Erich Kästner (* 23. Februar 1899 in Dresden; † 29. Juli 1974 in München) war ein deutscher Schriftsteller, Drehbuchautor und Kabarettist, der breiten Kreisen der deutschen Bevölkerung vor allem wegen seiner humorvollen, scharfsinnigen Kinderbücher und seiner humoristischen bis zeitkritischen Gedichte bekannt ist.
Kästners Vater Emil Kästner war Sattler. Seine Mutter Ida Kästner geb. Augustin war Dienstmädchen und Heimarbeiterin und wurde mit Mitte Dreißig Friseurin. Mit seiner Mutter pflegte Kästner eine äußerst intensive Beziehung: in seiner Leipziger und Berliner Zeit verfasste er täglich intimste Briefe oder Postkarten an seine Mutter. Auch in seinen Romanen lässt sich immer wieder das Motiv einer "Übermutter" finden. Später kamen Gerüchte auf, dass der jüdische Arzt Emil Zimmermann (1864-1953) - der Hausarzt der Familie - sein leiblicher Vater gewesen sei. Diese Gerüchte wurden aber nie bestätigt.
Seine Kindheit beschrieb Kästner in dem 1957 erschienenen autobiographischen Buch "Als ich ein kleiner Junge war".
Kästner besuchte seit 1913 in Dresden ein Lehrerseminar, brach die Ausbildung zum Volksschullehrer jedoch drei Jahre später, kurz vor Ausbildungsende, ab. 1917 wurde er zum Militärdienst einberufen und absolvierte seine Ausbildung in einer Einjährig-Freiwilligen-Kompanie der schweren Artillerie. Die Brutalität der Ausbildung prägte Kästner nachhaltig und machte ihn zum Antimilitaristen; zudem zog er sich durch den harten Drill seines Ausbilders Waurich eine lebenslange Herzschwäche zu. Waurich wurde hierfür in einem Gedicht Kästners (Sergeant Waurich) kritisch bedacht.
Nach dem Ende des 1. Weltkriegs, den er zwar im Militärdienst, jedoch nicht an der Front erlebte, brach Kästner die Lehrerausbildung ab und machte das Abitur, das er mit Auszeichnung bestand, wofür ihm das Goldene Stipendium der Stadt Dresden verliehen wurde.
Im Herbst 1919 begann Kästner in Leipzig das Studium der Geschichte, Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft. Kästner promovierte 1925 zum Thema "Friedrich der Große und die deutsche Literatur". Sein Studium finanzierte Kästner schon bald aus eigenen Einnahmen als Journalist und Theaterkritiker für das Feuilleton der "Neuen Leipziger Zeitung". 1927 wurde dem zunehmend kritisch werdenden Kästner gekündigt, nachdem seinem von Erich Ohser illustrierten erotischen Gedicht "Abendlied des Kammervirtuosen" Frivolität vorgeworfen worden war. Im selben Jahr zog Kästner nach Berlin, von wo aus er jedoch unter dem Pseudonym Berthold Bürger weiter als freier Kulturkorrespondent für die Neue Leipziger Zeitung schrieb. Kästner veröffentlichte später noch unter vielen anderen Pseudonymen, wie z.B. Melchior Kurtz, Peter Flint, Robert Neuner.
1928 folgte Kästners erste Buchveröffentlichung "Herz auf Taille", eine Sammlung von Gedichten aus der Leipziger Zeit. Bis 1933 folgten drei weitere Gedichtbände. Mit seiner Gebrauchslyrik avancierte Kästner zur wichtigsten Stimme der Neuen Sachlichkeit.
Im Herbst 1928 erschien mit Emil und die Detektive Kästners erstes und bis heute berühmtestes Kinderbuch. Die Detektivgeschichte wurde allein in Deutschland über zwei Millionen Mal verkauft und bis heute in 59 Sprachen übersetzt. Für die Kinderliteratur der damaligen Zeit mit ihren aseptischen Märchenwelten äußerst ungewöhnlich war, dass der Roman im Hier und Jetzt der Großstadt Berlin spielte. Mit Pünktchen und Anton (1931) sowie dem Fliegenden Klassenzimmer (1933) schrieb Kästner in den folgenden Jahren zwei weitere "realistische" Kinderbücher. Einen wesentlichen Anteil am großen Erfolg der Bücher hatten die Illustrationen von Walter Trier.
Gerhard Lamprechts Verfilmung von Emil und die Detektive wurde 1931 ein großer Erfolg; Kästner jedoch war mit dem Drehbuch unzufrieden. In der Folge arbeitete er als Drehbuchautor für die Studios in Babelsberg.
Als Kästners einziger Roman von literarischer Bedeutung gilt das 1931 veröffentlichte Werk Fabian - Die Geschichte eines Moralisten. Der in fast filmischer Technik geschriebene Roman - schnelle "Schnitte" und Montagen sind wichtige Stilmittel - spielt im Berlin der frühen 1930er Jahre. Am Beispiel des arbeitslosen Germanisten Jakob Fabian beschreibt Kästner darin das Tempo und den Trubel der Zeit wie auch den Niedergang der Weimarer Republik.
