ärmsten Staaten der Welt: Low-Income-Countries (LIC) (Einkommen/Einwohner unter 745 US$), Quelle: Weltbank 2001" target="_blank" >* Ein Entwicklungsland ist nach allgemeinem Verständnis ein Land, das hinsichtlich seiner wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklung einen relativ niedrigen Stand aufweist. Dabei handelt es sich um einen Sammelbegriff für Länder, die nach allgemeinem Sprachgebrauch als „arm“ gelten. Welches Land als Entwicklungsland einzustufen ist oder nicht, hängt vom Maßstab ab, an dem man die Entwicklung eines Landes misst (siehe Abschnitt Gemeinsame Merkmale der Entwicklungsländer). Der Begriff entstammt der Fach- und Alltagssprache der Entwicklungspolitik und genießt allgemein hohe Akzeptanz. Sie beruht einerseits auf relativ wertfreier Wortwahl, andererseits auf begrifflicher Unschärfe.
Dem Ausdruck Entwicklungsland liegt - trotz verschiedenster Versuche - kein theoretisches Konzept zugrunde.
Nicht mehr gebräuchlich sind: "unterentwickelte Länder" (underdeveloped countries), "rückständige Länder" (backward countries) oder "nicht-entwickelte Länder" (undeveloped countries). Diese Begriffe erschienen zum ersten Mal im UNO-Programm von 1949, sind jedoch stark wertbehaftet und können von den Bewohnern der betroffenen Länder als verletzend empfunden werden. Sie werden deshalb von UNO und Weltbank nicht mehr verwendet und sollten auch im öffentlichen Sprachgebrauch abgelehnt werden.
Im deutschen Sprachgebrauch besteht das Problem der Übersetzbarkeit der Begriffe. Der umständliche Ausdruck "weniger entwickelte Länder" hat sich daher nicht durchgesetzt. So verwendet das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) entweder den englischsprachigen Begriff "LDC" oder den deutschen unbestimmten Begriff "Entwicklungsland". Auch macht das BMZ keinen Unterschied zwischen LDC und LLDC und kürzt die "Least Developed Countries" mit LDC ab. Die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) vermeidet den Begriff "Entwicklungsland" zugunsten des Begriffs "Partnerländer".
Der Begriff "Dritte Welt" stammt aus den 50er Jahren und war ursprünglich politisch geprägt. Er definierte die Blockfreien Staaten, welche sich nicht durch den Kalten Krieg ideologisch vereinnahmen lassen wollten.
Bereits vor dem Ende des Ost-West-Konfliktes, genauer gesagt zu Beginn der 80er Jahre, wurde gefordert auf den Begriff "Dritte Welt" zu verzichten. Ulrich Menzel begründete und untermauerte diese Forderung im Jahr 1992 in seinem Buch "Ende der Dritten Welt" mit der These, dass die Zweite Welt verschwunden sei, und dadurch keine Dritte Welt mehr existieren könne. Viele ehemalige "Dritte-Welt-Gruppen" nannten sich daraufhin in "Eine-Welt-Gruppen" um.
Das BMZ verwendet den Begriff "Dritte Welt" nicht mehr. Trotzdem ist der Ausdruck noch nicht verschwunden, vor allem in der Alltagssprache wird er noch benutzt.
Hauptartikel: Entwicklungstheorie, Entwicklungspolitik
Strukturelle Probleme wirken grundsätzlich über längeren Zeitraum und äußern sich in Vernetzung bestimmter Phänomene. Mit Strukturen sind Basiselemente und Wirkungszusammenhänge gemeint, welche interne Vorgänge und Reaktionsweisen eines Systems prägen.
In der Regel sind für strukturelle Probleme der Entwicklungsländer eine Vielzahl verschiedenster Faktoren verantwortlich. Zu den Ursachen dieser strukturellen Probleme und des relativ geringen Entwicklungsniveaus in den betroffenen Ländern existieren eine Vielzahl von Entwicklungstheorien. Die meisten Theorien betonen dabei entweder stärker die endogenen (vom betreffenden Land selbst verursachten) oder die exogenen (extern verursachten) Faktoren. Ziel der Entwicklungspolitik ist, diese strukturellen Probleme zu beseitigen.
