Enzyklopädie (altgriech. εγκυκλοπαιδεία, gebildet aus enkýklios kreisförmig und paideía Lehre, Bildung) ist ursprünglich die von Hippias von Elis im 5. Jh. v. Chr. geprägte Bezeichnung für universale Bildung. Heute versteht man unter einer Enzyklopädie eine strukturierte, möglichst umfassende Darstellung menschlichen Wissens in einer für den Alltagsgebrauch hinreichenden Ausführlichkeit. Man unterscheidet universelle und fachspezifische Enzyklopädien. Erstere dienen der Darstellung möglichst vieler Wissensgebiete, letztere behandeln nur einen eingeschränkten Bereich, dies jedoch oft wesentlich ausführlicher. Der Begriff der Enzyklopädie wird in der Wissenschaft der Enzyklopädik erforscht; ihr liegt eine Enzyklopädietheorie zugrunde.
Eine Enzyklopädie muss nicht notwendigerweise ein Nachschlagewerk sein; Enzyklopädien können Wissen in unterschiedlichen Organisationsformen darstellen, angefangen von einer Allegorie über ein Curriculum, eine Kosmogonie, den Dekalog, den Katechismus bis hin zu systematischen oder alphabetischen Dispositionen. Ihr kennzeichnendes Merkmal gegenüber anderen Literaturgattungen ist der Universalitätsanspruch.
Vor allem enzyklopädische Nachschlagewerke mit einem begrenzten Fachumfang werden eher als Fachlexika oder Sachwörterbuch bezeichnet (zum Beispiel Computerlexikon, Sprachlexikon oder Tierlexikon). Das Lexikon wird in der Wissenschaft der Lexikografie erforscht; ihr liegt eine Lexikontheorie zugrunde.
Gelegentlich werden auch Wörterbücher als Lexikon bezeichnet. Wörterbücher verzeichnen und erklären einzelne lexikalische Einheiten (zum Beispiel die einzelnen Wörter des gesamten Wortschatzes einer Sprache).
Als Zwischenform zwischen Enzyklopädie und Wörterbücher kann das Begriffswörterbuch gelten. Es untersucht den Gebrauch von Wörtern aus ideen- und/oder sozialgeschichtlicher Perspektive und ist dabei wissenschaftlich anspruchsvoller als das Sachwörterbuch. Typische Beispiele sind Geschichtliche Grundbegriffe und das Historische Wörterbuch der Philosophie.
Die Hinterfragung der Enzyklopädie an sich, oder konkreter Einzelaspekte der Enzyklopädie, wird als Enzyklopädiekritik bezeichnet.
Der Begriff Enzyklopädie wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts aus dem gleichbedeutenden frz. encyclopédie entlehnt. Dieses wiederum zu lat. encyclopaedia aus altgr.: εγκύκλιος und παιδεία, einer inkorrekten Zusammensetzung aus egkýklios, „kreisförmig“, „im Kreise herumgehend“ und paideía, „Lehre“, „Bildung“ zu egkyklopaideia, „Grundlehre aller Wissenschaften und Künste“, „Wissenschaftskunde“
Da eine Enzyklopädie kein reines Lexikon, kein reines Wortbedeutungs-Nachschlagewerk bzw. Wörterbuch sein soll, sondern ein Wissensgebiet oder das allgemeine Wissen nicht nur aufzählen soll, ist enzyklopädisch ein solches Werk dann, wenn es weitgehend Artikel enthält, die Einzelthemen (bzw. einzelne Begriffe von Bedeutung) vertiefend behandeln, jedoch ohne auszuufern, evtl. mit Literaturangaben und Nennung des Autors bzw. der Autoren (des Einzelartikels). Für größere Wissensgebiete oder umfassendere Enzyklopädien des allgemeinen Wissens hat sich als Kompromiss eingebürgert, lexikontypische Worterklärungen neben vertiefenden Artikeln zuzulassen, da letztlich auch möglichst viele Begriffe erklärt werden sollen.
Siehe Geschichte und Entwicklung der Enzyklopädie.
Siehe Verzeichnis der Enzyklopädien nach Sprachen.
