Erdwerk bezeichnet in derArchäologie runde oder ovale, zumeist große Anlagen mit Gräben, und Wällen (mit oder ohne Palisaden) in Mitteleuropa, deren Durchlässe (Torbauten) mitunter nach den Himmelsrichtungen orientiert sind.
Erdwerke wurden in Mitteleuropa über 2000 Jahre und auf den Britischen Inseln über längere Zeiträume errichtet und dienten sehr verschiedenen Zwecken.
Neolithikum
Altneolithikum
Erdwerke tauchen mit der
Bandkeramischen Kultur 5.500 v. Chr. in Mitteleuropa auf. Sie sind besonders in der späten Bandkeramik häufig (Langweiler 9, Darion), aber in Eilsleben bereits seit der ältesten Bandkeramik belegt.
Grabungen in
Herxheim Rheinland-Pfalz und in Rosheim (Elsass) belegen für die Bandkeramik, dass manche Grabensysteme nie als Ganzes existierten sondern unterbrochen waren und aus sukzessiv ausgehobenen Gruben bestanden, die mit organischem oder anderem Material, einschließlich menschlicher Knochen und schliesslich mit Erde aufgefüllt wurden. Sie können somit keine fortifikative Funktion besessen haben, daher ist eine
kultische Bedeutung, z.B. als Opferplatz wahrscheinlicher.
Mittelneolithikum
In der
Stichbandkeramik werden über einen relativ kurzen Zeitraum Kreisgrabenanlagen mit meist vier Öffungen und Pfahlsetzungen errichtet. Bekannte Beispiele sind Künzig-Unternberg (Bayern) und
Goseck (Sachsen-Anhalt).
Jungneolithikum
Früher wurden die Erdwerke der
Michelsberger Kultur als Verteidigungsanlagen oder Viehgehege gedeutet. Erdwerke der Michelsberger Kultur, des
Chasséen bzw. des britischen Frühneolithikums (
Causewayed camps) haben von vorne herein zahlreiche Unterbrechungen, was sie als Verteidigungsanlage ungeeignet erscheinen läßt. Forscher wie Dixon interpretieren die Unterbrechungen jedoch trotzdem als Ausfalltore und verweisen auf die zahlreichen Funde von Pfeilspitzen z.B. in
Crickley Hill als Beleg einer fortifikatorischen Funktion.
Von den im Jahre 1996 bekannten 31 Erwerken der Trichterbecherkultur liegen 4 in Schleswig-Holstein, je eins in Niedersachsen und Schweden. Die 25 dänischen Anlagen verteilen sich auf Jütland (11), Seeland (7) und Fünen (4). Je eines liegt auf Alsen, Bornholm und Langeland.
Eisenzeit
Die spät-eisenzeitlichen
Viereckschanzen (4.-2. Jh. v. Chr.) werden als Hof- oder Kultplätze gedeutet.
Britische Inseln
Auf den Britischen Inseln existieren folgende Erdwerktypen
- Causewayed camps, heute als causewayed enclosures bezeichneten (s. Bild).
- Henges, z.B. in Avebury und Durrington Walls
- Hillforts, also Höhenbesfestigungen, die sich meist der Form der Hügel oder Sporne anpassen
- Die in Irland Rath genannten Anlagen sind zum Teil sehr klein und bestehen in manchen Landesteilen aus Trockenmauern. Insgesamt gibt es mehr als 35.000 Exemplare.
- Die in Irland und Wales als Early ecclesiastical enclosures bezeichneten Umwallungen, die es unter anderem Namen auch um geschichtliche Plätze Kalvarienberge etc. in der Bretagne gibt, sind die jüngste Gattung eingehegter Plätze mit kultischer Bedeutung, sieht man von befestigten Kirchen (Wehrkirchen) ab.
Siehe auch
Literatur
- Mercer R. J. Causewayed Enclosures (1990) ISBN 0747800642
- Schyle, Daniel: Das jungneolithische Erdwerk von Salzkotten-Oberntudorf, Kr. Paderborn, Zabern, 1997, ISBN 3805324227
- Koch, Robert: Das Erdwerk der Michelsberger Kultur auf dem Hetzenberg bei Heilbronn-Neckargartach, Theiss, 2001, ISBN 3806216401
- Raetzel-Fabian, Dirk und Kappel, Irene Erdwerk und Megalithgrab bei Calden - Mittelpunkt einer Region vor 5000 Jahren : Die Ergebnisse der Ausgrabungen 1988-1990 bei Calden, Krs. Kassel, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, ISBN 3898220915
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