Im Gegensatz zu fast allen seinen regimekritischen Kollegen emigrierte Kästner nach der (NS-)Machtergreifung am 30. Januar 1933 nicht. Zwar fuhr er unmittelbar danach für kurze Zeit nach Meran und in die Schweiz, wo er auch bereits emigrierte Kollegen traf, dann jedoch kehrte er nach Berlin zurück. Kästner begründete diesen Schritt u.a. damit, dass er vor Ort Chronist der Ereignisse sein wolle. Mindestens genauso wichtig dürfte aber sein, dass er seine Mutter nicht alleine lassen wollte. Mit dem Epigramm Notwendige Antwort auf überflüssige Fragen (aus: Kurz und bündig) lieferte er gewissermaßen selbst auch eine Antwort:
Kästner wurde mehrmals von der Gestapo vernommen und aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen. Seine Werke wurden bei der Bücherverbrennung als "wider den deutschen Geist" verbrannt, was er selbst aus nächster Nähe beobachtete. Der Aufnahmeantrag Kästners in die Reichsschrifttumskammer wurde wegen seiner "kulturbolschewistischen Haltung im Schrifttum vor 1933" abgelehnt. Dies war gleichbedeutend mit einem Publikationsverbot für das Deutsche Reich. In der Schweiz konnte Kästner harmlose Unterhaltungsromane wie "Drei Männer im Schnee" (1934) veröffentlichen. Mit einer Ausnahmegenehmigung lieferte Kästner 1942 unter dem Pseudonym "Berthold Bürger" das Drehbuch zu "Münchhausen", dem prestigeträchtigen Jubiläumsfilm der UFA. 1944 wurde Kästners Wohnung durch Bomben zerstört. Anfang 1945 gelang es ihm, mit einem Filmteam zu angeblichen Dreharbeiten nach Mayrhofen in Tirol zu reisen, wo er das Kriegsende erlebte. Diese Zeit hielt er in einem 1961 unter dem Titel Notabene 45 veröffentlichten Tagebuch fest.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog Kästner nach München, wo er bis 1948 das Feuilleton der Neuen Zeitung leitete und die Kinder- und Jugendzeitschrift Pinguin herausgab. Gleichzeitig widmete sich Kästner in München verstärkt dem literarischen Kabarett. So arbeitete er für Die Schaubude (1945 - 1948) sowie Die kleine Freiheit (ab 1951) und für den Hörfunk. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Nummern, Lieder, Hörspiele, Reden und Aufsätze, die sich mit dem Nationalsozialismus, dem Krieg und der Realität im zerstörten Deutschland auseinander setzten, u.a. das Marschlied 1945, das Deutsche Ringelspiel und das Kinderbuch Die Konferenz der Tiere.
Kästners Optimismus der unmittelbaren Nachkriegszeit wich umso mehr der Resignation, wie die Westdeutschen mit Währungsreform und Wirtschaftswunder versuchten, zur Tagesordnung überzugehen. Hinzu kamen die bald erstarkenden Stimmen für eine Remilitarisierung. Seinem Anti-Militarismus blieb Kästner treu - er trat bei Ostermärschen als Redner auf und wandte sich später auch entschieden gegen den Vietnamkrieg. Er veröffentlichte jedoch immer weniger, wozu auch sein zunehmender Alkoholismus beitrug. Kästner fand keinen Anschluss an die Nachkriegsliteratur und wurde in den 50er und 60er Jahren überwiegend als Kinderbuchautor wahrgenommen und gewürdigt. Die Wiederentdeckung seines literarischen Werks aus der Zeit der Weimarer Republik begann erst ab den 70er Jahren (Fabian wurde erst 1980 verfilmt).
Dennoch war Kästner sehr erfolgreich. Seine Kinderbücher verkauften sich gut und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und verfilmt, Kästner wurde vielfach geehrt. 1951 erhielt er für das beste Drehbuch (für den Film Das doppelte Lottchen) das Filmband in Gold, 1956 den Literaturpreis der Stadt München und 1957 den Georg-Büchner-Preis. 1959 wurde ihm das große Bundesverdienstkreuz verliehen, 1960 folgte der Hans-Christian-Andersen-Preis und 1968 der Lessing-Ring (zusammen mit dem Literaturpreis der deutschen Freimaurer).
1951 wurde Kästner Präsident des westdeutschen P.E.N.-Zentrums, ein Amt, das er bis 1962 inne hatte; 1965 wurde er zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Außerdem war er einer der Begründer der Internationalen Jugendbibliothek in München.
Kästner blieb lebenslang unverheiratet. Seine beiden letzten Kinderbücher (Der kleine Mann und Der kleine Mann und die kleine Miss) verfasste er für seinen 1957 geborenen Sohn Thomas.
Kästner war häufiger Vorleser seiner eigenen Werke. Bereits in den 20er Jahren besprach er Schelllackplatten mit seinen zeitkritischen Gedichten. In den Verfilmungen seiner Kinderbücher war er mehrfach die Erzählerstimme, wie auch in der ersten Hörspielbearbeitung von Pünktchen und Anton. Des Weiteren sprach er für das "Literarische Archiv" der Deutschen Grammophon eine Auswahl seiner Gedichte, auch Epigramme und seine Till Eulenspiegel-Bearbeitung nahm er für die Sprechplatte auf. Nicht zuletzt bestritt Kästner diverse literarische Solo-Abende, so z.B. im Münchener Cuvelliés-Theater oder las für den Hörfunk z.B. aus seinem Werk „Als ich ein kleiner Junge war“. Nach seinem Tod am 29. Juli 1974 im Münchner Krankenhaus Neuperlach wurde er auf dem Bogenhausener Friedhof in München-Bogenhausen beigesetzt.
Mehr als 40 Filme sind in vielen Ländern nach Kästners Werken entstanden, die bekanntesten sind:
Autor | Literatur (20. Jh.) | Literatur (Deutsch) | Kinder- und Jugendbuch | Lyrik | Publizist | Satire | Tagebuch | Kabarettist
Deutscher | Mann | Geboren 1899 | Gestorben 1974
Ерих Кестнер | Erich Kästner | Erich Kästner | Erich Kästner | Erich Kästner | اریش کستنر | Erich Kästner | אריך קסטנר | Erich Kästner | エーリッヒ・ケストナー | Erich Kästner | Erich Kästner | Erich Kästner | Erich Kästner
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Erich Kästner".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world