Die Emser Depesche war ein schriftlicher Bericht über die Verhandlungen König Wilhelms I. mit dem französischen Botschafter Vincent Benedetti in Bad Ems. Bismarcks Veröffentlichung einer redigierten Version der Emser Depesche diente Frankreich als Vorwand zur Erklärung des deutsch-französischen Krieges im Sommer 1870.
Am 2. Juli wurde die Kandidatur in der französischen Presse bekannt. Die französische Regierung unter Ministerpräsident Ollivier und Kaiser Napoléon III., die nicht informiert worden war, befürchtete in dieser Situation eine außenpolitische Umklammerung und einen deutschen diplomatischen Triumph und opponierte daher energisch gegen die Annahme. Außenminister Gramont erklärte am 6. Juli vor der Chambre législative, dass Frankreich eine solche Entwicklung nicht hinnehmen und, sollte es doch dazu kommen, ohne Zögern seine Pflicht tun werde; eine kaum verschleierte Kriegsdrohung:
Zu deutsch:
Dieser und andere französische Proteste hatten schließlich Erfolg: Am 12. Juli gab Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen, Leopolds Vater, den Verzicht seiner Familie auf die spanische Königswürde bekannt.
Dieser außenpolitische Sieg erschien der Regierung Napoléons III. zu einfach errungen und nicht durchschlagend genug. Eine Serie unrühmlicher außenpolitischer Niederlagen und eine prekäre innenpolitische Situation mussten den Franzosen die Aussicht auf eine deutlichere diplomatische Demütigung Preußens verlockend erscheinen lassen. Gramont beauftragte deshalb seinen Botschafter in Preußen, Vincent Benedetti, von König Wilhelm I. die Zusicherung zu verlangen, dass das Haus Hohenzollern nicht nur für die Gegenwart, sondern für alle Zeiten auf den spanischen Königsthron verzichten werde.
Wilhelm lehnte eine Verzichtsgarantie für alle Zukunft ab, weil er eine derartige Verpflichtung nicht verantworten könne. Davon abgesehen hatte er noch keine Nachricht von seinen süddeutschen Verwandten über ihren Rücktritt erhalten. Diese traf erst im Laufe des Tages in Form eines Briefes von Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen ein. König Wilhelm ließ Benedetti durch seinen Adjutanten Fürst Radziwill mitteilen, dass die Nachricht offiziell bestätigt sei. Eine Bitte Benedettis um eine erneute Audienz ließ er zurückweisen mit der Begründung, dass er, soweit es das Garantieversprechen beträfe, sein letztes Wort gesprochen habe.
Bismarcks enger Mitarbeiter Heinrich Abeken, der den König in Bad Ems begleitete, notierte noch am selben Tage Wilhelms Bericht über die Ereignisse und telegraphierte diesen an den Ministerpräsidenten. Dieser Brief war die eigentliche Emser Depesche, die dann in Bismarcks Version in die Geschichte einging. Er hatte folgenden Wortlaut:
Bismarck gab eine redigierte, kürzere Version des Telegramms zur Veröffentlichung in der Presse frei, die noch am 13. Juli von der regierungsnahen "Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" in einer Sondernummer veröffentlicht wurde und wie folgt lautete:
Aus der neuen Fassung ging nicht mehr hervor, dass König Wilhelm I. eine Unterredung mit dem französischen Botschafter gehabt und ihm seine Ablehnung erläutert hatte; lediglich die französische Forderung und die Verweigerung einer weiteren Audienz wurden in knappen Worten berichtet. Durch diese Kürzungen konnte die resultierende Meldung leicht den Eindruck erwecken, Benedetti sei in Bad Ems in ungebührender Weise aufgetreten, und weitere diplomatische Kontakte seien vom König abgelehnt worden.
Die französische Öffentlichkeit reagiert auf die Veröffentlichung, durch eigene Übersetzungsfehler und Fehlinterpretationen noch verstärkt und als preußische Provokation dargestellt, durchaus bereitwillig mit der von Bismarck einkalkulierten Empörung. Dies setzt die französische Führung unter Zugzwang, die so nicht erst den Bericht Benedettis abwarten und in Ruhe bewerten konnte.
Die Kriegserklärung Frankreichs an Preußen erfolgte fünf Tage später, am 19. Juli 1870.
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