Zur einheitlichen Darstellung einer Zeitperiode auf Modelleisenbahnanlagen ist die Geschichte der Eisenbahn in Deutschland und anderen Teilen Europas in verschiedene Epochen gegliedert. Um dem Modelleisenbahner die zeitliche Zuordnung der Bauteile und des rollenden Materials zu erleichtern, werden zu den verschiedenen Produkten Epochen (und meist auch Perioden innerhalb dieser Epochen) angegeben. So stellt zum Beispiel in Deutschland eine Lok der Epoche II a den Zustand zwischen 1920 und 1925 dar. Neben den Schienen- und Straßenfahrzeugen muss auch im Städtebau und Straßenbau die zeitliche Authentizität der Objekte berücksichtigt werden, beispielsweise Baustile oder Elemente, die in bestimmten Epochen eingeführt oder abgeschafft wurden, wie Telefonzellen, Zebrastreifen und Verkehrsampeln.
Wichtigste Erkennungsmerkmale zur Unterscheidung der Epochenzugehörigkeit von Schienenfahrzeugen sind deren Farbgebung und Beschriftung. Zahlreiche Anpassungen der Fahrzeugkonstruktion sind von vielen Fahrzeugtypen bekannt und geben zusätzlich Aufschluss über die stimmige Gestaltung eines Fahrzeugmodells. Weniger häufig sind solche systematischen Veränderungen auch an Gebäuden zu beobachten, so dass z.T. auch hier eine Datierung bis auf wenige Jahre genau möglich ist.
Es gibt verschiedene Systeme der Epocheneinteilung. Das bekannteste davon (mit heute fünf Epochen) wurde um 1971 vom Eisenbahnhistoriker Günther Barthel angeregt und ist heute vom MOROP in der NEM 800 normiert. Die weitere Unterteilung ist je nach Land unterschiedlich und in der NEM 801 bis 814 normiert.
Im Folgenden ist die Einteilung nach NEM 806 D (Deutschland), NEM 801 A (Österreich) und NEM 804 CH (Schweiz) dargestellt.
Als Kommentar sind wichtige Ereignisse verzeichnet, die zu verstehen helfen, wann die Epoche anfängt. Dies ist aber immer als fließend zu betrachten, da nie alle Fahrzeuge an einem Tag umgekennzeichnet waren und auch sonstige Merkmale, wie neue Fahrzeuge, im realen Betrieb erst mit der Zeit als Unterschied zwischen benachbarten Epochen zu erkennen waren.
Epoche I
Etwa 1835 (erste Dampfeisenbahnen)
bis 1920
Einteilung in der Schweiz
Epoche II
1920 (Gründung der
Deutschen Reichsbahn)
bis 1945/1949
- Periode II a: 1920 bis 1925 Sammlung der ehemaligen Länderbahnen unter der dem Namen "Deutsche Reichseisenbahnen"
- Periode II b: 1925 bis 1937 Gründung der privatwirtschaftlichen "Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft", Umnummerierung der Länderbahnfahrzeuge
- Periode II c: 1937 bis 1949 Verstaatlichung als "Deutsche Reichsbahn"
Einteilung in der Schweiz
- Periode II a: 1920 bis 1928 Elektrifizierung der Hauptstrecken
- Periode II b: 1928 bis 1937 Inbetriebnahme Ae 4/7
- Periode II c: 1937 bis 1945 Inbetriebnahme der roten Pfeile (ab 1935)
Epoche III
1945/1949 (Gründung der
Deutschen Bundesbahn)
bis 1970/1975
- Periode III a: 1949 bis 1956 Aufschrift "Deutsche Bundesbahn"
- Periode III b: 1956 bis 1965 Aufschrift "*" (der sogenannte Brezel)
- Periode III c: 1965 bis 1970 Übergangszeit: UIC-Nummerierung bei alter Farbgebung
Einteilung in der Schweiz
- Periode III a: 1945 bis 1956
- Inbetriebnahme der Städteschnellzüge mit Leichtstahlwagen und Re 4/4 I
- Ende Plandampfbetrieb
- Periode III b: 1956 bis 1970
Epoche IV
1965/1970 (Einführung einheitlicher
UIC-Nummern)
bis 1990
- Periode IV a: 1965 bis 1970 Übergangszeit: UIC-Nummerierung bei neuer Farbgebung
- Periode IV b: 1970 bis 1980 Aufbau des einklassigen IC, "Pop"-Farben
- Periode IV c: 1980 bis 1990 Umstellung auf zweiklassigen IC
Einteilung in der Schweiz
- Periode IV a: 1970 bis 1980 Inbetriebnahme der EW III
- Periode IV b: 1980 bis 1990 Inbetriebnahme der EW IV
Epoche V
1990 (Vereinigung
DB/
DR, Beginn des
Hochgeschwindigkeitsverkehrs)
bis heute
Einteilung in der Schweiz
Kritik am Epochensystem
Nachteil der Einteilung ist, dass sich diese an Äußerlichkeiten wie Farbgebungen und Beschriftungen orientiert und die Übergänge von einer Epoche zur anderen meist fließend sind. Nachdem das System in
Deutschland geschaffen wurde, ist es auch auf andere Länder nur bedingt anwendbar. So fallen wichtige Umbrüche, wie die Gründung der
Schweizerischen Bundesbahnen 1902 mitten in eine Epoche. Vielen Modellbahnern ist das System trotz der von Land zu Land abweichenden Unterperioden zu ungenau, sie bilden lieber ein bestimmtes Jahr nach. Dies erfordert jedoch weitergehende Vorbildkenntnisse hinsichtlich der Einsatzperiode bestimmter Fahrzeuge und anderer Gegenstände.
Spielwarenhistorische Betrachtung
Der Begriff der Epoche kann insbesondere bei Modellbahnsammlern missverständlich aufgefasst werden. Aus ihrer Sicht gibt es auch Epochen hinsichtlich der Produktgestaltung im Spielzeugmarkt. Drei Beispiele zur Verdeutlichung:
- Lithographierte Bleche als Werkstoff für Modelleisenbahnen kamen mit verbesserter Kunststofftechnik aus der Mode. Der größte Teil des Blechspielzeugs ist somit heute einer vergangenen Epoche zuzuschreiben.
- Bei manchen Herstellern wurden Kupplungssysteme z.T. mehrfach nacheinander abgelöst. Ob folgende Systeme zu vorangegangenen kompatibel sind, ist in dieser Betrachtung zweitrangig.
- Mit der Entwicklung digitaler Steuerungssysteme für Modelleisenbahnen ist das Kapitel der Fahrzeuge besiegelt, die man schon aus Gründen des historischen Erhaltungswertes nicht auf solche Technik umrüsten sollte. Man kann also sehr allgemein von einer Machart vor Einführung von Digitaltechnik sprechen.
Ein differenziertes System von "Machart-Epochen" ist heute noch nicht etabliert. Kulturhistoriker und Auktionatoren könnten diesen Beitrag nachholen.
Weblinks
Modelleisenbahn