur ein Christ kann ein guter Atheist sein".
Bloch kritisiert am Christentum die überkommenen, hierarchischen Strukturen, abgeleitet aus einem Gott, der "oben" ist und so an Marduk oder Ptah erinnert, die Götter der Babylonier und Ägypter, aber nicht an Jahwe, den Gott des Exodus, der zur Befreiung führt.
Am Atheismus beanstandet er die Leere, den "Hohlraum", der hinterlassen wird, wenn man die Religion entfernt. In diese Hohlräume treten nach Bloch neue, dunkle und dumpfe Inhalte. Als Beispiel nennt er die Zeit des Nationalsozialismus.
Zentrale Begriffe der Bloch'schen Philosophie sind:
Mann | Deutscher | Hochschullehrer | Philosoph (20. Jh.) | Politischer Philosoph | Hegelianer | Geboren 1885 | Gestorben 1977 | Kritische Theorie | Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels | Deutschsprachige Emigration | Utopie | Philosophie des Aufrechten Gangs
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