Auswanderung oder Emigration (von lat.: ex(assimiliert zu e) hinaus; migrare wandern) ist das Verlassen des Heimatlandes auf Dauer. Die Emigranten oder Auswanderer verlassen ihre Heimat entweder freiwillig oder erzwungenermaßen aus wirtschaftlichen, religiösen, politischen oder anderen individuellen Gründen. In der Geschichte hat es Auswanderung von einem ganzen Volk gegeben oder von großen Teilen eines Volkes und von Einzelpersonen oder einzelnen Familien.
Die Auswanderer kommen als Immigranten (Einwanderer) in das sie aufnehmende fremde Land.
Wanderungsbewegungen hat es immer gegeben, entweder aufgrund existenzieller Bedrohung durch Kriege oder Naturkatastrophen oder durch die Hoffnung auf bessere ökonomische Bedingungen in einem anderen Land. In der Forschung spricht man von push- und pull-Faktoren, also einerseits von der Lage im Herkunftsland, andererseits von den angeblichen oder realen Vorteilen im Aufnahmeland.
Insofern hat jede Emigration zwei Aspekte, nämlich
In der frühen Neuzeit - nach der Völkerwanderung - sind die Vertreibung der Mauren aus Spanien, die Versetzung von Indianerstämmen an neue Wohnsitze (Reservationen) und später die Verbrecherkolonien zu nennen. Eine starke Emigrationsbewegung ereignete sich nach dem Dreißigjährigen Krieg, als Arbeitsemigranten aus der übervölkerten Schweiz (vor allem aus den Kantonen Thurgau, Zürich und St. Gallen) und aus Vorarlberg in den zerstörten, teilweise menschenleeren Gegenden Südwestdeutschlands ansässig wurden und halfen, das verwüstete Land wieder empor zu bringen.
Im Zeitalter der Konfessionalisierung (1550-1750) mussten viele Emigranten ihre Heimat aus Glaubensgründen verlassen, denn seit Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Prinzip cuius regio eius religio von den Fürsten immer strenger durchgesetzt. Wer nicht zur Konfession seines Landesherren übertreten wollte, musste das Land verlassen. Das betraf zum Beispiel die Protestanten in Böhmen, die seit 1623 bis etwa 1680 in mehreren Wellen auswanderten. Während des frühen 18. Jahrhunderts sind vor allem die großen Emigrationen der Hugenotten bemerkenswert. Als der vor allem in Südfrankreich sehr starke Protestantismus durch die Aufhebung des Ediktes von Nantes 1685 verboten und verfolgt wurde, verließen Tausende von Angehörigen der protestantischen Oberschicht ihre Heimat und siedelten sich in England oder Preußen an. 1733 wurden die Protestanten aus dem unter bischöflicher Herrschaft stehenden Land Salzburg vertrieben. Zum Teil förderten die Landesherren die Ansiedlung der Glaubensflüchtlinge durch Vergünstigungen, weil sie sich Impulse für ihre Wirtschaft erhofften.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts emigrierten viele Deutsche nach Osten: nach Ungarn, Rumänien und Russland, auch hier teilweise ermutigt durch die Landesherren. In manchen Ansiedlungsgebieten blieb die Sprache und Kultur des ursprünglichen Heimatlandes über Jahrhunderte hinweg erhalten, da die Siedlungen nach außen weitgehend isoliert waren und insbesondere Heiratsverbindungen mit Einwohnern des aufnehmenden Landes fast ausgeschlossen waren. Indessen entwickelten die Emigranten eine bedeutende Wirtschaftskraft.
Religiös motivierte Emigranten zogen schon im 18. Jahrhundert in die Vereinigten Staaten, um bei der dort gewährten Religionsfreiheit ohne Repressalien leben zu können. Vor allem der Staat Pennsylvania zog Menschen aller religiösen Richtungen an.
Im 19. Jahrhundert erreichte die Auswanderung im deutschsprachigen Raum einen Höhepunkt. Es kam verschiedentlich zu Massenauswanderungen, die eng mit der konjunkturellen Entwicklung zusammenhingen. Bezogen auf Südwestdeutschland, kann man von drei Phasen der Massenauswanderung sprechen:
In der wirtschaftlichen Depression nach dem Ersten Weltkrieg emigrierten ganze Gruppen nach Argentinien und Südbrasilien (Bundesstaat Rio Grande do Sul). Auch hier entstanden deutschsprachige Siedlungen; ein Landstrich in Südbrasilien heißt heute noch Neu-Württemberg.
