Holbein-Erasmus.jpg: Erasmus von Rotterdam, 1523]]
Erasmus (Desiderius) von Rotterdam (eigentlich Geert Geertsen; * 27. Oktober 1469 in Rotterdam; † 12. Juli 1536 in Basel) war ein bedeutender Humanist.
Anfangs Augustinermönch, war er seit 1492 im Dienst des Bischofs von Cambrai, wo er schließlich zum Priester geweiht worden war. Dann studierte er 1495 bis 1499 in Paris, lebte von 1506 bis 1509 in Italien und hielt sich zwischenzeitlich in den Niederlanden und England auf. 1514-1521 lebte er in Basel, wohin er seit 1513 mehrmals gereist war, um seine Schriften in der Werkstatt seines Freundes Johann Froben drucken zu lassen. 1524 hielt er sich erneut in Basel auf. Als dort Zwinglis Reformation siegte, ging er 1529 nach Freiburg im Breisgau, kam 1535 zurück nach Basel. Seine Überreste ruhen an seinem Epitaph im Basler Münster.
Mit seiner Satire Lob der Torheit, die er seinem Freund Thomas Morus widmete, entgegnete er 1509 mit Spott und Ernst tief verwurzelten Irrtümern und trat für vernünftige Anschauungen schriftstellerisch auf.
1516 veröffentlichte er eine kritische Edition des griechischen Neuen Testaments Novum Instrumentum omne, diligenter ab Erasmo Rot. Recognitum et Emendatum. mit einer Latein-Übersetzung und Anmerkungen. Er widmete sie Papst Leo X. und nutzte dabei neue wiederentdeckte Manuskripte. In der zweiten Auflage führte er den Terminus Testamentum statt Instrumentum ein. Diese Auflage wurde von den Übersetzern der King James Bibel und auch für Teile der deutschen Elberfelder Bibel als Basis benutzt. Der Text wurde später bekannt als textus receptus. Erasmus besorgte drei weitere Auflagen - 1522, 1527 und 1535.
Ebenfalls 1516 schrieb er Die Erziehung des christlichen Fürsten (Institutio Principis Christiani). Auslöser für die Schrift war vor allem sein dritter Aufenthalt in England im Jahre 1516. Er hatte hohe Erwartungen daran, dass Heinrich VIII. alles daran setzen würde, um Bildung und die Konsequenz, dass unverantwortliche Regierungsführung Folgen der Versäumnisse seiner Erziehung waren. Vor allem unter dem Eindruck dieser Beobachtungen wurde die Schrift eine Erziehungslehre für Fürsten. Seine Hoffnungen ruhten auf den Enkeln von Kaiser Maximilian I., Karl und Ferdinand. Er widmete so dem Prinzen Karl, dem späteren Karl V., das Werk.
1517 erschien die Streitschrift: Die Klage des Friedens, in der Erasmus während der erbarmungslosen Religionskriege dem Friedenswillen eine Stimme verlieh. Das Werk, eigentlich für einen Friedenskongress verfasst, der dann nicht stattfand, hatte zu seinen Lebzeiten keine große Wirkung und wurde sowohl von den weltlichen als auch den kirchlichen Autoritäten überwiegend abgelehnt, weil Erasmus darin eine dezidiert pazifistische Position vertritt. Heute gilt Erasmus als erster Pazifist der Neuzeit. Der Gelehrte lehnte Kriege mit einer Ausnahme ab: Nur wenn das gesamte Volk sich für einen Krieg ausspreche, sei er legitim.
1524 veröffentlichte er Vom freien Willen, ein Werk mit dem der Bruch mit Luther besiegelt wurde. Während Erasmus die These aufstellte, Gott habe dem Menschen die freie Entscheidung beispielsweise zwischen dem Guten und dem Bösen gegeben, argumentierte Luther mit der Erbsünde und der Gnade Gottes.
In seinem 1528 herausgegebenen Dialogus Ciceronianus trat Erasmus für einen persönlichen, von Vorbildern freien Stil ein. Wegen seiner feinen Ausdrucksweise genossen seine Briefe in Europa große Aufmerksamkeit. 1536 schrieb er De puritate ecclesiae christianae, worin er zwei gegensätzliche Gruppen zu versöhnen suchte. Er beeinflusste die Aufklärung in Deutschland entscheidend mit seinem religiösen Reformeifer, der durch Vermittlung der Täufer und anderer (Sebastian Franck) gefördert worden war. Erasmus wandte sich gegen kirchliche Missstände, die Veräußerlichung der Religion und den Dogmenzwang. Er legte seinen Hauptwert auf die ethisch-moralische Seite der Religion, was vor allem 1502 im Enchiridion militis christiani (= Handbuch des christlichen Streiters) offenbar wurde. Zunächst der Reformation gegenüber offen, wandte er sich von ihr ab, als er Martin Luther in einem unüberbrückbaren Gegensatz zur römisch-katholischen Kirche sah. Sie war auch die Ursache für seinen Streit mit Ulrich von Hutten.
In Basel begegnete Erasmus von Rotterdam 1524 erstmals Johannes a Lasco, der zu seinem Lieblingsschüler wurde. Welch hohes Ansehen er bereits zu Lebzeiten genoss, zeigt die Tatsache, dass er als katholischer Priester in der Zeit heftigster konfessioneller Auseinandersetzungen im protestantischen Basler Münster beigesetzt wurde.
In Basel ist der Erasmusplatz nach ihm benannt. In Rotterdam tragen die Erasmus-Universität, die Erasmusbrücke und die Erasmuslinie der Rotterdamer U-Bahn den Namen des größten Sohnes der Stadt.
Humanist | Philosoph der Renaissance | Gestalten der Reformation | Niederländer | Altphilologe | Mann | Geboren 1469 | Gestorben 1536
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