Strukturelle Probleme müssen aber nicht zwangsläufig politischer Natur sein, sondern können auch in anderen Bereichen existieren (Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt etc.). So führt die Unterversorgung der Bevölkerung zu Armut, Hunger und dadurch zu geringerer Produktivität. Dies hat eine noch schlechtere Versorgungslage zur Folge. Chronische Unterernährung führt darüber hinaus (vor allem bei Kindern) zu einer von vornherein gehemmten geistigen und körperlichen Entwicklung. Letztendlich ist ihre Fähigkeit durch Kreativität oder Produktivität ihre eigene Situation zu verbessern, also sich zu entwickeln, eingeschränkt und es handelt sich um ein sozio-strukturelles Problem.
Ein anderes strukturelles Problem ist die Diskriminierung von Frauen, was in den letzten Jahren vermehrt als grundlegende Ursache der Problemen der Entwicklungsländer erkannt wurde.
Ebenso gravierend kann sich schnelles Bevölkerungswachstum auf bereits vorhandene Entwicklungsprobleme auswirken. Wenn Wirtschaftswachstum mit Bevölkerungswachstum nicht mehr Schritt halten kann, kommt es zum Beispiel in Städten zu Slumbildung und Arbeitslosigkeit, sowie im ländlichen Raum zu Ernährungsproblemen und unangemessener Landnutzung (einhergehend mit irreversiblen ökologischen Schäden).
Die Ursache der Armut in den Entwicklungsländern ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Menschen auf dem Land, in der Stadt sowie der Staat an sich unterliegen diversen Aspekten, die unter dem Strich zu übermäßiger Armut führen.
Durch das erwähnte hohe Bevölkerungswachstum müssen besonders in Städten immer mehr Menschen auf engstem Raum mit nötigsten Dingen wie Medizin, Nahrung und langfristig Arbeit versorgt werden. Jedoch fällt es den Regierungen jetzt schon schwer, für ausreichend Reserven in den einzelnen Bereichen zu sorgen. Die Folge sind immense Arbeitsplatzdefizite im primären und sekundären Sektor, fehlende Bildungsangebote, Engpässe bei der medizinischen Versorgung, Kriminalität, Korruption, Prostitution, Vetternwirtschaft, Regierungen, die mit der Überhandnahme der Probleme nicht klar kommen, und fehlende Kredite. Besonders an den Städten kann man sich ein Bild von der Situation im ganzen Land machen. Ganze Generationen wandern durch zahlreiche Pull-Faktoren in Richtung Stadt, womit zugleich die soziale Absicherung ihrer Familien wegfällt. Sie erhoffen sich mehr Arbeitsplätze, bessere Verdienstmöglichkeiten, Bildungs- und Aufstiegschancen, Teilhabe am Konsum, kulturelle Abwechslung, wirtschaftliche und soziale Unabhängigkeit, besseren Wohnkomfort, Reichtum und vor allem eine medizinische Versorgung.
Darüber hinaus gibt es verschiedene Ursachen der Verstädterung:
Indonesia bike34.JPG Viele dieser Landflüchtlinge werden allerdings enttäuscht und enden in einer der zahlreichen Slums oder kehren nach Hause zurück. Andere haben Glück und verdingen sich in der so genannten informellen Wirtschaft, in dem durch Dienstleistungen einfachste Tätigkeiten wie Transportdienste, Straßenunterhaltung, Reparaturbetriebe oder Versorgung mit Trinkwasser durchgeführt werden.
