Eric Hobsbawm (auch: Eric J. Hobsbawm) (* 9. Juni 1917 in Alexandria, Ägypten) ist ein englischer Historiker und Sozialwissenschaftler mit englisch-österreichisch-jüdischen Wurzeln, der wie wenige andere die Entwicklungen des 20. Jahrhunderts kritisch erlebte, begleitete und mit scharfem Blick erforschte. Nach der Schulzeit in Wien, Berlin und London studierte er in Cambridge und wurde später Professor für Geschichte in London, war Gastprofessor in den USA, Mexiko und Frankreich und hatte seit 1984 eine Professur für Politik und Geschichte in New York. Seine prägenden Jahre waren, wie er selbst sagte, die Schuljahre in Berlin Anfang der 1930er Jahre, wo er als Gymnasiast Mitglied des Sozialistischen Schülerbundes, einer Unterorganisation der KPD) wurde.
Hobsbawm widmete sich besonders der Epoche von 1789 bis 1914, der er eine eigene Trilogie widmete ("Das lange 19. Jahrhundert"):
Im Zusammenhang damit wandte er sein Interesse der Entwicklung der Arbeiterbewegung zu, den heraufsteigenden nationalistischen Ideologien und den unterschiedlichen Formen von Sozialrevolte. Am bekanntesten wurde seine Analyse des "kurzen 20. Jahrhunderts" (The Age of Extremes: A History of the World 1914 - 1991 - dt: Das Zeitalter der Extreme : Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts 1914 - 1991).
Einflussreich auf die internationale Diskussion des Umgangs mit Geschichte war insbesondere der von Hobsbawm (zusammen mit Terence Ranger) eingeführte Begriff der "erfundenen Tradition" (invention of tradition). Erfundene Traditionen sind historische Fiktionen, die suggerieren, etwas sei 'immer schon' Element der eigenen Geschichte gewesen. Wichtigstes Beispiel ist der sog. 'Schottenrock', eine Erfindung des ausgehenden 18. Jahrhunderts, die im Laufe des 19. Jahrhunderts auf angeblich keltische Wurzeln zurückgeführt wurde.
Hobsbawm, einst langjähriges Mitglied der britischen KP und Vordenker ihres eurokommunistischen Flügels, gilt als scharfer Beobachter und vom Marxismus beeinflusster, aber dennoch undogmatischer Kritiker des Kapitalismus. In Das Zeitalter der Extreme interpretiert er das 20. Jahrhundert als Zeitalter, in dem es den Menschen einerseits gut ging wie nie - Freiheit war ein wichtiger Wert, ökonomischer Wohlstand weit verbreitet - andererseits war es das Jahrhundert, das mit dem Holocaust und dem Gulag-System Stalins eine nie dagewesene Grausamkeit hervorbrachte.
In seinem Buch Ungewöhnliche Menschen (engl: Uncommon People) beschreibt er Resistenz, Rebellion und Jazz. Das Thema der einzelnen Aufsätze reicht von Thomas Paine über die Geschichte des Maifeiertags bis zum Mai 1968 und Billie Holiday.
Hobsbawm erhielt 2000 den Ernst-Bloch-Preis und 2003 den Balzan-Preis.
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