Die Erdspektroskopie untersucht die Spektren von Schwingungen des Erdköpers. Es werden sowohl Eigenschwingungen des Erdkörpers nach der Anregung durch ein Erdbeben, als auch die durch Tiden und Erdrotation erzwungenen Schwingungen untersucht.
Eigenschwingungen der Erde wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts postuliert. Das physikalische Modell war damals das einer Stahlkugel (Erde), die durch ein Erdbeben angeschlagen wird und dann eine Weile dröhnt. Das ist wie bei einer Glocke, die mit dem Klöppel angeschlagen wird. Der Effekt wurde zuerst nach dem starken Erdbeben von Chile 1964 nachgewiesen.
Bei den Gezeiten wurde lange postuliert, dass sich der Erdkörper mit den Kontinentalplatten an die Gezeitenkraft irgendwie anpassen müsste, aber dass diese Anpassung nicht perfekt ist, weil es sonst keine Ebbe und Flut in den Ozeanen geben könne. Diese Vermutungen wurden inzwischen durch Messungen der tidenbedingten Bewegung der Erdoberfläche abgelöst, verbunden mit der Erkenntnis, dass es sich bei Ebbe und Flut um komplexe Schwingungsvorgänge mit starken Materialströmungen handelt. Für die erzwungenen Schwingungen des Erdköpers sind die Rückwirkungen der Gezeiten auf Erde und Mond als Lieferant für Energie und Drehimpuls wichtig: Der Mond entfernt sich pro Jahr um etwa 4 cm von der Erde und bremst die Erdrotation ab, wobei sich die Tage pro Jahr um 20 Mikrosekunden verlängern und sich die Erdachse in ihrer Orientierung ändert.
Die Erdspektroskopie arbeitet mit ähnlichen Werkzeugen und Methoden wie die Seismologie und kann als ein Bereich davon aufgefasst werden. Im Gegensatz zur Seismologie fasst die Erdspektroskopie die Erde als ein System auf, das insgesamt zu Schwingungen fähig ist und nicht "nur" von seismischen Wellen durchlaufen wird.
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