Auch auf dem Land führt die hohe Geburtenrate zu einer erhöhten Armut. Eine ungleiche Verteilung der Anbaufläche, ausgebliebene Agrarreformen, eine feudalistische Agrarverfassung, ein Mangel an Anbaufläche und die Abhängigkeit von Großgrundbesitzern ermöglichen unter Umständen nicht einmal eine Subsistenzwirtschaft. Mangelndes Wissen, wie zum Beispiel das Wirtschaften mittels Monokultur oder häufige Überdüngung führt zu Bodenerosionen, was zum Teil zu Desertifikation führt. Neben der Arbeit auf dem Feld gibt es meist keine alternativen Verdienstmöglichkeiten. Auch das Aufnehmen von Krediten ist nicht ohne weiteres möglich und kann zur Verschuldung bis zum Verlust des Landes führen. Die Erlöse aus den Ernten sind zumeist durch Dumpingpreise im Ausland sehr gering. Die Ware auf nationaler Ebene zu vermarkten ist auch nicht einfacher, denn die Ware muss mindestens bis zur nächsten Ortschaft transportiert werden, was durch Witterungsbedingungen, schlechte Straßenverhältnisse und mangelnde Transportmöglichkeiten erschwert werden kann. Darüber hinaus müssen nach Überwinden aller Schwierigkeiten Marktgebühren gezahlt werden, wobei nicht einmal gewährleistet ist, dass ein Markt in der Nähe überhaupt organisiert wird. Eine zunehmende Mechanisierung, ausbleibende finanzielle Unterstützung durch den Staat, Ernteausfälle durch Naturkatastrophen und Landverlust durch eine instabile politische Lage und damit verbundene Bürgerkriege führen ebenfalls zwangsläufig in die Armut. All diese Faktoren verleiten einen Großteil der Bevölkerung zu Wanderungsbewegungen, die meist in Richtung Stadt stattfinden. Dafür verantwortlich sind verschiedene Push-Faktoren:
Der Staat an sich spielt nun eine entscheidende Rolle im Gefüge der Armut. Die Regierungen der einzelnen Länder stecken in den meisten aller Fälle in immensen Schuldenlöchern, die sie nur durch neue Kredite zu stopfen vermögen. Dazu kommt, dass zum Teil gespendetes Geld in falsche Kanäle geleitet wird und so nicht dort ankommt, wo es wirklich gebraucht wird. Großprojekte sind meist Prestigeobjekte von überregionaler Bedeutung und haben, selbst wenn mit horrorenden Kosten verbunden, Vorrang. Investitionen ausländischer Unternehmen hingegen sind meist auf deren eigene Interessen fokussiert, da Globalisierung und weltübergreifender Kapitalismus zu einem erhöhten Konkurrenzkampf zwischen den Unternehmen geführt hat. Durch die Loslösung von nationalen Branchen ist dies dazu noch wenig vorteilhaft für die einheimische Industrie und die Abhängigkeit der Entwicklungsländer von den Industrieländern steigt. Ein entscheidender Punkt in dieser Frage der Finanzfehlleitung ist außerdem das Militär. Keine andere Institution sonst verschlingt derartig viel Geld, denn häufig haben selbst Regierungen kleinster Staaten nur ihre eigene Verteidigung, wenn auch nur zu Präsenzzwecken, im Sinn. Bei politische Instabilität ist das ein schwerwiegender Faktor und eine Möglichkeit zum Bürgerkrieg. Des Weiteren haben die Regierungen mit einer hohen Auslandsverschuldung zu kämpfen und müssen darauf hoffen, dass sich beispielsweise die G8-Staaten regelmäßig auf einen Schuldenerlass einigen, nur ist das mit Sicherheit keine Lösung für die Probleme.
Fraglich ist auch, inwiefern die Staatsarmut eine Spätfolge der Kolonialzeit darstellt. Kolonialmächte unterdrückten zumeist die einheimische Bevölkerung und verfolgten primär das Ziel der wirtschaftlichen Ausbeutung der Kolonien. So konnte sich nur in den seltensten Fällen eine gut funktionierende Politik oder ein stabiles Wirtschaftssystem entwickeln, was zumeist zwei wesentliche Faktoren für Armut sind. Man wird bei der Abschätzung der Folgen des Kolonialismus allerdings zwischen den einzelnen Kolonien differenzieren müssen. So nahm beispielsweise Hongkong eine wesentlich positivere Entwicklung als viele afrikanische Kolonien.
