Als Empfängnisverhütung werden Methoden bezeichnet, die Geschlechtsverkehr ohne das Risiko einer Schwangerschaft ermöglichen oder dieses zumindest reduzieren.
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Grundsätzlich kann man zwei Methoden der Empfängnisverhütung unterscheiden:
In der Diskussion um Verhütung ist ein Thema die oft als ungleich empfundene Verteilung der Verantwortungsübernahme für die sichere Verhütung zwischen Mann und Frau ("Männer sollen mehr Verantwortung für die Verhütung übernehmen, und die Verantwortung nicht auf die Frau abwälzen."). Auch wenn Männern manchmal eine patriarchalische Einstellung als Grund für die mangelnde Verantwortungsübernahme vorgeworfen wird, so gibt es auch medizinische Gründe, weshalb Männer statistisch gesehen weniger häufig die aktive Rolle in der Verhütung übernehmen; es gibt zum Beispiel wesentlicher weniger Verhütungsmethoden, die für Männer anwendbar sind.
Im Folgenden werden die verschiedenen Methoden der Empfängnisverhütung aufgezählt und eingeordnet. Zur Beurteilung der Sicherheit der verschiedenen Methoden dient der Pearl-Index. Der Pearl-Index gibt als Versagerquote an, wie viele von 100 Frauen schwanger werden, wenn sie über ein Jahr hinweg mit der angegebenen Methode verhüten. Der Pearl-Index einer bestimmten Methode schwankt in den verschiedenen Untersuchungen durchaus. Dies liegt vor allem daran, welche Faktoren die Untersuchungen in ihrer Beurteilung berücksichtigen. Als eine grobe Orientierung ist der Pearl-Index sicherlich gut geeignet.
Die Sicherheit der meisten Methoden hängt ganz entscheidend von der richtigen Anwendung ab. Einige Methoden erfordern sehr viel Selbstdisziplin und einen geregelten Tagesablauf, wie etwa die Temperatur-Methode, aber auch die Minipille. Ursache des Versagens von Verhütungsmethoden sind meist Anwendungsfehler.
Bei den Natürlichen Methoden der Empfängnisverhütung werden die fruchtbaren beziehungsweise unfruchtbaren Tage im Zyklus der Frau bestimmt, um so ungeschützten Geschlechtsverkehr während der unfruchtbaren Tage haben zu können. Während der fruchtbaren Tage wird der Geschlechtsverkehr eingestellt oder die natürliche Verhütungsmethode durch andere Methoden, beispielsweise mechanische, ersetzt.
Die natürlichen Methoden müssen durch die Frau angewendet werden, da ein gesunder, zeugungsfähiger Mann prinzipiell immer fruchtbar ist. Die einzige natürliche Methode, die durch den Mann angewandt werden kann, ist die des Coitus interruptus, der keineswegs als sicher bezeichnet werden kann.
Die Bestimmung der unfruchtbaren Zeit kann mittels einer der Methoden der natürlichen Familienplanung erfolgen.
| Methode | Beschreibung | Pearl-Index |
|---|---|---|
| Symptothermale Methode | Kombination von Temperatur- und Billings-Methode | 0,3 |
| Temperatur-Methode | Auch als Temperaturmethode mit Computer | 1-10 |
| Billings-Methode | auch Zervikalschleim- oder Ovulationsmethode genannt | 5-15 |
| Methode nach Knaus Ogino | Kalendermethode | ca. 15-35 |
| Hormon-Messung mittels Computer | Messung der am Zyklus beteiligten Hormone im morgendlichen Urin der Frau | 6 |
| Coitus interruptus | Der Coitus Interruptus ist, falls er überhaupt zu den Empfängnisverhütung gezählt werden darf, eher eine mechanische Methode | ca. 35 |
Die Mondphasen-Methode, auch Lunazeption genannt, kann dagegen nur als Kuriosität gewertet werden.
