Erich Kaufmann (* 21. September 1880 als Sohn einer Berliner Familie, † 11. November 1972) war einer der führenden Staats- und Völkerrechtler der Weimarer Zeit und der frühen Bundesrepublik. Der Jurist bezog in dem "Methodenstreit" der Weimarer Republik Stellung gegen den positivistischen Neukantianismus. Kaufmann war ein Verfechter des klassischen Naturrechts und ein Befürworter einer ontologischen und metaphysischen Betrachtungsweise des Rechts.
Im Jahr 1908 habilitierte sich Kaufmann in Kiel über ein rechtsvergleichendes Thema. Im Jahr 1911 schloss sich sein am meisten missverstandenes Werk über die clausula rebus sic stantibus im Völkerrecht an, das oft im Sinne eines zynischen Machtpositivismus gedeutet wurde. Kaufmann wurde 1912 zunächst außerordentlicher Professor in Kiel und dann 1913 ordentlicher Professor in Königsberg. In seinem Handwörterbuch-Artikel über das Verwaltungsrecht wendete er sich gegen das von Otto Mayer vertretene, französisch beeinflusste Verständnis dieser Disziplin.
Im 1. Weltkrieg diente Kaufmann als bayerischer Artillerieoffizier an der Front und wurde schwer verwundet. Im Jahr 1917 wurde er nach Berlin berufen, wechselte aber 1920 nach Bonn. Nachdem er 1921 in einer stellenweise polemischen Schrift die neukantianische Rechtsphilosophie grundlegend kritisiert hatte, wendete er sich vor allem der Praxis zu. Kaufmann diente dem Auswärtigen Amt als Berater, zunächst in den Beziehungen zu den osteuropäischen Ländern, dann auch im Zusammenhang mit dem Dawes-Plan. Außerdem vertrat er das Deutsche Reich, die Freie Stadt Danzig und die Republik Österreich vor dem Ständigen Internationalen Gerichtshof in Den Haag. 1927 kehrte Kaufmann nach Berlin zurück, wurde dort aber 1934 aus politischen Gründen entlassen. Er war jüdischen Glaubens. Es gelang ihm in der Folgezeit, einen Kreis von Schülern in seinem Haus in Berlin-Nikolassee zu sammeln ("Nikolasseer Seminare"), er musste aber nach der Reichskristallnacht 1938 nach Holland fliehen. Dort verlebte er auch den 2. Weltkrieg. In die dreißiger Jahre fällt auch die Veröffentlichung der Vorlesungen an der Haager Akademie aus dem Sommer 1935.
Schon 1946 kehrte Kaufmann nach Deutschland zurück, war dort von 1947 bis zur Emeritierung 1950 ordentlicher Professor in München. Außerdem war er Direktor des Instituts für Völkerrecht und Dekan der Juristischen Fakultät.
Von 1950 bis 1958 diente er dem Bundeskanzleramt und dem Auswärtigen Amt als Berater und war Honorarprofessor in Bonn. Sein letztes Lebensjahrzehnt verbrachte er in Heidelberg. Kaufmann war Träger zahlreicher Ehrungen, unter anderem zweier Ehrendoktorwürden aus Kiel und München. Er war Kanzler des Ordens pour le mérite und Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband.
Erich Kaufmann ist im Familiengrab der Familie Pankok auf dem Friedhof am Auberg der Evangelischen Kirchengemeinde Saarn in Mülheim a.d. Ruhr begraben. Er war verheiratet mit Hede Kaufmann (geborene Pankok). Die Ehe blieb kinderlos.
Mann | Deutscher | Rechtswissenschaftler (20. Jh.) | Diplomat | Geboren 1880 | Gestorben 1972
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