Andere ökonomische Merkmale sind:
Gravierende ökologische Merkmale sind:
Die derzeitige Entwicklung von Sterbe- und Geburtenrate, die in vielen Entwicklungsländern zu beobachten ist, lässt sich mit der frühen Phase des Modells des demographischen Übergangs vergleichen. Das bedeutet, dass ihre Bevölkerungsdynamik sich durch eine hohe Geburtenrate und eine hohe, jedoch stark rückläufige Sterberate (zum Beispiel durch bessere medizinische Versorgung) charakterisieren lässt. Dies führt zu einem starken und oft unkontrollierbaren Bevölkerungswachstum, welches mit einer extremen Verjüngerung der Bevölkerungsstruktur einhergeht. Im Vergleich zum Verlauf des demographischen Übergangs in den heutigen Industrieländern, der mit der Industrialisierung einsetzte, dürfte sich die transformative Phase in den Entwicklungsländern durch noch stärker sinkende Sterberaten auszeichnen, da diese auf bereits bekanntes medizinisches Wissen zurückgreifen können. Pandemien der Moderne (z.B. AIDS), die sich in einigen Entwicklungsländern stark verbreitet haben (in Botswana sind etwa 40% der Erwachsenen mit HIV infiziert), können diese Entwicklung hingegen konterkarieren (vereiteln) und die Sterberaten ansteigen lassen. In solch einem Fall besitzt die Bevölkerungspyramide die Form einer Sanduhr. Besonders betroffen ist davon der wirtschaftlich aktivste Teil der Bevölkerung, sodass wiederum die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes gemindert ist.
Demographische Merkmale sind:
Beispiele für volksgesundheitliche Merkmale:
Weitere politische Merkmale sind:
Auch der umgekehrte Schluss ist nicht zulässig: Das Vorhandensein bestimmter natürlicher Gegebenheiten, wie zum Beispiel Klima, Böden oder insbesondere Rohstoffe, führt nicht automatisch zu einer Entwicklung. In einer Reihe von vielen anderen Faktoren kann es dabei beispielsweise auf die Rohstoffverarbeitung ankommen, die erst zur höheren Wertschöpfung führt oder auf eine geschickte Politik, die es vermag den Rohstoffreichtum in Entwicklung umzusetzen.
Der Kapitalmangel ist ebenfalls überbetont. Das Vorhandensein von Kapital macht noch keine Entwicklung eines Landes aus (Beispiel: ölexportierende Staaten). Folgende Punkte verhindern auch bei vorhandenem Kapital eine positive Entwicklung:
Die Einteilung der Entwicklungsländer in LDC-Staaten und LLDC-Staaten ist im internationalen Bereich noch gebräuchlich, jedoch wird sie selbst von einigen UN-Organisationen nicht mehr unterschieden. Die Aussonderung der LLDC-Staaten erfolgte auf einer UN-Vollversammlung im Jahre 1971. Eine deutsche Entsprechung für diese Begriffe gibt es nicht. Nach einer Reform aus dem Jahre 1991 geschieht dies anhand von vier Kriterien:
Die differenzierten zugrundeliegenden Indikatoren genießen weltweit eine hohe Akzeptanz. Kritisiert wird der Bevölkerungsindikator, aufgrund dessen diese Einteilung wenig über die tatsächliche Verteilung von Armut in der Welt aussagt, die mögliche politische Instrumentalisierung dieser Klassifizierung und dass die Einteilung sehr aufwendig zu stande kommt.
Die Aufnahme in die LLDC-Länder kann für den betroffenen Staat durchaus begehrt sein, da in den Geberländern die Qualität der Entwicklungspolitik oft an ihrer Ausrichtung auf die LLDC-Staaten gemessen wird. Daher erhalten diese bevorzugt nichtrückzuzahlende Zuschüsse (Grants) oder Kredite zu günstigeren Bedingungen (International Development Association, IDA).
Mit "LLDC" (Landlocked Developing Countries) werden Länder bezeichnet, deren Außenhandel unter ihrer küstenfernen Lage erheblich leidet. Dazu zählen vor allem Ruanda, Burundi, Nepal oder in Südamerika beispielsweise Bolivien. Durch ihre ungünstige Lage können sich sowohl Importe, als auch Exporte erheblich verteuern.
