Elisabeth Gehrer (* 11. Mai 1942 in Wien geb. Pokorny) ist österreichische Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur (ÖVP) in der Bundesregierung Schüssel II.
1980 begann Gehrer ihre politische Tätigkeit für die ÖVP als Stadträtin für Musik und regionale Zusammenarbeit in Bregenz und wurde ein Jahr später Vorsitzende der Regionalplanungsgemeinschaft Bodensee. In den Vorarlberger Landtag zog sie 1984 ein, wurde 1989 Obfrau des ÖVP-Klubs in der Stadtvertretung von Bregenz und im selben Jahr Vizepräsidentin des Landtages. 1990 wurde sie in die Vorarlberger Landesregierung entsandt, wo sie für die Bereiche Schule, Weiterbildung, Wissenschaft, Frauen, Jugend, Familie, Gemeindeentwicklung, Energiesparen und Entwicklungshilfe zuständig war. Daneben wurde sie als amtsführende Präsidentin des Landesschulrates eingesetzt und war ab 1994 Landesleiterin der Frauen der ÖVP-Vorarlberg.
1994 wurde Elisabeth Gehrer in der Bundesregierung Vranitzky IV, einer Koalition von SPÖ unter Bundeskanzler Franz Vranitzky und ÖVP unter Vizekanzler Wolfgang Schüssel, zur Bundesministerin für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten ernannt und im Herbst 1995 auch zur Bundesobmann-Stellvertreterin des ÖAAB, der Arbeitnehmerorganisation der ÖVP, gewählt. Als Bundesministerin gehörte sie seither den Regierungen Vranitzky V (SPÖ/ÖVP, 1996 bis 1997), Klima (SPÖ/ÖVP, 1997 bis 2000) und Schüssel I (ÖVP/FPÖ, 2000 bis 2003), sowie der aktuellen Regierung Schüssel II (ÖVP/FPÖ-BZÖ, seit 2003) an; seit 2000 als Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Daneben ist sie seit 1999 stellvertretende Parteiobfrau der ÖVP.
Der Ausbau der Fachhochschulen als Alternative zu den Universitäten ist ein Schwerpunkt der aktuellen Bildungspolitik. Das Ziel sind 33.000 FH-Studierende bis zum Jahr 2010.FH-Entwicklungsplan III, 2004 Die Einrichtung von Fachhochschulen hat der Ministerrat im Jänner 1993 auf Antrag von Wissenschaftsminister Erhard Busek beschlossenBGBl.Nr. 340/1993 , wenig später hat der Nationalrat das Gesetz verabschiedet. 1994 begannen 674 Österreicher eine FH-Ausbildung. Seitdem ist diese Zahl auf das fast 40fache angestiegen. Im Wintersemester 2005/2006 betrieben 25.727 Personen ein Fachhochschulstudium, 42 Prozent davon Frauen. In mehr als 200 Studiengängen werden vor allem Ausbildungen in Wirtschaft, Technik und Computer/IT angeboten.Statistik Austria, Pressetext 8.547-56/06 vom 24.3.2006
Im Rahmen der umstrittenen Universitätsreform 2002 wurde unter anderem auch das Bakkalaureatsstudium als verkürzte Form eines Universitätsabschlusses in Österreich eingeführt. Dieses ist auf die 1999 durchgeführte Einigung der EU-Staaten auf die Harmonisierung der Studienformen und das dreistufige System Bakkalaureat, Magisterium, Doktorat in der „Bologna-Erklärung“ zurückzuführen. Zuständiger Wissenschaftsminister war 1999 Caspar Einem (SPÖ).
