Die Episcopal Church in the USA ist ein Teil der anglikanischen Kirchengemeinschaft, die vornehmlich in den USA vertreten ist, aber auch in Haiti, Taiwan, Kolumbien, die Dominikanische Republik, Ecuador, Honduras, Venezuela und Kontinentaleuropa. Sie ist in neun Provinzen mit 110 Diözesen und 7374 Pfarreien organisiert. Die Episcopal Church ist eine der ältesten Kirchen im Gebiet der heutigen USA; heute allerdings ist sie mit 2,3 Millionen Mitglieder deutlich kleiner als einige andere amerikanische Kirchen. Nur etwa 0,8 % aller US-Amerikaner sind Mitglieder dieser Kirche; allerdings waren mehr als ein Viertel aller US-Präsidenten Mitglieder der Kirche.
Anders als die meisten anglikanischen Kirchen hat die Episcopal Church statt eines Primas den Presiding Bishop (Vorsitzenden Bischof), welcher alle neun Jahre gewählt wird. Die höchste Instanz der Kirche bildet das Executive Council (Exekutivrat), welches aus 20 Mitgliedern, vier Bischöfen, vier Priestern oder Diakonen und zwölf Laien besteht, die auf der General Convention (Generalversammlung) gewählt werden. Dazu kommen 18 weitere, die auf den Provinzialsynoden gewählt werden.
Kirchenordnung und Struktur
Die Grundeinheit der Episkopalkirche ist das
Bistum. Der geweihte Haupt des Bistums ist der Bischof. Die Bistümer werden in Provinzen zusammen gruppiert, aber anders als in anderen anglikanischen Kirchen haben die Provinzen keinen
Erzbischof. Folglich gibt es in den Provinzen auch keinerlei Weisungsrechte oder Jurisdiktion. Andere geweihte Mitglieder des
Klerus sind
Priester (oder Presbyter) und
Diakone. Laien partizipieren voll am Leben der Kirche und werden auch an der Kirchenleitung maßgeblich beteiligt.
Die Kirche hält alle drei Jahre eine als "General Convention" bezeichnete Generalsynode ab. Die General Convention besteht aus zwei Häusern: Das Haus der Bischöfe und das Haus der Deputierten. Letzteres wird aus Priestern, Diakonen und Laien zusammengesetzt: jedes Bistum wählt vier Mitglieder des Klerus und vier Laien als Deputierte. Vorsitzender des Hauses der Bischöfe ist der Presiding Bishop. Am 18. Juni 2006 wurde Katharine Jefferts Schori als Nachfolgerin des Most Reverend Frank Tracy Griswolds in diesem Amt gewählt. Sie wird ab dem 1. November die erste Frau sein, die als Primas einer anglikanischen Kirche dienen wird. Der Vorsitz des Hauses der Deputierten wird als Präsident bezeichnet und entspricht etwa der Präses einer evangelischen Synode. Er kann Priester sein oder auch Laie. Die General Convention tagt gegenwärtig in Columbus (Ohio) vom 13. bis zum 24. Juni 2006. Die nächste General Convention wird 2009 in Los Angeles stattfinden.
Provinzen
Die Episcopal Church in the United States hat neun Kirchenprovinzen, die Nummern statt Namen tragen. Die Grenzen der Provinzen folgen in der Regel den Grenzen der US-Bundesstaaten, da es keine grenzüberschreitende Bistümer gibt (aber viele US-Bundesstaaten haben mehrere Bistümer innerhalb ihrer Grenzen).