Die "SIDS" (Small Island Developing States) formierten sich später zur "AOSIS" (Association of Small Island States). Ihre Mitglieder vertreten gemeinsame Interessen beispielsweise in Umweltfragen wie z. B. Anstieg des Meeresspiegels, da die Inselstaaten von den Folgen der globalen Erwärmung besonders betroffen wären.
Im Jahre 1990 wurde vom UNDP (United Nations Development Programme), dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, der Versuch unternommen, einen Gegenentwurf zum eindimensionalen Konzept der Weltbank zu entwerfen. Dabei sollten zunehmend auch soziale Faktoren berücksichtigt werden. Der HDI wird im jährlich vom UNDP herausgegebenen Human Development Report (HDR) veröffentlicht. Kritik am HDI kam zu großen Teilen aus politischen Motivationen: Frauengruppen beklagten sich über die hohe Position Japans, ostasiatische Länder gegen die Bewertung ihrer Menschenrechtslage und andere Länder wegen ihrer Eingruppierung vor oder hinter einem bestimmten anderen Land. Auf Antrag Indiens wird der HDI seit der Mitte der 90er Jahre in offiziellen UN-Dokumenten nicht mehr erwähnt.
Die Weltbank benutzt diese Klassifizierung als analytische Datenbasis für ihre Kreditvergabepraxis. Im Sprachgebrauch der Bretton-Woods-Institutionen ist ansonsten der Begriff "Developing Countries" gebräuchlich. Im weiteren macht die Weltbank klar, dass die Einteilung in diese Gruppen nach Pro-Kopf-Einkommen nicht notwendigerweise den Entwicklungsstand eines Landes widerspiegelt.
Der große Vorteil dieser Klassifizierung ist seine einfache Struktur. Aufgrund der oft erhobenen und berechtigten methodischen Einwände bei der Beschränkung auf das Pro-Kopf-Einkommen hat die Einteilung der Weltbank nur einen begrenzten Aussagewert über die Entwicklung einzelner Länder. Das hat aber auch einen Grund: die Weltbank ist eben eine Bank und beschränkt sich naturgemäß und im Gegensatz zur UNO auf ökonomische Faktoren.
"Severely Indebted" bedeutet, dass drei von vier Kennziffern eine kritische Marke überschreiten. "Moderately indebted countries" sind solche, die bei drei von vier Kennziffern 60 % der kritischen Marke überschreiten, diese aber nicht erreichen. Der Rest wird als "less indebted countries" bezeichnet. Bei den vier Kennziffern handelt es sich um (die Werte in den Klammern geben die kritische Marke an):
Die vier Schlüsselindikatoren weisen auf zentrale Probleme der verschuldeten Entwicklungsländer hin. Allerdings ist die kritische Marke von entscheidender Bedeutung und deshalb heftig umstritten. Während der 90er Jahre konnte ein Teil der SILIC ihre Schuldenlast nicht mehr alleine tragen, sie wurden unter den Begriff "HIPC" (Heavily Indebted Poor Countries) zusammengefasst und 1996 in eine von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) initiierte groß angelegte Entschuldungsinitiative, die sogenannte HIPC-Initiative, aufgenommen. Die erweiterte HIPC-Initiative umfasst derzeit 38 Länder, von denen aber nur 22 SILIC sind.
Ölexportierende Länder spielen in der Gruppe der Entwicklungsländer eine besondere Rolle: Sie haben ein Gut, das die Industrieländer unbedingt brauchen. Die OPEC-Staaten halten ca. 3/4 der weltweiten Ölreserven und im Nahen Osten befinden sich 2/3 der Weltreserven. Dadurch entsteht eine gestärkte weltpolitische Verhandlungsposition, die ihnen einiges an politischer Macht zukommen lässt. Man unterscheidet die ölexportierenden Länder daher aus guten Gründen von den LDC und LLDC. Sie haben durch ihre Öleinahmen ein Potential für Entwicklung, welches andere Entwicklungsländer nicht haben. Diese Länder werden auch in der Zukunft weltpolitisch relevant bleiben, ganz im Gegensatz zu einigen anderen Entwicklungsländern, die nach dem Ende des Kalten Krieges in eine Irrelevanzfalle geraten sind. Die Industrieländer benötigen nach wie vor das begehrte Öl und somit werden die ölexportierenden Länder ihre strategische und geopolitische Bedeutung beibehalten.