Auf Initiative des Wiener Experimentalphysikers Anton Zeilinger wurde das Konzept einer „Elite-Uni“ entworfen, in der Wissenschafter naturwissenschaftlich-technische Forschungen auf höchstem Niveau betreiben sollen. Im Februar 2006 entschied sich Elisabeth Gehrer, entgegen dem Wunsch der von ihr eingesetzten Expertenkommission, für den Standort Maria Gugging bei Klosterneuburg. Daraufhin legte Zeilinger seine Mitarbeit an dem Projekt zurück. Der Plan, die Elite-Uni „Wittgenstein-Institut“ zu nennen, musste nach Protesten der Wittgenstein-Nachkommen verworfen werden. Ebenso protestierten in einem offenen Brief alle Wittgensteinpreisträger gegen diese Entscheidung. Der Name wurde auf „Institute for Science and Technology - Austria“ (ISTA) geändert. Am 29. März 2006 wurde das Projekt im Nationalrat mit den Stimmen der Regierungsparteien (ÖVP/FPÖ-BZÖ) und der oppositionellen SPÖ beschlossen.
Die Ergebnisse der ersten PISA-Studie 2001 waren für Österreich auf Grund der noch vorhandenen Vorgaben im internationalen Durchschnitt noch recht gut (11. Platz). Bei der Studie 2004 erfolgte jedoch ein Absturz auf den 19. Rang. Dieser Absturz wird auf einschneidende finanzielle Kürzungen zurückgeführt: So hat Ministerin Gehrer zum Beispiel genau in jenen Bereichen, in denen die Studie 2004 große Mängel aufgezeigt hat, einige Jahre zuvor die Lehrpläne und -stunden gekürzt. Noch dramatischer zeigt sich die Situation bei den Schülern der Polytechnischen Lehrgänge sowie der Berufsschulen, in denen sich gezeigt hat, dass die Lesekompetenz unter der von Thailand, Mexiko und Brasilien liegt. Das bisherige Argument Gehrers, das schlechte Gesamtergebnis wäre nur auf die Ergebnisse aus den berufsbildenden Schulen zurückzuführen, wurde inzwischen widerlegt. Auch die Gymnasien stehen im mitteleuropäischen Vergleich an hinterer Stelle.
Um eine, für das Ansehen österreichischer Bildungspolitik wichtige Verbesserung des Pisa-Rankings zu erreichen (Österreich steht an 19. Stelle), hat die Gewerkschaft öffentlicher Dienst gemeinsam mit Ministerin Gehrer und der Bundeswirtschaftskammer ein Projekt gestartet, mittels eines Prospekts die zu prüfenden Schüler auf die Tücken solcher Tests vorzubereiten. Die Umsetzung versprochener, bildungspolitischer Verbesserungen ist trotz aller Ankündigungen nicht erfolgt. Diese Kritik wird vor allem, aber nicht nur, vom österreichischen Koordinator für die PISA-Studie, Günter Haider geäussert.
Von Seiten des Bildungsministeriums wird der österreichische Teil der PISA-Studie kritisiert, da bei der Auswahl der Schulen, dem Datenvergleich und dem Vergleich österreichischer Bildungseinrichtungen mit nicht analogen internationalen Bildungseinrichtungen derart schwerwiegende Fehler begangen worden wären, dass das Ergebnis nicht mehr als wissenschaftlich seriös bewertet werden könne. Dem Leiter der PISA-Studie wird seine parteipolitische Nähe zur SPÖ, der größten österreichischen Oppositionspartei, vorgeworfen und damit mangelnde Objektivität unterstellt.
Ein Gesetz das vorsieht, dass alle Noten, Verhalten und Umgangsformen im Unterricht, Unterrichtsfächer, Teilnahme an Schulveranstaltungen, Bezug von Schülerfreifahrt und Schulbüchern sowie bei Berufsschülern Dienstverhältnisdaten einer zentralen Datenbank übermittelt werden, wo sie, über die Sozialversicherungsnummer verschlüsselt, die gesamte Lebenszeit (mindestens aber 75 Jahre) gespeichert bleiben.
Frau | Österreicher | Amtierender Bundesminister (Österreich) | Unterrichtsminister (Österreich) | ÖVP-Mitglied | Geboren 1942
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