Nach der Machtübernahme der NSDAP in Deutschland 1933 setzte die Judenverfolgung sowie eine vollständige Unterdrückung jeglicher politischen Opposition ein (vgl. Sopade-SPD im Exil). Menschen, die früh genug die Gefahr erkannten, über die nötigen finanziellen Mittel und die berufliche Flexibilität verfügten, verließen das Land mehr oder weniger freiwillig. Die Filmmetropole Hollywood profitierte vom Zustrom an kreativem Personal wie Produzenten, Regisseuren und Schauspielern. Der spätere Filmklassiker Casablanca (1942) wurde beispielsweise fast ausnahmslos mit eingewanderten Schauspielern besetzt. Berühmte Emigranten waren z.B. im 20. Jahrhundert der Naturwissenschaftler Albert Einstein, die Schriftsteller Thomas Mann und Bertolt Brecht, die Schauspielerin Marlene Dietrich, der Regisseur Billy Wilder, die während des "Dritten Reiches" Deutschland wegen des Nationalsozialismus verließen und in die USA emigrierten. Nach 1945 kam es zu einer vorsichtigen Rückwanderung (Remigration) dieser Personen in die deutschen Teilstaaten. Sie erlebten dort z. T. offene Anfeindungen dafür, dass sie im Ausland gegen die Nazi-Politik direkt oder indirekt Stellung bezogen hatten.
Nach 1945 emigrierten wiederum viele Menschen aus Deutschland z. B. nach Australien und Südamerika. Ursache war in erster Linie die ökonomische Perspektivlosigkeit der Nachkriegszeit. Hinzu kamen bei Wissenschaftlern die von den Alliierten erlassenen Forschungseinschränkungen, die in Deutschland bis 1955 in Kraft blieben. Unter den Emigranten waren auch Täter des Nazi-Regimes aus Deutschland, die zur Flucht vor einer Strafverfolgung die sog. Rattenlinie nutzten.
Die DDR verlor während ihres 40-jährigen Bestehens über zwei Millionen Einwohner, die vor allem vor dem Mauerbau aber auch in den 80er Jahren, meist aus ökonomischen Gründen, in den Westen gingen.
Im Deutschland des Kalten Krieges sprach man auch von einem Recht auf freie Emigration, wobei man genauer das Recht auf Freizügigkeit meinte: Dieses Recht habe die DDR ihren Bürgern verwehrt.
Im Jahre 2005 gab es 707.000 ausländische Zuwanderungen nach Deutschland und 628.000 Abwanderungen von Menschen ohne deutschen Staatsangehörigkeit aus Deutschland. Was einem Überhang von ~79.000 Zuwanderungen bedeutet (Wiesbadener Bundesamt).
Migrationsexperten warnen davor, dass die momentane Einwanderungspolitik mit der anderer Staaten nicht konkurrenzfähig ist, sodass in der Tendenz überwiegend Geringqualifizierte nach Deutschland einwandern. Hingegen fehlt ein selektives Modell, etwa wie das in Kanada und dem Vereinigten Königreich üblichen Punktesystem, das zur verstärkten Einwanderung von Fachkräften führt.
Im Jahre 2005 waren es 160.000 die sich offiziell abgemedet haben. Geschätzt wird die tatsächliche Zahl (also mit denen die sich nicht abmelden) auf 1/4 Mill.. Die höchsteregistrierte Abwanderung seit 1954. Es sind nach wie vor, schwerpunktmäßig gut ausgebildete Fachleute, die emigrieren (tagesschau,Klaus Bade spricht in dem Zusammenhang von einer "migratorisch suizidalen Situation" für Deutschland ([http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,423009,00.html spiegel).
Emigration gibt es in nahezu allen Ländern der Erde, aus verschiedenen Gründen:
Es gibt klassische Auswanderungsländer wie die Staaten der so genannten zweiten und dritten Welt. Aber auch aus Staaten der ersten Welt wandern Menschen aus, z.B. aus privaten, wirtschaftlichen oder sonstigen Gründen (siehe: Brain Drain). Einwanderungsländer sind: siehe Immigration.
Und es gibt Länder, die Emigration nicht begrenzen müssen, da sich aufgrund der wirtschaftlichen Stärke kein oder nur minimaler Emigrationsdruck aufbaut, z.B. USA, Bundesrepublik Deutschland .
Nach dem Krieg kamen zwar viele Emigranten zurück, doch etliche verließen ihre Heimat enttäuscht rasch wieder. Neben der Vertreibung der deutschen Bevölkerung verlor das Land auch Tausende von Tschechen und Slowaken. Nach der endgültigen kommunistischen Machtübernahme 1948 flüchteten bis 1989 etwa ½ Million Tschechen in den Westen (davon 60.000 unmittelbar nach dem Februar 1948, etwa 245.000 nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968) sowie nach den Ausweisungen nach der Gründung der Charta 77 im Jahre 1977.
Zur Emigration dt. Künstler in die amerikan. Filmbranche:
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