- Neuengland
- New York, New Jersey, Haiti, Amerikanische Jungferninseln und Convocation of American Churches in Europe
- Delaware, District of Columbia, Maryland, Pennsylvania, Virginia, West Virginia
- Alabama, Georgia, Florida, Kentucky, östliches Louisiana, Mississippi, North Carolina, South Carolina, Tennessee
- Illinois, Indiana, Michigan, östliches Missouri, Ohio, Wisconsin
- Colorado, Iowa, Minnesota, Montana, Nebraska, North Dakota, South Dakota, Wyoming
- Arkansas, Kansas, westliches Louisiana, westliches Missouri, New Mexico, Oklahoma, Texas,
- Alaska, Arizona, California, Hawai‘i, Idaho, Oregon, Nevada, Utah, Taiwan, Washington
- Kolumbien, Ecuador, Honduras, Puerto Rico, Dominikanische Republik, Venezuela
Jede Provinz ist in einzelne Bistümer unterteilt. Anders als in vielen anderen anglikanischen Kirchenprovinzen, gibt es jedoch keine Erzbischöfe für die jeweiligen Provinzen, da die Episcopal Church keine Erzbischöfe hat.
Bistümer
Siehe:
Bistümer der Episcopal Church in the USA
Gemeinden
Jedes Bistum besteht aus
Kirchengemeinden, die verschiedene Typen aufweisen:
Kathedralen,
Pfarreien,
Missionen und
Kapellen.
Die meisten Gemeinden sind Pfarreien. Diese sind Gemeinden, die sich finanziell tragen können, ohne monetäre Subvention durch das Bistum. Der Gemeinde steht ein Priester vor, der die Bezeichnung Rektor trägt. In größeren Gemeinden können auch weitere Priester als Assistenten tätig sein. Die Gemeindemitglieder wählen auch Laien (oft, aber nicht notwendigerweise, zwölf) zum Gemeindevorstand, der "vestry" genannt wird. Aus dem Vestry werden zwei Mitglieder gewählt, die als "Senior Warden" und "Junior Warden" bzw. alternativ "Rector's Warden" und "People's Warden" bezeichnet werden und besondere Führungsfunktionen übernehmen--z.B. wird der Vertrag der Gemeinde mit dem Rector vom Senior Warden unterschrieben; der Junior Warden ist oft für den Unterhalt des Kirchengebäudes zuständig, etc. Wie in anderen Vorständen auch, ist es üblich, Schriftführer und Schatzmeister zu wählen.
Glauben und Praxis
Wie viele Kirchen in der anglikanischen Kommunion, folgt auch die Episcopal Church einer
via media oder "mittleren Weg" zwischen
protestantischen und
katholischen Praktiken. In der Tat bejaht die episkopale Liturgie explizit den Glauben an die "eine, heilige, katholische und apostolische Kirche". Deshalb argumentieren viele Episcopalians, dass die römischen Katholiken nicht die einzigen "Katholiken" seien, sondern dass auch der Anglikanismus eins der drei Zweige des Katholizismus darstelle: die
östlich-orthodoxe Kirche, die Römisch-Katholische Kirche, und die episkopale oder anglikanische Kirche. Die episkopale
Liturgie, d.h. die gottesdienstliche Praxis, ist der der
römisch-katholischen Kirche ähnlich, mit einigen Unterschieden wie z.B. der Gebrauch des
Book of Common Prayer (siehe unten).
Heilige
Das Konzept der
Heiligen in der Episkopalkirche ist stark durch die katholische Tradition beeinflusst. Der Grad der Verehrung der Heiligen ist jedoch im allgemeinen eher protestantisch. Die meisten Episcopalians beten nicht zu den Heiligen und berufen sich nicht auf sie als Mittler. Stattdessen werden die Heiligen als historische Beispiele von guten Christen hochgehalten. Nach diesem Verständnis kommt auch eine größere Vielfalt von Menschen dazu, als "Heilige" in der Episcopal Church betrachtet zu werden, so wie z.B.
Martin Luther oder
Samuel Seabury. Darüber hinaus lehrt die Kirche, dass alle Mitglieder zu den Heiligen Gottes gehören und das Potential besitzen, anderen als Beispiel zu dienen. Die Episcopal Church veröffentlicht ein Buch, "Lesser Feasts and Fasts", in dem die Festtage der verschiedenen Heiligen erwähnt werden, denen dadurch eine besondere Verehrung zuteil wird.
