Die Insektenkunde (von lat. insecare, PPP: insec(a)tum = eingeschnitten(es)/das Eingeschnittene) oder Entomologie (von griech. entmeein, PPP: en-tomon = eingeschnitten(es)/ das Eingeschnittene) ist der Zweig der Zoologie, der sich mit den Insekten (Insecta), der artenreichsten Gruppe von Lebewesen befasst.
Teilgebiete sind unter anderem die
Darüber hinaus werden in weiten Kreisen der Bevölkerung Insekten fast generell mit Misstrauen bedacht oder ignoriert, ganz im Gegensatz zu Säugetieren und Vögeln. Diese Haltung änderte sich weder mit Beginn wissenschaftlicher Beschäftigung mit Insekten in der Antike, noch mit der Fülle neuer Erkenntnisse dank der Erfindung des Miskrokops oder der Einführung einer allgemeinen naturwissenschaftlichen Bildung grundlegend. Oft werden Insekten pauschal als Schädlinge angesehen, abergläubische Vorstellungen halten sich sehr hartnäckig in den Köpfen der Menschen, Insektenforschern wird mit Vorbehalten begegnet. Fabre stellte beispielsweise fest, dass die einfachen Bauern sehr exakte Bezeichnungen auch für die unscheinbarsten Unkräuter verwenden, die riesige Zahl der Insekten dagegen nur mit wenigen, sehr allgemeinen Begriffen benennen.
Andererseits kommt es auch immer wieder vor, dass durch aufmerksame Beobachtungen und anschauliche Schilderungen Unkenntnis in Neugier, Interesse und letztlich gar Faszination gegenüber einer vorher unbekannten Welt umschlägt. Zeitweise war das Sammeln von Insekten, speziell Schmetterlingen, ein verbreitetes und beliebtes Hobby. In neuester Zeit sind es die durch Digitalkameras gegebenen Möglichkeiten der Makrofotografie, die vielen einen Zugang zur Welt der Insekten geben.
Ein weiteres naturkundliches Werk der Antike, das weiten Einfluss auf die Wissenschaft der folgenden Jahrhunderte hatte, war die „Naturalis historia“ des Plinius, eine Natur-Enzyklopädie, deren elfter Band sich mit den Insekten befasst und insbesondere auf die Honigbiene im Detail eingeht.
Die nachfolgende Entwicklung der Entomologie ist eng verbunden mit der Entwicklung der zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten. Insbesondere die Erfindung des Mikroskops hat erstmals eine nach heutigem Verständnis wissenschaftlich betriebene Entomologie ermöglicht. Während die vorherigen Forschungen an Insekten nur lückenhaft sein konnten, war nun ein genaueres Studium der Morphologie und eine immer bessere Unterscheidung der Arten möglich.
Bahnbrechende Erkenntnisse auf dem Gebiet der Insektenmorphologie gelangen durch Einsatz des Miskroskops im 17. Jh. Malpighi und Swammerdam. Erstmals wurde die Tracheenatmung und das Verdauungssystem der Insekten untersucht.
Mit der Widerlegung der Urzeugungstheorie war der Weg frei für die Formulierung eines biologischen Artbegriffs auf der Basis einer Fortpflanzungsgemeinschaft. Dieser Schritt wurde zu Beginn des 18. Jhs. von John Ray vollzogen. Auch die Insektenarten wurden jetzt als feste Arten angesehen, die seit Erschaffung der Welt unverändert existieren, und ihre Verschiedenheit nicht mehr als Spielarten aufgrund ihrer individuellen Entstehung gesehen. Mit der Lehre der Konstanz der Arten begann die Beschreibung immer neuer Arten und die Suche nach Möglichkeiten diese zu unterscheiden, also die systematische Entomologie. Ray hatte als erster Autor einen einigermaßen realistischen Blick auf die Artenfülle der Insekten, wenn er auch mit der Schätzung von weltweit 10.000–20.000 Arten um mehrere Größenordnungen neben heutigen Schätzungen lag, was in erster Linie der damals praktisch unbekannten tropischen Insektenfauna zuzuschreiben ist.
Die Beobachtung lebender Insekten war ein weiterer Zweig der Entomologie, der ab dem 17. Jh. starken Aufschwung nahm. Wichtige Werke auf diesem Gebiet stammen von Anna Maria Sibylla Merian, René-Antoine Ferchault de Réaumur und August Johann Rösel von Rosenhof, die sich auch durch die sehr exakten und detaillierten bildlichen Darstellungen auszeichnen.
