Enthauptung_in_China_1901.jpg | Fra Angelico 066.jpg: Enthauptung der Heiligen Cosmas und Damian, 1348]]
Die Enthauptung, das Köpfen oder die Dekapitation (über französisch décapiter „enthaupten“ von lateinisch caput „Kopf“) ist die gewaltsame Abtrennung des Kopfes vom Rumpf, entweder als aktive Handlung zum Zwecke der Hinrichtung oder als Unfallverletzung.
Im Mittelalter galt die Enthauptung im Gegensatz zum Erhängen am Galgen nicht als ehrenrührige Todesstrafe und war dem Adel vorbehalten. In der französischen Revolution wurde diese Todesart dann auf alle Verurteilten ausgeweitet. Sie wurde auch "Richten mit blutiger Hand" genannt, im Gegensatz zum Erhängen, dem "Richten mit trockener Hand".
In der Zeit des Nationalsozialismus war das Enthaupten in Deutschland die bevorzugte gerichtlich angeordnete Exekutionsmethode.
Auch aus der Zeit der französischen Revolution sind Aussagen z. B. über vermeintliche Sprechversuche abgetrennter Köpfe überliefert. Der deutsche Arzt Johannes Wendt und der Franzose Séguret stellten Versuche an, um die Reaktionen der Köpfe zu erforschen. Danach sollten sie beispielsweise noch reflexartig die Augen schließen, wenn eine Hand schnell auf das Gesicht zubewegt oder der Kopf hellem Licht ausgesetzt wurde. Nach einem Bericht des französischen Arztes Beaurieux von 1905 hatte der Kopf eines guillotinierten Verbrechers sogar noch etwa 30 Sekunden auf Zurufe reagiert.
Der forensische Pathologe Ron Wright ging davon aus, dass nach der Abtrennung des Kopfes das Gehirn für etwa 13 Sekunden weiterleben könne, zumindest seien Augenbewegungen usw. innerhalb dieses Zeitraums möglich. Die genaue Spanne, die das unversorgte Gehirn überlebe, sei von chemischen Faktoren abhängig wie z. B. von der verfügbaren Sauerstoffmenge zum Zeitpunkt der Enthauptung.
Die früher oft lebhaft diskutierte Spekulation um die Geschehnisse unmittelbar nach einer Hinrichtung durch Köpfen ist historisch gesehen immer wieder aufgeflammt. Offensichtlich haben sich die Menschen oft gefragt, ob abgetrennte Köpfe noch bewusste Leistungen erbringen können. Erwiesen ist lediglich, dass das unverletzte Gehirn eine Zeit lang ohne Sauerstoffzufuhr überleben und damit arbeiten kann, sofern die Erregungsausbreitung nicht gestört wird - was beim Köpfen aber der Fall ist.
Nach heutiger Sicht treten unmittelbar nach der Hinrichtung folgende Ereignisse ein: Das Durchtrennen spinaler Nervenfasern bewirkt innerhalb der Axone, aus denen sie bestehen, eine im physiologischen Höchstmaß ansteigende Frequenz von Aktionspotenzialen, was gleichzeitig mit dem sofortigen Ausfall hemmender Funktionen verbunden ist. Dadurch setzt sich innerhalb von 300 Millisekunden eine massive und unkontrollierte Ausbreitung der Erregungsmuster ins Gehirn fort, wobei sich sämtliche Formationen beteiligen. Das führt zu einer sofortigen Bewusstlosigkeit und einer tiefgreifenden, irreversiblen Störung sämtlicher zerebraler Funktionen. Eine vergleichbare, aber um viele Potenzen schwächere unkontrollierte Erregungsausbreitung ist auch von epileptischen Anfällen bekannt, bei denen sich aber nur einige wenige Areale beteiligen. Die Bewusstlosigkeit eines abgetrennten Kopfes hingegen ist massiv und irreversibel. Bewusste oder höher verarbeitete Reaktionen eines abgetrennten Kopfes auf Zurufe sind nach Ablauf von 300 Millisekunden zuverlässig auszuschließen. Man spricht hier auch von einem zerebralen Schock, der nicht nur eintreten kann, sondern in jedem Falle eintreten muss.