| Name | Titel | Medium | Artikelanzahl | Wörter | Abbildungen | Videos | Audio | Weblinks |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Encyclopédie von d'Alembert und Diderot | Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, Auflage von 1750-1772 | 28 Bände | 71.818 | 20 Mio. | 2.885 | keine | keine | keine |
| Britannica | Encyclopaedia Britannica (EB) | 32 Bände | >65.000 | 44 Mio. | >24.000 | keine | keine | ? |
| Britannica | Britannica Ultimate Reference Suite 2005 | 6 CDs oder 1 DVD | >100.000 | >54 Mio. | >17.650 (*) | ? | ? | 165.000 |
| Brockhaus | Die Enzyklopädie 20., neu bearbeitete Auflage 1996 bis 1999 | 24 Bände | >260.000 | ? | >35.000 | keine | keine | ? |
| Brockhaus | Die Enzyklopädie 21., neu bearbeitete Auflage 2005 bis 2006 | 30 Bände | >300.000 | 33 Mio. | >40.000 | keine | keine | ? |
| Brockhaus | Die Enzyklopädie digital | USB-Stick und 2 DVDs | >300.000 | 33 Mio. | >40.000 | 300 | 3000/ 70 Stunden | >22.000 |
| Enciclopedia universal ilustrada europeo-americana | Enciclopedia Espasa 2004 | 90 Bände + 1 DVD | >900.000 | >200 Mio. | >100.000 | ? | ? | ? |
| Encyclopédie Universelle Larousse | L'Encyclopédie Universelle Larousse 2003 | 4 CDs oder 1 DVD | >150.000 | >25 Mio. | ? | 10.500 Video + Audio + Abb. | ? | 2.300 |
| Microsoft Encarta | Enzyklopädie Professional 2006 | 4 CDs oder 1 DVD | >50.000 | >20 Mio. | >24.000 | >300 | >2.800 | 6.000 |
| Meyers | Meyers Großes Taschenlexikon in 26 Bänden | 26 Bände + CD | >150.000 | ? | >5.000 | keine | keine | ? |
| Pauly-Wissowa | Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (1890-2000) | 86 Bände und eine CD-ROM | ? | ? | ? | keine | keine | keine |
| Wikipedia | Die freie Enzyklopädie (deutsch) | online, PDA, Mobiltelefon, CD-ROM, DVD, Taschenbuchreihe | zur Zeit | >150 Mio. | >250.000 | ? | >Wikiprojekt_Gesprochene_Wikipedia | >400.000 |
Enzyklopädische Formen:
Sonderformen:
Zwischenformen:
Lexikalische Formen:
Siehe auch: Enzyklopädietheorie, Lexikontheorie
Früher verstand man unter einer Enzyklopädie eine auf Papier gedruckte Ansammlung von Erklärungen und Erläuterungen zu vielerlei Gegenständen des menschlichen Wissens, welche von anerkannten Autoritäten und Kennern der jeweiligen Gegenstände verfasst war. Aber diese Autoritäten haben ihren Vorsprung in Hinsicht auf Güte und Tiefe nunmehr eingebüßt. Sie haben vor allem ihren Vorsprung in der Schnelligkeit verloren. Eine moderne Enzyklopädie zeichnet sich durch Folgendes aus: Sie macht altes wie neues Wissen in Sofortzeit und größter Zuverlässigkeit für jeden Menschen mit einem Internetzugang zugänglich. Sie nimmt keine Rücksicht auf Traditionen. Die alten (Papier-basierten) Enzyklopädien dienen nurmehr als Rückversicherung. Da diese alten Enzyklopädien aber von einer geschlossenen Gesellschaft verfasst sind, dienen sie einer offenen Gesellschaft als ein Diskussionsthema. Die alte Form der Verleger war und ist darüber hinaus auf monetären Gewinn ausgerichtet, während die neue auf geistigen Gewinn ausgerichtet ist.
Die Tatsache, dass eine Enzyklopädie von ihrem eigenen Anspruch her strukturell und inhaltlich eigentlich nie abgeschlossen sein kann, ist eine Herausforderung an die neuen Medien. So ermöglichten es die Medien CD-ROM und DVD, dass wichtige Herausgeber im Gefolge der New Economy von gedruckten Enzyklopädien auf elektronische Publikationsformen umgestellt haben; das Medium ist kostengünstig, und auch Bilder, Ton- und Videodokumente können leicht eingebunden werden.
Für großes Aufsehen sorgte im Jahr 2002 die Ankündigung, die englische Encyclopædia Britannica werde künftig nur noch in elektronischer Form verfügbar sein. Mittlerweile sind die Herausgeber von diesem Plan wieder abgerückt, und die Encyclopædia Britannica wird weiterhin auch in gedruckter Form angeboten.
Siehe auch: Nachschlagewerk
Die Wissenschaft von der Erforschung von enzyklopädischen Nachschlagewerken ist die Enzyklopädik. Darunter wird vor allem die historische Untersuchung von Enzyklopädien verstanden. Daneben gibt es die Bezeichnung Enzyklopädistik. Beide Wörter werden auch synonym verwendet. Die Lexikografie beschäftigt sich eher mit der Erstellung von Wörterbüchern als mit enzyklopädischen Lexika. Andere Wissenschaften mit Bezug zur Betrachtung von Enzyklopädien sind die Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft und Wissenschaftstheorie.
Links zu einzelnen Enzyklopädien siehe Nachschlagewerke im Internet.
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