Im 18. Jh. erlebte die Naturwissenschaft allgemein einen bemerkenswerten Popularitätsschub. Viele Adlige, die heute als wissenschaftliche Pioniere bekannt sind, betrieben Naturforschung als Zeitvertreib, Fürsten betrachteten es als Prestigefrage, Gelehrte zu fördern und reichhaltige Naturalienkabinette, darunter auch Insektensammlungen, vorweisen zu können. Hinzu kam der immer stärkere Zustrom exotischer Anschauungsstücke aus allen Teilen der Welt.
In der Insektenmorphologie brachte die weiterentwickelte Mikroskoptechnik viele neue Erkenntnisse hervor, erwähnenswert auf diesem Gebiet ist vor allem das umfangreiche Werk von Dufour. Als neues Forschungsgebiet kam in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. die Insekten-Embryologie hinzu.
Bedeutende Auswirkungen hatte das Werk von Charles Darwin. Die Aufstellung einer Systematik hatte nun nicht mehr allein einen ordnenden Charakter, sondern musste sich an dem Anspruch messen lassen, die Verwandtschaft aus dem Verlauf der Evolution zu beschreiben. Der unterschiedliche Bau homologer Organe, wie etwa der Mundwerkzeuge, gewann neue Bedeutung, die Suche nach Merkmalen, die als Indiz naher Verwandtschaft gelten können, setzte ein.
Trotz der inzwischen intensiv in allen Weltregionen betriebenen Forschung ist noch nicht einmal die Erfassung der Arten einigermaßen abgeschlossen. Den derzeit etwa eine Million bekannten Arten steht eine realistisch geschätzte Gesamtzahl von fünf bis zehn Millionen gegenüber, es gibt aber auch Schätzungen, die bis zu achtzig Millionen Arten nennen, die vorsichtigsten Schätzungen rechnen immerhin noch mit drei Millionen.
Bei der bislang ungebremsten Vernichtung natürlicher Lebensräume ist allerdings vorauszusehen, dass viele der heutigen Arten vor einer wissenschaftlichen Erfassung bereits ausgestorben sein werden. Nicht allein deswegen ist ein wichtiger Trend in der Entomologie des 20. Jh. die immer stärkere Berücksichtigung des Artenschutzgedankens. Viele Entomologen beschäftigen sich heute mit der Erfassung des Arteninventars verschiedener Biotope, etwa im Rahmen der Eingriffsregelung oder der Biotopkartierung, denn die Insektenfauna spielt eine Schlüsselrolle beim Erhalt der Artenvielfalt.
Insekten reagieren sehr schnell auf Veränderungen der Landschaft. Deshalb ist die Anzahl der Insektenarten, die auf einem Gebiet gefunden werden, ein guter Indikator für die Schutzwürdigkeit einer Landschaft. Hierzu werden aber besonders Insektengruppen untersucht, die besonders empfindlich auf Veränderungen reagieren – dies sind etwa Schmetterlinge, da sie sowohl als Raupen als auch als Adulttiere besondere Ansprüche an die Nahrung haben.
Als Begründerin der modernen Insektenkunde gilt Anna Maria Sibylla Merian (1647–1717).
„Insekten sind unsere wichtigsten Partner bei der Schaffung von Leben auf der Erde, denn oft übernehmen sie die Federführung bei der Gestaltung terrestrischer Ökosysteme. Etwa ein Drittel unserer Nahrung geht direkt auf die Bestäubung durch Insekten zurück. Allein in den USA entspricht diese Bestäubungstätigkeit jährlich einem Wert von mehr als neun Milliarden Dollar. Ohne Insekten gäbe es keine Orangen in Florida, keinen Käse in Wisconsin, keine Pfirsiche in Georgia und keine Kartoffeln in Idaho.“ May R. Berenbaum 2004
Ентомология | Amprevanoniezh | Entomologia | Entomologi | Entomology | Entomologio | Entomología | Entomologia | Entomologie | Entomologjie | אנטומולוגיה | Entomológia | Entomologi | Skordýrafræði | Entomologia | 昆虫学 | ಕೀಟಶಾಸ್ತ್ರ | 곤충학 | Insekkónde | Entomologija | Entomologi | Entomologie | Entomologi | Энтомологи | Entomologia | Entomologia | Entomologie | Энтомология | Entomológia | Žužkoslovje | Entomologi | กีฏวิทยา | Entomolohiya | Entomoloji | 昆虫学
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Insektenkunde".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world