Emmanuel d’Astier de la Vigerie (* 6. Januar 1900 in Paris; † 12. Juni 1969 in Paris) war ein französischer Offizier und Mitglied der Résistance.
D’Astier besuchte die Marineakademie, verließ aber 1924 die Marine.
Er wurde ein erfolgreicher Dichter und Journalist und war zeitweilig in der Politik auf der Rechten bei der royalistischen Zeitschrift l'Action Française engagiert. Aber die Gefahr, die vom Dritten Reich ausging und der Spanische Bürgerkrieg brachten ihn auf die Linke.
Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kehrte er zur Marine zurück. Er war Chef des Marinegeheimdienstes, wurde aber entlassen, als Henri Philippe Pétain den Waffenstillstand mit Hitler-Deutschland in Compiègne im Juni 1940 unterzeichnete.
D’Astier trat einer kleinen linken Résistance-Gruppe Libération-sud von Saboteuren bei, der auch Raymond Aubrac und Jean Cavailles angehörten, die in Lyon in der „unbesetzten Zone“ ihre Basis hatte. Diese erste wichtige Résistance-Gruppe, die gegen die deutsche Besatzung aufstand, begann mit der Herausgabe der Untergrundzeitung Libération im Juli 1941.
Im Januar 1942 etablierte d’Astier eine Verbindung nach London über Yvon Morandat, im Februar 1942 begann er Gespräche mit Jean Moulin über die mögliche Vereinigung aller in Frankreich aktiven Résistance-Gruppen, die zunächst in der Fusion
Im November 1942 kehrte er von einer zweiten Reise nach London mit Henri Frenay zurück, bestimmt als Vorsitzender des Comité de Coordination des Mouvements de Résistance (dt. Komitee der Koordination der Résistancebewegungen), aus dem im Januar 1943 das Direktorium der Mouvements unis de Résistance (MUR) wurde, als dessen Kommissar für politische Angelegenheiten er fungierte.
Nach langen Diskussionen erreichte Jean Moulin, dass die acht wichtigsten Résistance-Gruppen, also
Emmanuel d’Astier brach im April 1943 nach London auf und kehrte im Juli 1943 sofort nach der Verhaftung von Jean Moulin in die Hauptstadt Paris zurück.
D’Astier traf General Charles de Gaulle im Oktober 1943 in Algier und erklärte sich bereit, dessen Exilregierung im November 1943 als Kommissar für Inneres beizutreten. D’Astier war Mitglied des Comité d’Action en France (dt. Aktionskomitees in Frankreich; COMIDAC), eines im September 1943 in Algier gegründeten Aktionskomitees, das beauftragt war, eine Strategie und angebrachte Aktionen der Résistance in der Hauptstadt zu definieren. Im Januar 1944 bat er deshalb in Marrakesch Winston Churchill um Waffen für die Résistance.
Nach der Befreiung Frankreichs berief de Gaulle Emmanuel d’Astier als Innenminister der provisorischen Regierung. D’Astier gab weiter die Tageszeitung Libération heraus und schrieb verschiedene Bücher, die auf seinen Kriegserfahrungen beruhten. Er gab seine Funktionen im September 1944 ab, nachdem er den Vorschlag, als Botschafter in Washington zu dienen, abgelehnt hatte.
Von 1945 bis 1958 wurde er mit kommunistischer Unterstützung im Wahlkreis Ille-et-Vilaine in die Nationalversammlung gewählt. 1957 wurde Emmanuel d’Astier de la Vigerie mit dem Internationalen Lenin-Friedenspreis ausgezeichnet. Sein Neutralismus unterschied ihn jedoch von den Kommunisten. Er war einer der Gründer des Stockholm Komitees. Nach der Niederschlagung des ungarischen Aufstands verurteilte er Stalin und brach seine Bindungen zu den Kommunisten ab. Andererseits verurteilte er auch die britisch-französisch-israelische Intervention am Sueskanal. Er widersetzte sich der Ratifikation des Vertrages zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft EVG und der Römischen Verträge.
Er lehnte am 1. Juni 1958 beim Referendum Vertrauen in de Gaulle ab, näherte sich aber progressiv dem Gaullismus an. Er erhielt monatlich eine Fernsehsendung für eine Viertelstunde, die ihn zum Star machte. Darin drückte er sich in aller Freiheit aus, nun in einer respektvollen Haltung der Rücksicht auf die Person des General de Gaulle. Sein letzter politischer Akt war ein Aufruf im l’Évènement im Frühjahr 1969: „Ich wähle Pompidou – den Scharlatan“.
Er gründete 1966 die Wochenzeitung l’Évènement. Wie Pierre Viansson-Ponté in Le Monde schrieb, war er ein Mensch, der niemals als Person erschien. Er trat auch nicht als Staatsmann oder als Ideologe auf. Er war Kampfgenosse der Befreiung.
Emmanuel d’Astier de la Vigerie hatte Brüder Henri (1897–1952) und François.
Mann | Franzose | Militärperson (Frankreich) | Résistance | Politiker (Frankreich) | Geboren 1900 | Gestorben 1969
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