Schwellenländer (Newly Industrializing Economies) sind eine Gruppe von Staaten, die traditionell noch zu den Entwicklungsländern gezählt werden, aber nicht mehr deren typische Merkmale aufweisen. Deshalb werden sie begrifflich von den Entwicklungsländern getrennt. Die deutsche Bezeichnung suggeriert, dass sie an der Schwelle zum Industriestaat stehen, diese "Schwelle" ist jedoch nicht definiert. Der englischsprachige Begriff entstand in den 70ern und bezog sich ursprünglich auf die asiatischen Tigerstaaten.
Von verschiedenen Seiten (Weltbank, OECD, IWF, EG) wurden in den letzten Jahrzehnten Listen mit Schwellenländern erstellt. Eine verbindliche Liste der Schwellenländer gibt es jedoch nicht, ihre Zahl schwankt je nach Liste zwischen 10 und 30. Die Weltbank und der Internationale Währungsfond (IWF) kategorisieren jeweils 10 Länder als Schwellenländer. Die OECD weist hingegen wesentlich mehr Länder als Schwellenländer aus. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die Europäische Union unternahmen gemeinsam den Versuch auch soziale und politische Indikatoren zur Bestimmung von Schwellenländern durchzusetzen, wurden jedoch auf internationaler Ebene abgewiesen. Daraufhin zog das BMZ seine 30 Schwellenländer umfassende Liste, die unter anderem auch Ecuador und Nicaragua enthielt, wieder zurück.
Folgende Gründe sprechen für eine eigene Ländergruppe:
Bei den Transformationsländern unterscheidet man zwischen den Ländern, die durch ihre kollektive Einbindung in die EU, Teil der Ersten Welt geworden sind (Polen, Tschechien, Ungarn, Slowakei, Slowenien, Litauen, Lettland, Estland) und den Newly Declining Countries (NDC), die weiterhin zwischen weiterem Abstieg und Stabilisierungsbemühungen stehen (Länder im Kaukasus und Zentralasien).
Die Heterogenität verschiedener Klassifizierungsansätze und der damit verbundene Begriffsdschungel findet seine direkte Entsprechung in der Tatsache, dass genauso wie die Industrieländer auch die Entwicklungsländer höchst unterschiedlich sind. Die Länder dieser Welt befinden sich in einem Bereich zwischen den klärungsbedürftigen Begriffen "reich" und "arm". Je nachdem, ob der Blickwinkel eher auf ökonomische, soziale, politische oder ökologische Faktoren abzielt, ändert sich die Reihenfolge der Länder. Dadurch werden die erwähnten Einteilungen aber nicht wertlos, denn sie sind eine Orientierungshilfe dafür, welche Länder im Vergleich zu anderen eher "reich" oder eher "arm" sind. Dies ist nicht nur zu Studienzwecken hilfreich, sondern auch in der entwicklungspolitischen Praxis, da die Geberländer und die multilateralen Organisationen bemüht sind, ihre Entwicklungspolitik auf die ärmsten Länder auszurichten. Diese Einordnungen basieren allesamt auf Makrodaten und können deshalb nur einen Makro-Rahmen abbilden. Sie sagen allesamt nichts zu den sozialen und ökonomischen Unterschieden innerhalb eines Landes aus. Besonders in Entwicklungsländern sind die inneren Disparitäten oft größer als die Unterschiede zwischen den Entwicklungsländern. Entwicklung ist ein hochkomplexer Begriff und je mehr man versucht, ihn zu verallgemeinern, umso weniger kann mit ihm erklärt werden.
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