Das Book of Common Prayer
Die Episkopalkirche veröffentlicht ein eigenes
Book of Common Prayer (BCP), in dem der Ablauf der meisten Gottesdienste (oder "Liturgien"), die in der Episcopal Church zur Anwendung kommen, festgehalten wird. Wegen seines weit verbreiteten Gebrauchs in der Kirche ist das BCP zugleich Spiegelbild und Quelle der Theologie für Episcopalians. Die jetzige Ausgabe datiert von
1979 und ist mehr als nur eine Überarbeitung früherer Bücher, sondern strebt an, die Praktiken der
Urkirche wieder aufleben zu lassen, wie z.B. volle Partizipation von
Laien in allen Gottesdiensten, sowie die Wiederauflebung der
Eucharistie als Hauptgottesdienst. Frühere BCPs wurden von der US-Episkopalkirche
1789,
1892 und
1928 herausgegeben. (Ein vorgeschlagenes BCP wurde
1786 gedruckt, jedoch nicht von der Kirche beschlossen.) Das BCP gehört dem
public domain an; vorgeschlagene Änderungen zum BCP bleiben jedoch urheberrechtlich geschützt bis sie durch die General Convention angenommen werden. Danach erst wird die jeweilige Version des BCPs gemeinfrei.
Geschichte
Kolonien und Revolution (1607-1789)
Die erste
Gemeinde, aus der das, was die Episcopal Church werden würde, entstand, wurde 1607 in
Jamestown (
Virginia) als Teil der
Church of England gegründet. Von dort aus, verbreitete sich die Kirche durch die englischen Kolonien in
Nordamerika.
Die Church of England wurde die Staatskirche von Virginia 1609 sowie von New York 1693, South Carolina 1706 und Georgia 1758. Dadurch erhielten die örtlichen Kirchenvorstände Steuergelder zur Unterstützung der Kirche. In Virginia gab es außerdem der Versuch, den Gottesienstbesuch verpflichtend zu machen, aber der Mangel an Priestern liess die Vorschriften nicht durchsetzen.
Für die Gemeinden in den Kolonien wurde der Bischof von London 1635 für zuständig erklärt. Gewöhnlicherweise übte dieser seine Aufsicht durch von ihm ernannten Kommissaren aus. James Blair war einer der wichtigeren Kommissare, der 1685-1743 in dieser Rolle diente.
Die Kirche in der US-Amerikanischen Republik (1789-Gegenwart)
Als das Territorium und die Bevölkerung der USA wuchs, entstanden neue Diozesen. Auch außerhalb der USA entstanden sowohl einige Diözesen in Lateinamerika als auch die Convocation of American Churches in Europe.
Im Jahr 2003 kam es in der Episkopalkirche (und in der Folge in der ganzen anglikanischen Kirchengemeinschaft) zu heftigen Auseinandersetzungen über die Frage, ob praktizierende Homosexuelle zum Bischof geweiht werden dürfen. Eine Reihe konservativer Gemeinden spalteten sich im Zuge der Auseinandersetzung von der Episkopalkirche in den USA ab; zudem drohten eine Reihe afrikanischer und asiatischer anglikanischer Kirchen die Kommunionsgemeinschaft mit der amerikanischen Kirche zu kündigen. Ähnliche Drohungen wurden schon 1976 gemacht, als die Kirche entschied, auch Frauen zum Amt des Priesters zu weihen.
Im Juni 2006 wählte die Episkopalkirche Katharine Jefferts Schori an die Spitze der Episkopalkirche.
Literatur
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- Prichard, Robert W. (Ed.). (1986). Readings from the History of the Episcopal Church. Wilton, CT: Morehouse-Barlow.
- Shattuck, Gardiner H., Jr. (2000). Episcopalians and Race: Civil War to Civil Rights. Lexington, KY: University Press of Kentucky.
- Wall, John N. (2000). A Dictionary for Episcopalians. Boston, MA: Cowley Publications.
Weblinks
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