Die Abläufe innerhalb der ersten Sekunden nach der Abtrennung sind heute ebenfalls sicher bekannt. Da die enorme unkontrollierte Erregung in den durchtrennten und letal geschädigten Axonen aus zellphysiologischen und energetischen Gründen nur über wenige Sekunden aufrecht erhalten werden kann, setzt deren biologischer Tod bereits innerhalb weniger Sekunden nach ihrer Durchtrennung ein. Dies ist deshalb so, weil die Fähigkeit, Aktionspotenziale zu transportieren, ein essentieller und lebensnotwendiger Stoffwechselbestandteil aller Neurone ist. Werden die intrazellulären Reserven an ATP erschöpft, kommt die Tätigkeit der Ionenpumpen (aktive membrandurchspannende Proteine) zum Erliegen, was zum sofortigen biologischen Tod der (durchtrennten) spinalen Axone führt. Das Absterben der Axone setzt sich wie ein Lauffeuer von der Stelle der Durchtrennung bis ins Gehirn fort, wo es nach ca. 5 Sekunden die zugehörigen Soma (siehe Pyramidenzellen), von denen sie stammen, erreicht. In diesem Moment sterben diese Soma unabhängig vom verfügbaren Sauerstoff ab (funktioneller Tod), da die Erregungsmuster einen wichtigen Faktor im Zellstoffwechsel darstellen. Die ältere Ansicht, die Zellsoma könnten noch bis zur Erschöpfung der Sauerstoffversorgung (z.B. 3 Minuten) weiter leben und funktionieren, ist falsch.
Auch höhere Projektionsgebiete dieser sterbenden Zellen – d. h. weitergeschaltete Verbindungen, die mit Anbruch der ersten 300 Millisekunden erregt wurden – tragen diese Erregung zwangsläufig so lange fort, bis ihre eigenen intrazellulären Reserven erschöpft sind. Da das Gehirn aber über Gliazellen noch etwa 20 Sekunden nach Unterbrechung der Blutzufuhr mit Sauerstoff versorgt werden kann, können die Reserven der Projektionsgebiete noch bis zum Ablauf dieser Zeit teilweise ersetzt werden. Diese Zellen leben zwar noch im physiologischen Sinne, sind aber nicht mehr in der Lage, eine sinnvolle Informationsverarbeitung aufrecht zu erhalten. Sie generieren Aktionspotentiale nicht mehr in differenzierter Weise, sondern im physiologisch höchst möglichen Maße. Bald tritt auch hier der biologische Tod ein.
Nicht berücksichtigt ist hierbei der enorm ansteigende Energiebedarf der Zellen, der mit der Aktivitätserhöhung einher geht. Die Reserven sind vermutlich wesentlich schneller verbraucht als beispielsweise bei einer Unterbrechung der Blutzufuhr, wie sie bei Unfallopfern vorkommen kann, bei denen der zerebrale Schock unterblieb. In jedem Fall sind bei abgetrenntem Kopf innerhalb von ca. 20 Sekunden, vermutlich aber früher, alle ATP-Reserven verbraucht und die Repolarisationsfähigkeit der Zellmembranen kommt generell zum Erliegen.
Eine Ausnahme hiervon spielen nur ganglienzellulär basierte Erregungskreise, die außerhalb des Gehirns lokalisiert sind und überwiegend Reflexe ermöglichen. Da diese Erregungskreise in Bezug auf das Gehirn vornehmlich afferent verschaltet sind und nur wenig efferenten Input erhalten, können sie noch während der fatalen Vorgänge im Gehirn gezeigt werden. Der Lidschlußreflex zählt beispielsweise hierzu, der ähnlich wie spinale Reflexe funktioniert. (Analog dazu kann auch der vom Kopf abgetrennte, der sog. spinalisierte Körper noch Reflexe zeigen.) Hieraus erklären sich Beobachtungen, nach denen ein abgetrennter Kopf noch auf eine schnell auf ihn zubewegte Hand reagiert haben soll. Reflexe wie diese sind jedoch kein Zeichen einer zerebralen Präsenz oder gar einer bewussten Reaktion. Beobachtungen wie Kiefer- und Zungenbewegungen entstammen efferenten Reaktionen, wie sie auch bei epileptischen Anfällen auftreten. Sie bedeuten nicht, daß der Kopf noch etwas sagen wollte, sondern sind unbeabsichtigten Muskelbewegungen gleichzusetzen. Entsprechende Berichte aus der Literatur entstammen eher phantastischen oder makabren Ausschmückungen von naiven Vorstellungen, die sich die Zuschauer bei solchen Ereignissen von der Sache machten.
Siehe auch: Schafott, Buch Judit, Holofernes, Kopfjagd
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