En Gedi (gesprochen etwa ejn gedí, hebräisch עין גדי "Quelle des Zickleins" oder "Böckleinquelle") ist eine wasserreiche Oase im nördlichen Teil der israelischen Wüste Negev. Sie liegt am Westufer des Toten Meeres, nur wenige Kilometer südlich der Grenze zum Westjordanland. Heute befinden sich dort ein Kibbuz und ein ausgedehntes Naturschutzgebiet.
In der Bibel wird der Name dieser Stadt und der umgebenden Wildnis von Juda in Josua 15 und 1.Samuel 24 erwähnt. Diese Stadt wird gewöhnlich mit Tel Goren identifiziert, der in der Nähe der heutigen Siedlung En Gedi liegt, ca. 37 km südsüdöstlich von Jerusalem am Rand des Toten Meeres.
En Gedi war nicht nur wegen seiner üppigen Vegetation, sondern auch wegen seiner Unzugänglichkeit für den von König Saul verfolgten David ein ideales Versteck. Die Bibel spricht daher von gewissen "schwer zugänglichen Orten in En-Gedi" (1.Samuel 23). Heutige Besucher dieser Gegend haben die gefährlichen, abschüssigen und steinigen Pässe in diesem Gebiet ähnlich geschildert. Auch die Bezeichnung "kahle Steinbockfelsen" weist auf die Unwirtlichkeit gewisser Teile dieser Landschaft hin. Nach einigen Gelehrten soll diese Bezeichnung ein Eigenname für ein bestimmtes Gebiet sein, an dem sich wahrscheinlich jeweils Steinböcke versammelten, wie das heute noch in der Umgebung von En-Gedi geschieht. Andere dagegen sind der Meinung, mit diesem Ausdruck würden lediglich die von Steinböcken bewohnten kegelförmigen, zerklüfteten Berge dieser Region beschrieben. Die Felsen von En-Gedi sind reich an geräumigen Höhle. In einer dieser Höhlen mögen sich König David und seine Männer versteckt haben. Von einigen wird angenommen, dass mit den "steinernen Schafhürde", bei denen Saul haltmachte, diese Höhlen gemeint sein könnten, vor deren Eingang eine einfache Steinmauer als Wetterschutz diente.
In den Tagen König Josaphats kamen die vereinten Streitkräfte Ammons, Moabs und der Berggegend Seir über En Gedi, gegen Juda (2. Buch der Chronik 20). Auch in einer Vision Ezechiels (Kapitel 47) ist "von En-Gedi selbst bis nach En-Eglajim" die Rede.
Am Siedlungshügel "Tel Goren" in der Nähe des Kibbuz konnten mehrere Siedlungsschichten aus der Zeit vom 7. vorchristlichen bis ins 5. nachchristliche Jahrhundert nachgewiesen werden. Eine der ausgegrabenen Siedlungen wurde 68 n. Chr. im Jüdischen Krieg zerstört; nach der Darstellung des antiken Geschichtsschreibers Flavius Josephus wurden die Einwohner der Stadt von Zeloten getötet, die später im nahen Masada gegen die Römer kämpften. Wenige Jahrzehnte später flohen Aufständische aus dem Gefolge Bar Kochbas bei einer Auflehnung gegen die Römer in die Höhlen En Gedis, wo sie schließlich getötet wurden.
Aufgrund der Lage am Ufer des Toten Meeres bildet der Tourismus einen der Haupterwerbszweige des Kibbuz. Dieser besteht aus einem Hotel direkt im Kibbuz sowie dam Seebad En Gedi Spa, einem palmenreichen Strandabschnitt, der an dieser Stelle das Tote Meer zugänglich macht. Die dritte Säule des Tourismus bildet der Campingplatz, der ebenfalls am Ufer des Toten Meeres gelegen ist. Die Landwirtschaft stellt die zweite Haupteinnahmequelle von En Gedi dar. Insbesondere der Anbau von Datteln und Pomelos und die Truthahnzucht sind zu erwähnen.
Kulturell verfügt der Kibbuz über eine Sporthalle, ein Kulturhaus mit Kinosaal und einen Speisesaal.
Während die umgebende Wüstenlandschaft fast vegetationslos ist, bietet die Oase durch ihren Wasserreichtum die Voraussetzung für eine üppige Flora und viele Tierarten. Das Kerngebiet der Oase sind die beiden tief eingeschnittenen Täler des "Nachal (hebräisch Bach) Arugot" und des "Nachal David", in denen das Wasser der umliegenden Gebiete in die Oberfläche tritt. Touristen besuchen meist den mehrere Meter hohen Schulamit-Wasserfall im Nachal David.
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