Die mechanischen Methoden der Empfängnisverhütung haben zum Ziel, den Kontakt von männlichem Sperma und weiblicher Eizelle unabhängig von fruchtbaren oder unfruchtbaren Tagen zu verhindern.
| Methode | Beschreibung | Pearl-Index |
|---|---|---|
| Für den Mann: | ||
| Kondom | Hülle aus (in der Regel) Latex, die über den erigierten Penis gestülpt wird | ca. 2 bis 3 |
| Für die Frau: | ||
| Femidom | Kondome für Frauen | ca. 5 bis 25 |
| Pessar | Auch Diaphragma | 1 bis 20 |
| Portiokappe | Barriere aus Latex oder Silikon direkt am Muttermund | ca. 6 |
| LEA contraceptivum | Kombination aus Barriere und chemischer Verhütung | ca. 2 bis 3 |
| Verhütungsschwamm | Meist in Kombination mit chemischer Verhütung | ca. 5 bis 10 |
Kondom und Femidom sind derzeit die einzigen Verhütungsmittel, die vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen (z.B. vor einer HIV- Infektion oder Syphilis). Daher sollten mechanische, hormonelle oder chemische Verhütungsmittel zusammen mit Kondom oder Femidom verwendet werden. Da die meisten mechanischen Verhütungsmittel mit einem Spermizid verwendet werden, ist - wie bei den chemischen Verhütungsmitteln - darauf zu achten, dass es sich um ein Spermizid handelt, welches mit Kondomen verwendet werden kann (da z.B. fetthaltige Substanzen das Latex beschädigen können). Neben dem Infektionsschutz erhöht sich durch die kombinierte Nutzung natürlich auch die Verhütungssicherheit.
Hormonelle Verhütungsmethoden wirken durch mehrere Mechanismen, abhängig von ihrer Zusammensetzung. Kombinationspräparate wie die klassische Antibabypille (heute meist Mikropille, nicht zu verwechseln mit der Minipille) erschweren den Spermien den Aufstieg durch den Muttermund, da sie die Konsistenz des Schleimpfropfes verändern, der diesen verschießt, sie unterdrücken außerdem den Eisprung (Ovulationshemmung). Sollten diese beiden Mechanismen versagen, kommt der dritte zum Zuge: eine eventuell doch befruchtete Eizelle kann sich in der Gebärmutter nicht einnisten und stirbt ab (Nidationshemmung). Aufgrund dieses Mechanismus ist die Anwendung der Pille ethisch umstritten, da sie von manchen als frühabtreibend abgelehnt wird. Die Minipille, welche nur Gestagen enthält und den Eisprung nicht unterdrückt, funktioniert nur aufgrund des Einflußes auf den Schleim und der Nidationshemmung. Die für die Verhütung der Frau eingesetzten Hormone sind Östrogene und Gestagene bzw. deren Derivate und/oder Progesteron.
| Methode | Beschreibung | Pearl-Index |
|---|---|---|
| Durch die Frau: | ||
| Antibabypille | Auch Mikropille | ca. 0,1 bis 0,9 |
| Minipille | ca. 0,4 bis 3 | |
| Dreimonatsspritze | ca. 0,2 bis 0,5 | |
| Implanon | Hormontransplantat, Verhütungsstäbchen | kleiner als 0,1 |
| Vaginalring | Hormonring | ca. 0,65 |
| Hormonpflaster | ca. 0,88 | |
| Verhütungsspray | Testphase ab 2004 | unbekannt |
| Hormonspirale | Intra-Uterin-System | ca. 0,05 bis 0,1 |
| Pille danach | Nachträgliche (postkoitale) hormonelle Verhütung, nicht zu verwechseln mit der Abtreibungspille | ca. 5 bis 30 |
| Durch den Mann: | ||
| Pille für den Mann | nicht erhältlich, erste Tests | unbekannt |
Aktuell sind aber keine hormonellen Verhütungsmittel für den Mann erhältlich. Wissenschaftler in China gaben 1979 bekannt, die "Pille für den Mann" erfolgreich entwickelt zu haben. Die Verhütungsmittel sollen als Wirkstoff ein Extrakt der Baumwollpflanze enthalten. Auch sind für ein Testosteron-Implantat in Kombination mit Dreimonatsspritze (Progesteron) erste erfolgreiche Tests gelaufen.
