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Enschede * (Niedersächsisch: Eanske) in der Provinz Overijssel ist eine Großstadt im Osten der Niederlande und hat (Stand Juni 2005) 153.659 Einwohner.

Geographie und Geschichte


Die Stadt liegt in der Region Twente (auch Twenthe) zwischen Hengelo und der deutsch-niederländischen Grenze. Die östliche Nachbarstadt ist Gronau in Westfalen.

Der Name Enschede bedeutet wahrscheinlich zu gut deutsch: "An der Scheidung" und gemeint damit ist die nachfolgend bereits angezeigte Trennung zwischen den Regionen. Enschede entstand erst im 14. Jahrhundert in den spätmittelalterlichen Zeiten des Deutschen Reiches (Heiliges Römisches Reich) als niederdeutsche Siedlung an der Handelsstraße zwischen Deventer und den östlichen Nachbarorten. Mit der Unabhängigkeit bzw. Loslösung der niederländischen Provinzen (Niederlande) vom Reich im 16. Jahrhundert entstand in der Nähe dieser Siedlung eine neue Grenze, die sich mitten durch das niedersächsische Sprachgebiet zog und die später als niederländisch-deutsche Grenze bezeichnet wurde. Aus der Siedlung wurde ein Dorf und später eine Stadt. Heute gehören zur Stadt Enschede auch einige Dörfer der Umgebung, darunter Glanerbrug und Boekelo, dessen große Salzfabrik vor einigen Jahren ins nahe Hengelo umgesiedelt ist.

Im Jahr 1862 wurde Enschede durch einen Großbrand nahezu völlig zerstört. Als kurz darauf der Engländer Thomas Ainsworth, Erfinder eines neuen Verfahrens für die Weberei, sich hier ansiedelte, entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum der Textilindustrie. Die Region verfügte zudem über traditionsgemäß erfahrene Fachkräfte in der Hausweberei, die für geringe Entlohnung hier arbeiteten. Die Rohstoffe dafür, u. a. Baumwolle, wurden aus der damaligen Kolonie Niederländisch Indien, dem heutigen Indonesien, eingeführt. Mit der Unabhängigkeit Indonesiens 1947 und wegen der ab etwa 1965 immer größer werdenden Billigkonkurrenz aus Südostasien verschwand die Textilindustrie schließlich fast vollständig aus der Region.

Insbesondere in den ländlichen Regionen Enschedes sprechen viele Alteingesessene auch heute noch die niedersächsische Sprache (nedersässische taal, plattdüütsch).

Am 13. Mai 2000 zerstörte die Explosion einer Feuerwerkskörperfabrik ein ganzes Wohnviertel; dabei verloren 23 Menschen das Leben, darunter 4 Feuerwehrmänner.

Verkehr und Wirtschaft


Die Stadt an einer Abzweigung der niederländischen A1 (BAB 30) (Autobahn Amsterdam - Hengelo - Osnabrück - Berlin) liegt etwa 65 Kilometer nordwestlich von Münster, bzw. ca. 80 km westlich von Osnabrück. Dorthin und nach Dortmund gibt es regelmäßige Regionalzugverbindungen (mit Umsteigemöglichkeit in Gronau). Auf der Eisenbahnstrecke gilt bis nach Enschede der Tarif der Verkehrsgemeinschaft Münsterland, auch das SchönesWochenendTicket ist gültig. Nördlich von Enschede befindet sich ein kleiner Flughafen, der Twente Airport Enschede.

Enschede hat sich einen Namen gemacht mit grenzüberschreitend aktiven IT-Unternehmen, aber auch handwerklichen Siebdruckereien.

Die Nähe zur Grenze hatte zur Folge, dass die Einzelhandelsgeschäfte ihre Öffnungszeiten, z. B. in Venlo, an die bundesdeutsche Kundschaft anpassten.

Ausbildung


Enschede besitzt mehrere Hochschulen. Die bekannteste ist die auf Technik ausgerichtete Universiteit Twente, die im Ruf steht, zu den besten Europas zu gehören. Weiter sind zu nennen:

Saxion Hogeschool (Sächsische Hochschule)
Akademie für Bildende Kunst und Formgebung
Volksuniversität
Internationales Institut für Geo-Information, Wissenschaft und Erdbeobachtung (Sektion des International Training Center)

Von den etwa 44.000 Studierenden bzw. Lehrlingen in der Stadt kommen wegen der Grenznähe auch viele aus dem westfälischen Münsterland, aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim.

Sehenswürdigkeiten, Kultur, Erholung


  • Rijksmuseum Twente, nördlich des Hauptbahnhofs, mit vielen Gemälden aus der Periode von 1550 bis heute; vorübergehend bis 2008 werden hier Werke aus dem 18. Jahrhundert aus der Sammlung des Amsterdamer Rijksmuseums gezeigt; dazu oft interessante Wechselaussellungen moderner Kunst
  • die vom bekannten Architekten Karel P.C. de Bazel 1912 entworfene, 2004 restaurierte Synagoge
  • die Jacobuskirche mit ihrer Kuppel, die an eine russisch-orthodoxe Kirche erinnert
  • das von Friedhoff 1932 entworfene Rathaus
  • der lebhafte Markt am Samstag, der auch viele Deutsche heranzieht
  • das Stadtmuseum Jannink in einer ehemaligen Textilfabrik (an der Straße nach Haaksbergen etwas außerhalb der Stadtmitte)
  • im Stadttheater (Muziekcentrum) gastieren die "Nationale Reise-Oper"
und das landesweit bekannte "Orchester des Ostens"
  • der Profi-Fußballverein FC Twente trägt seine Heimspiele im Arke-Stadion westlich der Stadt aus. Das Stadion liegt bei der Universität Twente und hat einen eigenen Bahnhof.
  • die Umgebung der Stadt ist malerisch und waldreich, sehr gut geeignet für Radtouren

Literatur


  • Herbert Wagner: Die Gestapo war nicht allein... Politische Sozialkontrolle und Staatsterror im deutsch - niederländischen Grenzgebiet 1929 - 1945. LIT - Verlag. Münster 2004.

Weblinks


Ort in den Niederlanden

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