Erich Walther von Holst (* 28. November 1908 in Riga, † 26. Mai 1962 in Herrsching, Oberbayern) war ein deutscher Biologe und Verhaltensforscher. Er forschte u.a. am Institut für Meeresbiologie in Wilhelmshaven über die Physiologie des Zentralnervensystems und der Sinnesorgane bei Fischen und ab 1955 am Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie in Seewiesen bei Starnberg als dessen Gründungsdirektor; in dieser Funktion war er bis zu seinem frühen Tod der Chef seines Nachfolgers Konrad Lorenz.
Einer von Konrad Lorenz häufig erzählten Anekdote zufolge hat er Lorenz 1936 davon überzeugt, die Erklärung von tierischem Verhalten mit Hilfe der damals weithin akzeptierten sogenannten Reflexkettentheorie zugunsten der Instinkttheorie aufzugeben. Der 26-jährige von Holst habe seinerzeit in Berlin während eines Vortrags von Lorenz zufällig neben Lorenz' Ehefrau gesessen und ständig "Idiot, Idiot" gemurmelt, wenn Lorenz seine Verhaltensbeobachtungen mit der Reflexkettentheorie zu deuten versuchte. Im Anschluss an den Vortrag habe es nur eine halbe Stunde gedauert, bis er Lorenz "ein für allemal von der grundsätzlichen Unrichtigkeit der herrschende Reflexlehre" überzeugt hatte (K. Lorenz in der Einleitung zu: Grzimeks Tierleben, Ergänzungsband Verhaltensforschung, Kindler Verlag 1974). In der Geschichte der Ethologie wird diese Begegnung häufig zur eigentlichen Geburtsstunde des Faches verklärt.
Großen Einfluss auf die Entwicklung der anfangs bloß beobachtenden und beschreibenden Tierpsychologie in Richtung einer Physiologie des Verhaltens hatten Holsts Experimente u.a. mit "geköpften" Regenwürmern. Er trennte das Bauchmark des Tieres von dessen Oberschlundganglion (dem "Gehirn") ab und durchschnitt gleichfalls die meisten Verbindungen zu den Muskelzellen. Dann registierte er die von jedem Ganglienpaar eines Wurmsegmentes (von jedem "Ring") ausgehenden Nervenimpulse. Wie sich zeigte, schickten die Ganglienpaare weiterhin wohlkoordinierte, rhythmische Impulse aus, die genau der segmentweisen Muskelkontraktion entsprachen, die ein unbeschädigtes Tier zur Vorwärtsbewegung befähigen. So war bewiesen, dass autonome, innere - von Umweltreizen unabhängige - Rhythmen das Bewegungsverhalten des Regenwurmes bestimmen.
In ähnlicher Weise konnte Holst bei Rückenmarkspräparaten von Fischen nachweisen, dass die Schwimmbewegungen nicht nur im Zentralnervensystem erzeugt werden (also ohne äußere Reize!), sondern auch in ihm selbst koordiniert werden, das heißt ohne Mitwirkung von Propriozeptoren und zuleitenden Nerven.
Als exzellenter Viola-Spieler und Instrumentenbauer rekonstruierte von Holst Bratschen, die wie altitalienische Modelle klangen - um zu beweisen, dass er die Gesetzmäßigkeiten der Klangbildung richtig erfasst hatte.
Mann | Deutsch-Balte | Biologe | Zoologe | Verhaltensforscher | Ornithologe | Biomedizinische Kybernetik | Geboren 1908 | Gestorben 1962
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