Das Problem bei der hormonellen Verhütung für den Mann ist, dass die kontinuierliche Spermienproduktion des Mannes genauso dauerhaft unterdrückt werden muss. Dies erfordert eine viel höhere Dosis an Hormonen und bewirkt dadurch auch eine wesentlich stärkere Belastung des Körpers des Mannes durch Nebenwirkungen. Bei Frauen kann die Hormonmenge je nach Zeitpunkt im Zyklus variiert werden und so die Belastung deutlich verringert werden. In der männlichen Physiologie gibt es keinen natürlichen Mechanismus, durch den die Spermienproduktion zeitweise verhindert würde, während in der weiblichen Physiologie für die Dauer einer Schwangerschaft z.B. hormonell gesteuert keine weiteren Eizellen heranreifen. Diese bei Frauen bereits natürlicherweise vorhandene hormonelle Steuerung der Fruchtbarkeit macht es leichter, durch Hormongabe von außen einzugreifen.
Kupfer wirkt spermizid (Spermien abtötend) und verhindert die Einnistung eines befruchteten Eis in der Gebärmutter durch Auslösen einer entzündungsähnlichen Reaktion in der Gebärmutterschleimhaut.
| Methode | Beschreibung | Pearl-Index |
|---|---|---|
| Durch die Frau: | ||
| Spirale (Verhütung) | Implantat in der Gebärmutter, nidationshemmend | ca. 0,9 bis 3 |
| Kupferkette | Ebenfalls nidationshemmend und spermizid, auch als Gynefix bekannt, besteht nur aus kleinen Kupferzylindern die an einem chirurgischem Faden aufgereiht sind. Gynefix wird in der Gebärmutterwand fixiert und kann daher im Gegensatz zu einer Kupferspirale nicht verrutschen. | ca. 0,3 bis 0,8 |
Chemische Verhütungsmethoden werden meistens als ergänzende Methoden zum Beispiel zusätzlich zum Pessar eingesetzt. Die Wirkung dieser Präparate liegt auf der zum einen auf dem Aufbau einer vor dem Muttermund liegenden mechanischen Barriere für die Spermien (ein zäher Schleim oder Schaum). Die zweite Wirkungsweise ist chemisch durch Spermizide zur Abtötung der Spermien und/oder dem Freisetzen von Säuren vor dem Muttermund zur Hemmung der Beweglichkeit der Spermien.
| Methode | Beschreibung | Pearl-Index |
|---|---|---|
| Durch die Frau: | ||
| Zäpfchen, Salben, Gels | ca. 3 bis 21 | |
| Vaginalfilm | ca. 6 | |
Die chirurgische Methode der Sterilisation macht entweder den Mann oder die Frau durch eine Unterbrechung im Samenleiter (Mann) oder der Eileiter (Frau) dauerhaft unfruchtbar.
| Methode | Beschreibung | Pearl-Index |
|---|---|---|
| Sterilisation des Mannes (Vasektomie) | Für einen Mann ist die Sterilisation ein relativ risikoarmer chirurgischer Eingriff. Es werden dabei zwei kleine Hautschnitte am Hodensack gemacht, die unkompliziert verheilen sollten. | ca. 0,1 |
| Sterilisation der Frau | Für eine Frau ist die Sterilisation ein größerer chirurgischer Eingriff in die Bauchhöhle. Es werden zwar äußerlich ebenfalls nur kleine Schnitte gemacht, durch die dann aber endoskopische Geräte tiefer in die Bauchhöhle eingeführt werden. Die Verletzungen sind deutlich schwerer und die Heilung kann häufiger mit schweren Komplikationen verbunden sein. | ca. 0,2 bis 0,3 |
Laut Statistik verhüten in Deutschland 54 Prozent mit der Pille, 13,5 Prozent mit der Spirale, 19 Prozent mit dem Kondom und knapp 7 Prozent mit Sterilisation. Nur rund 6,5 Prozent wählen andere Methoden.
Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) unterscheidet terminologisch zwischen Empfängnisregelung und Empfängnisverhütung (vgl. KKK Nrn. 2368, 2370).
Die Methoden der Empfängnisregelung "entsprechen den objektiven Kriterien der Moral". Darunter werden die zeitweise Enthaltsamkeit sowie die auf Selbstbeobachtung und der Wahl von unfruchtbaren Perioden beruhenden Methoden verstanden. Diese entsprechen der Natur des Menschen. (KKK Nr. 2370, Humanae Vitae Nr. 16)
Als widernatürlich und verwerflich wird hingegen die Empfängnisverhütung angesehen. Darunter wird jede Handlung verstanden, "die entweder in Voraussicht oder in Vollzuges des ehelichen Aktes oder im Anschluss an ihn beim Ablauf seiner natürlichen Auswirkungen darauf abstellt, die Fortpflanzung zu verhindern, sei es als Ziel, sei es als Mittel zum Ziel" (KKK Nr. 2370, Humanae Vitae Nr. 14). Personen, welche den HIV in sich tragen wurde die Verwendung von Kondomen mittlerweile erlaubt.
Die Empfängnisverhütung im Islam ist unter folgenden Bedingungen erlaubt:
Eine der beiden Hauptquellen ist der Hadith:
Buharyy: 5207 - ... Gabir berichtete:
"Wir haben gewöhnlich von dem 'Azl1 zur Zeit2 des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, Gebrauch gemacht."
1 Kojtus interruptus, auch als Koitus incompletus oder reservatus bekannt, ist eine Art Empfängnisverhütung durch das Zurückziehen des Penis aus der Scheide, um den Samenerguß in ihr zu verhindern.
2 Mit dieser Angabe will der Berichterstatter darauf hinweisen, daß weder von der Seite des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, noch durch die Offenbarung des Qur'an ein Verbot erteilt wurde.
Methoden zur Empfängnisverhütung sind keineswegs erst in der Neuzeit entwickelt worden. Schon vor Christi Geburt versuchten Frauen, sich mit diversen Mitteln und Praktiken vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen, wie alte Aufzeichnungen beweisen. Ein ägyptisches Rezept aus der Zeit um 1525 vor Christus lautete: Man gebe zerriebene Akazienblätter mit Honig vermischt auf eine Mullbinde, die man in die Vagina einführt. Diese Art von Tampon könnte durchaus eine Wirkung gehabt haben, da der Saft der Akazie Milchsäure enthält, die ein wirksames Spermizid ist.
Der Philosoph Aristoteles berichtete, dass sich Frauen zur Verhütung den Teil der "Gebärmutter", der mit dem männlichen Samen in Kontakt kommt, mit Zedernöl, Bleisalbe oder Weihrauch, vermischt mit Olivenöl einrieben. Die Bleisalbe war hochgiftig, das Öl vermindert aber tatsächlich die Beweglichkeit der Spermien, wie Marie Stopes in den 30er Jahren nach entsprechender Forschung bestätigte. Sie hatte 1921 in London eine Klinik zur Geburtenkontrolle eröffnet.
Rabbiner rieten um 300 n.Chr., einen Schwamm in die Vagina einzuführen, um so den Samen aufzusaugen. Auch diese Methode soll keineswegs unsinnig gewesen sein. Ein indisches Verhütungsrezept ist aus dem 8. Jahrhundert überliefert. Danach wurde die Vagina mit einer Mischung aus Honig und Ghee eingerieben oder durch mit Öl vermischtes Steinsalz "verschlossen". Der klebrige Honig sollte wohl die Beweglichkeit der Spermien vermindern, und Steinsalz gilt heute auch als Spermizid. Der islamische Autor Ibn Sina (980-1037), auch bekannt als Avicenna, führt in seiner medizinischen Enzyklopädie immerhin schon 20 verschiedene Verhütungsmittel auf.
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